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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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PARAGON
Die Hölle kann warten!
Matthias Decklar
www.paragon-metal.com


Eine der ehrlichsten Bands der Szene beehrt uns diesen Monat mit einem neuen Album. Seit ihrem Ausrufezeichen "Steelbound" (2000) liefern die Hamburger Qualität um Qualität ab und sind ein Fels in der teutonischen Metalszene, der jedem noch so lausigen Trend standgehalten hat. Leider ging dieses Durchhaltevermögen nicht mit kommerziellem Erfolg einher und auch auf dem Transfermarkt tat sich in den letzten Jahren einiges. Viersaiter Jan gab äußerst gewissenhaft und launig Auskunft und bringt uns bei den Hanseaten auf den aktuellen Stand.

Hallo Jan, das letzte Interview habe ich mit Andreas geführt, das warst du zeitweise nicht verfügbar bei Paragon. Hattest du persönlich für dich vor deiner Rückkehr und der darauf folgenden starken FOD-Scheibe gemerkt, dass etwas gefehlt hat in deinem Leben?

Na sagen wir mal so – wenn ich alle meine Hobbies voll ausleben würde (Fotografie, Lesen, Filme & Serien schauen etc.), dann bräuchte ich wahrscheinlich noch ein paar weitere Leben! Insofern gibt es noch reichlich Dinge, mit denen ich mich außer Musik machen beschäftigen könnte. Aber Du hast natürlich recht: In Nichts auf der Welt erweckt in mir so viel Leidenschaft und nichts auf der Welt ist so aufregend wie Paragon (außer meine Freundin natürlich). Es bringt immer noch Bock, mit unseren Gitarristen Riffs zu sammeln, diese dann auszuarbeiten und zu sehen wie langsam richtige Songs daraus werden. Wenn diese dann "richtig" aufgenommen sind ist es dann immer wieder spannend zu hören was aus unseren "Kindern" geworden ist und was Fans und Kritiker dazu zu sagen haben. Und es ist natürlich das Beste auf der Bühne zu stehen und die Energie der Fans zu spüren und hinterher mit Fans zu reden oder auch auf Facebook mit ihnen zu chatten. Darum machen wir das immer noch!

Martin ist wieder in der Band, Chris ist raus. Gib unseren Lesern doch mal eine Wasserstandsmeldung über das Besetzungskarussell von Paragon.

Chris ist schon etwas länger raus, seit Anfang 2014. Er hat noch drei andere Bands und irgendwie passte es nicht mehr so richtig was ich eigentlich schade finde. Wir haben aber immer noch ein gutes Verhältnis und treffen ihn öfter mal. Dafür haben wir aber jetzt in Sören Teckenburg die absolute Drum-Maschine hinter der Schießbude. Er ist eine ganze Ecke jünger als wir, ist Profi der auch Musik studiert hat, lebt als einziger von uns von der Musik und tritt uns ganz schön in der Arsch. Ich habe eigentlich noch nie mit einem Schlagzeuger zusammen gespielt der so hart, schnell und präzise spielt. Er hat definitiv frisches Blut in die Band gebracht und uns voran gebracht. Bei Martin ist die Antwort etwas schwieriger und ausladender. Kurz bevor wir ins Studio wollten, hat Wolle das Handtuch geworfen. Es gab beim Songwriting etwas Spannungen innerhalb der Band, vor allem zwischen Buschis und mir. FoD ist fast komplett "theoretisch" entstanden, sprich wir haben die Demos für die Stücke so gut wie komplett auf meinem MacBook Pro komponiert und kaum im Übungsraum daran gearbeitet. Ende 2013 hatten wir dann schon wieder genug Songs zusammen und hätten diese eigentlich schon aufnehmen können. Allerdings kam Buschis nicht mit den Texten zu Potte. Er meinte die Stück sind "ok", aber "ok" ist eben der kleine Bruder von Scheiße und er möchte wieder old-school Stücke im Übungsraum schreiben. Ich war etwas genervt, da Jan, Wolle und ich ja schon reichlich Arbeit investiert hatten. Allerdings haben wir dann Ende 2014 damit angefangen die ganzen Songs Stück für Stück bei viel Bier im Übungsraum zu zerpflücken, haben viel rumprobiert und waren dann so Ende Februar 2015 mehr oder minder fertig mit den Songs. Die drei Monate waren ein recht stressiger Prozess bei den dann irgendwie Wolle auf der Strecke geblieben ist. Er konnte leider mit unserem Enthusiasmus nicht so ganz mithalten und ist kurz vor dem Studio-Termin gegangen. Da ich immer noch Kontakt mit Martin hatte, habe ich ihn dann spontan gefragt ob er auf dem Album mit Jan Leads spielen kann. Er hat sofort zugestimmt und hat dann auch noch eine Nummer zum Album dazu beigetragen ("Stand Your Ground"). Die Soli zwischen Jan und Martin auf "Hell Beyond Hell" sind der Hammer, besser klangen die Lead-Gitarren noch nie auf einem Paragon Album. Allerdings haben sich ein paar Dinge inzwischen ergeben die es Martin nicht wirklich möglich machen Shows mit uns zu spielen und es sieht wohl zur Zeit so aus als wenn Günny Kruse die meisten Shows spielen wird. Günny passt total gut zu uns und die Stimmung ist bestens zur Zeit. Allerdings sehen wir es auch alles nicht mehr so eng. Im Endeffekt ist es eine Paragon Familie, Martin wird sicher weiterhin Songs schreiben, da sein und vielleicht machen wir ja auch irgendwann Shows mit drei Gitarren…

Ihr habt nicht groß getourt nach dem letzten Album. Wird sich das ändern? Als Fan habe ich gerade das Package Primal Fear/Brainstorm hinter mir. Da dachte ich so sehnsüchtig an einen teutonischen Drilling im Sinne von Paragon/Stormwarrior/Rebellion. Was können wir denn erwarten?

Wir haben schon einige Shows gespielt, vor allem im Ausland. Allerdings spielen wir nicht mehr umsonst, die Zeiten sind einfach vorbei und wir brauchen auch einfach Geld um zu überleben, sprich unsere Alben zu produzieren. Da viele, vor allem deutsche Veranstalter, heute allerdings lieber Geld für abgewrackte "Kultbands", die vor X-Jahren mal eine Single raus gebracht haben ausgeben, anstatt für eine professionelle Band die seit Jahren erstklassige Alben raus bringt, ist es halt immer schwieriger zu spielen. Lange Touren sind halt auch schwierig, da wir alle normale Jobs und teilweise Familie haben und deshalb auch nicht ewig Weg sein können ohne Geld zu machen. Tommy von Rebellion hatte versucht eine kleine Tour aufzuziehen, aber die Risiko-Bereitschaft der Veranstalter war leider eher gering, sodass es sich nicht gelohnt hätte. Sollte sich was Geiles als Support ergeben, was uns nichts kostet oder vielleicht sogar etwas Geld bringt, sind wir sicher dabei. Ansonsten wird es wohl leider bei Festivals, Einzel- und Wochenend-Shows bleiben, leider.

Kommen wir zum neuen Album. Großes Tennis möchte ich sagen, wenn ich an Nummern wie den Titeltrack oder "Buried In Blood" denke. Hattet ihr richtig Bock mal wieder was Besonderes zu leisten oder ergibt sich so eine Scheibe, wenn die Chemie in der Band stimmt?

Danke für das Lob. Freut uns, dass das Album bei Fans und Presse gut ankommt. Ich hatte ja schon in einer Antwort vorher etwas über den "harten" Entstehungsprozess von "HbH" gesprochen. Ich denke unser "Streit" war gut um Paragon voran zu bringen und trotzdem, dass wir so lange dabei sind, sind wir immer noch heiß echten Metal zu machen. Wenn ich höre was heute als Metal bezeichnet wird, bekomme ich oft eine Krise, zumindest bei vielen "großen" Bands. Das sind oft nur Schlager mit verzerrter Gitarre und etwas Kirmes dazu. Möglichst alles schön glatt gebügelt, damit auch Omi mit zum Konzert mit kann. Früher warst Du als Metaller ein Außenseiter, heute tut Metal kaum noch weh. Das spornt uns natürlich an dem entgegen zu wirken. Dazu kommt natürlich auch frisches Blut in Form von Sören.

Was hat es mit "Stand Your Ground" auf sich? Die Blaupause für jede Fußball-Ultra-Bewegung oder steckt ein anderer Sinn dahinter?

Das ist irgendwie die typische Martin/Buschi Kooperation. "Stumpf ist Trumpf" wie Martin sagen würde. Die Nummer sollte also vom Text her nicht besonders ernst genommen werden. Texte mit Sinn (z.B. "Hell Beyond Hell" und vor allem "Devil's Waitingroom)" stehen den mehr oder minderen sinnfreien Spaß-Texten die wie ein kurzweiliger Film nur unterhalten sollen, gegenüber (z.B. "Stand Your Ground", "Hypnotized").

Ich habe mich mit Andreas beim letzten Interview schon darüber unterhalten, dass die Qualität eurer Veröffentlichungen sehr hoch ist, aber die Resonanz das nicht widerspiegelt. Ich denke, ihr habt euch mittlerweile mit dieser Situation arrangiert oder hofft man insgeheim immer noch, dass irgendwann der Weg doch noch nach oben geht, wie dies z.B. Anvil jetzt gelungen ist?

Also wenn Qualität und Konsistenz sich durchsetzen würden, dann wären wir wohl ganz oben. Wir haben aber selten richtige Unterstützung von Labels gehabt, uns vieles selbst erarbeitet und uns musikalisch nie verbogen. Und da sind wir auch wirklich stolz drauf. Es wäre klasse wenn wir unseren Status etwas festigen könnten und z.B. mehr gute Angebote für Shows bekommen würden, aber Rockstars werden wir wohl leider nicht mehr denke ich. Anvil fand ich übrigens früher richtig gut. Allerdings haben sie seit ewigen Zeiten kein wirklich gutes Album mehr gemacht, die Shows fand ich mit zwei Gitarren irgendwie auch besser und ohne den Film wäre wahrscheinlich gar nichts mehr passiert…

Der Teufelskreis in der heutigen Zeit besteht ja darin, dass man eigentlich touren muss, um auch Alben zu verkaufen. Lebt ihr bei den Verkäufen noch von euren alten Fans oder sind euch da gefühlt viele abgesprungen in den letzten Jahren?

Also erst mal sind Paragon Fans absolut treu und ich habe überhaupt nicht das Gefühl das viele Fans abgesprungen sind die letzte Jahre. Im Gegenteil: Bei Shows fällt mir auf das wir nicht nur "alte" sondern auch viele neue Fans im Alter von 18-30 Jahren neuerdings dabei haben. Und die Reaktionen auf das neue Album sind bisher so positiv, dass ich das Gefühl habe, diesmal sogar noch ein paar Fans dazu zu gewinnen. Remedy ist da auch recht hilfreich, da sie sich wirklich Mühe geben und es nicht nur um Geld geht.

Wie bringst du Metal, Familie und Job unter einem Hut, bzw. welchen Stellenwert haben diese für dich?

Meine Familie ist recht klein, ich habe keine Kinder und die meiste Zeit verbringe ich mit meiner Freundin. Sie steht aber voll hinter mir und hilft sogar viel: Fast alle Flyer die Du von uns siehst, stammen von ihr. Paragon & Metal sind schon ein sehr wichtiger Teil in meinem Leben, allerdings gibt es auch viele andere wichtige Ding wie Gesundheit. Ehrlich gesagt bin ich z.B. ganz froh das ich ein zuhause habe und nicht jahrelang im Bus leben muss und vielleicht später null Rente habe wie viele kleine und mittelgroße Bands.

Zum Schluss darfst du dir noch was für Paragon wünschen!

-Na das unser Album auf Nr. 1 in die Charts geht, wie daraufhin von Judas Priest als Support eingeladen werden und wir von Bruce Dickinson auf Tour geflogen werden! -Na - so 10-30 fair bezahlte Shows & Festivals dieses Jahr, viele neue Fans und vielleicht ein kleiner Chart-Einstieg wären auch schon ok! -Wir würden uns freuen wenn ihr uns auf unserer Facebook Seite www.facebook.com/paragonmetalund unsere offizielle Webseite www.paragon-metal.combesucht. Die Webseite wird wohl spätestens zum Release neu online gehen! Ansonsten: Metal is the Law!

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