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24. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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AXEL RUDI PELL
Neue Scheibe mit kleinen Änderungen
Peter Hollecker
www.axel-rudi-pell.de


Axel Rudi Pell

  

Der Name Axel Rudi Pell steht seit mittlerweile 27 Jahren für feinste Qualität im großen Bereich des Gitarren Rock. Der 55-jährige Gitarrist verfolgt dabei konsequent seinen Weg, seit er sich kurz vor dem Debüt Ganz wie es in den immer gleichen Veröffentlichungs-Rhythmus vom Pellminator passt, erschien vor kurzem Album Nummer 17, "Game Of Sins" betitelt. Hierauf sind, ich bin geneigt selbstverständlich zu sagen, alle Trademarks vorhanden, die Fans von der Band erwarten und die sie so unverwechselbar macht. Das heißt der bärenstarke Gesang eines Johnny Gioeli, epische keyboardlastige Momente, harte, jedoch nicht minder melodische Hard Rock Stampfer, gefühlvolle Balladen sowie stimmungsvolle und grandiose Solos vom Namensgeber intoniert. Für uns Gelegenheit mal wieder ein Gespräch mit dem Wattenscheider Superstar zu führen und ihm doch ein paar Veränderungen oder Neuigkeiten zu entlocken.. Deshalb frage ich Axel Rudi auch zunächst nach dem Gitarristen, den er am meisten verehrt und von dem sein Spiel maßgeblich beeinflusst wurde, nämlich Richie Blackmore.

Im Sommer kommt Richie Blackmore im Rahmen der "Monster Of Rock" Tour für zwei Konzerte nach Deutschland. Die Frage ob du schon Karten hast ist deshalb nur eine rhetorische. Was erwartest du von diesem Event, das sicherlich die Massen anlocken wird?

Auf jeden Fall werde ich mir das Konzert auf der Loreley anschauen und natürlich freue ich mich unheimlich darauf! Klar ist es zunächst ein zweischneidiges Schwert, weil eben keine alten Kameraden von Deep Purple oder Rainbow dabei sein werden, aber nichtsdestotrotz kann man sehr gespannt sein. Den Sänger Ronnie Romero aus Chile kenne ich schon etwas länger, weil er mir mal von einem spanischen Fan empfohlen wurde, wenn Johnny mal nicht mehr kann oder keine Lust mehr auf uns hat. Was ich da auf youtube gehört habe war gar nicht so schlecht. Dann sind ja noch zwei Strategen von Blackmore´s Night dabei, die da natürlich nur das spielen, was für die Musik nötig ist. Wir werden es sehen und ich hab keine Ahnung, wie gut die nun wirklich sind, macht mich wie jeder andere Blackmore Fan aber auf jeden Fall mächtig gespannt!

Wäre es nicht perfekt, euch als Vorgruppe zu verpflichten?

Haha, ja klar, das wär natürlich der Oberhammer. Spaß beiseite, natürlich haben wir unsere Fühler schon in diese Richtung ausgestreckt, doch seitens vom Veranstalter wird das nicht vor Weihnachten entschieden. Außerdem ist bisher durchgesickert, dass eher Bands gesucht werden, die mindestens genauso alt sind wie Rainbow selbst. Aber ob das alles so stimmt was da an Gerüchten zurzeit herumschwirrt weiß ich nicht. Wir warten einfach ab, wenn es nicht klappt mit uns wäre das auch kein Beinbruch.

Außerdem hast du dein bisheriges persönliches Konzert Highlight ja im Sommer 2014 gehabt. 25 Jahre Bandgeschichte mit einem All Star Konzert in Balingen, wurde das Ereignis denn danach standesgemäß und gebührend gefeiert?

Wir mussten am nächsten Tag leider sehr früh wieder aus den Federn, weil wir im Vorprogramm von Deep Purple in Kufstein/Österreich spielen mussten. Deshalb konnten wir gar nicht so lange Party machen, was uns natürlich nicht davon abgehalten hat nach dem Gig noch ein paar Stunden Gas zu geben. Ich glaube wir haben alle so etwa drei oder vier Stunden Schlaf gehabt, wenn überhaupt, aber alles gut. Wir, das heißt Band und Gastmusiker hatten alle viel Spaß und es war eine coole und gelungene Geschichte.

Daran zweifelt niemand der Axel Rudi Pell etwas kennt, der ja in Sachen Flüssigkeiten dem griechischen Nationalgetränk zugeneigt ist. Doch kommen wir jetzt zum neuen Album "Game Of Sins". Ich habe mich gefragt wie du es schaffst, immer wieder aufs Neue eine derartig hohe Qualität abzuliefern. Hat das was mit erarbeiteter Routine zu tun, sowohl was das Songwriting aber auch die Produktionsphase betrifft?

Das kann man theoretisch schon so ausdrücken. Obwohl es bei mir so ist, dass ich ständig am komponieren bin, also fast täglich. Es fällt mir zwar logischerweise nicht jeden Tag was Neues ein, aber ich habe immer mein Handy mit Voicerecorder dabei, mit dem ich meine Ideen festgehalten werden. Dass dabei auch nach zwei Jahren mal Sachen vom letzten Album überbleiben dürfte ja klar sein, bei der Genialität des Musikers, haha! Nein Quatsch, ich versuche schon etwaige Wiederholungen zu vermeiden, was mir nicht immer gelingt. Ich kann und will jedoch das Rad nicht neu erfinden, dafür haben wir im Laufe der ganzen Jahre unseren Stil gefestigt, woran sich auch zukünftig nichts mehr ändern wird. Und was uns enorm wichtig ist: Die Fans wollen und erwarten es nicht anders, und zwar zu Recht, haha!

Kommt Johnny denn für seine Gesangsparts aus den USA zu dir rüber geflogen?

Nein, Quatsch, der singt die Sachen immer in seinem Studio zuhause ein. Wir stehen aber während dieser Phase via Skype immer in engem Kontakt und besprechen alles detailliert miteinander, das heißt die Gesangslinien, Phrasierungen und alles weitere. Das machen wir aber auch schon seit neun Jahren so und ist total praktisch. So sind wir zeitlich unabhängiger und wenn bei Johnny etwas dazwischenkommt wie eine Erkältung oder sowas ist das nicht so schlimm. Und für uns hier ist es auch angenehmer, weil ich ja nicht gleichzeitig Gitarre spielen und die anderen beaufsichtigen kann. Ne ne, diese Parallelarbeiten sind schon total super. Das letzte Album das Johnny hier in Deutschland eingesungen hat war "Mystica", also 2006. Da hat er aber nur zwei Songs geschafft, weil wir im Winter aufgenommen haben und seine Stimme danach weg war. Also musste er wieder zurück, sich auskurieren und hat dann den Rest bei sich zuhause gemacht. Seitdem machen wir das immer so, der Bursche singt lieber drüben, was auch okay ist.

Genau, was auch für die Drums gilt, die tatsächlich enorm fett und wuchtig klingen und diesmal im Vergleich zum Vorgänger mehr im Vordergrund stehen. Was hat es damit auf sich?

Ja, das war tatsächlich Absicht. "Into The Storm" halte ich immer noch für ein super Album und stehe voll dahinter. Nur was mir im Nachhinein betrachtet etwas gefehlt hat, war der nicht so extrem vorhandene Druck der Drums! Das lag aber daran, dass Bobby neu in der Band war und ein Wunsch von ihm war, dass er keine Samples haben wollte. Sein natürlicher Drum-Sound ist im Grunde genommen cool und heavy genug, was sich im Studio dann auch bestätigt hat. Leider ging der für uns bekannte Sound, dass die Drums halt den richtigen Punch haben während der Produktion ein bisschen verloren. Gleich nachdem das Album raus war habe ich auch zu Bobby gesagt, das wir beim nächsten Mal wieder ein paar Samples benutzen wollen, damit wir den gleichen Druck bekommen wie auf den früheren Alben. Und mich haben wirklich Fans angesprochen die mir bescheinigten, dass die Drums nicht mehr so geil klingen wie bei "Mystica" oder "Kings & Queens". Ich wusste was die meinen und weil ich auch gerne mal auf meine Fans höre, wurde das für "Game Of Sins" wieder geändert und wir haben ein paar Samples vor allem im Bass- und Snare Bereich dazu gemischt. Ich glaube das ist uns ganz gut gelungen, denn es ist auch so noch genug von Bobbys Natursound vorhanden.

Eine liebgewordene Tradition ist es zudem, Coversongs aufzunehmen. Die sehr gelungenen Beispiele sind zum Beispiel "Hallelujah" von Leonard Cohen, "Hey Hey My My" von Neil Young oder "Love Gun" von Kiss. Diesmal ist es ein Stück von Bob Dylan, den die Heavy Fans allerdings eher in der Version von Jimi Hendrix kennen. Warum also "All Along The Watchtower"?

Axel Rudi Pell

Grundsätzlich einfach, weil ich den Song schon immer gut fand, also seit den Siebzigern als ich anfing, mich für diese Musik zu begeistern, weil das Stück so eine besondere Stimmung hat. Ich weiß, dass es hunderte Versionen von dem Song gibt, aber für mich ist keine dabei, die mir hundert prozentig gefallen. Ich finde immer eine Stelle oder zwei die ich selber anders gemacht hätte. Ich meine, der Song ist wirklich relativ einfach zu spielen, weil das von der Gitarre her nur drei Chords sind. Aber das richtige Arrangement dafür zu finden, das ist unlängst schwerer. Also haben wir das im Studio ausprobiert und zwar so, dass es zum ARP-Stil passt. Aus diesem Grund haben wir den Anfang ein bisschen balladesker gelassen, um später dann umso mehr Gas zu geben. Zum Beispiel in den Strophen in denen Johnny singt, spiele ich einen eher angegrungten Gitarren-Sound, ich finde das klingt geil, haha!

Außerdem ist mal wieder mit "Sons In The Night" ein Bikersong vertreten, was hat es damit auf sich?

Ja stimmt, der letzte war "Forever Angel", eine Ballade. Diesmal ist "Sons In The Night" einer der schnellsten Songs auf dem Album. Meine Frau und ich sind süchtig nach der Serie "Sons Of Anarchy", weshalb dieser Song also von dieser Serie inspiriert worden ist, mehr gibt es auch schon nicht dazu zu sagen.

Wie sieht denn für dich der Rest des auslaufenden Jahres aus? Kannst du bis Weihnachten etwas zurückfahren oder gar Urlaub machen?

Nein, nein, schön wär das! Ich bin ja die nächsten zwei Wochen im Interview Marathon und außerdem bereiten wir schon die Tour vor. Die Termine stehen ja bereits fest, dann geht’s ans Merchandise, Proben, Motive für die T-Shirts aussuchen und so weiter. Ich habe also reichlich zu tun.

Apropos Motive, das Cover ist mal wieder eine Augenweide geworden, das in 3D wäre der Hammer! Wer ist eigentlich der Künstler der dafür verantwortlich war?

Das ist der gleiche der die letzten vier oder fünf Artworks auch schon verbrochen hat. Er ist Engländer und heißt Martin McKenna. Der Typ ist einfach genial, auch diesmal hat er mich richtig geflasht!

Das bringt mich schon zu meiner letzten Frage, die ich mal sehr interessant für deine Fans finde. Es wird vom Album eine limited Edition Box geben, der unter anderem eine Mini-Gitarre beiliegt! Bist du in solchen Dingen Mitsprache berechtigt oder ist das reine Sache der Plattenfirma, um Geld zu scheffeln?

Auf jeden Fall bin ich da involviert. Dieses Mal hab ich das Teil sogar persönlich ausgesucht! Es geht dabei überhaupt nicht um Kohle, sondern ich wollte etwas, was die Fans richtig freut. Es gibt da eine Firma in den USA namens Axeheaven, die ich im Internet gefunden habe. Die machen diese Mini-Gitarren wirklich so gut, daß die sogar von Fender abgenommen und lizensiert wurden! Ich habe mir selbst ein Probeexemplar nach Hause schicken lassen und mich davon überzeugt, wie geil und hochwertig das Teil aussieht, genauso wie ich auch eine spiele. Die liegt dann in einem Gitarrenkoffer aus stabiler Pappe, auf dem unser Schriftzug drauf ist. Das Teil kommt dann in die Mitte der Deluxe Box und ich bin wirklich total zufrieden mit diesem Hingucker!

Wie wir mit "Game Of Sins" und ich mit diesem wie immer kurzweiligen Interview mit dir.

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