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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SHAKRA
Neustart mit altem Sänger
Peter Hollecker
www.shakra.ch


Manchmal ist es ja regelrecht ein Fluch, wenn aufgrund ständiger Besetzungswechsel einfach keine Ruhe in ein Bandgefüge eintreten will. Im Falle der Schweizer Riffrocker von Shakra war dies in den letzten Jahren ganz klar mit dem Mann hinter dem Gesangsmikrofon verbunden. Zwölf Jahre lang sang Pete Wiedmer, bevor der aus gesundheitlichen Gründen 2002 von Mark Fox abgelöst wurde. Der schmiss wiederum 2009 das Handtuch und John Prakesh schloss für zwei überaus erfolgreiche Alben diese Lücke. Nun, letztes Jahr verkündete auch der seinen Weggang und Band sowie Fans waren zunächst einmal geschockt. Alle fragten sich, wie und ob überhaupt es mit den Riffrockern weitergeht. Da passte es ins Bild, dass in diesem Jahr noch der Best-Of Doppeldecker "33" unters Volk gebracht wurde. Doch im Spätherbst dann die Meldung, dass der ehemals im Streit geschiedene Mark Fox zur Band zurückgekehrt sei und man sogar schon gemeinsam an neuem Material gearbeitet habe, was dann im Januar 2016 den Fans vorgestellt wird. Das Album heißt "High Noon", also genauso wie der Kult-Western mit Gary Cooper. Doch von Duellen der Pistoleros kann keine Rede sein, wie mir Gitarrist Thomas Muster erklärte, den ich in einem Hotelzimmer in London erwische.

Beschreib doch mal deine Gedanken, als John seinen Ausstieg bekanntgab.

Wieso immer wir .Das darf doch jetzt einfach nicht wahr sein oder wie soll es jetzt bloß weiter gehen? Ja, so ungefähr war das alles damals. Du stehst da und denkst: Scheiße, das war‘s nun womöglich, schon wieder kein Sänger mehr. Obwohl sich das bei John doch etwas angedeutet hatte. Wir merkten, dass er nicht mehr wirklich mit ganzem Herzen dabei war.

Hattet ihr tatsächlich ans Aufhören gedacht?

Ich jedenfalls schon, hab mich tatsächlich mit der Möglichkeit befasst, die Gitarre an den berühmten Nagel zu hängen. Für Thom (Blunier, Gitarre-der Verf.) hingegen war klar, dass er die Suche nach einem Nachfolger sofort in Angriff nehmen würde. Wir hatten da komplett unterschiedliche Ansichten. Ein Sänger Nummer vier war für mich aber nie ein Thema. Natürlich hätte das theoretisch auch wieder funktionieren können mit einem neuen Mann, aber für mich hätte sich das einfach falsch angefühlt. Ich hätte das selber nicht mehr ernst nehmen können. Für mich gab es einfach zwei Dinge: Entweder lässt sich die Sache mit Mark wieder einrenken oder aber das war‘s dann für mich. Nun, John war einfach nicht mehr wirklich glücklich bei Shakra. Ich denke, er hat sich das alles ein wenig anders vorgestellt. Ein wenig einfacher wohl vor allem auch. So in der Art, ein paar gute Kumpels tingeln durchs Land und haben etwas Spaß dabei. Ist ja auch schön wenn das so ist, aber oft bedeutet eine Band einfach auch viel Arbeit, nichts passiert von alleine. Man muss schon was tun wenn es voran gehen soll. Man gerät da dann auch mal aneinander, wenn man die Sache ernst nimmt. Und damit konnte John wohl nicht so gut umgehen. Nun, es ist schlussendlich ok, jeder geht halt seinen Weg.

Ist das Kriegsbeil komplett verbuddelt? Wie kann ich mir das vorstellen, dass ihr nach so vielen Jahren wieder zusammen gearbeitet habt?

Nun, beim ersten Meeting damals nach 5 Jahren ohne jeglichen Kontakt war es erst schon ein bisschen seltsam, aber eigentlich nur sehr kurz. Du musst wissen, ich hatte überhaupt rein gar nichts zu verlieren an dem Tag. Man merkt ja schnell wie sich sowas entwickelt, wie die Interessen liegen. Entweder man spricht dieselbe Sprache oder aber man läßt es nach kurzem Beschnuppern gleich wieder. Nun, glücklicherweise war ersteres der Fall, haha. Dann, als wir angefangen haben erste Songs zu schreiben, war der Spirit von früher sofort wieder da. Mark und ich waren da bereits auf dieser Mission, die da lautete: Lass uns ein Hammer-Album machen! Wir wissen, dass wir das können! Lustiger weise haben wir heute ein sehr viel engeres Verhältnis zueinander als das früher jemals der Fall war. Wir begegnen uns auf Augenhöhe, haben Respekt vor der Arbeit des anderen. Das hat früher oft gefehlt. Die alten Geschichten sind ad acta gelegt, wir haben alles auf null gestellt, ein wirklicher Neuanfang eben. Anders geht sowas nicht, die Sachen von früher darf man sich nie mehr vorwerfen, wenn man die Linie zur Vergangenheit erst mal gezogen hat.

Hat das alles mit Älter werden und dem Reifen einer Band zu tun?

Es geht vor allem darum was man möchte. Will ich Mark in die Band zurückholen weil ich denke, dass er DER Sänger für Shakra ist? Ja, genau das wollte ich. Damals beim Split 2009 war es eben genau anders rum. Ich hatte gar kein Interesse mehr, daß es weitergeht mit Fox. Ich hatte schon gar nicht mehr versucht, den damaligen Problemen auf den Grund zu gehen. Wir hatten zu gewissen Dingen unterschiedliche Ansichten, was ja mitunter vorkommen kann. Nur, statt aufeinander zu zugehen, haben wir einen Konsens gar nicht mehr zugelassen, die Haltungen wurden immer extremer, die Gräben dadurch immer tiefer. Und nun haben wir die alten Probleme alle auf den Tisch gebracht und haben gemerkt: Moment, so unterschiedliche Ansichten haben wir ja gar nicht, im Gegenteil, bei manchen ganz wichtigen Dingen liegen wir ja gar auf derselben Linie.

Ich las, dass Chris von Rohr maßgeblich zur Rückkehr von Mark beigetragen hat. Ich denke, dass eure Fans Mark mit offenen Armen empfangen werden, oder gibt es etwa Bedenken?

Natürlich gibt es bei einem Sängerwechsel auch immer etwas Gegenwind, das ist doch völlig normal. Der große Teil der Fans sieht das aber genau so wie wir: Shakra in dieser Besetzung ist einfach "the real deal"! Nun, Chris ist seit langer Zeit gut befreundet mit Mark. Ich meinerseits hatte nach einer längeren Funkstille auch wieder losen Kontakt zu Chris. Also hab ich ihm mal eine Mail geschickt und ihn über John’s Ausstieg in Kenntnis gesetzt. Da hat er mich dann im Frühjahr 2014 mal angerufen und gemeint: "Bringt wieder zusammen, was zusammen gehört". Ein paar Tage später hatte er uns dann bereits an einen Tisch bei sich zu Hause geholt. So ist die Sache in die Gänge gekommen, wobei bis zur endgültigen Entscheidung, wieder in dieser Besetzung weiter zu machen, hat‘s dann schon noch ein paar Monate gedauert. Mark und ich haben allerdings eben schon früh damit begonnen, neue Songs zu schreiben. "Hello" entstand damals und auch "High Noon". Das waren dann auch weitere, schlagkräftige Argumente, nach und nach auch die andern Jungs ins Boot zu holen.

Wobei wir endlich bei der Musik sind. Ich finde "High Noon" klingt so, als sei Mark nie wirklich weg gewesen. Wie siehst Du das?

Ja klar, absolut! Genau das wollte ich ja auch haben, drum wollte ich eben Mark wieder in der Band haben und nicht irgend einen Sänger. Weil er halt diese unverwechselbare Stimme hat und sich so alles eben sehr vertraut anhört! "High Noon" ist somit 100% Shakra, keine Experimente, ganz im Stil von "Everest" oder "Infected", nur alles eben etwas besser auf den Punkt gebracht! So würd ich das Album beschreiben. Ich meine, Mark hat Shakra mit seiner Stimme halt schon sehr nachhaltig geprägt, mit ihm haben wir ja auch vier Alben gemacht. Da wollten wir gar keine Überraschungen haben auf dem neuen Album, sondern haben uns darauf konzentriert, genau das zu machen, was die Fans von dieser Besetzung erwarten. Nur eben alles etwas zwingender, etwas besser halt!

Deshalb also auch der Titel und das Cover mit der Eule?

Schau dem Tierchen einfach in die Augen! Dann merkst Du: Hier geht es um etwas großes, um etwas Entscheidendes. Es soll nicht einfach ein weiteres Shakra-Album sein, sondern DAS Shakra-Album schlechthin!

Das können wir doch so stehen lassen.

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