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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ANGUISH
Nette Menschen mit vielen Einflüssen
Thorsten Dietrich
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Seht ihr Euch als Progressiv Metal Band oder als Metalband? Ich denke ihr seid ein Mix!

Wir sehen uns auf jeden Fall als Metal Band die keinerlei Probleme hat, sich neuen Einflüssen und Strukturen zu öffnen. Nichts ist meiner Meinung nach tödlicher für die Kreativität einer Band als im Vorfeld feste Grenzen abzustecken wie z.B. die Songs einer "typischen Metal Band" zu klingen haben. Meine Definition von "progressiv" ist, sich nicht kategorisch neuen oder zunächst fremdartig anmutenden Elementen zu verschließen sondern dem offen gegenüber zu stehen. Seien sie auch noch so abwegig oder unpassend. Die Gefahr einige wichtige Erfahrungen aufgrund dieser Starrköpfigkeit als Musiker oder Mensch nicht machen zu können, wäre mir persönlich einfach zu groß. Ich muss erschreckenderweise feststellen, dass sich über die letzten Jahren in der Metal Szene eine solche Intoleranz innerhalb der eigenen Reihen, was die spezifischen Metal Genres angeht, eingeschlichen hat. Das kann dem gesamten Metal auf kurz oder lang nur schaden! Ich finde es gut und geil, dass es solche Bands wie Manowar oder andere stark 80er beeinflusste Bands gibt, aber man muss doch allen anderen Combos die Möglichkeit und den Raum lassen ihre Eigenständigkeit auszuleben und zu bewahren. Schließlich machen wir alle immer noch handgemachte Mucke und müssen uns mit aller Kraft gegen die Ausrottung der eigenständigen und kreativen Musiksparten wehren anstatt uns gegenseitig zu schwächen.

Glaubst Du der Markt in Deutschland hat noch Platz für euch?

Ich denke diese Antwort können nur die Fans beantworten. Natürlich versucht man als Musiker und als Band ein möglichst großes Publikum zu erreichen und im Idealfall auch emotional zu berühren. Aber wir sind definitiv keine Band die nach Märkten Ausschau hält, um dann die Musik passend dazu zu schreiben. Diese Vorgehensweise sollen meinetwegen andere Bands praktizieren. Wir haben eine ganz konkrete Vorstellung von dem was wir machen wollen und setzen diese Ziele auch meiner Meinung sehr konsequent um. Wir haben uns noch nie um Trends geschert und werden auch in Zukunft einen Teufel tun um das zu ändern. Aber die durchweg positiven Reaktionen auf unsere neue Scheibe "Symmetry" lässt mich sehr hoffen, dass unsere Einstellung gar nicht so verkehrt sein kann.

Wollt ihr euch öfter live präsentieren? Kl. Tour?

Wir werden auf jeden Fall wie bisher viele einzelne Club- und Hallengigs absolvieren und hoffen natürlich, uns spätestens im Frühjahr 2003 europaweit präsentieren zu können. Konkrete Termine kann ich momentan noch nicht nennen. Aber ihr könnt euch immer die neuesten Infos auf unserer Web-Page www.anguish.de reinziehen. Dort werden auch rechtzeitig die Tourdates veröffentlicht.

Hattet ihr nicht schon Eigenveröffentlichungen?

Wir haben unsere Debut-CD "Lost Days Of Infancy" auf einem kleinen Indie-Label mit dem Namen "D&S Records" veröffentlicht. Leider lief die Promotionarbeit alles andere als gut und auch die Aktivitäten des Vertriebes hielt sich schwer in Grenzen. Dass sich die Platte trotzdem recht gut verkaufte lag ausschließlich daran, dass wir aufgrund unserer vielen LiveGigs die Möglichkeit hatten unser Debut zahlreich unter das Konzertgängervolk zu bringen. Nach unserem Rechtstreit mit D&S fielen die Rechte wieder an uns, so dass das Debut momentan nur über die Band oder die Homepage zu beziehen ist. Wir arbeiten aber daran die Vertriebsmöglichkeiten für unsere erste CD zu verbessern.

Wollt ihr mit euren Texten unterhalten oder etwas vermitteln?

Da die letzten Jahre für uns als Band und auch für mich als Mensch alles andere als einfach waren, sind als logische Konsequenz keine Parytexte auf der Platte zu finden. Ehrlich gesagt finde ich es sehr schade, dass viele Bands und Texter es versäumen diese Plattform als Sprachrohr für die ein oder andere wichtige Aussage zu nutzen. Es soll wirklich kein Vorwurf sein. Ich finde es persönlich nur sehr schade.
Auf "Symmetry" sind einige sehr persönliche Lyrics zu finden, in denen ich versucht habe, meinen Konflikt mit unserer z. T. sehr kreativitätsfeindlichen und starren Gesellschaft zu verarbeiten. "Fear Of The Rain" ist z.B. eine Adaption eines Gedichtes, dass ich zu einer Zeit geschrieben habe, in der ich mit sehr schmerzlichen Erfahrungen meinen Platz in dieser Gesellschaftsstruktur zu finden versucht habe.
Wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht und über den Tellerrand seines kleinen Universums schaut, findet man mehr Inspiration für Texte als einem manchmal lieb sein kann.
Auf der Platte existiert auch eine heimliche "Trilogie" die aus den Songs N.E.W., Dreaming und The Desicion besteht. Inspiriert hat mich dafür einer meiner Lieblingsfilme und zwar Terry Giliam's "Brazil". Der Opener "N.E.W." erzählt die Geschichte der bewusst namenlosen Hauptperson, die in einer fiktiven Gesellschaft namens "Fearotopia" aufwächst. Einem totalitärem System in dem Individualität definitiv keinen Platz hat. In seinen Träumen jedoch lebt er seinen Drang nach Freiheit aus, in dem er die Möglichkeit des Fliegens entdeckt und sich über jegliche Grenzen und Konventionen hinwegsetzt. In der Traumdeutung werden eben diese "Traumflugsequenzen" als Verlangen nach Veränderungen gedeutet. Der Wunsch nach Freiheit, aufzusteigen, sich von seinen Fesseln zu befreien
Im Song "Dreaming" schlagen diese Träume in Alpträume um, in denen er Nacht für Nacht von einer Gestalt heimgesucht wird, die ihn dazu auffordert sich endlich aus seinem zwar sicheren aber unterdrückten Dasein zu befreien. "The Desicion" schließt die Story mit einer Art "Fiebertraum" ab, indem nochmals die musikalischen Hauptthemen von "N.E.W." aufgegriffen werden. Dabei ist immer wieder zu vernehmen, daß die Entscheidung welchen Weg man letztendlich einschlägt ganz allein bei einem selber liegt. Diese "Story" beschreib eigentlich sehr gut die Gefühle und die Problem mit denen ich mich als eigenständig denkender Mensch in dieser Gesellschaft herumschlagen muss. Und ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige bin!!

Wie wichtig ist für Dich das Internet?

Es ist eine überaus gute Möglichkeit sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Die Entwicklung des Internets halte ich für junge und unbekannte Bands für sehr wichtig. Eine eher zwiespältige Meinung habe ich jedoch zum ganzen Raubkopier-Boom. Auch wenn sich in erster Linie die grossen Bands beschweren, leiden vor allem die kleinen Bands daran. Speziell die Newcomerbands werden an ihren Verkaufszahlen gemessen. Es zählt wirklich jede einzelne verkaufte CD. Ansonsten wird man vom Label schneller gedroppt als man "CD-Rohling" sagen kann. Sollte diese Entwicklung in diesem Tempo fortschreiten, so befürchte ich das es in nicht allzu langer Zeit immer weniger Nachwuchsbands und Newcomer bei den Metal-Labels geben wird.

Viele grosse Bands und Festivals sínd teuer. So kommen zu kl. Konzerten weniger Leute!
Spürt ihr das?

Glücklicherweise habe ich den Eindruck, dass im Gegensatz vor ca. 3 - 4 Jahren das Interesse an Live-Bands sich um einiges gebessert hat. Nachdem die Live-Metal-Szene, was den Underground betraf, so gut wie tot war, können wir auf jeden Fall ein verstärktes Interesse an Konzertbesuchern verzeichnen. Lediglich seit der Einführung des viel gescholtenen (T)Euros - das Unwort des Jahres ;-) - merkt man, das die Münzen schon etwas fester im mageren Geldbeutel sitzen. Dass lässt sich jedoch durch moderate Konzertpreispolitik in den Griff kriegen. Ausserdem wissen die Fans, dass sie durch den Eintritt bei kleineren Konzerten die Bands direkt unterstützen und nicht den Karibik-Urlaub irgendwelcher Konzertveranstalter. Und die Bands danken es den Zuschauern und Fans mit Durchhaltevermögen, ehrlicher Mucke und durch geile Konzerte. Mit dem also was wirklich wichtig ist.

Wie siehst Du die Entwicklung der Metalszene, gibt es bald eine Kollaps wegen der vielen VÖs?

Es ist wirklich etwas unübersichtlich geworden für den Musikfan. Prinzipiell kann ich den Music Maniacs nur empfehlen nicht immer den Hypes einiger Medien zu folgen, sondern sich auch die Mühe zu machen, mal in die ein oder andere "unbekanntere" CD unvoreingenommen reinzuhören und sich selbst ein Bild zu machen. Oder mal ein kleines Konzert von einer eher unbekannteren Band zu besuchen. Ausserdem hat fast jede Band hat mind. 1 oder 2 MP3's kostenlos auf ihrer Hompage. Man sollte einfach den Bands, die sich mit eigenständiger Mucke zu etablieren versuchen, ein Chance geben. Letztendlich ist doch alles Geschmacksache.

Was sind Deine Einfüsse und was magst Du überhaupt nicht?

Die musikalischen Einflüsse bei Anguish sind eigentlich sehr zahlreich. Da wären die typischen 80er Bands zu nennen wie z.B. Accept, Iron Maiden, Judas Priest und Saxon. Genauso wie einige hervorragenden Bands aus der jüngeren Metalgeschichte z.B. Nevermore, Pantera, Tool, Machine Head uva.
Zu meinen persönlichen Faves gehören natürlich ;-) Fates Warning, Pain of Salvation, Cynic, Dream Theater, Queensryche, Psychotic Waltz aber auch Frank Zappa, Public Enemy, Prodigy, Red Hot Chilli Peppers oder Living Colour. Diverse Jazz- und Klassikkompositionen kommen hinzu, aber auch der ein oder andere gute Pop-Song hat auch gute Möglichkeiten bei mir Gehör zu finden. Also doch ein relativ breit gefächerter und "möglichst" unvoreingenommener Musikgeschmack. Was ich nicht sehr mag, das ist irgendein uninspiriertes Zeug, was halt mal in erster Linie aus dem Dancefloor oder Schmusepop kommt. Wenn da mal was richtig Gutes kommen sollte, bin ich gerne bereit meine Meinung zu revidieren. Wie oben gesagt, is halt Geschmacksache.

Genau.
Könnt ihr den auch im Metal stattfindenden 80er Retro verstehen?

Wenn eine Band richtig Bock hat diese Art von Musik zu machen, dann finde ich es absolut in Ordnung. Ein Problem habe ich nur dann damit, wenn sich der Eindruck verstärkt, dass man aufgrund des Manowar - Hypes den ein oder anderen schnellen Euro noch abziehen kann. Die Fans sind alles andere als blöd und merken früher oder später genau, ob die Band hinter ihrer Musik steht oder ob es nur um die Kohle geht. Wir mögen auch die grossen Bands der 80er und verarbeiten letztendlich auch einige Einflüsse in unserer Musik. Trotzdem versuchen wir den Songs soviel Individualität wie möglich zu verpassen. Schliesslich sollen die Songs eine eigene Note besitzen und nicht nach Coversongs klingen. Das mag wohl manchmal sehr unpopulär sein, dafür aber umso befriedigender, wenn man die ein oder andere positive Resonanz auf seine Werk bekommt. Und das relativiert alles andere.

Ja, Hypes gibt es auch im Metal heute hui morgen pfui, siehe Biohazard!
Seid ihr mit Pro Tools vertraut oder bevorzugt ihr die alte Methode?

Passend zu meinen vorher getätigten Aussagen sind wir natürlich mit den neuesten Methoden der Aufnahmetechnik vertraut. Es wäre äußerst unglaubwürdig wenn ich eine tolerante und aufgeschlossenen Einstellung propagiere, um mich kurz darauf gegen die Entwicklung der Aufnahmestandards auszusprechen. Da unserer Gitarrist Gerd und meine Wenigkeit sehr viel zusammen an den Vorproduktionen gearbeitet haben, konnten wir uns auch mit den neuesten Aufnahmestandards und - möglichkeiten vertraut machen. Ich denke es ist eine sehr sinnvolle Ergänzung zu der von dir genanten "alten Methode". Ausserdem profitiert auch den Fan von dieser Entwicklung, da man aufgrund der verbesserten Arbeitsumgebung mit geringeren Produktionskosten durchaus hochwertige Silberlinge in den Playern bekommt. Und aller spätestens bei den Live Konzert werden sich die Fans von den wirklichen Qualitäten der Band überzeugen können. Und das ist ein Bereich auf dem ich mir bei Anguish keinerlei Sorgen machen muss.

Hoffe doch.
Was erwartet ihr von der nahen Zukunft für die Band?

Wir hoffen uns mit "Symmetry" in der Szene etablieren zu können und arbeiten bereits am Nachfolgewerk. Bisher läuft die Arbeit mit Massacre und True Music einwandfrei und würden uns natürlich wünschen auch in Zukunft eine solche Zusammenarbeit sogar noch zu intensivieren.
Ich möchte mich aber zum Abschluss noch bei unseren Familien, Freunden, Helfern, Fans und allen die uns während den letzten z. Teil sehr harten Jahren unterstützt haben bedanken. Immer wieder, als wir kurz vor dem Aus standen, haben Sie uns zum weitermachen animiert und uns wieder neue Kraft gegeben. Ihr seid unsere wirkliche Inspiration und Motivation!!!!! DANKE!!!!!!
Danke auch natürlich an euch (My Revelations) und die anderen Zeitschriften, Radio Sendungen, Journalisten, E-Zines, und Websites die uns mit Hilfe von Reviews und Interviews einem größeren Publikum näher bringen.
Stay open minded!
Danke für euer Interesse!

Das war jetzt mal ein herzlicher Abschlusssatz in einer herzlosen Welt, wo so was noch selten ist! Ich liebe euch auch alle, das muss mal raus!
Der nächste haut wieder Phrasen raus wie Metal is the law! Dann is das hier mal was anderes!

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