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26. März 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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ALMANAC
Listening Session, 05.12.2015, Köln / Pulheim
Thorsten Dietrich
www.victorsmolski.de


Nach dem Split von Rage hat sich Gitarrist und Komponist Victor Smolski ganz seiner neuen Band Almanac gewidmet die seine Fortsetzung des Lingua Mortis Orchestra darstellen soll. Hierzu haben Nuclear Blast Records nach Köln geladen um in den legendären Dierks Studios in das in verschiedenen Studio entstandene Debütalbum "Tsar" hinein zu hören. Mit einigen Kollegen der schreibenden Zunft aus dem In-und Ausland gab es erst mal eine Führung und man durfte dem freundlichen Scorpions Kultproduzenten Dierks und seiner Crew auch mal die Hand schütteln. Das schicke Anwesen im Stile der Achtziger Jahren enthält auch diverse goldene Schallplatten an der Wand (vor allem Scorpions aber auch Herbert Grönemeyer) was schon mal für viele Fotos sorgte. Danach gab es etwas Smalltalk und man sagte der ganzen Band (!) "Guten Tag" die bis auf den spanischen Keyboarder Enric Garcia komplett anwesend waren und sich alle auf den Autogrammkarten für das neue Album nach und nach verewigten. Dann war es so weit und wir gingen ins Studio und uns wurde als erste Hörer überhaupt das Album in voller Länger präsentiert, auch der Plattenfirmenmitarbeiter war so aufgeregt wie wir, hatte er und die Firma das fertige Album auch noch nicht gehört! Nach einer freundlichen Begrüßung und Einleitung von Victor bekamen wir zwei witzige und informative Webvideos von Almanac gezeigt die sich jeder mittlerweile bei You Tube anschauen kann. Hier sieht man auch Ausschnitte der allerersten Auftrittes der Formation bei der Indoorversion des "Masters Of Rock" in der Tschechei.

Danach gab es leider nur ein Making Of des neuen Videoclips von Almanac der leider noch nicht fertig war und ist. Zu meiner Überraschung wurde dieser in meiner Heimat gedreht auf der schönen Ehrenburg in Brodenbach!

Das Artwork, ein herrlich altmodisches, gemaltes Metalcover von Gyula Havancsák wurde dann auch noch enthüllt, hier sind viele Details zu entdecken was manchen Photoshopwerken total abgeht. Das fertige Album wird wahrscheinlich in drei Versionen erscheinen, als Standardversion, mit Live-DVD (vom "Masters Of Rock") und als aufwendig gestaltetes Digibook.

Nun ging es aber an das Album "Tsar" dessen Laufzeit um die 50 Minuten betragen wird:

"Tsar"

Der Titelsong und zugleich Opener der Platte ist ein überraschend flotter und heftiger Metalsong mit viel Double Bass, echten Orchestersounds und Victors Gitarre leicht im Vordergrund. David Readmans Stimme überzeugt und ist gut in Szene gesetzt worden. Die ebenfalls sehr kräftigen Drums verkünden stolz: das hier ist wirklich Metal und die Orchestersounds sind Farbtupfer.

"Self Blinded Eyes"

Dudelsäcke eröffnen das Lied, darauf folgen Keyboardfanfaren während mächtige Männerchöre tönen. Der Song hat einen sehr prägnanten Chorus und "ballert" ebenso deftig wie "Tsar". Zwischendurch sorgen die wieder aufkommenden Dudelsäcke für Farbtupfer. .

"Darkness" (Instrumental)

Ein Prog artiges Gitarrenintermezzo was nicht nervt und auch nicht zu lang ist, aber als Intro zum nächsten Lied fantastisch passt und mir ehrlich gesagt als einzelnes, eigenständiges Stück gar nicht aufgefallen ist. .

"Hands Are Tied"

Flotter, vielschichtiger Titel mit vielen Gesangswechseln der drei Vokalisten, aber wie so oft auf dem Album mehrstimmigen Passagen. Kommt auf den Punkt und ist wie das Album an sich nicht zu lang. .

"Children Of The Future"

Erinnert mich vom Titel spontan an Pink Cream 69 und ist auch ein fetter Metalsong mit Orchestersound, mehrstimmigen Chören und Stellen bei denen sich die Sänger David Readman, Andy B. Franck und Jeanette Marchewka die Bälle gut zuwerfen. Es ist immer Zeit für ein paar großartige Riffs oder Solos, wobei eine recht progressive Atmosphäre entsteht, typisch Smolksi halt! .

"No More Shadows"

Ethnosounds als Intro (Kehlkopfgesang), langsamer Einstieg. Wahrscheinlich die Ballade der CD und die Verschnaufpause in der Mitte der CD. Das wird es verdammt schleppend und heavy mit Streichern in Molltönen und gar nicht mehr balladesk, eine ziemliche Überraschung!

"Nevermore"

Hat natürlich nichts mit dem Rage Oldie zu tun! Es ist ein schwerer Midtempostampfer mit vielen Soundideen und zwei entfesselten männlichen Vokalisten, hier können sich David und Andy mal wieder voll entfalten. Wuchtige Orchestersounds treffen auf einen eingängigen Refrain. .

"Reign Of Madness"

Dieser Songtitel ist sehr Metal! Mit wuchtigem Mittelteil und ruhigen Zwischentönen in Form von akustischen Gitarren. Auffällig ist der sehr prägnante Bass, welcher allgemein einen knackigen und gut zu vernehmenden Klang auf der ganzen Scheibe hat. Dem steht das Schlagzeug auch bei diesem Lied in nichts nach. Readman darf mit warmer Stimme singen, ist das die Ballade? Nein, ein Midtemposong mit Ruheinseln und dabei spärlicher Instrumentierung. Wenn überhaupt kann man es Halbballade nennen.

"Flames Of Hate"

Viel Abwechslung, knüppelharte und trocken tönende Riffs, hymnischer Refrain. Das vielleicht Power Metal typischste Lied der CD mit einigen "Riffgewittern".

Fazit: Almanac haben an diesem Tag nicht nur mich überrascht und eine richtige Metalscheibe veröffentlich die sehr eigenständig klingt und nicht einfach in die Orchester-Metal oder Symponic Metal Schublade gesteckt werden kann! Der Metal und die Transparenz der beteiligten Instrumente stehen im klaren Vordergrund, während die organischen Orchestersounds nur unterstützen und Farbtupfer darstellen. Ich war ganz überwältigt von der genialen Mischung und dem harmonischen Zusammenspiel der Musiker und drei Vokalisten. Da hat sich die aufwendige Produktion in verschiedenen Studios bei der auch Orden Ogan Frontmann Sebastian Leevermann (Mix) involviert war mehr als gelohnt. Manche Liedern haben mit sieben oder acht Minuten z.B. Überlänge wirken aber nicht lang gezogen und es gibt auch Titel mit vier und fünf Minuten Spielzeit. Victor Smolski betont das er nur für die Musik zuständig war, während die Texte Readman und Franck frei verfassen durften. "Tsar" wirkt zwar wie ein Konzeptalbum, doch nur drei Lieder befassen sich mit der Zarengeschichte Russlands, während die anderen Stücke abgeschlossene Themen beinhalten.

Im folgenden Interviewmarathon standen mir die Herren Smolksi, Readman und Franck für ein kleines Interview zur Verfügung was ihr demnächst bei uns zu lesen bekommt!

Der Abend klang dann in einer Kölner Pizzeria bei netten Gesprächen mit Musikern und Kollegen aus. Der sympathisch und sehr offen wirkende Victor war sichtlich erleichtert dass sein neues "Baby" so gut bei der Presse angekommen ist und man merkte ihm an, dass er nun gelassener und entspannter wirkte. Mit "Tsar" ist ihm und seinen Mitstreitern die sich als Band Almanac ansehen und auch so agieren eine wirklich tolle Scheibe gelungen, die in der Szene sicherlich wie eine Bombe einschlagen wird!

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