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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DENNIS CHURCHILL-DRIES
20 Jahre weg!
Martin Stark
www.dennischurchilldries.com


Dennis Churchill-Dries

Snger und Bassist Dennis Churchill-Dries (White Sister, Tattoo Rodeo) geniet hohes Ansehen in der Szene. Das schlicht "I" betitelte Solo-Debt ist dabei sehr persnlich geworden, schlgt aber auch die Brcke zu den opulenten AOR-Klngen der leider viel zu kurzlebigen White Sister, die Mitte der Achtziger nach nur zwei groartigen Alben die Segel bereits wieder streichen mussten. Ein derart vielschichtiges Album wie "I" ist mehr als genug Anlass fr ein Gesprch mit dem Amerikaner.

Dennis, es ist sehr, sehr lange her, dass man Neues von dir gehrt hat. Im Grunde ber zwanzig Jahre!

Das ist dir aufgefallen? Haha, stimmt und fr mich ist das ganz logisch. Ich war noch ein Teenager, als wir mit White Sister anfingen. Wir haben dann spter zwei Platten gemacht, danach zwei weitere mit Tattoo Rodeo und sind viel getourt, aber dann irgendwann wollte ich fr meine Familie da sein und meine Kinder aufwachsen sehen. Ich habe zwar immer ein klein wenig Musik gemacht, wie kleine Studio-Jobs fr Freunde, aber mein Broterwerb war das nicht. Ich arbeite als Techniker fr den Disney-Konzern. Dann eines Tages wurden die Kinder lter und heute mit Mitte zwanzig leben sie ihr Leben und brauchen ihren Vater nicht mehr so wie damals. Konkret hat das Angebot auf dem "Firefest" zu spielen Rick Chadock, Garri Brandon und mich wieder zurckgebracht. Die Zeit war reif und die erneute Funkstille von 2008 bis heute hatte mit vielen verschiedenen Grnden, geschftlich wie privat, zu tun, aber letztlich schrieb ich immer eine Menge und vor dessen Tod 2012 auch mit Rick. Danach war das Songwriting nach einer kurzen Schockstarre eine Art Therapie fr mich, denn Rick war Jahrzehnte lang mein engster Freund und die Songs sprechen auch textlich fr sich, sind sehr emotional und persnlich. Aus irgendeinem Grund gibt es da drauen Leute, die auf neue Musik von mir warten und ich empfinde das als groen Segen.

Neben ruhigen Momenten finden sich mit "Heard It On The Radio", "Unbroken" und "She Loves You" aber auch typische Achtziger Jahre Melodic Rock-Hymnen, die sehr nah an dem sind, was ihr mit White Sister gemacht habt und wofr letztlich dein Name steht!

Martin, danke fr diese Einschtzung. Das bedeutet mir wirklich sehr viel. Offensichtlich ist es mir etwas gelungen dieses Journey-Feeling zu entwickeln. Das ist der Sound, den ich liebe und der irgendwie immer da sein wird. "Hear It On The Radio" ist der erste Song, den ich jemals auf einer elektrischen Gitarre geschrieben habe. Ich bin alles andere als ein Gitarrist, aber es hat funktioniert. Dieser Song reflektiert meine Kindheit, als das was aus dem Radio kam irgendwie magisch und nicht so selbstverstndlich wie heute war, wo du dank des Internets alles in Windeseile finden und reproduzieren kannst. Weit du, frher hast du dem DJ deinen Lieblingssong genannt und dann stundenlang gehofft und gewartet bis er ihn vielleicht gespielt hat.

"Good To See You" ist offensichtlich eine Hommage an deinen 2012 verstorbenen Freund und White Sister-Gitarristen Rick Chadock.

Das ist vllig richtig. Ich wei, das klingt komisch, aber es war so, das er mich auch nach seinem Tod eine Weile begleitet hat. Ich habe nach seinem Tod immer wieder von ihm getrumt und ich kann sagen, dass es sich beinahe so anfhlte, als ob er noch bei uns war. Es ist so, als ob Rick wollte, dass ich diesen Song schreibe und aufnehme, denn als er im Kasten war, hrten die Trume auf. Sie waren immer positiv, hatten aber irgendwie immer mit einen bevorstehenden Auftritt zu tun. Wir beluden den Truck oder hnliches. Ich ging eine Zeitlang ins Bett um zu trumen, um ihn zu sehen, das war offensichtlich meine Art mit dem Verlust umzugehen. Ich vermisse ihn sehr und widme diesen Song allen Menschen, die jemanden verloren haben und natrlich ganz besonders Rick.

Wie und wann sind die Songs einstanden?

Alle sind komplett von mir geschrieben und bis auf "Home", dessen Grundgerst in einem Tourbus 1991, als Tattoo Rodeo mit Damn Yankies unterwegs waren, entstanden ist, relativ neu. Der Rest ist in den letzten Jahren geschrieben worden und zu "Can You Feel" ist noch anzumerken, dass der Gesang aus dem ersten Take stammt und schnell klar war, dass wir das so bernehmen knnen, obwohl es nur Rough Mixe waren, die als Orientierung dienen sollten. Paul hrte sie und sagte verwundert, ich sei verrckt sie nicht verwenden zu wollen.

Welche Rolle genau spielt Paul Sabu (Unruly Child, Silent Rage, Sabu) und wie seid ihr zusammengekommen?

Ich kenne niemanden, der so hart und zielgerichtet arbeitet wie Paul. Er besitzt ein unglaubliches Gespr fr diese Art von Rock. Ich habe mit ihm schon zu Zeiten von Tattoo Rodeo Anfang der Neunziger, als er uns produzierte, sehr gut harmoniert. Alles, was du auf der Platte hrst, ist von uns beiden gespielt und gesungen. Nur ein paar Keyboards bei "So Good To See You" stammen von Eric Ragno und der Bass auf "Song For The Living" wird von Ron Camacho, meinem Onkel, der mich durch die Beatles und Jimi Hendrix zur Musik gebracht hat, gespielt. Mit Paul werde ich sicher auch in der Zukunft das eine oder andere musikalisch unternehmen.

Ihr habt das legendre Firefest in England gespielt 2008 und 2009 und das mehr als zwanzig Jahre nach dem Ende der Band. Was ist deine Erinnerung an diese einmalige Reunion heute mit ein wenig Abstand?

Nun, die Tatsache, dass wir gleich zweimal hintereinander spielen durften spricht fr sich. Du darfst nicht vergessen, dass ich mit Rick seit Ende der Achtziger nicht mehr auf einer Bhne stand und mit Garri, unserem Keyboarder sogar seit 1984 nicht mehr. Wir spielten sogar mit einem zweiten Keyboarder, um den Sound so originalgetreu wie mglich zu gestalten und dann singen pltzlich gut 1000 Leute die Songs komplett mit und flippen vllig aus. Das htten wir nie fr mglich gehalten. Wir waren in der Vergangenheit immer sehr gut eingespielt und probten eine Menge und dann gehst du dort auf die Bhne nach der langen Pause, ein paar einzelnen Proben und hast die Zeit deines Lebens. Einige Leute meinten 2009 htte nicht ganz diese gewisse Magie besessen, was verstndlich ist, denn 2008 waren wir erstmals dort und das kannst du nicht wiederholen. Beim zweiten Gig waren wir aber viel sicherer und entspannter. Viele Fans fragten, wo wir die Woche drauf spielen und ich sagte immer mit einem Lcheln: "Nirgends! Wir sind zuhause!"

Dennis Churchill-Dries

Was treibt Garri Brandon, der auch fr zahlreiche Lead-Vocals in der Band verantwortlich zeichnete, denn heute so?

Er arbeitet an einem Solo-Projekt und das sehr hart, ich kann aber aktuell nichts dazu sagen, da ich eben sehr mit meinem Album beschftigt war.

Ich kann mich an hartnckige Gerchte kurz nach den Firefest-Shows erinnern, die besagten, dass die Chancen auf neues White Sister-Material bestnden? Mit Ricks Tod ist das Kapitel White Sister aber endgltig begraben?

Ja, absolut! Das einzige was ich mir theoretisch vorstellen kann ist, dass wir unverffentlichtes Material, welches es noch in ordentlicher Anzahl z.B. aus der Zeit mit Greg Giuffra gibt, in welcher Form auch immer, herausbringen. ber die Jahre kamen immer mal wieder verschiedene Labels an und fhlten vor, aber ohne Rick wre es nicht White Sister. Ich knnte vielleicht auch irgendwann die Ideen, die mit Rick nach unserer langen Pause entstanden, fertigstellen, aber das wre eben nicht White Sister. Rick, Garri und ich entschieden damals, dass wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Stimmung und die Magie der beiden Platten aus der Mitte der Achtziger nicht erneut kreieren knnten und die Fans wahrscheinlich enttuschen wrden. Mit Ricks Tod ist das aber ohnehin vom Tisch.

Wie geht es weiter, Dennis? Was liegt konkret an wenn die Platte drauen ist?

Auf diese Frage habe ich gewartet und ich kann dir sagen: Ich wei es nicht! Ich lasse alles auf mich zukommen und habe keinen Plan. Ich wei nur, dass ich nicht monatelang auf Tour gehen will und kann. Wenn die Scheibe sich sehr gut verkauft, dann wre das prima, verkauft sie nur 100 Einheiten, dann ist das in Ordnung fr mich. Ich habe die Platte in erster Linie fr mich gemacht und bin momentan sehr glcklich. Ich werde aber so schnell nicht wieder vllig verschwinden, jedenfalls nicht freiwillig.

Hoffentlich dauert das nchste musikalische Lebenszeichen keine weiteren 20 Jahre!



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