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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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NERLICH
Von den Toten auferstanden!
Marc Fischer
www.facebook.com/nerlichband


Nerlich


Die finnischen NERLICH erwachen gerade aus dem Dornrschenschlaf. Anfang des Jahrtausends verffentlichte das skandinavische Todesbleikommando innerhalb von nur fnf Jahren eine ganze Reihe von Outputs, ehe man sich dazu entschloss, 2009 alle Aktivitten auf Eis zu legen. Zu gro war die Unzufriedenheit ber das bisher geleistete, zu gro war die Diskrepanz zwischen dem, was NERLICH erreichen wollten und letztlich dabei herauskam. Nach einer vierjhrigen Schaffenspause und mit einer Menge Abstand jedoch war das Verlangen schlielich zu gro und die Bandmitglieder entschlossen sich zu einer Re-Union. Wir sprachen mit Bassist Anton Gurskiy ber die erneute Zusammenkunft, die krzlich verffentlichte EP "Eternity's Gate" und wie sich NERLICH in was fr Vorteile so eine Pause mit sich bringen kann.

NERLICH sind wieder da. Wie fhlt es sich an, mit der neuen EP "Eternity's Gate" so wieder auferstanden zu sein?

Eigentlich war die EP ja schon etwas lnger fertig, aber in meinen Ohren klingt sie immer noch gut, also ist das schon ein gutes Zeichen. Ich hoffe einfach, dass so viele Leute wie mglich das Teil auch hren. Wenn ihr leicht technischen Death Metal mit Elementen des alten finnischen Todesbleis mgt, dann checkt sie definitiv aus!

Ihr sagt, eure Performance und Songwritingfhigkeiten haben sich verbessert nach der Auflsung 2009. Knnt ihr erklren, inwiefern, knnt ihr etwas ins Detail gehen, was sich verbessert hat?

So ziemlich alles! (lacht) Die Songs, die Band, das Auftreten, die Produktion. Mit Produktion mein ich den Gitarren- und Schlagzeugsound sowie auch das Mixen und Mastern. Das ganze Studioding eben...
Die Band war zwar fr einige Jahre aufgelst, aber wir haben trotzdem in der Zeit weiterhin in verschiedenen Gruppen Musik gemacht. Dabei auch nicht nur Metal. So haben wir uns auch als Musiker weiterentwickeln knnen, wurden besser an unseren Instrumenten und haben Erfahrung im Studio gesammelt und so weiter. Ebenso haben wir uns ja auch als Menschen weiterentwickelt und verndert. All diese Entwicklungen kann man in unserem Zusammenspiel auch auf der EP wahrnehmen.
Mit der Zeit hat sich auch unsere Idee von dem, was wir musikalisch mit NERLICH wollen, weiterentwickelt. Sowohl beim Songwriting als auch im Studio. Wir gehen es jetzt etwas langsamer an, Songs zu schreiben. Wir haben uns selbst sehr hohe Standards auferlegt, aber am Ende war es genau richtig und hat sich gelohnt. Am Ende sind groartige Songs dabei herumgekommen.
Auch verbringen wir mehr Zeit im Studio als damals. Wir lassen uns mehr Zeit, weil wir auch sicher sein wollen, dass alles klappt und gut luft. Mit der greren Studioerfahrung jetzt ist es zudem auch einfacher den Sound zu kreieren, den wir auch haben wollen.
Also grundstzlich haben wir in allen Bereichen mehr Aufwand betrieben, vor allem weil wir eben sicher sein wollten, dass wir am Ende glcklich und zufrieden mit dem Ergebnis sein knnen. Und nicht das wir am Ende sagen mssen "dieses oder jenes htte ich vielleicht doch besser anders gemacht oder besser hinbekommen". Und es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Nerlich

Ihr habt euch textlich bewusst gegen das bliche Tod, Blut und Gedrme Thema entschieden. Warum? Ist dieses Textkonzept ber "mentale Probleme" auf "Eternity's Gate" vielleicht auch ein bisschen autobiographisch?

Der Hauptgrund, warum wir uns gegen Zombies, Menschen tten und all diesen blutigen Kram entschieden haben, ist schlicht und ergreifend der, dass wir es langweilig finden. Wir wollten diese Cliches lieber vermeiden und ber etwas anderes schreiben. Cannibal Corpse haben bereits dutzende Songs darber geschrieben so wie viele andere auch. Also hie es, etwas anderes zu machen, ber etwas, was wir selbst interessant finden.
Dieses Konzept mit "mentalen Problemen" kam auf, weil ich psychologische Sachen immer recht interessant fand. Zudem passt es sehr gut in den Metal hinein. Also anstelle Fantasykram ber Zombies zu schreiben, entschieden wir uns dafr, etwas wirklich echtes zu nehmen. Quasi den "real life horror". Und es stimmt, die EP hat mit ihren Texten schon etwas Lyrisches an sich. Die Lieder sind Geschichten ber verschiedene mentale Probleme, mit denen sich manche Menschen konfrontiert sehen. Es sind keine wahre Geschichten per se, aber sie knnten so durchaus real existieren. Aber autobiographisch ist das nicht. Ich denke, wenn es so wre, wrden wir als Band in einem verdammt schlechten Zustand sein.

Was war der ausschlaggebende Punkt fr die vierjhrige Pause und die schlussendliche Rckkehr von NERLICH?

Es klappte einfach nicht mit der Band, da gab es viele verschiedene Grnde. Wir verloren die Motivation und sagten uns 2008, das war es. Danach machten wir weiter Musik in anderen Bands, bis nach Jahren die Idee aufkam, die Band wieder zusammenzubringen. Es gab keinen bestimmten Grund dafr, ich hatte nur das Bedrfnis, diese Art von Musik wieder spielen zu wollen, und so sind NERLICH wieder da. Es brauchte vielleicht einfach die richtige Zeit, um es noch mal zu versuchen.

Nerlich

Inwiefern fhlt ihr euch besttigt, NERLICH nicht aufgegeben zu haben?

Als es dazu kam, NERLICH wiederzubeleben, hatten wir das Gefhl, dass dort noch unerledigte Arbeit auf uns wartete. Wir haben beispielsweise nicht so viele Konzerte gespielt, wie wir wollten. Auch musikalisch hatte ich das Gefhl, dass es alles nicht ganz das war, wo wir mit NERLICH hinwollten. Wir haben unser Bestes gegeben und waren auch nah dran, ich hatte aber grundstzlich das Gefhl, es wre noch besser gegangen.
Aber wie dem auch sei, die neue EP ist soviel eher Das, was ich schon seit den Anfangstagen mit der Band machen wollte und ich bin zum ersten Mal richtig glcklich mit dem, was wir aufgenommen haben. Das fhlt sich einfach gut an und ist eines der wichtigsten Dinge fr uns. Ebenso wie auch unseren eigenen Stil zu finden und eine Identitt aufzubauen. Wir versuchen Musik zu schreiben, die nach NERLICH klingt und nicht nach anderen Bands. Zudem, was htte es gebracht, eine neue Band ins Leben zu rufen, mit einem neuen Namen, obwohl wir nichts anders machen wrden, keinen anderen Stil spielen wrden.

Was steht als nchstes an, was sind die neuen Plne nach dem erfolgreichen Release?

Unser derzeitiger Vertrag mit FDA-Rekotz sieht ein Mini-Album und eine LP vor, insofern heit das nichts anderes, als das es noch ein Album geben wird. Vielleicht machen wir auch noch etwas Kleines zwischendurch, aber das ist noch Zukunftsmusik. Im Moment denke ich, ist es erstmal wichtig, Konzerte zu spielen und zu touren, wenn man schon etwas Neues verffentlicht hat, ohne dabei auf Rockstar zu machen.
Wir schreiben bereits neue Songs, aber da ist noch eine Menge zu tun. Schon whrend des Komponierens versuchen wir, die Stcke variabler und unterschiedlicher zu gestalten. Wir mchten ihnen eine eigene Identitt geben und fr viel Variation sorgen. Aber wir werden uns auch die Zeit nehmen, die wir dafr bentigen, um das Beste herauszuholen, daher wird es auch noch was dauern. Wir wollen uns einfach nicht mit Mittelma zufrieden geben, wir wollen ein Killeralbum schreiben. Musikalisch wollen wir da ansetzen, wo wir mit der EP aufgehrt haben, plus einen Schritt vorwrts machen. Stagnation oder die ganze Zeit das Gleiche machen, ist nicht unser Ding. Entwicklung ist ganz wichtig.
Das neue Album wird komplett neue Songs enthalten. Und wenn dir bereits "Eternity's Gate" gefallen hat, empfehle ich dir: Hol's dir! Aber die EP ist kein Teaser fr das neue Album. Dafr steht es zu sehr fr sich selbst.

Es gibt sicher wenig Bands, die so reflektiert ber sich reden und dabei auch Fehler eingestehen knnen. Sicher ist, dass NERLICH der Neuanfang absolut gut getan hat, schon allein um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Der Reset-Button hat jedenfalls dazu gefhrt, das Anton und seine Jungs jetzt wesentlich befreiter aufspielen knnen, was sich nicht zuletzt auch in der Zufriedenheit bezglich der neuen EP ausdrckt. Man darf also gespannt sein, wie die Finnen mit dieser neuen "Luxussituation" umgehen werden. Fr ein neues Album ist so eine Wohlfhloase sicher nicht die schlechteste Vorraussetzung.

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