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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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KING LEORIC
Langsam aus Überzeugung!
Thorsten Dietrich
www.king-leoric.de


King Leoric

Die Underground Metaller King Leoric haben drei Alben in 16 Jahren veröffentlicht, machen sich live eher rar und sind Fans der Musiker die sie machen. Da war es nach all der Zeit mal wichtig ein Interview mit der Truppe zu machen und Bassist / Sänger Jens Wunder gab uns offene, sympathische und sehr ehrlich klingende Antworten.

Ihr hattet vor kurzem eine Umbesetzung in der Band, was ist passiert?

Unserem langjährigen Weggefährten Patsche wurde seitens seiner Firma ein Angebot gemacht, für zwei Jahre nach Südamerika zu gehen samt Familie. Dem ist er im Januar 2015 nachgekommen, diese Chance wollte er sich nicht entgehen lassen. Das teilte er uns im April 2014 mit. Nach 12 Jahren Bandzugehörigkeit hat uns das natürlich voll umgehauen. Wir waren erst mal total geschockt. Besetzungswechsel? WIR? Das geht doch gar nicht! Aber da wir eine ziemlich familiär und freundschaftlich aufgestellte Truppe sind, konnten wir Patsche nur alles Gute wünschen und ich ihn in Freundschaft ziehen lassen. Und dann mussten wir uns einen neuen Rhythmus-Klampfer suchen. Die Anforderungen waren klar: Anfang 40, Old School Metalhead, gute Twin-Leads, kein Solo-Anspruch! Eigentlich gar nicht zu machen. Hihi. Aber nach einiger Zeit hatten sich dann doch ein paar sehr vielversprechende Bewerber eingefunden, und Anfang des Jahres 2015 konnten wir mit Marvin Balke unseren neuen vierten Mann vorstellen. Okay, er ist nicht wirklich Anfang Vierzig, sondern erst 22, aber er spielt einfach wunderbar! Menschlich passt es glücklicherweise auch sehr gut zwischen uns Vieren. Auch wenn er erst halb so alt ist wie der Rest: Marvin passt bei uns rein, wie die berühmte Faust aufs Auge. Entweder er ist schon so abgezockt, wie wir alten Knochen, oder wir sind eben doch ganz besonders jung geblieben. Wer weiß das schon.

Drei Alben in den Jahren 2002, 2005 und 2013 ist nicht sehr viel, auch live seid ihr eher wenig aktiv. Habt ihr keine Zeit wegen Job, Familie usw. oder wie soll ich das deuten?

Drei Alben in 16 Jahren Bandgeschichte, das klingt wirklich nicht nach viel. Aber ich denke, das muss man differenzierter betrachten: Wir machen ja nicht 24/7 nur King Leoric. Das läuft nebenher als Hobby - und konkurriert mit vielen anderen Dingen, die noch so nebenher laufen. In erster Linie natürlich Job und Familie. Die Zeiten, in denen man mal so eben unter der Woche spontan ne Kiste Bier weggehauen hat, um jammend drei neue Hits aus dem Boden zu stampfen, sind jedenfalls vorbei. Als kleine Band muss man aber überhaupt erstmal drei Alben veröffentlichen - ohne jegliche finanzielle Hilfe von außen! Die meisten schaffen es nicht mal zu einem vernünftigen Demo. Insofern sind drei Alben eigentlich gar nicht so wenig für eine Band mit unserem Status, oder Was den Live-Sektor angeht: Ja, wir spielen nur höchstens acht Shows im Jahr. Aber dies völlig beabsichtigt. Denn erstens wollen wir nicht jedes zweite Wochenende unterwegs sein, da wir wie gesagt noch ne Menge anderer Verpflichtungen haben. Zweitens sollten für uns die Trips zu den Shows immer etwas bleiben, worauf wir uns freuen. Wenn man alle 14 Tage woanders auftreten soll, geht einem der Reiz irgendwann flöten, und der Stress tritt in den Vordergrund, denke ich. Außerdem sind Shows mit längerer Anfahrt auch ein echter Kostenfaktor geworden, denn mittlerweile mußt Du als Musiker ja vieler Ortens schon fast Geld mitbringen, damit Du da spielen "darfst". Selbst bei voller Hütte gehst Du als Künstler höchstens mit ner schwarzen Null da raus. Und das braucht eigentlich keiner, oder? Deswegen kommen viele Gigs halt gar nicht erst zustande.

Wenn ich euch als old school Heavy Metal zwischen NWOBHM und Teutonenbands einordne, findet ihr euch da wieder oder sehr ihr das anders?

Treffender könnte es man nicht sagen. Wir werden oft genau so beschrieben, und das ist schon etwas, was uns sehr, sehr stolz macht. Die NWOBHM mit ihren ersten Phasen in Europa war die kreativste und definitiv beste!

Für mich seid ihr eine Fanband, was bedeutet das ihr immer noch Fan seid und die Musik spielt die ihr gerne hört, oder nicht? Hattet ihr schon mal sehr leidenschaftliche oder weitgereiste Fans getroffen, gesprochen?

Der Metal den wir spielen, ist genau der Metal, den wir lieben! Unsere Vertragsfreiheit erlaubt es uns, ganz genau das zu machen, worauf wir Bock haben! Niemand quatscht uns dazwischen. Daß Accy und ich beide ein Händchen für Eingängiges bzw. gute Riffs und Hooks haben, und noch dazu in eine sehr ähnliche Richtung komponieren, kommt noch begünstigend dazu. Wer Old School Metal will, der ist bei uns genauso richtig, wie wir selbst. Leidenschaftliche oder weitgereiste Fans - nun, es gibt da einiges an Anekdoten, ja. Besonders gern erinnere ich mich an einen mir leider bis heute unbekannten Zuschauer auf dem "H.O.A 2013", der bei unserem Gig ganz vorn stand, und irgendwann vollster Euphorie lauthals gen Bühne brüllte: "Jensi, ich bin nur wegen Euch hier !". Ich meine, da spielten ne ganze Menge Truppen, die weitaus dekorierter waren, als wir. Dass dann Leute nur unseretwegen dort auftauchten - war schon geil! Eine andere schöne Geschichte ist die eines Freundes aus Rumänien. Der hatte mir mal ne Mail geschrieben, er fänd unsere Band voll geil, habe aber leider keine Kohle, etwas zu kaufen. Dennoch wolle er uns ein Kompliment für unsere Musik machen. Das hat mich echt berührt. Seinerzeit bekamen wir täglich irgendwelche Mails von irgendwelchen Leuten mit irgendwelchen angeblichen Online-Magazinen oder Radios (von denen man bis heute nix gehört hat!). Die wollten auch immer eine CD "als Promo" haben für lau. Das habe ich immer als Abzocke verstanden und nie drauf reagiert. Der Rumäne Flavius dagegen sagte: "Kann nix kaufen, habe kein Geld!". Für diese Ehrlichkeit habe ich ihm damals ein großes Paket fertig gemacht und als Geschenk geschickt. Wir haben seitdem lockeren, aber beständigen Kontakt. Vor zwei Jahren dann hier in Gifhorn habe ich gedacht, ich träume: Er war genau über die Zeit unseres Altstadtfest-Gigs hier in Deutschland als Erntehelfer angestellt und stand auf einmal vor der Bühne. Unfassbar. Was habe ich mich gefreut - wahrscheinlich fast so viel, wie er.

King Leoric

Eure Artworks fand ich immer cool, nur beim nicht mehr ganz neuen Werk "Lingua Regis" frage ich mich was ihr damit sagen wolltet?

Die Scheibe heißt "Lingua Regis", das ist Latein und bedeutet "Sprache des Königs". König wird man dann, wenn man weise ist, tapfer und mutig. Könige tragen Verantwortung für ihr Volk, müssen weitreichend denken, oft salomonische Entscheidungen fällen. Und sind mit dieser oft ganz allein im Nachdenken. Das drückt das Cover aus! Einen König, der sich seiner Aufgabe bewusst ist, auf der Suche nach einer Lösung, um die nächste Prüfung wieder mit Bravour zu bestehen. Das Lingua-Cover hat leider den Nachteil, dass es als CD zu klein ist. In 1m x 1m groß erschlägt es Dich vor Erhabenheit! In 12cm x 12cm CD-Cover Format büßt es leider mächtig viel von seiner Ausstrahlung ein.

Ist euch eigentlich bewusst dass viele bei einem Song wie "Let It Loose" eine Coverversion vermuten könnten (Stones oder Savage)?

Ja, das ist uns bewusst. Aber egal. Natürlich wird man immer wieder mal darauf angesprochen, aber nen Kopf machen wir uns da nicht. Wenn mal einer kommt und sagt: "Der Song "Let it loose" von Savage ist aber ganz anders und gefällt mir viel besser! Ihr habt mich total irre geleitet, ich dachte, ihr spielt ein Cover!", dann werden wir ihm wohl ein Bier ausgeben müssen (lacht).

Auf eurer Homepage verkauft ihr neben euren Alben und Merchandise auch eigene Bootlegs auf CD und DVD zum kleinen Preis und das nicht wenige in der Auswahl. Wie kam es dazu?

Das ist mein Steckenpferd gewesen. Ich bin fanatischer Sammler von Live-Scheiben aller Art. Und da wir ohnehin von fast jedem Gig ein Video haben, haben wir ein paar der geilsten Shows halt so als CD oder DVD fertig gemacht. Außerdem stand damals nur das DEMO in unserem Homepage-Shop. Das sah schon bisserl mager aus. Da haben wir dann halt noch ein paar Bootlegs zu gebastelt. Im Ernst: Die Dinger haben schon ihren Charme!

Was sind denn eure konkreten Pläne für 2015/16?

Jetzt wo mit Marvin wieder ein verlässlicher vierter Mann an Bord ist, können wir neue Gigs angehen. Für dieses Jahr stehen noch ein, zwei lokale Shows auf dem Programm, und eventuell, ganz abhängig davon, was es gibt, noch ein paar Dates bundesweit. Vielleicht geht es im Herbst nochmal ins Ausland. Mal schauen. Auf jeden Fall wollen wir zum Winter mit den neuen Aufnahmen beginnen. Für den vierten Stern - äh, die vierte CD - Arbeitstitel? Momentan "This is Metal!"

Sauber!

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