Navigation
                
12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
TOTO
Die letzte Scheibe?
Martin Stark
totoofficial.com


Toto

Toto steht fr musikalische Qualitt, Kontinuitt und stete Weiterentwicklung gleichermaen. Keyboarder und Grndungsmitglied David Paich gewhrt Einblicke in die jngsten Entwicklungen bei den Amerikanern, die von einigen berraschungen gekennzeichnet sind. "XIV" knnte dabei das letzte Studio-Werk der legendren Rocker aus den USA sein.

David, als Journalist aber auch als Fan htte ich nicht mehr gedacht, nochmal ein neues Studio-Album von euch in den Hnden zu halten. Auch wenn die Band besonders live immer sehr aktiv war und ist, so berrascht nicht zuletzt auch die Geschwindigkeit, mit der ein derart starkes neues Werk auf der Bildflche erscheint.

Martin, auch wir waren berrascht, zunchst einmal von der Tatsache, dass unsere Plattenfirma im letzten Jahr an uns herantrat und ein weiteres Album einforderte. Wir hatten zwar gerade sehr erfolgreich die "35th Anniversary Tour - Live in Poland"-Platte und -DVD verffentlicht und dachten ber eine weitere Tour nach als klar wurde, dass dem Label nach "Falling In Between" aus 2006 noch eine weitere Studioplatte zusteht. Also gingen wir die Aufgabe an und schauten, was passiert. Wir waren vorher lange unterwegs, u.a. um fr Mike Porcaro, unseren schwer erkrankten Bassisten, Geld einzuspielen und noch viel wichtiger fr die schreckliche ALS-Nervenkrankheit eine ffentlichkeit herzustellen. Die Live-DVD entstand hingegen eher aus der berlegung heraus, die Tour zu dokumentieren, da uns bewusst war, dass Toto mglicherweise nicht mehr allzu oft spielen werden. Als das neue Material dann beisammen war, stellten wir fest, dass vieles auf dem Nachfolger von "IV" aus dem Jahre 1982 htte stehen knnen.

Richtig, nach wenigen Takten des ersten Songs "Running Out Of Time" wird klar, dass Toto im Jahr 2014 unverkennbar nach Toto klingt. Plan oder Zufall?

Wenn das die Fans und Kritiker so sehen, dann freut uns das, denn die Richtung war schnell klar als wir die ersten gemeinsamen Ideen auswerteten. Es sind alles brandneue Songs, abgesehen von einem Teil von "Chinatown", das in der Tat auf ungenutzte Ideen aus Sessions zwischen 1978 und 1979 zurckgeht. Uns war bewusst, dass es nur ein Paukenschlag werden sollte, unser letztes Album, eines, das als unser "Abbey Road"-Album in die Geschichte eingehen sollte. Wir konnten nichts als 110% geben. Alles andere wre uns aber vor allem den Fans gegenber nicht gerecht gewesen. "Running Out Of Time" entstand brigens im Wesentlichen an einem einzigen Tag.

Die vorab verffentlichte Single "Orphan" hingegen vereint klassische Toto-Elemente mit einer dezent moderneren Produktion und einer Killer-Hookline.

Ich gehe unvoreingenommen an zeitgenssische Musik heran und finde, dass es eine Menge gute Sachen da drauen gibt. Nimm Coldplay, Green Day oder Pharell Williams und viele, viele andere. Es geht darum seine Ohren und sein Herz offen zu halten ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren. "Orphan" war nicht immer der Hardrock-Song mit leichter Foo Fighters-Schlagseite, der er am Ende wurde, sondern er begann sich zunchst fast als Ska-Song zu entwickeln.

In der Geschichte der Toto gab es immer Musiker von auerhalb, die den Kern der Band bei einzelnen Songs untersttzen und somit sicherlich den Bandsound kontinuierlich befruchten. Aktuell sind beispielsweise Michael McDonald (voc), Tom Scott (sax) oder auch Produzent CJ Vanston (key) zu hren.

Mit Michael McDonald sind wir im letzten Jahr sogar zusammen auf Tour gewesen. Er hat uns dabei nicht als Knstler im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr als Freund auf der Bhne untersttzt. Diese stndigen Einflsse von auen und die Offenheit der Band dafr sind sicher ein Garant fr den Umstand, dass Toto nach so vielen Jahren immer noch frische Musik aufnehmen kann, welche dann aber auch immer wieder von beispielsweise Steve Lukather durch seinen speziellen Gitarrensound, unsere Stimmen generell oder bestimmte Rhythmus-Arrangements zu einem Toto-Song gemacht werden, der trotz allem unsere Trademarks besitzt. Wir haben das schon auf dem ersten Toto-Album 1978 beim Song "Georgy Porky" mit Cheryl Lynn praktiziert und tun das bis zum heutigen Tage. Dennoch war uns besonders auf dem neuen Album wichtig den Leuten zu verdeutlichen, dass hier die Band im Kern aus vielen Original-Musikern von Toto besteht.

Auch wenn mit dir, Gitarrist Steve Lukather oder Keyboarder Steve Porcaro und nicht zuletzt Snger Joseph Williams eine mehr der weniger groe personelle Konstanz besteht, gibt es aktuell einige bemerkenswerte Line-Up-Wechsel. So ist Drummer Simon Phillips nach langen Jahren nicht mehr dabei oder Original-Bassist David Hungate kehrt nach 23 Jahren (!) zurck zur Band.

Zunchst zu Simon, er half uns nach dem Tod von Jeff Porcaro Anfang der Neunziger und blieb letztlich ber zwanzig Jahre. Er kam aber an einen Punkt, an dem er seine eigene Karriere mehr in den Vordergrund stellen wollte und auch schon fr das kommende Jahr zahlreiche Aktivitten geplant hatte. Wir wollen aber jetzt auch mit Toto erneut umfangreich touren und daher musste eine Entscheidung fallen. Wir sind ihm sehr dankbar fr die tolle Zeit mit uns, wollten ihm aber natrlich keine Steine in den Weg legen. Was David Hungate angeht, so klingt sein Spiel sofort nach dem, was wir in den frhen Jahren der Band gemacht haben. Ich habe vor einiger Zeit bei einem Benefizkonzert mal wieder mit ihm gespielt und da er der Original-Bassist von Toto ist und jeder Musiker, der fr Mike Porcaro in die Band kommt, dessen Segen braucht, sind wir besonders froh, dass David bereit war. Mike gab sofort sein Einverstndnis und verfolgt trotz seiner Krankheit natrlich sehr genau, was bei Toto passiert. Er ist und wird immer ein Teil der Band bleiben. Steve Lukather hatte einige Bass-Spuren eingespielt, er ist immerhin fr die tiefen Tne auf Michael Jacksons "Beat it" verantwortlich. Aber als es daran ging die Platte aufzunehmen, brachte er David Hungate ins Spiel. Man musste ihm nichts erklren, er spielt und es klingt einfach nach Toto. Hr dir "Africa" oder "Rosanna" an und du verstehst, was ich meine. Es war wie eine fantastische Zeitreise in die Siebziger. Und jetzt haben wir vier Original-Mitglieder und dazu noch Joseph Williams, der auch einen wichtigen Teil in der Geschichte der Band abdeckt. Das ist doch groartig.

Zu Zeiten von "Falling In Between" bist du, zumindest was das Touren angeht, etwas krzer getreten. Wie war es fr dich deine Band mal von "auen" zu betrachten?

Toto

Ja, ich trat etwas krzer um private Angelegenheiten in Ruhe regeln zu knnen. Es fhlt sich schon komisch an, wenn du die Jungs, mit denen du praktisch dein ganzes Leben verbracht hast, pltzlich ohne dich auf der Bhne siehst. Aber was es unheimlich erleichtert hat, war die Tatsache, dass z.B. mit Greg Phillinganes ein sehr guter Freund von mir und uns allen meinen Teil bernahm. Und ich muss dir ehrlich sagen, dass er oder auch Simon Phillips und all die anderen wie auch Lee Sklar am Bass die frhen Sachen teilweise besser gespielt haben als wir es damals taten. Bei Toto haben schon immer groartige Musiker gespielt. Diese Band ist mehr wie eine Familie. Ich glaube das ist in der Musikbranche alles andere als die Regel. Als ich beispielsweise das "Falling In Between"-Video sah, wurde ich zum Super-Fan meiner eigenen Band. Ein unbeschreibliches Gefhl.

Gitarrist Steve Lukather und du arbeitet schon seit Beginn der Band in den Siebzigern zusammen. Wie wrdest du eure Beziehung beschreiben, sowohl auf privater als auch auf knstlerischer Ebene?

Wir sind wie Brder, die sich mal lieben und mal hassen, aber am Ende immer wieder zusammenfinden, um fr die Familie das Beste herauszuholen. Wir kennen uns seit der High School. Gerade in Zeiten als es der Band weniger gut ging hielt er die Zgel fest in der Hand. Das ist ein groer Verdienst, den man nicht hoch genug bewerten kann. Ich verstehe aber ehrlich gesagt auch nicht die Kritik von vor ein paar Jahren als Steve das einzige Originalmitglied bei Toto war und einige Kritiker ihm vorwarfen mit einer besseren Cover-Kapelle durch die Lande zu ziehen. Es ist erstens nie so gewesen denn alle Musiker, die je bei uns gespielt haben, waren immer erstklassige Knner und zweitens gab es immer Grnde warum das eine oder andere Original-Mitglied nicht bei Toto spielte oder spielen konnte. Aktuell spielt er gerade mit Ringo Starr und ist fr mich der beste Gitarrist der Welt. Hr dir an, wenn er Santana spielt und diese tollen Songs zu seinen eigenen macht.

Kommen wir auf das fantastische Cover-Artwork zu sprechen. Besonders in der Vinyl-Variante drfte es uerst imposant wirken.

Schn, dass es dir gefllt. Die Idee und auch der Lwenanteil der Umsetzung geht auf das Konto von Heather Porcaro, der Tochter von Steve Porcaro. Sie ist Musikerin, schreibt und performt Singer/Songwriter-Sounds, beschftigt sich beruflich aber auch mit Fotografie und Film. Ich persnlich stand schon immer auf diese Blade Runner-mige urbane Utopie. Und was den Bogen zu unseren frheren deutlich einfacheren Artworks schlgt ist, abgesehen vom auch auf "XIV" erkennbaren Schwert, die Tatsache, dass auf "Hydra" aus dem Jahr 1979 Steve Porcaro, ihr Vater, abgebildet ist und nun eben 2015 dessen Tochter fr unser neues Cover verantwortlich zeichnet. So schliet sich auf gewisse Art und Weise der Kreis. Du wirst viele versteckte Hinweise auf die Songtitel finden. Aber wie gesagt, es ist Heathers "Baby" und sie hat einen groartigen Job gemacht, denke ich.

Gab es einen bestimmten Moment in dem dir klar wurde, dass du deinen Lebensunterhalt als Profi-Musiker verdienen kannst und war das immer ein Traum oder eine sukzessive Entwicklung?

Den Moment gab es in der Tat und zwar als ich Mitte der Siebziger mit Boz Scraggs das "Silk Degrees"-Album aufnahm. Mein erstes Hit-Album und im Anschluss kam ja auch schnell Toto und der Rest ist Geschichte. Ich hatte auch schon mit Hall & Oates oder Steely Dan gearbeitet, aber jenes Album war das erste, an dem ich komplett als Songwriter und Keyboarder beteiligt war. Es ist immer mein Ziel gewesen und ich bin sehr privilegiert weil der Traum sich bis heute verwirklicht.

Das ist doch mal ein schnes Schlusswort!

<< vorheriges Interview
WIRTZ - Leicht kann doch jeder!
nchstes Interview >>
KING LEORIC - Langsam aus berzeugung!




 Weitere Artikel mit/ber TOTO: