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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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INLEGEND
Geißenpeter
Mario Loeb
www.inlegend.de


Inlegend

INLEGEND sind mir ihrem zweiten Album "Stones At Goliath" am Start, was mehr als nur einen starken Eindruck bei mir hinterließ. Klar das ich zuschlug als mich das Angebot von Bandmitglied Daniel Schmidle erreichte ein Interview mit ihm zu führen. Von meiner Seite schon mal vorneweg, Daniel entpuppte sich nicht nur im Interview, als echt sympathischer Kerl, sondern auch bei allem sonstigen Schriftverkehr den wir zusammenhatten. Vielen Dank, von meiner Seite dafür schon einmal

Hallo Daniel, erst einmal vielen Dank, für das Interviewangebot und Glückwunsch zu Eurem neuesten Werk "Stones At Goliath", das zwar spät bei mir zündete, dafür dann aber richtig.

Die erste Frage bietet sich damit auch gleich an: was denkst Du, warum es eine Weile bei mir gebraucht hat, bis das neue Werk gezündet hat. Meinst Du, dass, wie ich vermute, einfach ein anderes Zuhören vom Hörer gefordert wird, als bei einer "normalen" Metalband mit Gitarren?

Wir scheuen uns immer, Kategorien und Genres für Musik zu verwenden, deshalb würden wir uns selber jetzt auch nicht mit einer "normalen" Metalband vergleichen, vielleicht hat jemand, der gerne Mucke auf die Zwölf hört, mehr Spaß an "Stones At Goliath" als jemand, der nur tibetanischen Kehlengesang hört. Aber du hast natürlich recht, das etwas ungewöhnliche Arrangement der Instrumente kann schon dazu führen, dass man sich erst "reinhören" muss. Es war uns bei der Scheibe auch sehr wichtig Musik zu schaffen, die nicht nur zur Raumdekoration dient, sondern tiefer geht. Das bedeutet aber natürlich auch, dass nicht nur der Hörer einen Anspruch an die Musik hat, sondern die Musik auch an den Hörer.

Ich bin beeindruckt von der Sounddichte auf "Stones At Goliath"! Wie lange habt Ihr im Studio am Endmix gesessen und wem haben wir in erster Linie den Soundteppich zu verdanken?

Vielen Dank erst mal für die Blumen, der Mixprozess war tatsächlich ein richtig großer Teil der gesamten Arbeit am Album. Nachdem wir mit allen Aufnahmen fertig waren, haben wir in unserem eigenen Studio schon angefangen, die einzelnen Komponenten etwas zurecht zu mixen, z.B. die unterschiedlichen Stimmen im Chor, die Synthesizer im Verhältnis zueinander und so weiter. Anschließend sind wir mit unseren Projekten zu Jürgen Lusky in die HOFA-Studios gefahren, Basti und ich haben dort (mit kurzen Unterbrechungen) bestimmt vier Wochen verbracht, dort sind aber Ferienwohnungen dabei, es gibt eine Sauna und einen französischen Koch und die Studiokatze ist sehr verspielt und heißt "Geißenpeter". Jürgen hat Outboard-Equiptment im Gegenwert eines Einfamilien-Hauses in das Studio gekarrt und dort haben wir Stück für Stück alles zusammengemischt. Um Deine Frage zu beantworten: Den Mix haben wir eigentlich selber gemacht, Jürgen hat uns dabei aber stark unterstützt und als unsere Augen und Ohren fungiert. Das Master allerdings haben wir, mit staunenden Ohren, Jürgen überlassen.

Gibt es in der Arbeitsweise beim Komponieren Eurer Songs Unterschiede zu anderen Bands mit Gitarre und wenn ja, wie groß sind diese?

Bastian komponiert ja schon immer ohne Gitarren, da er schon immer nicht Gitarre spielen kann. Ein großer Teil des Songwriting Prozesses findet im Kopf statt. Ich habe zum Beispiel immer wieder Sprachaufnahmen von Basti bekommen, in denen er eine Gesangsmelodie ausprobiert und ihn das Navi im Hintergrund zum Abbiegen auffordert. Ich glaube, Bastis Kreativität beschränkt sich nicht auf 88 Tasten, die Tasten sind halt Mittel zum Zweck.

Wie kam es eigentlich zur Gründung von INLEGEND? War von Anfang an der Gedanke da, besetzungstechnisch genau diese Art von Konzept zu verfolgen oder war es eher Zufall und es ist für Euch durchaus vorstellbar, irgendwann vielleicht auch mal einen Gastmusiker einzuladen, der über Eure Songs eine krachende E-Gitarre legt?

Ursprünglich war INLEGEND (oder damals noch In Legend) von Basti mehr als Studioprojekt geplant. Dann kam aber die Gelegenheit, das erste mal mit Van Canto zu touren, ich glaube das war 2010. Und so wurde aus dem "Projekt" eine Band. Zu Deiner zweiten Frage: Lustigerweise zockt Udo (der Gitarrist bei Emergency Gate) ab und an Songs von uns auf der Gitarre und es klingt tatsächlich recht geil, also klar – sag niemals nie. Bei den Akustik-Shows, die wir im Januar gespielt haben, hatten wir ja sogar zwei Gitarren mit dabei.

Eure Songs sind alle sehr auf den Punkt und man merkt in jeder Sekunde, dass man es hier mit absoluten Profis zu tun hat, die genau wissen, wann, wie, was und wo gespielt werden muss. Wie ist es um Eure musikalische Ausbildung bestellt? Welchen Werdegang habt Ihr hinter Euch gebracht, um auf diesem Niveau spielen zu können?

Lustigerweise kommen Bastian und ich aus zwei vollkommen verschiedenen Richtungen der musikalischen Didaktik. Bastian ist totaler Autodidakt und hat in Burkina Faso wahrscheinlich schon das Trommeln gelernt, bevor er richtig laufen konnte und hat sich dann später alles am Klavier selbst beigebracht. Ich hatte schon im Kindergartenalter Klavierunterricht und war dann später auch auf einem musischen Gymnasium, deshalb habe ich z.B. nie wirklich auswendig gespielt und erst so richtig damit angefangen, als ich bei INLEGEND eingestiegen bin. Aber grundsätzlich ist das Zusammenspiel in der Band vor allem auch ein "Zusammen spielen" - sonst nützen einem die besten Fähigkeiten des Einzelnen nichts und das bereitet uns in der neuen Konstellation wirklich viel Spaß.

Hand auf's Herz! Wie, mit Verlaub, anstrengend ist es, zwischendurch mit jemandem wie Bastian Emig zu musizieren? Wie viele Instrumente spielt der Mann eigentlich? Ich erinnere mich z.B. an ein Interview mit Taylor Hawkins von den Foo Fighters, in dem Taylor über Dave Grohl sagt, dass es manchmal schon deprimierend sein könne, als gar nicht so schlechter Musiker mit einem solchen Multitalent wie Dave Grohl Musik zu machen. Dass Bastian ein Multitalent zu sein scheint, liegt wohl auf der Hand. Wie funktioniert Eure Zusammenarbeit in der Hinsicht und was könnt ihr Euch evtl. gegenseitig beibringen?

Haha... das ist wirklich eine gute Frage und dem Vergleich schließe ich mich auch total an. Aktuell spielt Basti alles was mit Trommeln zu tun hat, Klavier und alles was mit Tasten zu tun hat und er singt natürlich auch, ich bin mir aber sicher, dass er auch keine großen Probleme hätte, ein ganz anderes Instrument zu lernen, weil Musikalität und Rhythmusgefühl ja unabhängig von Instrumenten sind. Es ist auch tatsächlich so, dass wir uns beim Proben manchmal wirklich in die Haare kriegen, z.B. wenn ich mir Fingersätze einfacher mache und zwei, drei Zwischentöne weglasse und Basti sich dann um seine Noten betrogen fühlt. Grundsätzlich ist das Musizieren mit Basti auf jeden Fall auch von Perfektionismus geprägt, aber dadurch beginnt die Musik erst zu leben. Ich glaube, viel von dem Zauber mancher Songs hat mit einer Harmonie zu tun, die für das Ohr manchmal eingängig und einfach klingt, den Musiker aber zur Weissglut bringen kann. Es ist auf jeden Fall wichtig, diese Situationen nicht persönlich zu nehmen, es geht dabei um die Musik als Gesamtwerk und nicht um jeden Einzelnen. Mit einem eigenen Weinregal im Proberaum haben wir das bis jetzt auch immer gut hinbekommen.

Was hältst Du persönlich von den Foo Fighters bzw. welche CDs laufen aktuell bei Dir im Player?

Inlegend

Hhmmm, also ich finde Foo Fighters nicht schlecht. Ich finde Dave Grohls Persönlichkeit aber interessanter als seine Rolle in diversen Bands.
Ich höre gerade auf Dauerrotation:
Raised Fist – From the North
Napalm Death – Apex Predator Easy Meat
Biffy Clyro – Similarities
Parov Stelar – The Art of Sampling
Trentemøller – Lost
Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase.

Die Musik von INLEGEND würde sich auch richtig gut als Soundtrack für einen großen Kinoblockbuster eignen. Gibt es einen Filmkomponisten, den Du besonders magst oder bei dem Ihr Euch vorstellen könntet, einmal zusammenzuarbeiten?

Basti hat schon ein paar Mal Filmmusik komponiert – unter anderem für Daniel Wild, der auch schon für das ein oder andere INLEGEND-Video Regie geführt hat. Grundsätzlich drehen wir einfach gerne Videos und würden wahrscheinlich lieber mit einem innovativen Regisseur als einem Filmmusik-Komponisten zusammenarbeiten. Früher fand ich Hans Zimmer ziemlich gut, aber die Filmmusik zu Interstellar finde ich unfassbar uninspiriert und fast schon dreist von Philip Glass´ "koyaanisqatsi" abgekupfert.

Mit welchen Worten würdest Du Eure neue LP selbst beschreiben?

Hand Hammered Piano Craft. Rockmusik auf die Zwölf mit Melodie-Bögen, die wir von Berlin bis nach Brasilien spannen.

Zum Abschluss gebe ich den Bands immer die Möglichkeit, für sich Werbung zu machen. Also haut rein, Jungs! Warum soll man Eure Konzerte besuchen und warum ist die neue INLEGEND Pflichtprogramm?

Vielen Dank für die Fragen und die Möglichkeit, uns hier ein bisschen aufzublasen. "Stones At Goliath" ist Pflichtprogramm, denn die Platte wird euch lange und in jeder Situation begleiten, für uns war es der Soundtrack der letzten zwei Jahre und ist jetzt die Musik unseres Neustarts geworden. Wir freuen uns, wenn unsere Musik auch ein bisschen die Filmmusik zu eurem eigenen Film wird. Zu den Shows solltet ihr dringen kommen wenn ihr: Den vielleicht größten Bassisten Deutschlands, die zwei weltweit einmaligen Adler-Klaviere und die mit großem Abstand beste Hand-Hammered-Piano-Craft-Band der Welt sehen wollt!

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