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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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BETONTOD
Schwarzes Blut – fließt in unseren Venen
Mario Loeb
www.betontod.de


Betontod

Der "Traum von Freiheit" von Betontod ist mehr als nur ein Albumtitel und wirkt schon beim ersten Hören wie ein textlicher Befreiungsschlag der Band. Ein Schritt raus aus der berühmten "Grauzone", in die die Band ungewollt im Internet hinein gestellt wurde und sich dort so einige Vorwürfe gefallen lassen musste. Nach dem neuen Silberling sollten diese jedoch verstummen. Wie ernst und offen man mit dem Thema umgeht und wie wichtig es ihnen ist, nicht in eine solche Ecke gedrängt zu werden, zeigen auch die sehr ehrlichen und offenen Antworten auf unsere Fragen vom Gitarristen Frank Vohwinkel.

Erst einmal Glückwunsch zu Eurem neuen Werk"Traum von Freiheit", welches mich mehr als überzeugt hat. Wie zufrieden seid Ihr selbst mit Eurem Werk, wie liefen die Aufnahmen zu Eurem neuen Album und inwieweit habt ihr das Gefühl, dass es Euch Eurer Vorstellung der eigenen Freiheit ein Stück näher gebracht hat, denn ich hatte beim Hören eurer Platte den Eindruck, dass Euch so einiges auf der Seele gebrannt hat, was Ihr los werden wolltet?

Danke, uns freut es immer, wenn das, was wir da so jahrelang machen, auch entsprechenden Anklang findet. In der Tat ist das Album so eine Art Befreiungsschlag für uns selbst. Das heißt in unserer Bandentwicklung hat es zum letzten Album schon ein paar Veränderungen gegeben, aber da hatten wir noch nicht das Gefühl, angekommen zu sein. Dieses Gefühl haben wir mit diesem Album definitiv.

Betontod

In der Info zu Eurer Platte findet man ein Statement Eures Gitarristen, das wie folgt lautet :"Wir wollen uns nicht in die Grauzone vieler anderer Bands begeben, sondern zeigen, dass man auch auf der richtigen Seite richtige Aussagen machen kann". Wie ist es nach Eurer Meinung dazu gekommen, dass es im Netz Menschen gibt, die Euch in eine rechts-offene Sparte stecken? Und wie wichtig war es für Euch, mit Eurer Platte ein klares Zeichen zu setzen, wie z.B. mit dem Song"Geschichte", beispielsweise auch im Hinblick darauf, dass durch Zufall gerade die"Pegida"-Bewegung in vollem Gang war?

Du als Band empfindest das natürlich ganz anders als die Leute, die solchen Müll schreiben. Von daher bekommst Du das auch in erster Linie dann nur indirekt zu spüren. Es ging allerdings dann letztendlich so weit, dass wir auf Festivals hinterfragt und wir mit diesem Thema konfrontiert wurden. Ich meine, es ist schon irgendwie komisch, wenn man als Punkband in so eine Ecke gedrängt wird. Wir haben allerdings ein reines Gewissen und so entstand in uns der feste Wille, all den Leuten da draußen ein paar klare Worte entgegenzuschreien.

Wer sich ein wenig mit Betontod beschäftigt, stößt schnell auf eine Vergangenheit, die Euch eher mit linkslastigen Bands auf der Bühne zeigt oder Ihr auch z.B. mit Songs auf der"Schlachtrufe BRD" zu finden seid. Außerdem habt Ihr laut"Wikipedia" Eure erste große Aufmerksamkeit 2006 bei einer gemeinsamen Tour mit der deutschen Punkband"Hass" bekommen. Welche Erinnerung habt Ihr an die gemeinsame Tour und wie wichtig sind Euch diese Wurzeln heute noch?

Das war für uns ein riesiges Erlebnis, die Jungs kennenzulernen. Die wissen das zwar gar nicht, aber Hass war eine der Bands mit denen alles angefangen hat. Auf dem Schulhof, wo man die ersten Punk-LPs austauschte. Da war gerade die "Gebt der Meute" von denen raus. Ein Meisterwerk, das uns stark beeinflusst hat. Die Tour war dann eine riesengroße Party und ich glaube das empfanden die Jungs von Hass, zu denen wir heute noch einen Super-Kontakt haben, auch so.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man als Band mit deutschen Texten immer wieder aufgefordert wird, sich in die eine oder andere Richtung zu erklären. Nirgendwo anders wird man so schnell, und das nicht nur aus politischer Sicht, in eine Schublade gesteckt, wie als Deutschrock-Band. Entweder man klingt wie die Toten Hosen, die Onkelz oder bekommt im allerschlimmsten Fall gesagt, dass man eine so schöne Stimme wie der Sänger von Pur hat (ohne Quatsch, das ist mir passiert und das hat mich in meiner Grundfeste so erschüttert, dass ich schon fast nie mehr eine Bühne betreten wollte!). Mangelt es den Bands, aus Eurer Sicht, in der Deutschrock-Szene an Phantasie, ihre eigene Musik zu entwickeln oder ist die Jagd nach dem Kommerz zu groß, da viele Bands ein Stück vom Kuchen wie z.B. der Onkelz abhaben wollen oder zur Zeit auch um die Nachfolge von Unheilig wetteifern? Kann es auch sein, dass die alten Künstler einfach so große Fußstapfen hinterlassen haben, dass ein Vergleich immer unausweichlich ist? Wie ist Eure Sicht der Dinge und was denkt Ihr, wie die Entwicklung des Deutschrocks und Punks weitergeht?

Diese Entwicklung von Szenen kann man nicht steuern, das ist in erster Linie erst einmal etwas Gutes, weil nur so Kunst entsteht. Dass es in jeder Szene sehr viele Kopien gibt, ist halt auch die Wahrheit und das Erbe von irgendwelchen Bands anzutreten war halt gerade für kleine Bands noch nie so leicht, weil diese Art von Musik nicht gerade anspruchsvoll ist, zumindest auf den ersten Blick. Hier trennt sich dann nämlich die Spreu vom Weizen, auch die einfachste Punkrockband wie die Ramones hat es geschafft, mit einfachsten Mitteln etwas Eigenes zu schaffen. Nur darum geht es glaube ich. Dass die Leute immer krampfhaft versuchen, uns in Schubladen zu stecken, nehmen wir denen gar nicht mehr krumm, da wir es den Leuten halt mit den Jahren auch immer schwerer gemacht haben. Und wenn man es genau nimmt, sind die Toten Hosen auch nur ein Abklatsch von Bands wie Fehlfarben…

Wenn Ihr Euren Freunden ein Deutschrock- oder Punkalbum aus den 80ern empfehlen müsstet, das unverzichtbar ist, welche Platte wäre das?

Da würde jeder von uns ein anderes Album nennen. Ich war immer der Funpunker, von daher mit Sicherheit bei mir eines von den Abstürzenden Brieftauben oder den Goldenen Zitronen. Die habe ich früher abgefeiert. Aber ein geniales Album war"Ausflug mit Franziska" von Razzia.

Verlassen wir mal diese Schiene und gehen zurück in Eure Kindheit. An welche deutschen Künstler erinnert Ihr Euch noch heute und welche singt Ihr vielleicht bei einem Bier auch heute noch gerne mit?

Auch hier sind wir nicht festgelegt. Da gibt es so viele gute aber auch schlechte Sachen, dass es schwer fällt. Im Tourbus läuft aber manchmal schon krasser Scheiß…

Viele Klischees begleiten den Punk-Rock und den Punk-Rocker, jetzt also mal Hand auf's Herz, habt Ihr schon mal jemals in einem besetzten Haus gespielt oder in der Fußgängerpassage um 'ne Mark gebettelt und nicht zu vergessen: wann habt Ihr das letzte mal einen Billig-Wein aus dem Tetra-Pack getrunken?

Betontod

In besetzen Häusern schon, aber auf der Straße für ne Mark / nen Euro noch nicht. Das würde noch ausstehen. Kann man ja nochmal machen. Wird bestimmt lustig… Und Alkohol haben wir glaube ich aus allem getrunken, in was man das abfüllen kann…

Wenn Ihr einer jungen deutschen Rock- oder Punk-Band Tipps geben würdet, welche Fehler sie niemals begehen sollten, die Ihr vielleicht auch selber gemacht habt, welche wären das?

Da wäre es glaube ich hochnäsig den Bands irgendetwas vorzuschlagen. Wir haben unsere Erfahrung gemacht, aber das muss nicht heißen, dass es für die anderen Bands genauso läuft. Ich denke jede Band sollte sich früh entscheiden, welchen Weg sie gehen will. Es gibt nämlich nur 2 Wege. Der erste ist der, mit Vollgas und ohne Kompromisse durchzustarten, da lässt man dann aber leider viel links liegen in seinem Leben und der andere, als Hobbyband Spaß zu haben, was auch vollkommen ok ist.

Ich nenne Euch jetzt ein paar kurze Stichwörter. Bitte beantwortet sie spontan mit dem, was Euch als erstes dazu einfällt. - Ramones - Frauen - Ratinger Hof - Claudia Schiffer - Liebeslieder - Fortuna - Urlaub - Religion - Spaß - Schwarzes Blut

Ramones – sind eine einzigartige Band und werden es auch für immer bleiben! Frauen – sind wie ein offenes Buch für einen Blinden… Ratinger Hof – haben wir leider nur von gelesen und durften dort nie spielen Claudia Schiffer – Nachbarin… Liebeslieder – Haben wir mittlerweile keine Angst mehr vor Fortuna – BVB! Urlaub – jederzeit wenn Zeit ist Religion – irgendwie ok aber irgendwie auch nicht… zumindest nicht wie es vorgelebt wird Spaß – haben wir immer Schwarzes Blut – fließt in unseren Venen

Zum Abschluss gebe ich den Bands immer die Möglichkeit, für sich Werbung zu machen, also haut rein, Jungs! Warum soll man Eure Konzerte besuchen und warum ist die neue Betontod Pflichtprogramm?

Weil wir immer in der Lage sind, aus einem normalen Abend etwas Besonderes zu machen. Und das in Verbindung mit unseren Fans, von daher zieht euch die Scheiben rein und kommt live vorbei!

Ich danke Euch, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, mir die Fragen zu beantworten und wünsche Euch noch weiterhin viel Erfolg!



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