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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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AUTUMNAL
Immer mit der Ruhe!
Marc Fischer
www.facebook.com/autumnaldoom


Acht Jahre haben sich die spanischen Doom-Metaller von AUTUMNAL Zeit gelassen, ehe mit "The End Of The Third Day" ein neues Lebenszeichen von der iberischen Halbinsel zu hren war. Dass man jedoch fr gute Musik nicht zwingend einen Rhythmus von zwei bis drei Jahren einhalten muss, beweisen die vier Sdeuroper auf ihrer neuen Scheibe eindrucksvoll. Alles was es braucht ist Zeit, Ruhe, ein geordnetes Umfeld und die richtigen Leute an den entscheidenden Stellen. Grund genug, der Herangehensweise mal auf den Zahn zu fhlen und Gitarrist Julio Fernndez etwas von seiner kostbaren Zeit zu stehlen.


Vor acht Jahren habt ihr euer letztes Album "Grey Universe" verffentlicht. Was ist das fr ein Gefhl, nun wieder so im Mittelpunkt zu stehen und soviel Aufmerksamkeit zu bekommen?

Zuerst einmal danke fr das Interesse. Es fhlt sich gut an, wieder zurck zu sein und unseren Fans - Alten wie Neuen ein neues Werk liefern zu knnen, welches sie wie uns dermaen in den Bann zieht. Es ist groartig, wie "The End Of The Third Day" von den Leuten aufgenommen worden ist, vor allem weil wir auch eine Menge Arbeit und Zeit investiert haben. Wir waren mit ganzem Herzen und all unserer Erfahrung dabei, haben auf alles geachtet und uns auf uns selbst und einen kleinen Kreis von engen Freunden konzentriert, um das Umfeld zu schaffen, das wir brauchten, um unsere Arbeit beenden zu knnen.

Autumnal

Warum hat es so lange gedauert, bis ihr ein neues Album verffentlicht habt?

Es gab verschiedene Grnde fr die lange Dauer, aber Entfernung, Zeit und unser Budget sind die Hauptgrnde. Hinzu kommt, dass wir von der Musik allein nicht leben knnen. Javier (Javier de Pablo, Snger, Anm. des Autors) lebt in Barcelona, whrend der Rest von uns in Madrid wohnt. Zustzlich sind einige Mitglieder inzwischen Familienvter. In den letzten Jahren gab es daher immer wieder beide Phasen: fieberhaftes arbeiten und Zeiten, wo wir uns sehr auf unsere eigenen Familien, Kinder und unser Leben konzentriert haben. Daher sind die Distanz und die persnlichen Situationen innerhalb der Band komplex und wir drfen nichts einfach berstrzen. Wir vertrauen lieber in unsere Beharrlichkeit und Willensstrke, als etwas zu erzwingen. Je hrter wir arbeiten, umso besser wird das Ergebnis.

"The End Of The Third Day" wird im Moment von vielen Medien gefeiert. Wie waren eure Erwartungen an die neue Verffentlichung? Habt ihr diesen Reaktionen gerechnet?

Unsere Arbeit wird gelobt, ja. Wir wussten, dass wir keine schlechte Platte verffentlicht haben, nachdem wir das Endergebnis gehrt hatten. Aber dass wir so viele positive Reaktionen erhalten, haben wir nicht erwartet. Das sind Dutzende. Wir bekommen groartige Rezensionen von Webzines, Magazinen und vielen anderen. Daher nochmals: Es ist unglaublich. Trotzdessen waren wir auch beunruhigt, denn "The End Of The Third Day" ist komplexer und weit weg vom Vorgnger "Grey Universe". "The End Of The Third Day" besteht nicht allein aus Doom-Anlehnungen und Doom-Riffs, sondern aus vielen weiteren Elementen. Es kann genauso von Doom-Fans wie von anderen Fans aus anderen Genres im Metal gehrt werden. Das ist einer der Hauptgrnde fr all die anerkennende Beurteilung der Medien. Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Musik mit neuen Elementen weiterentwickeln konnten und einen Schritt nach vorne gemacht haben.

Wie kam es zum Cover des Songs "Don't Leave Me Now" von Supertramp? Warum dieser Song, warum diese Band und was war die Idee dahinter?

In der Regel sind Cover-Ideen meist recht schrge Experimente, aber es ist ein echt guter Song geworden. Es war schon immer schwer, uns als Band fr ein Cover zu entscheiden, da wir vier musikalisch aus verschiedenen Welten zusammen kommen. Wir entschieden uns, an etwas besonderem zu arbeiten und bemerkten schlielich, whrend wir ber viele Bands sprachen, dass Supertramp eine der Gruppen war, die uns schon immer seit unserer Kindheit, ob in Radios oder Erinnerungen, begleitet hat. "Don't Leave Me Now" bermittelt genau die Gefhle und Empfindungen, die unser neues Album "The End Of The Third Day" noch brauchte, als Teil eines inneren Dialogs fr das Verlorene und Unersetzliche. Die Art und Weise, wie Supertramp diese Message mit dem Saxophon und dem Klavier in Kombination mit der Stimme von Roger Hodgson rber brachte, war einfach groartig. Wir glaubten, wir knnen dies alles umformen und den Song mit unserem Sound verbinden.

Welchen Einfluss hatte Jens Bogren, der schon mit Knstlern wie Katatonia, Opeth und Paradise Lost zusammengearbeitet hat, auf die neue Platte?

The End Of The Third Day" wurde von Carlos Santos in den Sadman Studios in Madrid aufgenommen und von uns und Carlos schlielich abgemixt. Fr den Mastering-Prozess mussten wir aber trotzdem einen Schritt weitergehen und entschieden uns schlielich dafr, mit jemanden zusammen zu arbeiten, der in dem Bereich bereits eine groe Erfahrung vorweisen kann. Wir wussten, dass das Ergebnis bei den von dir bereits angesprochenen Referenzen wie Katatonia oder Opeth ein Gutes werden wrde. Bogren hat beispielsweise auch bereits mit spanischen Bands wie Helevorn gearbeitet. Das Resultat ist letztlich so, wie wir es wollten und wie es sich nun anhrt: eine Atmosphre gefllt mit einer Eindringlichkeit und Schwere, gepaart mit Emotionen und Gefhlen, die dich in manchen Passagen einerseits zu Trnen rhrt oder mit ihren Riffs geradezu betrunken macht. Schon vor dem Mastering durch Jens war die Scheibe groartig, aber er hat den Sound mit diesem speziellen nordischen Touch versehen, den unsere Musik brauchte.

Autumnal

Ihr nutzt hufig auch klassische Instrumente wie Cellos und Violinen in euren Liedern. Gibt es weitere traditionelle Einflsse, vielleicht auch direkte spanische Einflsse? Der Einsatz von typischen spanischen Instrumenten wie die Vihuela oder das Cajon, wren das Mglichkeiten, wie sich AUTUMNAL in der Zukunft noch weiter entwickeln knnten?

Wir liebten schon immer den Klang von Streichinstrumenten. Wir konnten dabei auf groartige Musiker wie Alberto Roman Silgado und Yuri Rapopov zhlen, um dies mglich zu machen. Musikalisch ist unser Motto und unser Leitspruch, null Vorurteile gegenber allem zu haben. Das heit, dass wir niemals "Nein" zu einer sich bietenden Mglichkeit sagen. Von daher kann es schon sein, dass wir in Zukunft neue und andere Instrumente nutzen, um unsere Musik mit weiteren Stilen und Details ausschmcken zu knnen, ganz egal ob spanisch oder nicht. Dabei wollen wir aber nicht unsere Wurzeln und unseren Sound aus den Augen verlieren.

Nach dem Debt "Grey Universe" hie es, ihr seid eine "gute Kopie" von Bands wie My Dying Bride oder alten Paradise Lost. Wrdet ihr sagen, ihr habt euch von diesem Vorurteil und euren Vorbildern emanzipiert?

Wenn man es genau nimmt, sind Einflsse immer da und werden auch immer vorhanden sein. Diese Knstler werden immer ein Teil von uns sein und waren auch schon immer prsent, seitdem sie das Genre, in dem auch wir uns bewegen, erschaffen haben. Sie sind Ikonen und das werden sie auch immer bleiben. Nichtsdestotrotz luft die Zeit immer weiter. Whrend all der Jahre war die Erfahrung ausschlaggebend fr den Fortschritt. Wir konnten unsere Kpfe von diesen Perspektiven und Grenzen befreien, die bestimmt haben, was wir erschaffen. Wir haben viele verschiedene Projekte gehrt, deren Herangehensweisen und Arbeiten sich gendert haben. Natrlich ist es unmglich, unsere Grundlagen zu verbergen. Das wollen wir aber auch gar nicht! Aber neue Ideen entstehen jetzt in vllig anderen Perspektiven, wo wir nicht mehr ber Vorbilder nachdenken mssen, sondern nur auf unsere eigene Erfahrung fr neues Material zurckgreifen knnen.

Mssen wir also wieder acht Jahre bis zum nchsten AUTUMNAL-Album warten?

Mal sehen, ob wir es dieses Mal schneller schaffen und es nicht so lange dauert. Aber wie schon bereits gesagt sind die Distanz und die persnlichen Situationen innerhalb der Band sehr komplex und wir drfen nichts berstrzen. Aber wir werden unser Bestes geben, damit ihr da drauen nicht noch mal so lange warten msst. Wir sind zurck und bleiben dran, also haltet euch bereit, Leute!

Es ist nicht nur die neue Verffentlichung, die einen wohldurchdachten Eindruck hinterlsst. Nicht umsonst haben es AUTUMNAL mit Umsicht und Besonnenheit geschafft, quasi von null auf hundert aus der Versenkung durchzustarten. Sollte es also tatschlich doch etwas lnger dauern, braucht niemand Angst um das Quartett zu haben. Stattdessen kann man sich sicher sein, dass die nchste Verffentlichung mit lngerer Wartezeit wie ein guter Wein nur besser werden drfte.

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