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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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LION TWIN
Aus zwei wurden fünf!
Peter Hollecker
www.liontwin.com


Zunächst sollte es nur ein Projekt sein, mit dem Gitarrist Jan Jan Koemmert (Ex-Accept) und seine Sängerin Liane "Li" Vollmer-Sturm die Welt erobern wollten. Mit ein paar Studiomusikern nahmen sie 2013 ihr Debüt "Nashville" auf, worauf auch der gute alte Udo Dirkschneider bei einem Duett mit Li zu hören ist. Doch dann begab man sich erstmals auf Tour, eben mit U.D.O. und feste Mucker mussten her. Und weil das Touren so viel Spaß bringt, war die neu formierte Band Lion Twin seitdem fast ständig auf Deutschlands Bühnen zu erleben. Die ganze Geschichte und wie es mit Lion Twin weitergehen könnte, erzählen uns die beiden Hauptsäulen kurz vor ihrem ersten Auftritt bei der letzten Tour mit Rage in Osnabrück selber.

Li:Ja, so rückblickend gesehen haben wir nicht auf der faulen Haut gelegen. 2011 hat Jan eine Sängerin gesucht und eine gemeinsame Freundin hat ihn auf mich aufmerksam gemacht. Er hat dann ein paar Konzerte besucht, bei denen ich gesungen habe und dann hab ich auch schon vor seiner Tür gestanden. Jan: Für mich war von Anfang an klar, dass ich eine Sängerin haben wollte, denn ich mag Rockmusik mit weiblichem Gesang einfach sehr gerne. Außerdem haben wir dahingehend in Europa noch Nachholbedarf, es gibt viel zu wenig female fronted Bands.

Jetzt schon die dritte Tour mit Größen im Musikbiz. Wie fällt bis hierhin euer Fazit aus?

Li:Am Anfang war natürlich alles noch ungeheuer aufregend! Unsere erste Tour war ja mit U.D.O, der sich jedoch eher abgeschottet hat. Obwohl Udo Dirkschneider auf unserer ersten Single "Day Of Anger" ein Duett mit mir eingesungen hat und sogar ein Video mit uns gedreht hat. Jedenfalls waren wir auf dieser Tour noch verständlicherweise sehr nervös. Im April dieses Jahr waren wir dann mit Axxis unterwegs und das lief schon viel besser für uns. Alle waren sehr nett und haben uns unterstützt wo es nur ging, was auch für die zweite Vorband Tri State Corner gilt, die ja jetzt auch wieder dabei sind. Da hat sich tatsächlich viel aufgebaut an Freundschaften. Tja, und jetzt mit Rage scheint das wieder so zu werden. Für uns ist mit der Musik und dem Touren auf alle Fälle ein Traum wahr geworden, wenn auch verdammt viel Arbeit, Zeit und Geld damit verbunden war.

Jan durfte ja früher schon mal den Duft von viel Ruhm und Ehre beschnuppern. Wie die wenigsten vielleicht wissen, war er für ein Album und eine Tour schon mal der Gitarrist von Accept!

Jan: Das ist richtig. Ein Jahr lang war ich bei Accept, und zwar bei "Restless And Wild". Das Problem war, daß ich mit gerade mal achtzehn Jahren scheinbar zu jung war, die anderen waren alle deutlich über zwanzig und das hat halt nicht funktioniert. Da wurde ich einfach aus der Band geschmissen. Ehrlich gesagt, hab ich daran ganz schön lange rumzuknabbern gehabt.

Lion Twin

Doch geschadet hat es ihm nichts, denn danach ging es mit den anderen ehemaligen Accept-Mitgliedern Dieter Rubach und Frank Friedrich und der Band Bad Steve weiter, wenn auch nur für ein Album. Doch Jan ließ sich nicht beirren. Er war sogar vier Jahre lang Gitarrist im Orchester des Musicals "Starlight Express" in Bochum, was zu seinem Know How viel beigetragen hat. Zum Geldverdienen bräuchte der 53-jährige, der übrigens gut und gerne zehn Jahre jünger aussieht, die Musik indes nicht, denn der studierte Designer, Kunstgeschichtler und Medientheoretiker hatte schon Lehrstühle an Universitäten. Außerdem hielt er Vorträge an der Popakademie Baden-Württemberg. Seit ein paar Jahren ist er Leiter einer Werbeagentur und heimste schon mehrere begehrte Designerpreise ein. Selbstredend hat er es sich auch nicht nehmen lassen, das Bandlogo selbst zu entwerfen.

Jan: Es zeigt die Symbole der beiden Sternzeichen Löwe und Zwillinge. Li ist Zwilling und ich bin Löwe. Ich finde, es sieht gut aus und passt zu unserer Musik, obwohl wir beide nicht an Astrologie glauben.

Ihr bezeichnet eure Musik gerne als "Metal-Pop", doch sieht man euch auf der Bühne, ist doch mehr Metal als Pop.

Li:Wir finden halt, daß schon einiges von Popmusik drin ist, vor allem wenn ich an die Melodien denke. Auf der CD kommt das vielleicht noch besser zur Geltung, denn ist ja klar, daß wir als Anheizer für Rage nicht wollen, dass das Publikum nicht schon vor dem Hauptact einschläft.

Diese von dir angesprochene Platte habt ihr mit Gastmusikern eingespielt und von einer echten Ikone, nämlich Michael Wagener mischen lassen. Erzählt doch mal ein bisschen davon.

Jan:Jau stimmt, Lion Twin wurde von uns als Duo gegründet und bei den Aufnahmen wurden wir von Studiomusikern unterstützt. Auf Tour geht das natürlich nicht, so dass wir jetzt als richtige Band auftreten. Um das zu dokumentieren, haben wir auch ein Poster mit uns allen anfertigen lassen. Die anderen Jungs kommen auch aus Wuppertal und aus unserem näheren Umfeld. Die anderen Jungs sind Stefan Weber an der zweiten Gitarre, Armin Arlic am Bass und Jan Hinzmann an den Drums. Bevor wir jedoch an eine neuen Platte denken, wollen wir noch so oft es geht touren. Wir denken da jetzt schon an diverse Festivals nächstes Jahr.

Li:An den Michael Wagener sind wir ganz leicht ran gekommen. Wir haben ihn einfach angerufen und ihm unsere Musik geschickt. Ihm hat es gefallen und so sind wir für zwei Wochen zu ihm nach Nashville geflogen, wo er das Album gemischt hat. Was sich jetzt vielleicht für dich als Urlaub anhört, war in Wirklichkeit harte Arbeit. Einen Tag haben wir uns mal die Stadt angesehen, das war´s aber schon mit Sightseeing.

Die Arbeit hat sich jedoch gelohnt?

Jan:Auf alle Fälle! Er hat uns genau den Sound hingezaubert, den ich erwartet hatte. So wie früher bei Accept eben, auf den Punkt und unüberhörbar Michael Wagener, ich bin mehr als zufrieden!

Jan, du schreibst auch die Texte selbst, die oft sehr politisch ("Day Of Anger") oder kritisch sind, wie bei "Eco Warrior".

Jan:Ich mag es halt nicht, wenn Texte nichts aussagen und nur über Blabla gesungen wird. Und wenn wir uns die Nachrichten so ansehen, gibt es auch in Zukunft noch reichlich zu meckern!

Das darf man als Texter sicherlich auch machen.

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