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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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MARTY AND THE BAD PUNCH
Für jeden Song ein Kilo!
Peter Hollecker
www.martyandthebadpunch.com


Hier möchten wir euch einen überaus hoffnungsvollen Newcomer näher vorstellen, der quasi in Eigenregie ein superbes Debüt eingespielt hat. Martin Punsch heißt der Gute, der sich viel Zeit, Geld und einige Session Musiker nahm, um unter dem Namen Marty And The Bad Punch die CD bzw. LP "Moon Over Baskerville" einzuspielen. Das Ergebnis klingt herrlich klassisch, abwechslungsreich sowie enorm professionell und heimste allerseits nur gute Kritiken ein, wie u.a. auch bei unserem Review nachzulesen ist. Ich war also höchst gespannt, was für ein Mensch der Martin eigentlich so ist und ich kann euch sagen, dass er nicht nur eine ehrliche Haut, sondern auch jemand ist der eine ganze Menge Interessantes zu berichten weiß.


Marty, zum Einstieg eine leichte Frage: Ist das hier dein erstes Interview?

Nein, letzte Woche hatte ich bereits eines mit einem Radiosender. Aber mit einem Online-Rockmagazin ist es tatsächlich mein erstes. Auch hoffe ich, dass sich noch ein paar Printmagazine nach der Veröffentlichung der Platte melden werden. Ich muss zugeben, dass ich auch ein bisschen nervös bin.

MARTY AND THE BAD PUNCH

Das macht nichts, denn das kann man nicht herauslesen. Dabei kennst du das doch, denn du bist ja quasi ein Kollege von mir, richtig?

Ja stimmt, aber trotzdem ist das hier was anderes. Ich schreibe selbst ein paar Interviews und Liveberichte für ein kleines Online-Portal. Es heißt myRockworld und da bin ich vornehmlich hier im süddeutschen Raum rund um München unterwegs.

Da kann ich mir vorstellen, dass du hier deine Verbindungen hast spielen lassen, um an die Musiker für dein Album zu kommen, oder? Also erzähl unseren Lesern doch mal die Geschichte.

Gern. Also ich mach schon seit Ewigkeiten Musik. Mit 6 Jahren bekam ich schon Klavierunterricht und mit 12 bin ich dann auf Gitarre umgestiegen. Allerdings habe ich erst mit 17 begonnen so richtig Gitarre zu spielen, vorher habe ich nur für mich allein vor dem Spiegel geübt, weil das cool aussah. Dann hatte ich diverse Metalbands und Mitte der Neunziger bin ich in eine Blues-Band eingestiegen. Das hat mir eine Menge Spaß gemacht und ich habe hier auch sehr viel Neues gelernt, das muss ich schon sagen. Wohl auch, weil ich versucht habe, mich kreativ in die Band einzubringen, obwohl ich später dann merkte, dass Hardrock eher mein Ding ist. Die Idee für ein eigenes Album hatte ich erst 2009. Ich hatte damals eine schwere Krankheit, litt an Diabetes und wog seinerzeit 160 kg. Als ich einen Zuckerschock bekam und ins Krankenhaus musste, hieß es dann entweder umdenken oder ins Gras beißen. Also habe ich mein Leben komplett umgestellt, natürlich auch die Ernährung und hab innerhalb eines halben Jahres 50 Kilo abgenommen. Das hat mir natürlich insgesamt sehr gut getan, woraufhin ich mich belohnen und mein erstes eigene Album in Angriff nehmen wollte, ja schon eine Art Lebenstraumerfüllung. Daraufhin habe ich im selben Jahr noch angefangen und Songs geschrieben. Insgesamt sind dann um die 50 Songs dabei herausgekommen, von denen ich zwölf fürs Album ausgesucht habe. Da die stilistisch nicht zu meiner Band gepasst haben, bin ich einfach ausgestiegen, haha! Jedoch habe ich für meine eigene Geschichte keine Musiker gefunden habe, die mich unterstützen wollten, so musste ich mir was anderes überlegen.

Wie kann es denn sein, dass du bei der Qualität der Songs keine Musiker gefunden hast?

Das Problem war einfach, dass sich alle auf einen Stil festlegen wollten. Ich wollte aber von Anfang an eine abwechslungsreiche Platte. Ich hatte mich ja mit der Auswahl der Songs schon festgelegt, da war eine Nummer dabei die etwas countrylastiger war, ein anderer klang musikalisch nach Deep Purple und wieder ein anderer ging in die Poprichtung. Heutzutage wollen das Musiker für eine feste Band nicht, die wollen eine Stilrichtung. Auch die Umsetzung meiner Idee mit Hobbymusikern erschien mir letztendlich zu schwierig.

Und wie ging es dann weiter?

Ja, ich mache ja wie eben schon gesagt nebenbei und als reines Hobby noch den Musikjournalismus. Ich habe im Rahmen eines Interviews vor ein paar Jahren Kelly Hansen von Foreigner kennen gelernt. Dem habe ich ein paar Nummern von mir vorgespielt und ihm erzählt, dass ich gerne ein eigenes Album aufnehmen möchte. Kelly hat mir daraufhin den David Cagle empfohlen, der in Amerika ein gefragter Studio Musiker ist. Den habe ich dann ganz einfach über Facebook angetickert und ihm ebenfalls ein paar Songs zukommen lassen. Die haben ihm gefallen und so hat sich eins zum anderen ergeben.

Stell uns doch mal deine Mitmusiker etwas näher vor. Ich finde es vor allem verwunderlich, dass wir hier von David Cagle noch nichts gehört haben.

David ist Amerikaner und kommt aus Birmingham/Alabama. Er ist wie die anderen auch Berufsmusiker und singt in vielen verschiedenen Projekten. Auch für Werbesongs und Jingles war er schon häufig zu hören, meistens drüben in den USA. Dann haben wir am Bass den Martin Modnik, ebenfalls ein Studiomusiker aus den USA, allerdings kommt er aus Las Vegas. Beide sind sogenannte Online-Musiker, die man nebenbei mieten kann und die ihren Beruf daraus gemacht haben. Sie spielen zusätzlich in diversen Show-Bands und Sessions drüben und man kann sie mieten. Man weiß schon vorher, dass die Qualität stimmt, denn sie sind absolute Profis! Der einzige Deutsche ist am Keyboard der Robert Karasek, der für ein bekanntes Keyboard-Fachmagazin Artikel verfasst und ebenfalls sehr professionell arbeitet. Zu guter Letzt haben wir noch einen Engländer dabei, und zwar Will Jones an den Drums.

Aber für deine Gitarrenparts hast du dich letztendlich für ein richtiges Studio entschieden?

Ja genau! Die Demos habe ich zwar bei mir zuhause aufgenommen und habe sie dann an die verschiedenen Musiker geschickt. Zuerst hat der Drummer seine Sachen drauf gespielt und die Sachen zurückgeschickt. Dann hab ich alles wieder nach Las Vegas gemailt, wo der Martin Modnik seine Bassspuren draufgelegt hat. Und so ging das halt weiter, am Ende hat David Cagle den Gesang gemacht. Die Gitarren habe ich vor dem Gesang dann in einem richtigen Studio aufgenommen, denn in dieser Qualität kann ich das zuhause gar nicht machen. Ich weiß, dass heutzutage viele Alben quasi im Wohnzimmer entstehen, aber ich mag diesen sterilen künstlichen und Fake Sound nicht. Ich habe einen schönen alten Fender-Amp. Baujahr 1979 und ein Computer kann den einfach unmöglich ersetzen, noch nicht mal ähnlich klingen! Ich hoffe, dass man das der Scheibe auch anhört. Insgesamt haben sich die Aufnahmen zwar ganz schön lange hingezogen, aber es war eine tolle Erfahrung. Und ehrlich, ich habe die Platte anfangs nur für mich gemacht.

Die ist aber zu gut nur für dich alleine, weshalb wir das jetzt ändern. Hand aufs Herz, sowas kostet doch auch eine Menge Geld, oder?

Wenn du es wissen willst: pro Song für jeden Musiker etwa 250 US-Dollar. Jetzt kannst du rechnen, da ist Werbung, CDs und LPs pressen etc. noch nicht dabei.

MARTY AND THE BAD PUNCH

Wie viele Exemplare hast du eigentlich bestellt?

500 CDs und nochmal genauso viele LPs. Ich hoffe aber, dass wir nach pressen müssen.

Ganz schön selbstbewusst, doch ich glaube das ist gerechtfertigt. Wie siehst du selbst die Zukunft von Marty & The Bad Punch?

Normalerweise müssten wir jetzt raus auf die Bühnen, aber das kann ich mir beim besten Willen nicht leisten. Es wäre einfach zu aufwendig und teuer alles umzusetzen. Aber ich werde auf alle Fälle noch eine zweite Platte machen, das steht jetzt schon fest. Ich habe schließlich noch ein paar Sachen übrig, die ich schon aufs erste Album packen wollte, auch ein paar Balladen, ach einfach noch genug gute Musik. Allerdings möchte ich ein paar Fehler, die ich gemacht habe nicht nochmal machen.

Was waren das denn für Fehler?

Mmh, wie sage ich das jetzt? Ich habe das Projekt ja hier zuhause ganz hobbymäßig und amateurhaft angefangen. Den Musikern habe ich alle erdenklichen Freiheiten gegeben, heute würde ich vielleicht mehr eingreifend tätig werden, man sagt mit mehr "Klicks" arbeiten. Auch würde ich die Songs teilweise anders aufbauen. Alles nur Kleinigkeiten. Durch den langen Entstehungsprozess von fast fünf Jahren hört sich das Album vielleicht nicht rund genug an, teilweise haben sich ja sogar die technischen Möglichkeiten zwischendrin geändert. Ein komplettes Paket wäre im Nachhinein sinnvoller gewesen, für "Moon Over Baskerville" haben wir immer nur Song für Song gearbeitet.

Das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau, denn für einen Erstling bewegt sich das Album auf einem enorm hohen Level. Ich wünsche dir jedenfalls alles erdenklich Gute für das erste Album und dann hoffe ich bald auf einen Nachfolger. Und bleib gesund!

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