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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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SLASH
Kein Solo für den Zylinder?
Martin Stark
slashonline.com


"World On Fire" ist ein vielseitiges und in sich sehr stimmiges Album. Bei einer kurzen Stippvisite in Deutschland diesbezüglich treffen wir den Zylinder-Träger in noblem Ambiente einer sündhaft teuren Hotel-Suite im Herzen der Hauptstadt. Der Ausnahme-Gitarrist erfüllt dabei über die Gitarre neben sich bis hin zum breitschultrigen Bodyguard vor der Tür -gewollt oder ungewollt -viele Klischees, ist aber letztlich nach kurzen Anlaufschwierigkeiten ein angenehmer und ehrlicher Interview-Partner.

Slash, "World On Fire" ist das dritte Album in vergleichsweise kurzer Zeit, dazwischen erschien noch eine Live-CD/-DVD und du warst ordentlich auf Tour. Woher kommt dieser plötzliche -sagen wir mal - Motivationssschub?

Wie meinst du das? Ich verstehe die Frage nicht. Dieser Zwei-Jahres-Rhythmus ist für mich normal, nur verbringe ich in der Regel sehr viel Zeit auf Tour.

Nun, gemessen an der langen Zeit seit dem Ende der klassischen Gunners Mitte der Neunziger warst du zwar in verschiedenen Konstellationen und Bands wie Snakepit oder Velvet Revolver aktiv, sowie mit zahllosen Gastauftritten bei z.B. Sammy Hagar, Alice Cooper bis Motörhead alles andere als untätig, aber eine derart hohe Schlagzahl an eigenen Veröffentlichungen gab es in der Form -Touren hin oder her -ja nun noch nicht!

Slash

Für mich ist das nicht ungewohnt, denn ich kann nicht stillsitzen. Bei den angesprochenen Projekten und Bands schwangen natürlich auch weitere Personen sowie geschäftliche Überlegungen der Labels und so weiter mit. Aber ich persönlich arbeite meist schon auf Tour zu einer Platte an dem Nachfolger. Heute kannst du ja problemlos eine Idee oder ein einzelnes Riff auf deinem Smartphone festhalten und bei nächster Gelegenheit entsprechend aufnehmen und verfeinern. Wir sind in der jetzigen Zusammensetzung mit Myles, aber auch den anderen Musikern, mit denen ich nun schon einige Jahre live unterwegs bin, schnell und nachhaltig zu einer festen Bandkonstellation herangewachsen. Es fühlte sich gleich wie eine Band an, aber ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass wir beinahe eine Familie geworden sind. Die erste Platte besaß noch diesen Solo-Charakter. Es hieß in etwa hier ist der Song, lerne ihn morgens und abends beginnen dann die Aufnahmen. Aber durch das Touren und die Arbeit an dem Nachfolger mit denselben großartigen Musikern verlor sich der Solo-Gedanke zunehmend.

Dann sind alle Songs auf Tour entstanden?

Ja, im Prinzip schon. Bis auf "Dirty Love", dessen Wurzeln weit vor die erste Solo-Platte reichen, aber nie für die folgenden Scheiben gepasst haben. Das ursprüngliche Riff war recht funky und wir haben so lange daran rum geschraubt bis der Kern des Songs gar nicht mehr präsent war. Der Rest der Songs ist während der "Apocalyptic Love"-Tour entstanden.

Du betonst nicht zuletzt durch den etwas umständlich geratenen Namen Slash fest. Myles Kennedy And The Conspirators (Abkürzung: SFMKATC) offensichtlich den Bandcharakter. Warum dann nicht gleich einen griffigeren Namen, zumal die Konstellation mit Myles trotz seines Hauptjobs bei Alter Bridge ja wirklich eine feste Band geworden zu sein scheint?

Ganz einfach, wir wollten nicht schon wieder den Namen ändern und so auch die Kontinuität dieser Band betonen. Da spielen sicher auch Überlegungen seitens des Labels rein, wobei ich dir recht gebe, dass die verwendete Abkürzung SFMKATC vielleicht wenig verwirrend ist, aber es ist nunmal die logische Abkürzung. Ob es einem gefällt oder nicht.

Das Songmaterial auf "World On Fire" ist in der Breite deutlich melodischer als auf den beiden Vorgängern. Eine bewusste Kurskorrektur?

Nein, ich denke, dass Myles und ich als Songwriting-Team einfach immer besser harmonieren. Das hat weniger mit einer bewussten Änderung der musikalischen Marschrichtung zu tun, auch wenn das vielleicht den Anschein erweckt. Wir folgen einfach unserem Innersten und wenn dann dabei eine hörbare Veränderung herauskommt, dann ist das einerseits nicht beabsichtigt, andererseits aber auch in Ordnung, denn es sind ja unsere Songs. Und alles andere kann ich nicht beeinflussen. Ich schreibe in erster Linie die Musik, Myles die Texte.

"Beneath A Savage Sun" beispielsweise beginnt sehr düster und stimmungsvoll, besitzt am Ende aber auch einen sehr einfachen, aber effektiven Chorus. Wie entsteht so ein Song?

Das ist ein gutes Beispiel. Alles beginnt mit einer Riff-Idee auf meinem Computer, die in diesem Fall in einem Hotelzimmer oder einem Backstage-Raum entstand. Alles ohne Verstärker, entweder voll akustisch oder auf einer elektrischen Gitarre, aber ohne Effekte und ähnliches. Dann kommt irgendwann die Band ins Spiel, fügt hier und da kleine Details ein und am Ende steht ein Song und ich kann dir ehrlich gesagt nicht mehr genau sagen, wie er zu dem wurde, was er heute ist. Aber die ursprüngliche Idee ist immer ein Teil von ihm. Das finale Arrangement ist aber am Anfang nicht abzusehen, sondern ist das Ergebnis eines Prozesses.

Slash

Alles Songs sind klassisch mit analogen Bandmaschinen aufgenommen worden, wenn ich der Vorab-Info Glauben schenken darf. Ohne ProTools und diese vielen kleinen digitalen Hilfsmittel, die heutzutage beinahe jedem ermöglichen, ohne großen finanziellen Aufwand und auch mit eher durchschnittlichem spielerischen Können Alben aufzunehmen!

Das ist richtig und das möchte ich auch nicht ändern. Am Ende jedoch, wenn die Musik aufgenommen ist schicken wir das Material der Einfachheit halber einmal durch ProTools und nehmen auch die Vocals damit auf, aber das war es dann auch. Ich denke einfach, dass die Soundqualität durch die traditionelle Art und Weise immer noch eine ganz andere ist und kein Programm der Welt dies digital reproduzieren kann. Es ist doch kein Zufall, dass wir alle noch die großen Alben der Siebziger so verehren, oder?

Nachdem du für viele Jahre ein integraler Bestandteil einer der wohl größten Rockbands aller Zeiten und in vielerlei Hinsicht Teil einer monströsen, ab Ende sich selbst verzehrenden Maschinerie warst, geniesst du wahrscheinlich die momentane Situation sehr, oder? Und fühlst du eigentlich einen gewissen Druck? Beweisen musst du sicherlich in keinerlei Hinsicht niemandem mehr irgendetwas.

Nein, nicht wirklich. Ich meine, ich tue das weil ich es liebe und um der Songs willen. Ich kann mich nicht erinnern jemals diesen Druck verspürt zu haben, auch damals bei Guns'n'Roses nicht. Es gibt den Anspruch den jeder an sich selbst stellen sollte und wenn man den erfüllt kann es im Grunde nicht schlecht sein, denke ich. Wenn die Aufnahmen und das Mischen vorüber sind, dann möchtest du die Songs veröffentlichen und bist froh, wenn es passiert. Aber von Druck kann ich da nicht reden, nein.

Zunächst geht es als Support für Aerosmith in den Staaten auf Tour. Schaut man in deine Vergangenheit, so macht diese Kombination durchaus Sinn. Leider beehrst du den alten Kontinent vergleichsweise selten.

Aerosmith waren schon immer eine große Inspiration für mich und auch in den alten Tagen gab es zahlreiche gegenseitige Gastauftritte und ähnliches, und sogar erst vor ein paar Tagen standen wir zusammen auf der Bühne und jammten zu einem ihrer Songs. Aber der Plan ist ganz klar nach besagter Tour im Spät-Herbst auch bei euch zu spielen, dann aber als Headliner. Die letzten Gigs liegen ja auch schon wieder ein paar Jahre zurück. Aber auch die europäischen Festivals im nächsten Jahr sind eingeplant.

Stichwort: Heimat. Du durftest kürzlich bei einem Eishockey-Spiel der NHL die amerikanische Hymne spielen, wie man einschlägigem YouTube-Material entnehmen kann. Gebürtig bist du jedoch Engländer, lebst aber seit früher Kindheit in den Staaten. Was bedeutet dir ein solcher Auftritt, der aber sicher auch zu Promotion-Zwecken im Vorfeld einer neuen Scheibe Sinn macht?.

Ich mache so etwas gerne und habe sowohl die amerikanische als auch die englische Hymne bei ähnlichen Gelegenheiten zum Besten gegeben. Bei dem von dir angesprochenen Event war es allerdings so, dass die eigentlich eingeplante Sängerin erkrankte und man spontan mich fragte, ob ich einspringen kann, da ich ohnehin anwesend war. Ich habe zu beiden Ländern eine tiefe Verbindung und daher fühlen sich beide Hymnen gut an und ehrlich gesagt habe ich darüber auch noch nie wirklich nachgedacht. Diese Hymnen sind einfach Songs mit großem Symbolcharakter und es ist eine Ehre sie vor Menschen, denen sie ebenfalls viel bedeuten, spielen zu dürfen.

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