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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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UNISONIC
Im Raumschiff zum Olymp!
Peter Hollecker
www.unisonic.org


Was waren alle Hard & Heavy Fans gespannt auf das Zweitwerk von Unisonic, der All Star Band um Michael Kiske, Dennis Ward, Kai Hansen, Mandy Mayer und Kosta Zafiriou. War deren Debt schon sehr gut und auch erfolgreich, sollte dies mit "Light Of Dawn" noch getoppt werden. Was macht denn das Besondere an dieser Band aus? Ich glaube, dass es tatschlich Erinnerungen an alte Helloween-Zeiten sind, denn Kiskes Stimme und Hansens Gitarrenspiel zusammen klingt eben unverkennbar nach Helloween zu deren Grotaten wie den beiden Keeper-Alben. Und das bekommen die Fans jetzt erneut geboten, wenn auch die Melodien noch eingngiger, ja fast schon poppig daherkommen. Einen groen Anteil daran hat unbestritten Dennis Ward, der nicht nur produziert, sondern auch das Gros der neuen Songs komponiert hat. Wie das alles so ablief und Ausblicke in die Zukunft erlutern uns eben Dennis Ward und Wunderstimme Michael Kiske.

Unisonic

Dennis: Wir fingen im Dezember an, die neuen Stcke zu schreiben und haben erstmal gesammelt. Dann haben wir uns als Band zweimal fr jeweils vier Tage hier in Karlsruhe getroffen, um die Sachen einzuspielen und an den Songs zu feilen. Das war diesmal anders als beim ersten Album, weil diese Tage uns dieses echte Bandfeeling und den ntigen Zusammenhalt gebracht haben. Eigentlich waren sechs Tage geplant, aber die Arbeiten gingen wider Erwarten schneller vonstatten. Da sind die Jungs eben frher nach Hause gefahren. Das war es dann aber schon mit schmutziger Bandarbeit, haha, denn mehr war diesmal nicht drin, wenn wir uns das auch gewnscht htten. Bei uns sind die Solo-Parts sehr wichtig fr unseren Sound, dafr geht immer die meiste Zeit drauf. Die Produktion selbst ging danach eigentlich recht schnell vonstatten, denn man muss ja bedenken, dass alle Musiker noch mit anderen Dingen beschftigt waren. Kai war bis kurz vor Schluss mit Gamma Ray auf Tour, Michael mit Avantasia unterwegs, Mandy mit Krokus, Kosta ist ja nebenher auch Manager von Helloween und ich hab ja sowieso immer genug zu tun. Aber deshalb habe ich diesmal wohl den Lwenanteil der Musik geschrieben, es muss bei Album Nummer 3 aber nicht automatisch wieder so sein!

Michael quatscht dann noch weiter aus dem Nhkstchen!

Michael :Ich habe diesmal nur zwei Stcke zum Album beigetragen, allerdings bekommen diese Songs auch die kompletten Bandcredits, denn alle haben an den endgltigen Fassungen mitgearbeitet. Das ist tatschlich an den Tagen passiert, an denen wir hier im Studio als Band zusammen waren. Jeder schleppte seine Ideen als Grundgerst mit an, bei dem einen waren die Songs fertiger als beim anderen, doch insgesamt war diese Zeit richtig fruchtbar. Wir fhlen uns dadurch als Einheit und ich fr meine Person lege meine ganze Energie in den nchsten Monaten in diese Band. Ich bin in Sachen Unisonic ungeheuer motiviert und habe jede Menge Ideen fr die Zukunft!

Ich frage Michael nach einem textlich wie musikalisch genialem Song wie "No One Ever Sees Me" vom Erstling.

Michael: Keine Angst, den wirst Du auch hren, er heit "Blood" und ist einer der beiden von mir geschriebenen Songs! Er hat einen sehr persnlichen Text und gehrt zu den ruhigeren Stcken auf dem Album.

Der Begriff der "Supergroup" ist meiner Meinung nach in vielen Fllen vllig berzogen und wird von den Medien leider allzu oft berstrapaziert. In den meisten Fllen handelt es sich sowieso dann nur um kurzweilige Projekte oder die Egos von einigen Mitgliedern drngen in den Vordergrund, was dann zum unvermeidlichen Aus fhrt, wie etwa krzlich mit der Black Country Communion geschehen.

Michael: Der groe Unterschied zu anderen zusammengewrfelten Haufen besteht darin, das wir seit unserer Grndung als Band gewachsen sind. Wir fingen ja schon 2009 an, uns gelegentlich zu treffen und zu jammen. Okay, Kai Hansen fand erst spter zu uns, doch war genau er, der den letzten Kick in die Truppe brachte. Bei uns luft immer alles total entspannt ab, das Motto ist "alles kann, nichts muss" . Wer wie viele neue Songs anschleppt ist nicht so wichtig, Hauptsache es funzt dann zusammen. Fr das neue Album hat Dennis wie schon erwhnt diesmal den Lwenanteil geschrieben.

Dennis: Weil die anderen halt einfach nur faul sind (lacht). Spa beiseite, da ich ja auch unsere Sachen produziere, bin ich ganz automatisch nher dran. Alle haben neben Unisonic noch mit anderen Geschichten zu tun und wir mssen unsere Zeit gut einteilen, alles mu wirklich gut aufeinander abgestimmt sein. Aber bei uns funktioniert das ganz prima. Diesmal war halt Kai derjenige, der seine Sachen als letzter abgegeben hat, weil er noch mit Gamma Ray unterwegs war.

Kanntet ihr euch eigentlich schon vorher untereinander, also Michael und Kai sowie Dennis und Kosta mal ausgenommen selbstverstndlich.

Dennis: Ich kannte alle, was aber auch damit zu tun hat, da ich als Produzent schon mit ihnen gearbeitet habe.

Michael: Bei mir sieht das etwas anders aus, Mandy kannte ich bis dahin gar nicht und Kosta habe ich bei einem Helloween Konzert 2009 in Hamburg kennengelernt. Das war von seiner Seite aus so etwas wie ein erstes Beschnuppern. Er wollte herausfinden, wie ich denn so drauf bin und ticke. Kosta hat mich etwas spter auch gefragt, ob ich Lust auf diese Band habe. Und die hatte ich.

Anders als bei den meisten Projekten habt ihr von Anfang groen Wert auf eine Live-Prsenz von Unisonic gelegt. Wurdet ihr eigentlich vom groen Erfolg vor zwei Jahren berrascht?

Michael: Nee, ehrlich gesagt htte ich mir aus Deutschland sogar noch mehr Zuspruch erhofft. Im europischen Ausland und dem Rest der Welt hatten wir mehr Erfolg, das wird sich jetzt mit dem neuen Album aber hoffentlich ndern. Es war grundstzlich ein guter Start, aber wir haben noch mehr vor. Im Sommer stehen ein paar Festival-Auftritte an und danach geht es mit Edguy zusammen auf Tournee. Ich glaube, dass beide Bands gut zueinander passen und es sich um zwei gleichberechtigte Headliner handelt. Und vielleicht werden auf diese Weise Edguy-Fans auf uns aufmerksam und umgekehrt.

Dennis produziert eine ganze Menge Musik verschiedenster Bands, ich knnte ihn fast als Massenproduzent bezeichnen. Gibt es denn in der Arbeitsweise einen Unterschied zu den Bands, an denen er persnlich beteiligt ist, etwa Pink Cream 69 oder halt Unisonic?

Dennis: Puh, schwere Frage. Also meistens ist mehr Herzblut im Spiel und der Arbeitsaufwand ist durch die Schreiberei an den eigenen Songs ein hherer. Dazu kommen ja noch die Auftritte und Tourneen. Der groe Vorteil ist jedoch, dass ich jederzeit meine Bandkollegen zu diesem oder jenem Thema fragen kann, was sie dazu meinen. Das ist fr mich das Schne an einer Band. Die reinen Produktionen fr andere Projekte und Bands laufen mittlerweile mit einer gewissen Routine ab, was aber nicht heien soll, dass ich weniger konzentriert arbeite. Die Technik habe ich ganz gut im Griff.

Nach der Tour ist vor der Tour heit es so schn. Dennis hat durch seine Produzenten-und Mixarbeiten sicherlich ein gutes Auskommen, wie sieht es denn bei Michael aus?

Michael: Also was mich betrifft, stecke ich meine ganze Kraft und Konzentration fr den Rest des Jahres in Unisonic! Ich kann behaupten, dass ich motiviert wie seit langem nicht mehr bin. Wenn es nach mir ginge wrden wir das richtig gro aufziehen! Man knnte zum Beispiel das "U-Raumschiff" vom Cover mit Scheinwerfern bestckt ber der Bhne fliegen lassen, wre das nicht geil? Okay, der Plattenfirma wren die Kosten dafr sicherlich zu hoch, haha, keine Ahnung was die dazu sagen wrden. Ansonsten stehen noch ein paar Arbeiten zum zweiten Album mit Amanda Somerville an, wann das jedoch rauskommt, wei ich nicht. Und auch Tobi Sammet hat in Sachen Avantasia wieder angefragt, aber das wird ein Thema fr nchstes Jahr sein. Darber knnen wir uns ja ausgiebig whrend der gemeinsamen Tour mit Edguy unterhalten.

Unisonic

Fr euer Debt hast du einen sehr traurigen und schnen Song geschrieben, und zwar "No One Ever Sees Me", der die Zwangsheirat im Nahen Osten und das Frauenbild im Orient zum Thema hat. Erzhl doch etwas mehr zu dem von dir eben schon angesprochenen "Blood".

Michael: Ja, gern, "Blood" hat einen noch viel persnlicheren Text. Es geht um die These beziehungsweise meiner Meinung nach der Tatsache, dass uns viele Entscheidungen und Handlungsweisen angeboren oder vererbt sind. Sie liegen uns im Blut, wie es weitlufig ja so heit. Frher gab es ja auch die berhmten Blutsbande in Germanien, als es auch Blutrachen an der Tagesordnung waren. Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der diese Gefhle nicht mehr ganz so im Vordergrund stehen, jedoch in gewissen Bevlkerungsschichten durchaus noch zutage treten knnen. Die familire Liebe spielt da auch eine groe Rolle. Mir kam die Idee zum Text nach einem heftigen Streit mit meinem Bruder, der dort Zge unseres verstorbenen Vaters zum Vorschein brachte. Der war bis zu seinem Tod Alkoholiker und manchmal unberechenbar, weshalb die Liebe untereinander viel zu kurz kam. Nicht dass mein Bruder ebenfalls alkoholabhngig wre, aber gewisse Muster meines Vaters hauten mich vllig vom Hocker, was wahrscheinlich daran liegt, dass das Blut meines Vaters in den Vordergrund trat. Gott sei Dank haben wir uns kurz darauf wieder vertragen und das Thema ist aus der Welt.

Und hat uns einen weiteren, sehr emotionalen Kiske-Song beschert, danke also an deinen Bruder! Wer entscheidet denn letztendlich, welche Songs auf einem Unisonic-Album erscheinen?

Michael: Auch das ist, auch wenn es sich jetzt platt anhrt, eine Bandentscheidung. In den meisten Fllen sind wir uns allerdings recht schnell einig geworden, wir hren mittlerweile, ob ein Song funktioniert fr uns oder nicht. In den seltenen Fllen, bei denen wir uns alle unsicher sind, entscheide ich letztendlich, weil ich die Sachen schlielich singen mu, das war aber bisher nur zweimal der Fall auf beiden Alben.

Dennis: Ich bin der Typ, der ganz gerne immer ein paar Songs mehr in Petto hat und auch aufnimmt. Dabei mu ich jedoch aufpassen, dass es nicht zu viele sind, sonst passen einige vom Stil her doch nicht so zu unserem Unisonic-Sound oder die Ideen gehen aus. Auerdem will die Plattenfirma immer noch ein paar Songs fr die EPs und Japan-Pressungen. Das kriegen wir aber relativ schnell heraus, denn wenn Mandy und Kai ihre Parts eingespielt haben, hren wir genau, ob es ein Song fr uns ist oder auch nicht. Wir legen da eine demokratische Entscheidung der Abstimmung zugrunde. "I Come Undone" stammt noch von den Aufnahmen zum ersten Album, der kam jedoch auf die "For The Kingdom"-EP, der Rest sind alle nagelneue Songs.

Wre es denn nicht mal eine gute Idee, eine Unisonic-Show whrend der kommenden Tour mitzufilmen?

Dennis: Also technisch ist das heutzutage ja berhaupt kein Problem mehr. Die finanzielle Frage ist allerdings eine andere. Groe Festivals wie das "Bang Your Head" oder das "Masters Of Rock" schneiden Bild und Ton mit und bieten der Band das Material fr Geld an. Ich wei nicht genau, wie viel so etwas kostet, glaube aber, da das nicht allzu teuer ist und es sich lohnen knnte. Mittlerweile gibt es auch die sogenannten "Procams", die total klein sind und die man hier und da unauffllig auf der Bhne platzieren kann und die qualitativ hochwertige Aufnahmen machen, die man benutzen knnte. Allerdings finde ich, dass eine Live-DVD nach nur zwei Alben etwas frh sein knnte, aber das ist auf jeden Fall ein Thema, ber das wir auch noch sprechen werden.

Wir bleiben auf alle Flle am Ball!

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