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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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NEOPERA
Einer brüllt, zwei singen!
Peter Hollecker
www.neopera.com


Es ist zur Zeit mal wieder richtig angesagt, Rockmusik oder Metal mit klassischen Elementen zu verbinden. Dabei reicht es oftmals nicht, ein Sinfonieorchester einzusetzen und so der Musik durch Pauken, Trompeten und Streicher eine Portion Bombast mehr zu verpassen. Nein, spätestens seit Nightwish müssen auch noch klassisch ausgebildete Vokalisten, wobei es meist ja die Frauenstimmen sind, regelrechte Arien zu den harten Riffs beisteuern. Dass das durchaus gut klingen kann, ist bekannt. Und so traten auch sogenannte "Metalopern" wie Tobi Sammet's Avantasia, Timo Tolkki's Avalon, Rage und deren Lingua Mortis Orchestra und viele andere mehr ihren Siegeszug um die Welt an. Kürzlich trat nun ein weiteres Projekt auf den Plan, das dem Genre weitere Facetten hinzufügt und durch den Einsatz von gleich drei Vokalisten aufhorchen lässt. Neopera nennt sich das Gefüge, dessen Kopf Jörn Schubert, seines Zeichens Gitarrist und Denker von Dark Age sich das Konzept ausgedacht hat. Erste Reaktionen von Journalisten und Zuhörern waren schonmal sehr positiv und auch die Szene zeigte reges Interesse. Wie sonst ist zu erklären, dass beim diesjährigen "Wacken-Festival" schon ein Auftritt gebucht wurde?


NEOPERA So erklärt uns Jörn selbst seine Intuitionen und Gedanken hinter diesem wirklich ambitionierten Projekt Neopera!

Ich begann schon im Alter von sieben Jahren mit dem Komponieren eigener Sachen. Schließlich spielte ich vor der Gitarre schon Klavier und kein Lehrer der Welt bringt einem zuerst Hardrock auf diesem Instrument bei", lacht Jörn. So kam ich logischerweise zuerst mit klassischen Klängen in Berührung. Erst im Jugendalter begann ich mich für Metal zu interessieren, mein älterer Bruder hat mich darauf gebracht. Dann hörte ich zum ersten Mal Yngwie Malmsteen, "Marching Out" hat mich völlig umgehauen. Diese Art des Gitarrenspiels mit der Verbindung zu Paganini, Bach und Beethoven gefiel mir ungemein. Später hörte ich auch Bands wie Nightwish oder Rhapsody, aber es waren immer bloß Teile der Alben, die mich komplett überzeugt haben. Ich hatte immer das Gefühl, daß man diese Grundideen noch feiner ausarbeiten und besser verpacken könnte.

Das ist dir offensichtlich gelungen. Ich habe gelesen, daß du schon länger an dieser Idee arbeitest, ist das richtig?

Genau, im Grunde genommen schon viele viele Jahre! Das älteste an unserer CD sind bestimmt die Songs. Mit den letzten und wichtigsten Arbeiten bin ich seit Anfang 2010 beschäftigt. Das Schwierigste war es für uns, die richtigen Sänger zu finden, das kannst du dir bestimmt vorstellen. Zwei klassisch ausgebildete Sänger und einen Shouter unter einen Hut zu bringen ist gar nicht so leicht! Ich habe damals auf der Homepage von Dark Age, bei Facebook und in einem Magazin einen Aufruf gestartet. Dadurch hat sich Nina bei uns gemeldet, von der ich sofort nach dem ersten Vorsingen begeistert war. Eine andere befreundete Sängerin empfahl uns dann den Thorsten, der mit Metal vorher gar nichts am Hut hatte. Trotzdem konnten wir ihn davon überzeugen, sich einmal damit auseinanderzusetzen. Gott sei Dank hat das gefruchtet. Das Beste ist, dass sich die beiden mit dem Mirko, der alle Shouts und Growls macht, bestens verstehen.

Genauso wichtig ist jedoch, dass alles zusammen so gut klingt wie es klingt, oder?

NEOPERA Ja, das stimmt natürlich. Doch das haben wir nach ersten Aufnahmen relativ schnell gemerkt. Diese fanden übrigens in den Hammer-Studios in Hamburg statt, das ja mittlerweile abgebrannt ist. Dirk Schlächter von Gamma Ray hing da mit uns von Dark Age immer ab und da haben wir uns kennengelernt. Ihm habe ich meine Ideen und Vorstellungen erzählt und er war so begeistert, dass er die Bass-Parts auf dem Album komplett eingespielt hat. Er hat auch den Kontakt zu Corvin Bahn hergestellt, der für uns die Orchesterarrangements macht.

Noch bevor dieses Interview hier erscheint, habt ihr eure Feuertaufe schon hinter euch. Die fand gleich vor ganz großem Publikum in Wacken statt! Ich finde es enorm, noch vor ersten Publikumsreaktionen und der Veröffentlichung eines Debüts zu solch einer Chance zu kommen. Wie wird die Umsetzung denn auf der Bühne aussehen, gleich mit "großem Besteck"?

Haha, nein, natürlich nicht. So lange werden wir auch nicht spielen, dass sich ein Orchester lohnen würde. Außerdem wäre das finanziell nicht zu stemmen. Wir werden einen Keyboarder dabeihaben, der die Streicher ersetzt. Mir sind zwei Gitarren wichtiger, da können wir uns schön abwechseln und uns die Bälle zuspielen. Live können Dirk und André leider nicht dabei sein, sie haben leider andere Verpflichtungen. Doch wir haben gute und erfahrene Musiker dabei. Vielleicht spielt Nina noch Querflöte, denn sie ist eine komplett ausgebildete klassische Musikerin, aber das müssen wir noch sehen, das wird schon alles funzen. Aber ich träume natürlich von einer großen Umsetzung mit Orchester in Zukunft. Und ja, die Verantwortlichen schenken uns schon viel Vertrauen vorab, was auch für unsere Plattenfirma gilt. Vielleicht hatte ich einfach mal Glück!

Das muss man sich allerdings auch erarbeiten, von selbst kommt es meistens nicht um die Ecke, schon gar nicht in der Musikszene. Wir drücken euch die Daumen, dass das Glück euch weiter zur Seite stehen wird.
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