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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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DIE APOKALYPTISCHEN REITER
Eine Band, eine Welt, eine Setliste!
Thorsten Dietrich
www.tieftiefer.reitermania.de


Die Apokalyptischen Reiter sind eine Konstante in der deutschen Metalszene und haben auch im Ausland ihre Fans. Nachdem viele sie eher als Partyband mit lustiger Bhnenshow und oft augenzwinkernden Texten sahen, sind sie mit ihrem neuen Doppelalbum "Tief Tiefer" ein Stck ernster und sagen wir erwachsener geworden, was auch sicherlich kontrovers aufgenommen wird. Wir sprachen mit Bassist Volkmar "Volkman" Weber der sich genauso gut auszudrcken und mitzuteilen wei wie man es bei den Texten auch hrt. Auch ist es immer noch und wieder erfrischend KEINE platten Slogans diktiert zu bekommen.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

Euer neues Album "Tief - Tiefer" ist ja eine Doppel-CD. War das von Anfang an geplant oder wolltet ihr das Unplugged Werk ursprnglich alleine verffentlichen?

Ganz am Anfang stand die Idee, eine Akustik EP Anfang 2013 zu verffentlichten. Da waren wir gerade von der Hausboot Tour zurck und ganz hingerissen von den neuen Stcken. Aber naja, wie das bei uns eben so ist. Wir lassen alles erstmal sacken und schauen, ob es uns auch 2 Monate spter noch bockt. Und siehe da, da haben wir schon wieder einiges ber den Haufen geschmissen und gedacht: vielleicht sollten wir das mit der akustischen Seite auch erstmal besser erforschen, sprich mehr jammen, ein paar Konzerte machen, einfach: Erfahrungen sammeln. Rock Rubin hat ja Tom Morello auch wieder auf die Strae geschickt, als er "The Nightwatchman" aufnehmen wollte. Von wegen, lern erstmal spielen und so. War bei uns im Grunde hnlich: da macht man 18 Jahre Metal, immer nur Bratpfanne und voller Einsatz und nun soll es pltzlich relaxt und cool klingen. Geht gar nicht so einfach, den Schalter umzulegen. Irgendwann war dann sie Sache mit der Ep hinfllig. Wenn schon, denn schon: also lieber gleich 'ne ganze Platte davon machen, sonst glaubt wieder keiner, dass wir das Ernst nehmen.

Beide Alben sind einzeln recht kurz - warum dann die Doppel-CD. Ich erwarte nun als Antwort da man musikalisch trennen wollte, aber im Ernst: etwas mehr htte es sein drfen!

In der Krze liegt die Wrze. Wir fanden schon, dass 75 Minuten mehr sind, als heute der Hrer eigentlich verarbeiten kann. Das ist schon ein Brocken, den man erstmal verdauen muss. Viele fhlen sich jetzt schon erschlagen, berrollt und was wei ich, was man noch so lesen muss. Nochmal 20 Minuten oben drauf? Wir haben tatschlich einige Stcke mehr aufgenommen, aber sie dann erstmal nicht aufs Album gepackt. Kam uns einfach zu viel und zu lang vor. Sie htten musikalisch auch nicht wirklich 100%ig zum Albumkonzept gepasst. Wir wollten es thematisch und von der Stimmung her geschlossen halten. So wie es ist, ist es rund und gut.

Das normale Studioalbum klingt schon einen Tick anders als frher, was sich schon etwas auf dem Vorgnger abzeichnete. Ihr klingt erwachsener, kompakter und ernster. War das ein bewusster Schritt?

Das mit dem erwachsen werden ist ein natrlicher Prozess. Zumindest sollte es sein, auch wenn das Kind im Manne gern immer noch toben darf. Aber mal ehrlich. Wenn ich lese, wir sollen wieder wie "Soft & Stronger" klingen, dann hiee das auch, wieder zu einem wtenden, unreflektierten, pbelnden Teenager zu werden. Jedes Album ist ein Produkt seiner Zeit und irgendwie auch ein Spiegel der Seele und der Persnlichkeit, die man damals war. Menschen verndern sich. Soll vorkommen. Und somit auch Bands. Wir haben im Laufe der Zeit eine bunte, wilde Reise auf uns genommen und jedes Album markiert insofern auch einen Wegstein, musikalisch wie persnlich. Und irgendwann ist es dann auch mal gut mit infantilen Spen, sondern man sucht sich Themen, die wichtig sind und substantiell, man betrachtet die Welt, denkt nach, reflektiert. Die langsame, schleichende Vernderung bekommen Fans natrlich immer in dicken Brocken mit, wenn wir alle zwei oder drei Jahre ein Album machen. Aber mal ehrlich, wundert es wirklich noch jemanden, wenn wir stets die Herausforderungen des Unbekannten suchen und eben nicht das Feld beackern, das schon frher bestellt wurde. Konservatismus und Angepasstheit ist uns ein Graus. Zu viel Mittelma, zu viel Gleichschritt und Gleichklang. Die Band ist unser kreativer Fluchtpunkt. Wir gehen da hin und toben uns aus, weil es der einzige Platz ist in einer von Regeln durchdrungenen Welt, wo wir tatschlich frei sind.

Ihr seid live und das kann ich als Vielseher behaupten als " stimmungsvolle Partyband" (Blle, Schlauchboot, etc.) erfolgreich und habt auch oft ein sehr junges Publikum. Das neue Werk ist da von anderer Stimmung. Habt ihr keine Angst da etwas diesen Ruf zu verlieren und evtl. auch Zuschauer?

Was ist schon sicher? Einen auf Nummer sicher machen langweilt am Ende auch nur. Wenn Leute dich kritisieren wollen, dann tun sie es, egal was du tust. Die Sache mit den Bllen und Schlauchbooten, das stand fr eine bestimmte Phase in der wir waren. Mittlerweile machen wir das schon eine Weile nicht mehr, aber natrlich brennen sich solche Dinge ein bei den Leuten. Als Band verkaufst du am Ende auch nur Trume und viele Fans leben und durchleben mit Bands hchste Hhen und tiefste Tiefen. Man geht mit Bands schlafen und hrt ihre Musik. Wer kommt sonst Menschen noch so nahe? Viele Leute sind krank von der Oberflchlichkeit oder dem Stress, der ihnen tglich auf Arbeit serviert wird. Sie sind abgestumpft vom realen Wahnsinn aus Fernsehgerten. Das Netz verndert alles und jeden. Wir sind am Ende im Herzen immer Hippies geblieben, die ihren Fans zurufen wollen: vergesst nicht, wer ihr seid und schaltet mal einen Gang zurck. Ich glaube, das Interesse an der Band geht mittlerweile weit ber das Musikalische hinaus. Wir stehen fr ein anderes Bewusstsein, wir leben und denken anders. Wir stellen Fragen, die sonst niemand stellt. Wir schauen uns die Welt an und halten es wie Alexander von Humboldt, der sich am meisten vor der Weltanschauung jener frchtete, die sich die Welt nie angeschaut haben.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER

Was auch 2014 auffllt - fremdsprachige Texte oder Passagen sind wieder nicht vorhanden. Kam das auch bewusst oder einfach so, bleibt das so? Ich fand die Mischung frher genial!

Natrlich hat das einigen so wie dir gefallen. Aber irgendwann muss man sich entscheiden, fr was die Band steht. Seit wir mit "Unter der Asche" den ersten deutschen Song der Bandgeschichte geschrieben haben, haben sich die Dinge dramatisch verndert. Texte wurden pltzlich wichtig und die Dimension des Musikalischen wurde um die Dimension des Lyrischen und Poetischen erweitert. Wir haben viel nachgedacht, was die Band in Gnze ausmacht, was sie abhebt und kennzeichnet. Haben Interviews und Reviews aus der ganzen Welt gelesen. Keine Genrenamen helfen, aber eines schon: die Band ist, atmet und denkt deutsch. Das mag platt klingen, aber die wortgewaltige Sprache von Fuchs erschafft mit der facettenreichen Musik eine Kombination, die einzigartig und speziell ist. Wir haben schnell gemerkt, dass dies ein Trademark ist, der den Erfolg der Band mit begrndet hat.


Deutsche Bands , gerade der sogenannte Deutschrock empfinde ich oft als schablonenhaft. Bei euch wei ich manchmal nicht was ihr meint. Da muss man schon gut zuhren und auch mal nachdenken, interpretieren. Textlich seid ihr 2014 noch einen Tick komplizierter, oder wie siehst du das?

Natrlich sind wir kompliziert und so ziemlich das Gegenteil von dem, was leicht zugnglich ist. Deutschrock verfhrt deswegen so erfolgreich, weil Themen wie Verbrderung, zusammen durch die Scheie gehen und zusammen stehen, natrlich populr sind. Wir haben ja mit einigen dieser Bands schon oft zusammengespielt und gesehen, wie die Fans reagieren und mitsingen. Ich wrde sagen, das ist alles etwas einfacher gestrickt, etwas proletarischer mit weniger intellektueller Schrfe vorgetragen. Durchaus genehm, nichts was wehtut. Wir stellen den Leuten Fragen wie "Habt ihr Angst vor der Freiheit". Das ist schon eine andere Nummer. Wir offerieren da keine einfache Antwort und bieten auch keinen "Oh-Oh-Oh"-Mitsingrefrain an. Bei uns zielt die Lyrik stets auf eine viel persnlichere Ebene, die einen, wenn er ganz allein mit sich und der Musik ist, bisweilen auch tief berhren kann und soll. Aber es ist eben unser Anspruch, nicht mit den gewohnten Plattitden aufzuwarten. Dafr gibt es doch jede Menge Konsensbands, die dieses Feld erfolgreich fr sich beackern. Bei uns liegen halt nicht Kicker, Auto-Bild und Schner Wohnen auf dem Schreibtisch sondern Nietzsche, Adorno und Goethe. Daneben der Roadatlas Usbekistan und natrlich auch ein paar Pornos. Wir sind Weigott keine verkappten intellektuellen Bedenkentrger, wir versuchen schlichtweg eine Alternative zu dem zu sein, was als konsens-und gesellschaftsfhig gilt. Wir sind auch ein Stachel im Fleisch der Bourgeoisie. So wie Olaf Schubert, der dieses Zitat geprgt hat. Fr einige sind wir damit auch Nestbeschmutzer, weil wir bestimmte Werte und Regeln in Frage stellen. Also Kunst machen. Und darum geht es uns.

Spielt ihr auch im fremdsprachigen Ausland (nicht Schweiz, sterreich) eigentlich mehr englische Songs oder ist die Setlist da wie bei uns allgemein?

Nein, eine Band, eine Welt, eine Setliste.

Muss man um bei euch zu spielen einen Spitznamen haben, oder verpasst ihr diesen? Ich habe mir die Namen aller Musiker mal durchgelesen Wieso wurde aus Snger Eumel spter Fuchs?

Das kann und darf ich nicht beantworten. Er reiste als Eumel anno 2002 nach Australien und kehrte ein halbes Jahr spter als Fuchs zurck. Das muss gengen. Die restlichen Spitznamen oder Pseudonyme gehen tatschlich auf den Wunsch zurck, einige gewisse Coolness zu versprhen. Kerry King kann darber nur lachen, denn er ist Amerikaner und hat Coolness in Westeuropa gepachtet, denn englische Namen klingen einfach besser. Ein Hero! Aber grundstzlich will man kein Fan von Peter Schuhmacher und Konstantin Blischke. Man will eine coole Sau. Mille! Oder Dr. Pest! Hauptsache nicht gewhnlich. Also haben wir schon auf dem Demo beschlossen, das unsere echten Namen nix zur Sache tun. Wre das Internet nicht bekommen, wrde das heute auch noch halbwegs geheim sein. Aber passt schon. Jeder Mensch trgt verschiedene Persnlichkeiten in sich. Wir haben der einen dafr einen neuen Namen gegeben. Aber darauf reduzieren lassen kann man sich nicht.

Studioalben, Live CD, Doppel DVD, Doppel Album inklusive Unplugged CD - was wrde euch musikalisch noch reizen, was fehlt noch in der Sammlung, was steht an? Ich hoffe nicht die x-te Cover-CD!

Um Himmels willen. Wir sind froh, dass wir diese Coversache nie richtig angegangen sind. Es lang genug gedauert, bis wir "Dschinghis Khan" wieder loswurden und auch "Ghostriders In The Sky" haben wir nicht wirklich oft gespielt. Wenn wir uns an Coverversionen heranwagen wrden, kme dies quasi einem Selbstmord gleich. Wer will schon "Angel Of Death" in Swingversion hren? Das spielen wir lieber nur fr uns allein, da wir wissen, das so etwas nicht Mehrheitsfhig ist. Realistischer ist das schon unsere Planung fr einen speziellen Release zum 20 jhrigen Reitergeburtstag, der 2015 auf dem Plan steht. Hierzu werden gerade die ersten Ideen gesponnen. Aber verraten werde ich die im Moment nicht.

Da blieben wir mal gespannt am Ball!


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