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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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BRAINSTORM
Rückbesinnung im Proberaum
Jürgen Lugerth
www.brainstorm.com


Die schwäbischen Power Metaller Brainstorm haben dieses Jahr Einiges zu feiern. Denn sie haben inzwischen nicht nur 25 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel, sondern auch die zehnte Studioproduktion fertig gestellt. Seit dem 4. April ist sie auf dem Markt und wird hoffentlich ihre Abnehmer finden, denn verdient hätte es die Band allemal. Schon nach einer Listening Session in Stuttgart, an der ich teilnehmen durfte, konnte ich unschwer erkennen, daß die Operation Jubiläumsalbum tatsächlich gelungen ist. Da bietet es sich natürlich an, noch mal ein paar Fragen dazu zu stellen und Sänger Andy B. Franck, der sich dem Verhör stellt, verspricht mir das geilste Interview, das es überhaupt gibt. Wohl auch, weil ihm mein Bericht über die Session zugesagt hat. Es wird dann aber nicht ganz so schlimm, sondern nur unterhaltsam und informativ. Das reicht aber dicke. Los geht's.

Andy, jetzt haben schon vor der Veröffentlichung von "Firesoul" so einige Leute die neue Platte gehört, natürlich vor allem die Schreiberlinge. Wie ist denn bisher die Resonanz und wie viel Wert legen denn du beziehungsweise die Band auf diese Reaktionen?

Brainstorm

Also, es ist so, dass wir ja eine lange Zeit an diesem neuem Album ganz nah dran waren. Das ist auf eine Art sehr anstrengend, weil du irgendwann aufgrund der ständigen Beschäftigung mit der Materie so ein wenig die Distanz verlierst und gar nicht mehr genau weißt, ob das gut oder totaler Mist ist, was du da fabrizierst. Da ist es ganz schön, wenn dir die Leute beim ersten Anhören zeigen, dass ihnen unsere Musik gefällt und wenn sie Positives darüber sagen und schreiben. Wir hoffen natürlich, dass dieser Eindruck auch über die ersten Tage hinweg anhält und noch wichtiger ist es schlussendlich, daß unsere Fans die neue Platte mögen. Die sind ja unser eigentlicher Ansprechpartner. Aber uns ist es selbstverständlich auch sehr wichtig, daß wir selber von unserer Mucke überzeugt sind. Und das ist hier ganz klar der Fall.

War das denn immer der Fall oder gibt es auch Alben, hinter denen ihr nicht mehr so steht? Und was macht diese Produktion in dem Fall speziell?

Na ja, wir haben uns schon immer viel Mühe mit unseren Veröffentlichungen gegeben. Aber die letzten Alben kamen bei den Fans nicht immer so gut an wie die, die uns bekannt gemacht haben. Wie "Liquid Monster" zum Beispiel. Vielleicht lag das daran, dass wir sie nicht so intensiv ausgearbeitet haben, bevor es zum Aufnehmen ins Studio ging, sondern daß wir auch mal mit halbfertigen Sachen ankamen und die dann erst vor Ort fertig machten. Wir haben ja glücklicherweise sehr treue, aber auch sehr ehrliche Fans. Und die haben uns nach Konzerten schon ab und zu mal gesteckt, dass sie das neue Material zwar auch in Ordnung finden, aber im Gegensatz zu älteren Scheiben das eine oder andere vermissen. Da wir viel Respekt vor unseren Fans haben und ihre Meinung schätzen, mussten wir uns dann mal ein paar Gedanken machen. Heraus kam, daß der gute, alte Proberaum wieder eine größere Bedeutung bekam. Es war uns klar, dass wir uns dort das Material intensiv erarbeiten mussten, um es diesmal wieder richtig rund und perfekt zu machen, bevor wir es aufnehmen. Wir haben uns also dort wieder viel öfter eingefunden und uns richtig reingehängt und ich denke, das Resultat kann sich sehen und vor allem hören lassen.

Das ist für mein Dafürhalten absolut richtig. Die ehrenvolle Motivation, teilweise "back to the roots" zu gehen und auch die Fantreue zu belohnen, hat sich also ausgezahlt. Wie viel Bedeutung hatten denn die beiden vorher angesprochenen Jubiläen bei der besonderen Anstrengung?

Also, wenn du mich fragst, ist mir das relativ schnuppe. Natürlich ist das ganz nett, wenn du an so einen Punkt kommst. Aber eigentlich sollte man immer sein Bestes geben, nicht nur bei der fünften oder zehnten Platte.

Schon richtig. Aber so eine lange Band-Existenz ist im Rockgeschäft ja nicht alltäglich. Ist Brainstorm denn eine besonders familiäre oder kumpelhafte Band? Gibt es denn Kontakte, die über die Musik hinausgehen? Das würde ja auch ein wenig das eine oder andere schwäbische Klischee bedienen.

Nun ja, wir leben ja nicht alle auf einem Fleck. Die einzelnen Mitglieder der Gruppe sind ja teilweise schon so um 100 Kilometer entfernt. Die einen haben Familie, die anderen nicht. Ich denke, Todde (Torsten Ihlenfeld, Gitarre) und Milan (Loncaric, Gitarre) machen einiges zusammen. Das ist aber auch kein Wunder, denn die komponieren ja auch die meisten Stücke.

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage. Wie läuft das denn überhaupt mit der Komposition der Stücke? Bist du da von Anfang an mit dabei oder bekommst du das Grundgerüst und musst dann darauf deinen Gesang unterbringen? Und ist das in dem Fall immer so einfach?

Es ist schon so, wie du sagst. Ich bekomme die Ideen und erfinde dann die Gesangslinien und was so dazugehört. Es ist nicht immer einfach. Manchmal habe ich sofort eine Idee, manchmal muss ich lange kämpfen. Es gibt einfach Material, das mir liegt und solches, das ich mir hart erarbeiten muss, weil ich den Zugang nicht sofort finde. Bis jetzt hat es aber immer geklappt. Den letzten Feinschliff machen dann alle gemeinsam, da steuert jeder noch ein paar Ideen dazu und wir schauen, wie das alles zusammenpasst.

Brainstorm

Weil wir nicht ganz zufällig gerade beim Gesang sind: Mir fällt auf, daß du auf "Firesoul" extrem präsent bist, teilweise mit bis zu drei übereinander gelegten Gesangsspuren, mit einer zweiten Stimme, mit Rezitationen und Gesprochenem, wenn ich richtig gehört habe. Machst du das wirklich alles selbst oder gibt es da noch einen Hintergrundsänger? Und vor allem, wie willst du das live auf der Bühne wiedergeben?

Na, ich spiele halt gern mit meiner Stimme, ich probiere viel aus und ich mache das tatsächlich auch alles allein. Ich bin auch selbstbewusst genug, um zu behaupten, dass ich meinen Gesang live bisher immer so modifiziert habe, so dass keiner im Publikum etwas vermisst hat. Ich denke schon, daß ich inzwischen eine Menge Erfahrung in diesen Dingen habe. Die Platte ist das Eine. Live kommt ja alles immer etwas rauer und direkter rüber.

Machst du denn etwas Spezielles, um deine Stimme in Form zu halten?

Ach weißt du, die Zeiten, wo ich mir irgendwelche Pillen und Öle oder was auch immer verabreicht habe, um meine Stimme zu pflegen, die sind vorbei. Ich denke, ein bisschen Sport, ein bisschen Training jeden Tag reichen völlig aus und sind das beste Rezept, um stimmlich und auch sonst in Form zu bleiben. Und auf Tour ist es halt so, daß man einfach diszipliniert bleiben muss und nicht alles mitnehmen kann. So eine Tournee mit zehn, fünfzehn, zwanzig Gigs in Folge ist eine verdammt harte Geschichte. Wenn du da nicht auf dich aufpasst, ist die Stimme ganz schnell weg. Also ist einfach Disziplin angesagt.

Das sind ja geradezu elementare Lebensweisheiten. Aber wenn wir gerade beim Touren sind. Wie geht es denn für Brainstorm dieses Jahr weiter?

Tja, Frühling und Sommer stehen vor der Tür und wir sind für eine Menge Open Air Festivals gebucht. Das ist schon mal eine feine Sache, denn wir sind natürlich gespannt darauf, wie die neuen Songs, schön gemischt mit unseren Klassikern, bei unseren Fans ankommen. Ab September sind wir dann auf einer großen Tour.

Ich gehe mal schwer davon aus, dass ihr nicht alleine tourt. Wen habt ihr denn da als Mitstreiter an eurer Seite?

Tja, das darf ich leider noch nicht verraten. Aber das wird rechtzeitig bekannt gegeben. Keine Sorge. Wir freuen uns jedenfalls auf alles, was vor uns liegt. Und unsere Fans können sich auch freuen.

Soweit die aktuelle Lage.Wie jetzt heraus kam touren Brainstorm mit Alestorm. Ich, der ich es unkompliziert, direkt und volksnah mag, habe die Kontakte mit Brainstorm wirklich genossen. Bleibt nur noch, den Jungs weiterhin viel Erfolg zu wünschen. Das eine oder andere Konzert von ihnen werde ich dieses Jahr mitnehmen müssen. Ehrensache!

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