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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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TANKARD
Metal, Bier und Endzeithymnen, Studiobericht "R.I.B."
Jrgen Lugerth
www.tankard.org


Freitag 14. Mrz 2014, 19 Uhr. Ortstermin in der Bankenstadt Frankfurt am Main. Aber nicht in einer gediegenen Chefetage im einhundertsten Stockwerk eines Wolkenkratzers mit Blick auf den Fluss und das Fuvolk. Nein, der Rock 'n' Roll, der mich wesentlich mehr interessiert als windige Geschfte zu Lasten armer Schweine, lebt eher in den Kellern und Hinterhfen der City. Und so treffe ich die hessischen Bier- und Thrash Metal-Heroen Tankard in den Rumen des Studio 23, das recht versteckt in einem eher einfachen Viertel der Grostadt liegt, aber unter Produzent Michael Mainx schon etliche sehr namhafte, mir teilweise aber nicht sonderlich angenehme Acts (Bhse Onkelz, Der W, Disbelief, D-A-D) beherbergt hat. Obwohl, Fan von D-A-D war ich schon immer.
Tankard haben zur Hrprobe ihres neuen Albums "R.I.B." geladen, was schlicht und ergreifend das Krzel fr "Rest In Beer" darstellt und das voraussichtlich ab Anfang Juni in die Hnde der Tankard Maniacs gelangen wird. Der Empfang dort im Studio ist herzlich, das Ambiente gemtlich, Spei und Trank sind reichlich vorhanden und in den relativ engen Rumlichkeiten drngeln sich doch etliche Schreiberlinge, dazu Michael Mainx persnlich, Manager und Bandfaktotum Buffo Schndelbach und sonstige froh gestimmte Menschen. Gesttigt vom deftigen Buffet und versehen mit Bleistift, Block und Binding Bier geht es alsbald hinber in den Aufnahmeraum, wo Gerre, seines Zeichens Frontmann und Snger der immer durstigen Prgelknaben und Eintracht Frankfurt Fans, das neue Album Stck fr Stck vorstellt und mit seinen launigen Kommentaren versieht. Nehmen wir hier also entsprechend dem Procedere vor Ort die Tracks einzeln unter die Lupe.

Tankard

Den Auftakt macht "War Cry", ein Statement gegen den Krieg, speziell gegen den Einsatz unbemannter Drohnen. Musikalisch erinnert das in der langsamen Einleitung ein wenig an das berhmte "One" von Metallica, brettert dann aber schnell wtend los und Gerre giftet seinen anklagenden Text ber die fetten Riffs, hnlich etwa wie Schmier von Destruction.

Track Nummer Zwei begibt sich dann tief in den fr Tankard typischen Humor. Mit einem von Roadie Harald geschriebenen Text thematisiert er den bedauernswerten Amerikaner, der aufgrund einer Erkrankung in seinem Bauch krpereigenen Alkohol produzierte und so vllig schuldlos als Sufer dastand. "Fooled By Your Guts" heit der Titel und kommt kurz und heftig, punkig und heavy daher.

Es folgt das Titelstck der Platte, das den verrckten Professor vom 1987 verffentlichen Album "Chemical Invasion" wieder ans Licht holt. Nach einer bedrohlichen Einleitung entsteht hier ein fettes Riffmonster mit sakralen Chren a la Powerwolf in den Refrains und zum Abschluss. Es ist geplant, diesen Track auch visuell umzusetzen.

Das nchste Stck heit "Riders Of The Doom". Es richtet sich an das Pack in den Banken und Konzern-Etagen und haut ihnen im Stil des unkomplizierten Metal der Achtziger Jahre ihre schmutzigen Wahrheiten um die Ohren.
Danach wird es vor allem fr Gerre ziemlich persnlich. In "Hope Can't Die" betrauert er den Verlust eines guten Freundes und thematisiert seine Gefhle und seine Hilflosigkeit. Ein grollender Basslauf erffnet ein eher rockendes als thrashendes Stck, in dem Gerre seiner Stimme etliche Facetten entlockt. Sehr emotional.

Weiter geht es mit "No One Hit Wonder", ein kurzer, knackiger und sehr musikalischer Thrasher. Textlich beklagt man sich ber augenzwinkernd ber das Fehlen des ganz groen Erfolges auch nach ber dreiig Jahren Band-Existenz.
"Breakfast For Champions" ist die Hymne fr den berchtigten Tag danach, an dem man am besten mit dem weiter macht, was man bis tief in die Nacht hinein zu sich genommen hat. Sehr rockiger Anfang, dann sauber abgestoppte Riffs und der Nachdurst, der Gerres Stimme heiser macht. Sehr schn.
Zurck zur verhassten Politik. Die schne neue berwachungswelt und die sammelwtige NSA sind die nchsten Angeklagten auf "R.I.B." Der Titel ist schn roh, hat eine wunderbar durchlaufende Gitarre und wtend genug, den Umstnden entsprechend, ist er sowieso. Die gedoppelten Gitarren zwischendrin sind richtig geil.

Tankard

Es wird noch ernster. "Clockwise To Deadline" erinnert uns daran, dass unsere Zeit hier auf Erden nicht endlos ist. Und da wir ja keine Zeit haben, gibt es hier ansatzlos in die Fresse, wtend, trotzig, unerbittlich. Und am Ende wird ordentlich gerchelt. Autsch!

Aber Tankard wren nicht Tankard, wenn sie nicht doch noch ein feuchtfrhliches Wrtchen zu der ganzen Misere der Endlichkeit zu sagen htten. Und so heit es nach dem eigentlichen Schluss der Scheibe "The Party Ain't Over 'Til We Say So" und das kommt im punkigen Overkill-Stil rber und ist die amtliche Aufforderung zum Feiern bis zum bitteren Ende.

Fazit der Hrprobe: Tankard bleiben sich treu und geben den Fans weiterhin, was diese von ihnen wollen. Nach dem Genuss der Platte widmet sich der Tross der Musiker und Journalisten dann dem eigentlichen Zweck des Lebens, erst noch im Studio 23 selbst, spter in der kultigen, wenn auch etwas abgeschabten Metal-Kneipe "Speak Easy". Es wird spt. Beziehungsweise frh. Der Morgen danach verlangt dann folgerichtig mal wieder nach einem Frhstck fr Champions, denn das Kopfweh beim Aufwachen spricht eine deutliche Sprache. Aber so muss das wohl sein, wenn sich eine Band nicht nur dem Thrash, sondern auch dem Gerstensaft verschrieben hat. Schn war's in Frankfurt an diesem Wochenende, vor allem auch, weil mein SC Freiburg am Sonntag die von Tankard so verehrte Eintracht mit Vier zu Eins aus dem eigenen Stadion schoss und so den Grundstein zum Klassenerhalt in der Bundesliga legte. Ein perfektes Wochenende, was will man mehr?

Viel Erfolg mit der neuen Scheibe, Tankard! You rock!

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