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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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PLACE VENDOME
Die Metalszene ist nicht so übel!
Peter Hollecker
www.michael-kiske.de



Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Künstlern, die unter dem Deckmantel eines Projekts ein Album aufnehmen und eine riesige mediale Welle lostreten möchten, um dann genauso schnell in der Versenkung zu verschwinden wie sie aufgetaucht sind. Die Gründe hierfür sind vielschichtig, ich muß in vielen Fällen ans Verdienen von schnellem Geld oder Größenwahn denken. Das ist bei Place Vendome Gottlob anders, was die vielen Fans scheinbar auch genau spüren. Die beiden ersten Alben wurden schon gnadenlos abgefeiert und auch der neue Silberling "Thunder In The Distance" wird allgemein mit mehr als guten Kritiken dekoriert.


PLACE VENDOME

Für Sänger Michael Kiske (Avantasia, Unisonic) liegen die Gründe hierfür auf der Hand, wie er im Gespräch erläutert.

Eigentlich wollte ich 2011 Place Vendome schon einschlafen lassen. Doch auf meinen Tourneen mit Avantasia und Unisonic wurde ich häufig darauf angesprochen und nach einer neuen Platte gefragt. Und das weltweit! Das zeigte mir, daß es doch eine Menge Leute gibt, die uns in dieser Konstellation hören möchten. Das liegt vielleicht auch an meiner Stimme, die ja nicht die typische AOR-Klangfarbe hat und die Art und Weise, wie ich die schon fertig geschriebene Stücke singe. Mit AOR verbinde ich persönlich eine Stimme wie die von Bob Catley von Magnum oder dem Sänger von Survivor, so besondere, großartige Radio-Stimmen eben. Und ich denke, daß meine Stimme den doch typischen AOR-Stücken bei Place Vendome eine gewisse Frische verleiht, was nicht abwertend für die genannten Sänger oder hochtrabend gemeint ist.

Dann erklärt Michael, wie eine Place Vendome Scheibe überhaupt entsteht:

Serafino (Chef der Plattenfirma Frontiers Records -der Verf.) sucht sich eine Vielzahl von Stücken, die verschiedene Songschreiber anderer Bands geschrieben haben und schickt sie Dennis Ward und mir zu. Was und am besten davon gefällt, picken wir uns heraus. Dennis bearbeitet diese Stücke dann und schickt mir die Files rüber, so dass ich nur noch meinen Gesang darauf legen muß. Für mich ist das eine sehr angenehme Arbeit, die ich mit Begeisterung mache, denn das Singen macht mir einfach ungeheuren Spaß! Interviews geben und langes Labern ist anstrengender für mich als zu singen, haha! Wenn dann alles von Dennis fertig produziert wurde, finde ich es immer ungeheuer interessant, wie das Endergebnis klingt und wie die Musik dann letztendlich noch gewonnen hat.

Ist unter diesen Songs, die unter anderen von Magnus Karlsson (Primal Fear), Alessandro Del Vecchio (Hardline) oder Tommy Denander (Radioactive) geschrieben wurden, auch Ausschussware dabei?

Ja schon, obwohl die Texte ja allesamt harmlos sind und von Liebe und Herzschmerz handeln. Aber wir machen bei weitem nicht alles. So wollte Serafino etwa, dass wir einen Song von Kelly Clarkson covern. Nichts gegen die Musik von Kelly, aber so etwas braucht doch wirklich kein Mensch! Denn erstens gibt es das schon und zweitens hat Kelly das schon viel besser gemacht, als wir das je könnten.

Wenn man drei erfolgreiche Alben gemacht hat, will man die Musik dann nicht auch mal live präsentieren?

PLACE VENDOME

Grundsätzlich schon, doch mit Place Vendome wird das auf absehbare Zeit nicht passieren. Dafür ist einfach die Zeit nicht da. Dennis und ich sind mit Unisonic sehr gut beschäftigt und das ist uns auch ehrlich gesagt wichtiger. Wir haben schon eine Menge Material für unser zweites Album geschrieben, welches dann definitiv bis zum Sommer fertig sein wird. Denn wir sind schon wieder für einige Festivals nächstes Jahr gebucht und da wollen wir ein neues Album am Start haben. Kai fehlt noch mit seinen Ideen, aber das kenne ich schon, er ist immer der langsamste(lacht) Doch keine Panik, er wird schon noch mit guten Songs rechtzeitig um die Ecke kommen.

Seit einigen Jahren läuft es nun wieder enorm gut für Michael Kiske. Es wäre auch zu schade gewesen, hätte er seine phantastische Stimme nach dem Ausstieg bei Helloween endgültig verstummen lassen. Hat er mit der Metal-Szene seinen Frieden geschlossen?

Ich will es mal so sagen: Einiges, was ich damals gesagt habe, war vielleicht etwas unfair und überspitzt dargestellt. Das lag jedoch vor allem daran, dass ich nach dem Ausstieg bei Helloween die Vorwürfe zu persönlich genommen habe. Jeder wird ja nun mal älter und mit der Zeit relativiert sich vieles! Heute würde ich einiges anders ausdrücken, weshalb ich meine Aufsätze auf meiner Homepage auch überarbeitet habe. Die Metal-Szene ist nicht so übel, vor allem sind die Fans allesamt liebenswerte Menschen, die keinem was Böses wollen. Jedoch habe ich mit Menschen, die satanische Botschaften durch Heavy Metal nach außen tragen und das ernst meinen, immer noch meine Probleme und dazu stehe ich auch! Denn sowas ist und bleibt total schwachsinnig!

Michael Kiske bleibt weiterhin schwer beschäftigt im Sommer 2014 erscheint ein neues Unisonic Album, aber auch das zweite Kiske / Somerville Album ist in der Mache.

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