Navigation
                
22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Band
Titel
Autor
Homepage
>> Als E-Mail versenden
BRAINSTORM
Studiobericht, 27.01.2014 in Stuttgart
Jrgen Lugerth
http://www.brainstorm-web.net/


Seit etwa dem Jahr 2005 sind mir die Schwabenmetaller Brainstorm ziemlich gelufig. Vor allem mein damals noch halbwchsiger Sohn sortierte ihr gerade erschienenes feines Album "Liquid Monster" (geiler Albumtitel brigens) voll kindlicher Freude in seine sich hoffnungsvoll entwickelnde Metal-Bibliothek ein. Der Opener "Worlds Are Comin Through" hmmerte folgerichtig eine Zeitlang fast unablssig aus dem Jugendzimmer. Auch die Auftritte von Brainstorm im Jahr 2007 und 2011 auf dem Bang Your Head Festival in Balingen, die ich gesehen habe, waren nicht von schlechten Eltern. Ihren Output an Alben habe ich aber eher schlampig verfolgt.
In diesem Jahr nun feiern Brainstorm stolze 25 Jahre Bhnenprsenz und bringen dazu am 4. April ihr zehntes Studioalbum in Umlauf. Dieses Wunderwerk namens "Firesoul" macht die Band daher endgltig zu einem fnfkpfigen Feierbiest. Oder doch nicht? Um das zu klren, steige ich in den Zug nach Stuttgart, der von endlosen Baustellen und Krnen verunstalteten Hauptstadt des Bahnhofs- und Sptzlewesens und lasse mir in Anwesenheit der kompletten Musikertruppe im undergroundigen, aber bestens ausgestatteten U3 Studio die vollstndige Setlist von "Firesoul" durch die Ohren blasen. Die Schar der weiteren interessierten Journalisten ist an diesem Tag berschaubar. Genau genommen besteht sie nur aus Meister Buffo Schndelbach, der fr die allseits bekannte Metal-Publikation aus Dortmund erscheint. Das allerdings freut mich sehr. Brainstorm selbst sind bei der Prsentation voller Freude und Selbstsicherheit und als es mit der Mucke losgeht, wei ich auch warum. Gehen wir die neue Platte also mal Stck fr Stck durch.


BRAINSTORM"Erased By The Dark" erweist sich gleich als perfekter Start, ein hymnischer, pulsierender, von Keyboardflchen unterlegter Powerrocker mit einprgsamen Refrains. Fette Riffs in der Tradition von Savatage erffnen das zwingende Titelstck, das an zweiter Stelle folgt. Snger Andy treibt seine Stimme zu Hchstleistungen und unterlegt sie an diversen Stellen mit seinem eigenen Hintergrundgesang. Klingt super, aber wie das dann live gemacht wird, das wird man noch sehen.
"Descendants Of The Fire" zieht das Tempo noch ein wenig an und glnzt mit richtig schnen gedoppelten Gitarrenlufen, die dem Ganzen noch mehr Schwung geben. Dramaturgisch geschickt wird nach diesem Dreierpack auf die Bremse getreten. Ein eher in Richtung Hard Rock gehendes Riff leitet die dramatische Powerballade "Entering The Solitude" ein, die im Wesentlichen dann doch ein Midtempo-Rocker und kein schmachtendes Stckchen fr gebrochene Herzen ist.
Der etwas sakral anmutende bergang zu "Recall The Real" fhrt zu einem weiteren breitwandartigen Stck in gemigtem Tempo, das durchgehend von Keyboards unterlegt ist und mit melodramatischem Gesang und ein paar elektronischen Gimmicks im Hintergrund ruhig ausklingt.

Die nchsten drei Tracks, von "Shadowseeker" eingeleitet, bieten im Wesentlichen fetten, treibenden Power Metal mit rasanten Double Bass Drums, grollenden runter gestimmten Gitarren, manchmal leicht an Iron Maiden erinnernde gedoppelte Gitarrenlufe und einen Snger, der die Grenzen seiner Stimme auslotet. Zwischendrin muss ich immer mal wieder an den "Tyrant" und seine Jag Panzer denken, aber das wird nie zu deutlich. Es steht der Scheibe gut zu Gesicht.
Die letzten zwei Titel fahren das Tempo wieder etwas runter, vor allem der letzte Song "And I Wonder" klingt sanfter, schn getragen, vershnlich und ist mehr Rock als Metal, mit einer Stimmung, die live die Feuerzeuge zum Leuchten bringen knnte. Ein passender Schluss.
In der Summe ergibt das alles ein gelungenes Album, typisch fr die Band und wrdig, die anstehenden Jubilen zu feiern. Insgesamt kann man sagen, dass Brainstorm hier wieder etwas straffer und hrter geworden sind, ohne aber irgendeines ihrer Markenzeichen aufzugeben. Der Sound ist ebenfalls vom Feinsten, also wird jeder Fan der Band mit diesem Album zufrieden sein. Da wrde ich drauf wetten. Man merkt einfach, dass die Jungs schon lange zusammen sind und eine unverwechselbare Identitt entwickelt haben. Und offensichtlich haben sie immer noch viel Spa miteinander, auch wenn es, wie bei anderen guten Bands, nicht zum ganz groen Ruhm und zum ganz groen Geld reicht. "Das ist uns egal", sagt Gitarrist Thorsten "Todde" Ihlenfeld zum Schluss. "Wir kommen gut ber die Runden und wir knnen uns auch nicht ber fehlende Gigs und fehlende Anerkennung beschweren. Wir bleiben am Ball." Genau so ist es richtig!

<< vorheriges Interview
SINBREED - Die Songs mssen berzeugen!
nchstes Interview >>
FREEDOM CALL - Frhlichkeit muss sein!




 Weitere Artikel mit/ber BRAINSTORM: