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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

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KREATOR
Weise Worte aus dem Pott
Jrgen Lugerth
http://kreator-terrorzone.de/


Dieses Interview hat keinen konkreten aktuellen Bezug, aber da Kreator im Metal ja schon lange ein Global Player sind, drfte es auch ohne speziellen Anlass von Interesse sein. Es wurde im Frhjahr 2012 in den Rumlichkeiten von Nuclear Blast in Donzdorf gefhrt, als Kreator ihr fabelhaftes Album "Phantom Antichrist" zum ersten Mal einer Schar von Journalisten aus nah und fern prsentierten. Bandchef und Gitarrist Mille war zugegen, um alle Fragen zum neuen Release zu beantworten. Damals sollte ich zudem fr das "Heavy" ein spezielles "War Of Words" Interview mit ihm fhren, bei dem der Gefragte seine Gedanken zu einzelnen Stichworten entwickelt und ausfhrt. Mille als engagierter und eloquenter Mann machte das groartig. Leider wurde das "Heavy" kurz darauf eingestellt und so wurde das spannende Gesprch nie publiziert. Da ich es aber sehr zeitlos finde, denke ich, dass es auch nach zwei Jahren noch Spa machen knnte, Milles uerungen zu Gott und der Welt zu lesen. Und ich htte meinen damaligen Auftrag endlich ausgefhrt. Legen wir los.

KREATOR 1
Vorbilder und Einflsse

Anfangs ganz klar Venom! Spter alles quer durch die Rockgeschichte. Ich mag auch Knstler, die gar nichts mit Heavy Metal zu tun haben. Zum Beispiel Carl Mc Coy von Fields Of The Nephilim, Kate Bush, Atari Teenage Riot. Ghost finde ich heutzutage ziemlich gut. Ich werde von allen mglichen Sachen beeinflusst. Und es kommt immer was Neues dazu. Aber natrlich gibt es da auch alte Helden wie Mercyful Fate oder K.K. Downing und Glenn Tipton von Judas Priest oder Adrian Smith mit Dave Murray von den guten Iron Maiden. Das gehrt selbstverstndlich mit rein.

Ruhrpott

Ja, der Ruhrpott! Der unterliegt ja so einer gewissen Romantik. Vieles im Ruhrpott ist super. Ist ja auch meine Heimat. Aber bin da nicht so patriotisch und sage, dass alles im Ruhrpott gut ist. Erst krzlich habe ich eine Bcherlesung von einem Freund in Duisburg besucht und der wurde so unterirdisch mies behandelt, da wurde mir mal wieder klar, dass im Ruhrpott genau wie berall auch eine Menge Arschlcher leben. Grundstzlich muss man den Ruhrpott als eine Gesamtheit sehen. Dann ist er eine ziemlich tolle und abwechslungsreiche Landschaft und mittlerweile auch sehr grn. Aber wenn man auf einzelne Stdte kuckt, ich zum Beispiel auf meine Heimatstadt Essen, dann gibt es doch noch Einiges zu verbessern. Gerade auch in kultureller Hinsicht.

Schrebergrten

Haha, jetzt spielst du eindeutig auf den Film aus unseren Anfngen namens "Thrash in Altenessen" an. Das Lustige daran ist, dass der Schrebergarten, in dem wir in dem Streifen ab und zu abgehangen sind, keinem von unseren Bandmitgliedern und nicht mal irgendwelchen Verwandten zugeordnet werden kann. Der gehrte einem Vater eines um ein paar Ecken Bekannten. Ich habe mich da auch nie lang aufgehalten. Trotzdem ist das Thema Schrebergarten inzwischen fr mich aktueller denn je. Denn mittlerweile gehre ich einer Initiative an, die kollektiv einen Schrebergarten betreibt und versucht, sich so mit selbst erzeugtem und gesundem Essen zu versorgen. Ich bin ja inzwischen wie alle anderen dort Veganer und wir versuchen uns halt auf diese Art natrlich und bewusst zu ernhren. Gut, ich bin nicht der, der da gerne buddelt, umgrbt und anpflanzt, aber ich organisiere viel mit und bleibe sonst mehr im Hintergrund.

Italien

Das Italienischste an mir ist wohl mein Namen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als kleines Kind ab und zu bei der Familie meines italienischen Vaters war. Da war es immer sehr laut, sehr lebhaft und alle fuchtelten viel mit den Hnden. Es war sehr nett, aber ich habe nie etwas verstanden, denn bei uns zuhause wurde immer nur deutsch gesprochen. Mein Vater kam ja schon in den Sechzigern nach Deutschland und hat sich da sehr schnell akklimatisiert. Aber ich finde es sehr schn in Italien und ich liebe das Essen und den Wein dort. Und ich bin ein groer Fan von italienischen Filmen. Vielleicht ist da ja doch ein bisschen was im Blut. Auerdem haben wir gerade die letzten Jahre verstrkt in Italien gespielt und haben da immer noch groe Zuwchse an Fans. Grundstzlich bin ich als Musiker aber eher Kosmopolit und fhle mich keiner Nation besonders zugehrig.

Fussball

Au weia, da sprichst du den Falschen an. Auch wenn ich wei, dass das im Ruhrpott ein groes Thema ist, habe ich selbst damit nichts am Hut. Null Bezug. Ich war mal mit der Band auf einem Flug nach Polen. Der ging ber Mnchen. Und da war dann pltzlich die komplette Mannschaft von Schalke 04 mit an Bord. Ich wusste gar nicht, wer oder was die sind. Das wussten nur meine Bandkollegen. Ich finde das zwar o.k., wenn andere das Kicken mgen und Fans von einer Mannschaft sind. Aber fr mich ist das eine andere Welt.

KREATOR 1
Tierquler-Filme bei Kreator-Konzerten

Ich wei, was du meinst. Wir haben da diese Filme ber menschliche Grausamkeiten an Tieren bei unserem Auftritt beim "Rock Hard Festival" im Bhnenhintergrund laufen lassen, ohne das whrend der Show in irgendeiner Weise zu kommentieren. Das hat sicherlich viele Leute irritiert, auch wenn das Anliegen, das dahinter stand, natrlich berechtigt ist. Ich war damals neu mit meiner Entscheidung, zuknftig als Veganer zu leben, und wollte auf eine Art Propaganda fr diese Lebensweise machen. Aber selbst meine Veganerfreunde fanden das irgendwie unpassend, zu einseitig und zu negativ. Wir haben diese Filme im Folgenden dann auch wieder weggelassen. Trotzdem stehe ich absolut hinter der Sache. Aber wir sind Musiker, Knstler und keine Prediger. Und letztlich mssen wir vor allem durch unser eigenes Verhalten versuchen, etwas zu ndern. Das fngt zum Beispiel bei unserer Art zu konsumieren an. Wenn wir schdliche Dinge verweigern und uns bewusster verhalten, dann ist wahrscheinlich schon viel gewonnen. Jeder muss bei sich selbst anfangen und vielleicht durch sein Vorbild dazu beitragen, dass auch Andere ihr Verhalten ndern. Ich verurteile auch nicht die Leute, die Fleisch essen. Ich bin ja kein Missionar. Aber es wre halt schon toll, wenn man das Ganze einschrnkt, sich vielleicht nur einmal in der Woche etwas richtig Gutes beim Metzger holt, was dann halt etwas teurer ist, und auf diese ganze minderwertige Supermarktware von gestressten Viechern verzichtet. Das wre schon ein Fortschritt.


Religion

Ich bin absolut kein Religionsfan. Ich finde Religion ganz grauenhaft. Aber sie ist ein unglaublich guter Lieferant fr Texte. Ich bin ja katholisch erzogen worden und war deshalb im entsprechenden Alter auch eine Weile Messdiener, allerdings ohne greren religisen Eifer. Aber ich bin da natrlich mit der Thematik in Kontakt gekommen. Die Geschichten in der Bibel regen schon sehr die Fantasie an, das sind richtige Hollywoodfilme und deswegen mchte ich darauf nicht verzichten. Die Bibel ist wirklich groartig, ich mchte sie und die Geschichten darin nicht missen. Eine unendliche Quelle der Inspiration. Nur darf man halt nicht ernst nehmen, was da drin steht, und Wort fr Wort dran glauben. Das ist Schwachsinn und fhrt zu dogmatischem Denken und Intoleranz.

Endorama

Auch wenn viele Leute dieses Album nicht mgen, finde ich es selbst immer noch sehr gut. Es ist eines meiner drei wichtigsten. Ich bin einer, der immer mal wieder seinen Standort berprft und dann bewusst auch experimentiert und Vernderungen vornimmt. Ich stehe nicht auf Dogmen, die fr immer unverrckbar sein sollen und nehme mir das Recht heraus, meinen kreativen Eingebungen zu folgen. Dazu war die Bandsituation zu dieser Zeit auch ziemlich schwierig. Ich hatte eigentlich keine feste Besetzung und habe daher alles allein entworfen und komponiert. Das Echo auf "Endorama" war dann schon sehr zwiespltig, aber es gab wirklich eine Menge Leute, die es richtig gut fanden. Dazu gehre ich auch. Ich habe kein Problem damit.

Sodom, Kreator, Destruction

Das dreifache Urgestein des deutschen Thrash! Obwohl man Tankard auch noch dazunehmen sollte. Wir alle haben einiges entwickelt und in Bewegung gebracht und das, obwohl wir uns doch ziemlich voneinander unterscheiden. Kreator hat im Gegensatz zu Destruction und Sodom einen zweiten Gitarristen, das macht uns in punkto Sound schon ziemlich anders. Jetzt wo wir alle in die Jahre kommen, hufen sich natrlich auch die Jubilen. Da muss man mal sehen, was wir so gemeinsam auf die Beine stellen knnen. Ich jederzeit dazu bereit. Aber grundstzlich bin ich schon sehr stolz darauf, dieser Speerspitze mit anzugehren. Das ist schon eine feine Sache.

Hier endete das Interview dann recht abrupt. Ich htte mich noch stundenlang mit diesem Energiebndel unterhalten knnen, aber der Aufpasser von Nuclear Blast war unerbittlich, da noch etliche Schreiberlinge ihre Fragen zu "Phantom Antichrist" stellen wollten. Also war nach knappen zwanzig Minuten Schluss mit dem heiteren Frage- und Antwortspiel. Fr mich war das jedenfalls eine sehr schne Begegnung, die riesigen Spa gemacht hat. Bleibt nur zu sagen: "Thrash on Mille, thrash on Kreator!" Und: "Vielen Dank!"

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