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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Lauf Um Dein Leben
Titel Lauf Um Dein Leben
Produktion/Vertrieb Kinowelt
Homepage www.kinowelt.de/detail.php?id=2117
Veröffentlichung 14.11.2008
Laufzeit 98:00 Minuten
Autor Christian Schfer
Bewertung 12 von 15 Punkten
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"Lauf um Dein Leben" ist ein "Biopic". Das bedeutet so viel wie "biographischer Film" und stellt im vorliegenden Fall den bisherigen Werdegang von Andreas Niedrig dar. Dieser verbrachte seine Jugend in den 1980er Jahren irgendwo im Ruhrpott. Als Sohn eines Polizisten brach Andreas aus dem rigiden Einfluss seines Vaters aus und begann, mit Drogen zu experimentieren. ber Alkohol und Cannabis gelangte er irgendwann zum Heroin, der Horrordroge schlechthin. Als Junkie strzte er seine junge Familie und sich selbst in Abgrnde, die man sich gar nicht vorstellen mag. Im Gegensatz zu vielen anderen, die den Absprung von dem besagten Teufelszeug nicht schafften, kam Andreas nicht nur von der Droge los- er schaffte es sogar, ein erfolgreicher Leistungssportler zu werden und bei diversen Ironman-Contests, den hrtesten Triathlons der Welt, Preise zu sammeln.
Der Film beginnt mit mehr oder minder harmlosen Drogenexzesschen im Freundeskreis. Die "Fantastischen Vier", wie Andreas und seine Freunde sich selbst nennen, probieren an Drogen aus was Herz und Hirn aushalten, mischen unterschiedliches Zeug und hpfen dem Tod immer wieder von der Schippe. Bis das Heroin kommt. Sptestens zu diesem Zeitpunkt hrt der Spa auf, Halluzinationen und Beschaffungskriminalitt bestimmen fortan den Alltag der Vier. Andreas, als einziger in Beziehung lebend und berufsttig, verliert zusehends die Kontrolle ber sich und sein Leben und erkennt nach einem gescheiterten Suizidversuch, dass er Grundlegendes ndern will und muss.
Hauptdarsteller Max Riemelt gibt sich bemht, den Absturz von Andreas Niedrig glaubwrdig darzustellen. Meiner Meinung nach gelingt ihm dies durchaus; die wirklich schlimmen Abstrze und Phasen der Erkenntnis dessen, was er im Leben verloren und immer wieder zerstrt hat, wirken bei ihm etwas hlzern und harmlos. Mglicherweise liegt dies am Drehbuch, dessen Fokus eher bei Kinotauglichkeit und einer griffigen Story als bei rauschinduzierter Authentizitt liegt. Auch Uwe Ochsenknecht nehme ich den Fitnesstrainer nicht ganz ab, allerdings ist er der einzige wirklich international bekannte Schauspieler in diesem Streifen und seine Besetzung dieser Rolle somit auch als marktstrategisches Schmankerl nachvollziehbar. Positiv berrascht bin ich von Axel Stein, den ich bislang nur als dumpfbackigen Hausmeistersohn und eher nervigen Comedyserienfuzzi aus deutschen Privatsendern kannte. Als bester Kumpel von Andreas liefert er hier seine bisher strkste Rolle ab, super!
Tja, ob die Botschaft des Films, Finger weg von Drogen, heute noch so richtig zndet, wei ich nicht. Aus der Vergangenheit kennt man weitaus krassere Darstellungen im Film, in der Gegenwart gibt es vermutlich noch viel schlimmere Rauschmittel als Heroin. Wie gro heute noch die Angst vor diesem Zeug ist, wei ich auch nicht. Immerhin stammt DER Film, in dem Heroin erstmals thematisiert wurde, "Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo", in den spten 1970ern und ist runde 30 Jahre alt. Insgesamt gefllt mir "Lauf Um Dein Leben" jedoch sehr gut. Fr Uneingeweihte sind trotz der schonenden Darstellungsweise die schlimmen Folgen harter Drogen erkennbar, und in allen Details mchte ich diese auch nicht sehen. Das Lebensgefhl orientierungsloser Jugendlicher im CDU-diktierten Deutschland, die lhmende Biederkeit der ra Kohl, die spieige Beamtenbrgerlichkeit sowie die ungestmen Ausbruchsversuche der Jugend, die auf all das keinen Bock hat, kommen hier sehr schn zur Geltung. Milieustudie, Zeitgeistportrt, Drogenwarnung und Appell an den Sportsgeist- all das ist "Lauf Um Dein Leben". Mehr kann man bei einem regulren Kinofilm nicht erwarten, oder?
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