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19. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Verleugnung (Blu-ray)
Titel Verleugnung (Blu-ray)
Produktion/Vertrieb Universum Film GmbH
Homepage www.verleugnung-film.de/
Veröffentlichung 25.08.2017
Laufzeit 110:00 Minuten
Autor Marco Fertig
Bewertung 12 von 15 Punkten
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Filme die den zweiten Weltkrieg behandeln, ob nun primr oder sekundr, gibt es wirklich in groen Mengen. Ebenso jene die sich mit dem Holocaust, oder der Schoah, beschftigen. Bislang ist mir jedoch kein Film oder keine Serie bekannt, die sich dem Thema der Holocaust-Leugnung verschrieben haben, die ja bekanntermaen und verstndlicherweise strafbar ist. Da dieses Thema aktueller denn je ist in unseren Tagen, ist es umso wichtiger, dass sich Regisseur Mick Jackson in der britisch-amerikanischen Co-Produktion "Verleugnung" mit genau diesem Thema auseinandersetzt.

Die Handlung orientiert sich nicht an einer fiktiven Erzhlung, sondern am realen Fall Lipstadt gegen Irving, der sich in den 90er Jahren ereignete, und der dann im Jahr 2000 vor einem Londoner Gericht verhandelt wurde. Die amerikanische Professorin Deborah E. Lipstadt hat jdische Wurzeln, und auch einen Lehrstuhl an der Universitt von Seattle, in dem sie sich mit dem Judentum sowie dem Holocaust beschftigt. Als sie 1993 in einem ihrer Bcher den britischen Historiker und Autor David Irving als Holocaustleugner bezeichnete, zeigte dieser sie wegen Rufschdigung, Beleidigung und bler Nachrede an. Die Verhandlung der Sache drngte der offenkundig rechtsradikale Irving nach Grobritannien zu verlegen, wohlwissend, dass hier Lipstadt in der Beweispflicht liegt. Nun ist es an ihr zu beweisen, dass der Holocaust stattfand. Dies ist die Geschichte dieser Verhandlung.

Das Drehbuch zu Verhngnis stammt aus der Feder von David Hare, der zwar nicht sonderlich viele Werke zu verzeichnen hat, aber immerhin fr "The Hours" und "Der Vorleser" unter der Regie von Stephen Daldry verantwortlich war. Regisseur Mick Jackson war bisher eher beim fiktionalen Unterhaltungsfilm zu finden, wie seine Arbeiten "L. A. Story", "Bodyguard" oder "Volcano" zeigen. Fr "Verhngnis" begibt er sich auf ungewohntes Terrain, und das merkt man durchaus auch. Aber die Frage die sich stellt ist, ob es berhaupt ein Manko ist, eine solche Thematik eher khl-sachlich aufzuarbeiten, und auf spannungsgeladene Hhepunkte oder Gefhlsduselei zu verzichten, man verzeihe mir die Wortwahl bei diesem sensiblen Bereich der Geschichte. Zwar ziehen auch, oder besonders, Justizfilme ja gerade aus solchen Dingen ihre Wucht, und dieser Film ist eben solch einer, aber die nchterne Betrachtungsweise schadet "Verleugnung" in keiner Weise.

Darstellerisch darf Jackson auf eine fhige Riege zurckgreifen. Rachel Weisz ("The Fountain", "Die Mumie") spielt gewohnt souvern die Rolle der Deborah Lipstadt, whrend Timothy Spall ("Harry Potter", "The King's Speech") eindrucksvoll den radikalen Irving gibt. Tom Wilkinson ("Der Ghostwriter", "Grand Budapest Hotel") und Andrew Scott (BBC's "Sherlock") stehen als Darsteller, denke ich, ebenso fr sich. Trotz allem spielt keiner von ihnen sich in den Vordergrund, jeder spielt um des groen Zwecks (natrlich dennoch beeindruckend realistisch und hingebungsvoll): Das Thema der Leugnung bzw. der Gegenbeweis. Zentrales Thema ist einerseits die irre Rechtsvariante, dass Lipstadt den Holocaust beweisen muss, und andererseits natrlich die Tatsache wie man dies genau tut. Letzten Endes wurde der Prozess ja aus Opferschutz so gehalten, dass nicht einmal Holocaust-Opfer aussagen durften, geschweige denn Lipstadt selbst.

Recht wurde Recht, aber bei "Verleugnung" ist doch eher der Weg das Ziel. Man darf nun auch nicht denken der Film wre staubtrocken, da er nicht auf effekthascherische Anwaltskapriolen setzt. Fr Interessierte ist Jacksons Werk sicher eine Bereicherung, auch wenn nicht alle Fakten und Eventualitten des Falles eingebaut werden konnten, aber eigentlich sollte dieser Streifen fr jeden interessant sein, zumal bis heute etwaige Individuen behaupten dass die Schoah ein Lgengebilde sei. Abschlieend sei gesagt, dass die Kameraarbeit und Musik keine herausstechenden Merkmale von "Verleugnung" sind, aber natrlich handwerklich gut bleiben. Bild und Tonqualitt der blauen Scheibe sind auf gutem Niveau, in den Extras befinden sich noch Interviews mit Cast und Crew.
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