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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Scharfe Täuschung
Titel Scharfe Täuschung
Produktion/Vertrieb Studio Hamburg Enterprises
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Veröffentlichung 24.06.2016
Laufzeit 100:00 Minuten
Autor Marco Fertig
Bewertung 12 von 15 Punkten
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Die Brüder Josh und Jonas Pate schrieben und drehten 1997 den hierzulande eher unbekannten Thriller "Scharfe Täuschung", der in den USA unter dem Titel "Liar" in den Kinos lief. Die Einspielergebnisse waren leider vernichtend, hierzulande wurde der Streifen ebenso mit nur knapp über 13.000 Zuschauern abgestraft. Für mich wirklich unverständlich, denn alleine schon die Besetzungsliste des Filmes liest sich mit Leuten wie Chris Penn, Michael Rooker, Tim Roth, Renee Zellweger, Rosanna Arquette, Michael Parks und Mark Damon mehr als brauchbar!

Serviert wird uns "Scharfe Täuschung" sozusagen großteils als Kammerspiel, welches folgende Ausgangssituation aufweist. Die Prostituierte Elisabeth wird ermordet aufgefunden, allerdings in zwei Teilen an verschiedenen Orten. Schnell haben die Ermittler Kennesaw und Braxton einen vermeintlichen Schuldigen ausgemacht: Unternehmersohn James Walter Wayland, dessen Telefonnummer bei der Leiche gefunden wurde. Aus dem Verhör heraus wird schnell klar, dass Wayland etwas über den Mord weiß, aber eben auch andere Dinge. Die Geschichte wird zum nervenzerreißenden Psychospielchen für alle Beteiligten, und nichts ist mehr wie es anfangs scheint...

Die Räumlichkeiten des Verhörs verlassen die Regisseure nur selten für Rückblicke, und somit ergibt sich das hervorragende Verwirrspiel für die drei Hauptakteure. Stellenweise wird es gar etwas zu verwirrend, was am Ende dann durchaus Raum für Spekulationen gibt, aber das würde ich nicht zwingend als schlecht werten. Einen Abzug in der B-Note ist dies zwar wert, was hier aber mehr als zu überzeugen weiß ist die Arbeit der Darsteller. Michael Rooker und gerade Tim Roth als Wayland spielen herausragend, Chris Penn ist etwas zurückgenommener, aber nicht minder gut. Der Rest des Ensembles taucht eher in Nebenrollen auf, weiß aber ebenso zu überzeugen. Die ganze Schose ist natürlich komplett durchkonstruiert, aber eben auf konsequente und ansprechende Weise.

Wer für solche "Whodunit" Streifen etwas übrig hat, dem sei "Scharfe Täuschung" ans Herz gelegt. Wieso dieser Film beim Auditorium derart durchfiel und auch ein sonst ziemlich unbekanntes Dasein fristet, erschließt sich einem nicht. Die Dialoge sitzen, und die Spannung generiert sich aus den Fähigkeiten der Darsteller heraus, ein kleiner aber eben feiner Film, der endlich mehr Beachtung verdient. Vergleiche mit Tarantino und "Die üblichen Verdächtigen" liest man im Netz öfter, und auch wenn er nicht ganz so groß daherkommt, kann man da durchaus Verbindungen ziehen. Die DVD bietet außer dem Wendecover keinerlei Extras, der Ton ist in Deutsch und Englisch vorhanden.
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