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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Jacky im Königreich der Frauen
Titel Jacky im Königreich der Frauen
Produktion/Vertrieb Edel Germany GmbH
Homepage www.jacky-film.de/
Veröffentlichung 26.06.2015
Laufzeit 85:00 Minuten
Autor Marco Fertig
Bewertung 11 von 15 Punkten
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Der Name "Charlie Hebdo" dürfte spätestens seit dem unfassbaren Angriff auf deren Redaktion in Paris weltweit jedem ein Begriff sein. Um diesen soll es hier jedoch nicht gehen, dafür aber um einen langjährigen Karikaturisten jener Satire-Zeitschrift: Den Syrer Riad Sattouf. Seine Zeichnungen wurden bis Herbst 2014 in "Charlie Hebdo" abgebildet, was aber nicht Sattoufs einzige Leidenschaft darstellt. Er ist ebenso als Regisseur und Schauspieler tätig, und bescherte uns den Film "Jungs bleiben Jungs". Seine zweite Regiearbeit "Jacky im Königreich der Frauen" setzt sich mit ganz anderen Problemen auseinander, die sinnbildlich aber ebenso bezeichnend sind. Besagter Jacky ist 20 Jahre alt, und lebt im fiktiven Staat Bubunne. Soweit so gut, oder eben auch nicht, denn Bubunne wird von Frauen regiert, während die Männer verhüllt durch die Gegend laufen und diesen zu Diensten stehen müssen. Verkehrte Welt also, erst Recht weil Jacky sich in die Nachfolgerin der Reichsführerin verliebt, und sein Onkel im geheimen den Aufstand gegen das Regime probt. Das tönt einerseits ziemlich abgefahren, was es natürlich mitunter auch ist, andererseits ist es thematisch ganz klar auch prägend für unsere Zeit! Obwohl man sich hier keiner realen Länder oder Personen bedient, steht das muslimische Rollenbild in zentraler Bedeutung, obgleich sich Sattouf eigentlich erst ganz gegen Ende darauf besinnt auch definitiv Stellung zu beziehen. Die Zeit zuvor ist geprägt von Humor, der nicht zuletzt oft mit dem Holzhammer präsentiert wird, aber durchaus fast immer sitzt, und nie lahm oder abgenudelt wirkt. Schon beim Ansehen des Trailers fühlt man sich vehement an Pythons "Das Leben des Brian" erinnert, und das bleibt während des Films auch maßgeblich so. Slapstick mit Hintergrund ist es also, was und der Regisseur hier präsentiert, und da er in einem sunnitischen Dorf in Syrien aufgewachsen ist, weiß er auch absolut von was er hier redet. Darstellerisch kann er auf Charlotte Gainsbourg zurückgreifen, die in der Rolle der Colonelle Bubunne mal ihre komödiantische Seite zeigen darf, Star des Films bleibt aber Vincent Lacoste als Jacky der schon bei Jungs bleiben Jungs mit Sattouf gearbeitet hat. Insgesamt lebt der Film dann aber fast nur von den humoristischen Teilen, denn für eine wirkliche Kritik bleibt einfach zu wenig Platz. Mir persönlich war dies aber ehrlich gesagt sogar lieber, als eine verwitzte Religionskritik, die zu unnötigen Diskussionen geführt hätte. So bleibt eine witzige Geschichte, die man sich auch anschauen kann, wenn man nicht über das muslimische Frauenbild diskutieren, oder eine Regimekritik zu formgleichen Ländern wie Nordkorea ziehen will. So mutig wie "Jacky im Königreich der Frauen" also vordergründig sein möchte, und vielerorts gemacht wird, ist er beileibe nicht, und das ist auch gut so!
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