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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Zugvögel ...einmal nach Inari
Titel Zugvögel ...einmal nach Inari
Produktion/Vertrieb 3L Vertriebs GmbH & Co. KG
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Veröffentlichung 02.05.2014
Laufzeit 84:00 Minuten
Autor Marc Fischer
Bewertung 12 von 15 Punkten
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In einem Jahr, in dem als beste deutsche Filme unter anderem "Nach Fünf im Urwald" und "Das Superweib" galten, ist es heutzutage für mich schon fast unverständlich, wie ZUGVÖGEL scheinbar kaum die hiesige Kinolandschaft interessierte. Zwar war es auch für mich nun das erste Mal, dass ich den Streifen sah, aber sieht man sich mal diverse Kritiken zu beiden Filmen an, ist unschwer festzustellen, warum die Halbwertzeit bei ZUGVÖGEL soviel größer ist.
Regisseur Peter Lichtefeld erschuf mit ZUGVÖGEL ...EINMAL NACH INARI ein teils komisch-lustiges, teils melancholisch-romantisches Roadmovie, wie man es nur in Deutschland für möglich halten würde. Zur Seite standen ihm dafür eine Vielzahl von Schauspielern, die man teilweise auch erst Jahre nach Erscheinen dieses Films richtig lieb gewonnen hatte und sich einfach freut, die handelnden Personen in früheren Rollen zu sehen. Hauptdarsteller Joachim Król, heutzutage Chefermittler mit einem ziemlichen Alkoholproblem im Frankfurter Tatortduo, spielt den Protagonisten, welcher hier ein eher schräges Hobby hat. Er lernt Zugrouten und deren Fahrpläne auswendig. Zu allem Überfluss gibt es für derlei Gedankenakrobaten einen Wettbewerb und dafür will er per Bahn vom Dortmunder Ruhrpott in den Norden Finnlands reisen, um anzutreten. Durch einen mehr tragischen Zwischenfall gerät er unbemerkt zu Beginn seiner Unternehmung unter Mordverdacht und es ergibt sich ein heiteres Katz-und-Maus-Spiel, von dem er aber selbst gar nichts weiß. In allerlei Nebenrollen tauchen dabei etliche deutsche Größen wie Jochen Nickel ("Bang Boom Bang", "Manta - der Film", ... ), Hilmi Sözer ("Voll normaaal", "Was nicht passt, wird passend gemacht", ...) oder auch Peter Lohmeyer ("Das Wunder von Bern", "Kondom des Grauens", ...) auf und machen die Geschichte nicht nur wegen ihrer Gastrollen sehenswert.
Nun wurde der Film, der seinerzeit unter anderem mit dem deutschen Filmpreis in Gold für den besten Nebendarsteller (Lohmeyer) und der besten Kamera (Frank Griebe) sowie dem deutschen Filmpreis in Silber für den besten Spielfilm ausgezeichnet wurde, erneut aufgelegt. Exakt 10 Jahre, nachdem ZUGVÖGEL das erste Mal auf DVD veröffentlicht wurde, entschied man sich zu einer Neuauflage, da der Streifen inzwischen vollkommen vergriffen war. Und das zu Recht, denn der Film ist absolut glaubhaft in seiner Erzählung und kommt ohne jegliches Tamtam und Actionkino aus, bleibt dabei aber ungemein kurzweilig und sorgt mit furztrockenen Humoreinschüben für absolut witzige Momente. Als Bonus gibt es zusätzlich ein ausführliches Interview mit Regisseur Peter Lichtefeld, der über die Arbeit und den Entstehungsprozess des Films berichtet.
Dass die Bildqualität von 1997 dabei nicht überarbeitet wurde, macht ehrlich gesagt gar nichts, denn es schmälert weder das Sehempfinden, noch die Story an sich. Denn was will ich mit einem modernen Streifen wie "Kokowääh" oder "Schlussmacher", der ein klasse Bild liefert, am Ende aber totaler Mist ist? So wirkt das Ganze zwar ein bisschen Retro, beweist aber auf der anderen Seite, dass der deutsche Film heute merklich krankt und nichts gelernt hat aus dem Superweib. ZUGVÖGEL ...EINMAL NACH INARI gehört seit heute für mich in die Riege der absolut sehenswerten wie unterbewerteten deutschen Filme wie "Der Eisbär" oder auch "Doppelpack".
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