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24. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Kriegerin
Titel Kriegerin
Produktion/Vertrieb Ascot Elite Home Entertainment
Homepage www.ascot-elite.de/
Veröffentlichung 09.10.2012
Laufzeit 102:00 Minuten
Autor Stephan Mertens
Bewertung 11 von 15 Punkten
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Die Liste der Filme, die sich mit dem rechtsradikalen Milieu befassen, ist nicht gerade kurz. Erstaunlich dabei ist es, dass die meisten Beitrge aus Deutschland zumindest mich nicht voll berzeugen konnten. Abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die man meiner Meinung nach htte besser machen knnen, handelt es sich bei "Kriegerin" um den bisher authentischsten Film, der in diese Kerbe schlgt. David Wnent erffnet mit seinem ersten Spielfilm, der gleichzeitig seine Diplomarbeit darstellt, einen schonungslosen und weitestgehend nachvollziehbaren Blick auf ein mgliches Szenario in einer ostdeutschen Kleinstadt.

Erzhlt wird die Geschichte der 20-jhrigen Marisa (Alina Levshin), welche fest in ihrer Neonazi-Clique verankert ist, was sie durch ihre Ideologie und das Erscheinungsbild (typische Frisur, eindeutige Ttowierungen) nach Auen trgt. Neben Saufen und Machtdemonstrationen an Schwcheren, sieht ihr Alltag eher gewhnlich aus. Sie arbeitet als Verkuferin im Geschft ihrer Mutter und hlt als einzige aus der Familie, Kontakt zu ihrem ber alles geliebten Opa. Nachdem sie bei einer Racheaktion zwei junge Asylanten auf einer Mofa mit ihrem Golf von der Strae drngt, qult sie ich schlechtes Gewissen. Von da an beginnt Marisa ansatzweise, Dinge zu hinterfragen, die in ihrem Umfeld passieren. Das fhrt dazu, dass sie einem der beiden Jungs hilft ber die Runden zu kommen. In einem zweiten Erzhlstrang geht es um die 15-jhrige Svenja (Jella Haase), welche mit ihrer Mutter und ihrem strengen Stiefvater neu in die Stadt gezogen ist, heimlich raucht und Anschlussprobleme in der Schule hat. Ganz dem Klischee entsprechend, rutscht die Heranwachsende nach und nach in genau diese Szene hinein.
Und exakt das ist mein kleiner Kritikpunkt: Man bemht sich, keine platten Figuren zu bringen, sowie Erwartungen und Vorurteile nicht zu erfllen und die Menschen in "Kriegerin" wirken erschreckend echt und glaubwrdig. Aber im Spielfilm geht es generell nun mal nicht ohne eine dramaturgische Geschichte, die eben auch unterhaltsam und spannend sein will. So wirken manche Elemente des Drehbuchs einfach gezwungen. Auch das Ende, das auf Teufel komm raus, schockieren will, schlgt in diese Kerbe. In diesen Momenten verlsst der Film seine darstellerische, ja fast schon dokumentarische Art und geht Kompromisse zu Gunsten des Mediums Spielfilm ein. Bei dem Thema, finde ich es unheimlich schwierig, den richtigen Mittelweg zu finden, und auch wenn ich mich mit manchen Punkten etwas schwer tue, dann liegt das nicht an dem Film an sich, sondern an den limitierten Mglichkeiten so eines Projektes.

Aus dem ausgiebigen Bonusmaterial erfhrt man, dass vor den Dreharbeiten zwei Jahre lang recherchiert wurde und sowohl die Szene selber, als auch die Beweggrnde der Filmfiguren, auf wahren Begebenheiten beruhen. Grnde werden zahlreiche genannt, unter anderen, schwierige Familienverhltnisse, das behebende Gefhl, in einer Gruppe Macht auszuben oder der Juden-hassenden Opa. Lsungen fr das Problem, knnen die Macher nicht anbieten. Es geht vielmehr darum, einer wegschauenden Gesellschaft, Einblicke in die von Gewalt und Hass geprgten Menschen und die entsprechenden Hintergrnde zu geben. Und das schafft "Kriegerin", weitestgehend ohne erhobenen Zeigefinger, sehr gut. Dass der Film "schockierend", "erschreckend" oder gar "verstrend" ist, wie es in den Medien heit, kann ich nicht hundertprozentig unterschreiben. Fr solche Begriffe htte es mehr Momente gebraucht, wie die Eingangsszene, in der die Protagonisten in der Gruppe durch einen Zug gehen und zur eigenen Unterhaltung andere Fahrgste demtigen und angreifen. Besonders in diesem Moment, hat der Film viel Wut und Trauer bei mir verursacht. Diese aufrttelnde Wucht, hlt der Streifen leider nicht ber die gesamte Laufzeit durch. Dennoch ist "Kriegerin" schon wegen der schauspielerischen Leistungen sehenswert. Bevor ich hier noch seitenweise weiter schreibe; besorgt euch die DVD und macht euch selbst ein Bild!
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