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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing FUCK THE COMMERCE VII
Ort Luckau, MZA
Datum 20.-22.05.2004
Autor Andre Kreuz
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Es gibt bei Festivalbesuchen von Redaktionsmitgliedern von MyRevelations.de zwei Konstanten:
  • Verfahren bei der Hinfahrt (optional auch bei der Rckfahrt)
  • Alkohol in so rauen Mengen, dass Raum und Zeit an Bedeutung verlieren
Nummer eins haben wir in unserem 2-Auto-Trek in den Osten bereits auf der Strecke durch den Westerwald hinter uns gebracht, genau genommen sogar zweimal. Dafr hat es sich aber als verdammt cleverer Schachzug erwiesen, dass wir nachts gefahren sind und so die Tcken der A4 (sprich Stau, Stau und nochmal Stau) mehr oder weniger umschifft bzw. umfahren haben. So waren wir nur ca. sieben Stunden unterwegs, wohingegen wir vor zwei Jahren bei einem Mega-Stau, verursacht durch einen umgekippten Tanklaster, alleine sechs Stunden am Stck nur gestanden haben. Das nchste Problem sollte sich dann allerdings aus der Tatsache ergeben, dass die Festival-Location dieses Jahr umgelegt werden musste, da das alte Gelnde "Am sterreicher" bei Neiden/Torgau aufgrund irgendwelcher Spacken, die dagegen geklagt hatten, nicht mehr zur Verfgung stand. Dank der reichlich knappen Wegbeschreibung auf der Festivalhomepage gurkten wir also munter durch die Walachei bei Luckau, um dann irgendwie und irgendwann gegen 6 Uhr auf der Mehrzweckanlage, die sich als alter Flugplatz entpuppte, anzukommen. Umleitung! Nach einem krftigen Schlummertrunk war erst Mal pennen bis kurz nach Mittag angesagt, bis uns unser Quoten-Ossie, der mittlerweile zu uns gestoen war, weckte. Und ab hier nahm das Unheil seinen Lauf... Unheil in Form von massenhaft Bier, lecker und mit viel Liebe in Plastikflaschen konsumiert. Von daher mge man mir verzeihen, wenn ich im folgenen evtl. die Tage und die Reihenfolge der Bands ein wenig durcheinander bringe, was aber nicht zuletzt auch darin liegt, dass die Veranstalter aus mir unbekannten Grnden die Running Order nochmals krftig umverteilten.
Es stand also mit Fortschreiten des Tages mein erster Kontakt mit JACK SLATER an, die mir gut gefallen haben und im Publikum mit ihrem FunDeathGrind (whatever) fr ordentlich Stimmung sorgten, wofr vor allem der hyperaktive Zappelheinz von Snger verantwortlich war. Allgemeine Zustimmung bekam selbstverfreilich auch das obligatorische CANNIBAL CORPSE-Cover "Stripped, raped and Strangled". Dann haben wir uns spter noch ALTAR gegeben, die entweder eine ziemliche Besetzungsrotation durchgemacht haben, oder einfach zu oft beim Friseur waren, ich htte die Hollnder jedenfalls nicht erkannnt. Auch musikalisch konnte ich mich an diesem Donnerstag (wenn sie denn berhaupt am Donnerstag an der Reihe waren) nur bedingt fr den Death-Thrash der Truppe begeistern, der Funke wollte nicht wirklich berspringen. Tja, das war leider auch schon alles, was ich vom Donnerstag berichten kann, da ich sonst keine Band gesehen habe, was mich im Nachhinein aber besonders wegen WORMED rgert, die wohl verdammt fett gewesen sein mussten. Und der Schlagzeuger von den spter spielenden BRODEQUIN muss fr einige offene Mnder gesorgt haben, da er geschwindigkeitstechnisch offenbar so ziemlich alles an die Wand gespielt hat.
Der folgende Freitag war dann leider der mieseste Tag des FTC's, da es fast die ganze Zeit schiffte und wir somit unsere Zeit im Auto bzw. Zelt verbrachten, wo wir uns mit Saufspielchen bei Laune hielten, bis Petrus sich endlich erbarmte und wir GENERAL SURGERY aus Schweden begutachten konnten. Diese spielten allerdings nicht im Freien, sondern im groen Festzelt, in das die Bands aufgrund des strmenden Regens in der Zwischenzeit umgezogen waren. Die grindige Truppe fiel mal ganz besonders durch ihr Chirogen-Outfit auf, das zudem von oben bis unten mit Blut besaut war. Optisch also eine feine Sache, aber auch musikalich wussten die Krachmacher zu berzeugen. Nach dem Gig wurde das Festival per Abstimmung wieder nach drauen verlegt, was eine Pause von einer knappen Stunde zur Folge hatte, die wir natrlich gewinnbringend und pegelsteigernd nutzen... Dann war es endlich so weit, der im Vorfeld fr wilde Spekulationen sorgende "Special Surprise Act" oder "Das 9. Weltwunder" enterte die Stage. Und wie grtenteils erwartet kamen nicht die wiederauferstandenen SUFFOCATION zum Vorschein, sondern die Briten von BENEDICTION! Und was war das ein Fest! Ein Hit jagdte den nchsten, so dass nicht mal das unentwegte "Old-School"-Gesabbel des Sngers nerven konnte. Kracher wie "Agonized", "Subconscious Terror", "Grind Bastard" und das obergeniale "Dark Is The Season" ("Jooooooooyriiiiiiiide!!!!!!!!") lieen die Menge schier ausrasten. Da taten auch die Songs vom meiner Meinung nach etwas schwcheren "Organized Chaos"-Album keinen Abbruch. INCANTATION im Anschluss hatten es folglich eher schwer, mir persnlich geht bei den Amis eh keiner ab. Bemerkenswert fand ich aber den Sound der Burschen, der live genauso tief, volltnend und bedrohlich dster rberkam, wie auf den Platten. Viel schneller und besser wurde es nach diesem Auftritt wieder mit den Schwedischen NASUM, die einfach alles, was an dem Abend noch stehen konnte, von den Fen hmmerten. Wahnsinning schnell und przise und mit genial sgenden Gitarren krachten die kurzen Grind-Massaker auf die Fans nieder und hinterlieen ein rundum zufriedenes Publikum, das den wrdigen Abschluss des Freitags gebhrend zu feiern wusste.
Am Samstag war das Wetter dann eher durchwachsen, wir wurden whrend einer unserer zahlreichen Auto-Sessions derweil aber vorzglich von unseren Zeltnachbarn unterhalten, deren Abbauknste jetzt schon legendr sind. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschn fr die grandiose Show! ;-)
Der erste Hreindruck dieses Tages prasselte dann in Form einer weiteren hollndischen Truppe auf uns nieder: CLITEATER spielten zum Tanz auf. Whrend musikalisch gesehen manches ziemlich geil kam, waren andere Parts eher langweilig, was aber vom sympthatischen Muskelmann von Snger wieder wett gemacht wurde, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hatte, wenn er nicht gerade den barbarischsten Tiefen des Grunz-mglichen frnte oder auf den Boxen rumturnte. Gecovert wurde auch hier, und zwar irgendwas von GUT. Dann meine ich mich dumpf an BIRDFLESH (SWE) erinnern zu knnen, allerdings ist da so gut wie nix hngen geblieben, so dass ich mal zu den Amis von PROPHECY bergehe. Hier ging es mir hnlich wie bei ALTAR: Ich kannte die Band zwar von mehreren Alben auf CD, live sah die Sache aber ganz anders aus, so dass ich nicht viele der Songs wiedererkannte. Knnte u.U. aber auch daran liegen, dass ich die letzte Platte der Deather nicht kenne. Wie auch immer, durch den kurze Zeit spter wieder auf nachdrcklichste einsetzenden Regen wurden die letzten Bands wiederum ins sich schnell fllende Zelt verlagert, was auch mit Hinblick auf die scheikalten Temperaturen, die mittlerweile drauen vorherrschten, nicht das Schlechteste war. Nach ewig langer Umbauphase und nerviger Intro-Show enterte dann "Mister Death Metal Himself" Paul Speckmann mit MASTER die Bhne. Wenn auch das Gepose der Combo ziemlich unangebracht war, so boten sie mit ihrem Old-School Todesmetall doch eine mehr als willkommene Abwechslung zum ansonsten vorherrschenden Grind-Massaker, was in fliegenden Matten allerortens seinen Dank fand. Und dann, DANN... wurde erst mal umgebaut... und umgebaut... und soundgecheckt... und noch viel mehr soundgecheckt... Aber dann, DANN standen sie endlich auf der Bhne, nach satten sieben Jahren in der Versenkung: OBITUARY!!!!!! Und vom ersten Ton an brach in der Halle das Inferno aus und es wurde klar, warum viele Metal-Jnger zum siebten Fuck The Commerce gepilgert waren. Sieben Jahre aufgestauter Energie machten sich in der fr meinen Geschmack viel zu kurzen Spielzeit der Ikone Luft, und neben dem anstndigen Pit an der Front war vor lauter Haaren kaum noch was in der Halle zu sehen. Ok, ist wohl etwas bertrieben, aber Klassiker wie "Slowly We Rot", "Cause of Death", "Dying", "Back To One" und das oberkultige "Final Thought" waren einfach nur Wahnsinn, endlich einmal live zu erleben. Besonders das unfreiwillig komische "Final Thought", haha! Man kann sagen, was man will, aber John Tardy hat die vermutlich markanteste Stimme im ganzen Death Metal-Sektor. Leider war der Gig wie gesagt viel zu kurz und die ausdauernden Zugabe-Forderungen blieben spter unerhrt, wobei ich ehrlich gesagt gar nicht mehr wei ob und wenn wie viele OBITUARY berhaupt gezockt haben. Egal, war auf jeden Fall viel zu kurz!!
Da das Wetter nach wie vor reichlich wenig vertrauenserweckend war und wir alle komplett im Eimer (aber glcklich), begaben wir uns zu unserer wohlverdienten Ruhe und machten uns am nchsten Tag versifft (das andere auch...), verkohlt und versoffen auf den Weg in die Heimat, der wieder mal durch ungezhlte Kilometer von Stau und Stop-And-Go fhrte...
Fazit: Wenn auch deutlich weniger Leute auf dem FTC VII waren, als die Jahre zuvor und das Wetter nicht immer mitspielte, so waren die drei Tage trotzdem hammergeil und ich bin nach wie vor der berzeugung, dass wir mit dem FTC eines der besten Open Airs in Deutschland haben. Korrekte Preise (hm, zumindest beim Bier, die Burger waren echt bertrieben teuer!), eine gute Mischung aus Underground und greren Bands. Fr nchstes Jahr bleibt eigentlich nur zu wnschen, dass das Festival wieder auf dem alten Stamm-Gelnde stattfindet, das doch wesentlich mehr Flair besitzt, nher liegt (zumindest von hier aus) und vor allem besser zu finden ist.

Fotos: Stephan Cremer

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