Navigation
                
16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DESTINATION METAL FEST
Ort Trier, Exil
Datum 23.04.2004
Autor Andre Kreuz
>> Als E-Mail versenden
Am 23.04. war es mal wieder so weit, die heiligen Hallen des Trier Exils sollten sich ffnen und nicht weniger als sieben Bands sollten zum Tanz aufspielen. Den Auftakt vor den noch eintrudelnden und damit noch nicht ganz so zahlreichen Freunden metallischer und hardcoreiger (?!) Mucke machten die Eifel-Chaoten von INSOLENCE. Diese hatten bereits ein paar Wochen vorher in Trier gezockt, da allerdings nicht unten im Exil selbst. Ohne lange zu fackeln startete der Fnfer direkt durch und machte gleich klar, dass ihnen in Sachen Brutalitt wohl keine der folgenden Bands das Wasser reichen wrde. Geboten wurde midtempolastiger Death Metal, der sich zum einen der guten alten Schule bediente, zum anderen aber auch nicht selten mit aktuellen Totschlgern a la DYING FETUS und Konsorten liebugelte. In einem Song, ich glaube "Enough is enough" wars, schien mir auch ein Riffs Verwendung gefunden zu haben, dass auch DESASTER irgendwo verwursten, aber was solls. Bei brauchbarem, wenn auch nicht perfektem Sound wurde dieser Vorgabe gem zielstrebig losgewalzt, so dass schon das ein oder andere Haupt zum Bangen animiert wurde, wobei die Reaktionen im sonst noch sehr zurckhaltenden Publikum recht gemischt waren. Einigen schiens zu gefallen, anderen, wie sich aus diversen Kommentaren erkennen lie, eher weniger. Ich fands gut, genau wie den "Tiefer!!"-Kommentar von irgendeinem Typ, haha! Das drfte bei der Abartigkeit, mit der Snger Stephan das Mikro schndete, kaum drin gewesen sein! Beim letzten Song gabs dann noch rger mit einer Klampfe, so dass der Musikant reichlich gefrustet die Bhne verlie.
Flyer
Setlist INSOLENCE:
  1. Hostis Humani Generis
  2. Run
  3. The Evil that Man do (kein Cover!)
  4. Enough is enough
  5. Redefining Myself
  6. What lies Beyond
  7. The Reason to be happy
Nach der halben Stunde, die dem Opener zugestanden wurde, machten wir uns erst mal an die frische Luft und Richtung Burger King, um uns fr den Rest des Abends zu wappnen. Daher bekamen wir von den folgenden beiden Bands FEAR MY THOUGHTS und THE CRIMSON DIVINE nicht allzu viel mit, wobei ich nicht unbedingt sagen kann, dass mir das schwer leidgetan htte. Das, was ich gesehen und gehrt habe, war zwar nicht schlecht, aber auch nicht weltbewegend. So sehr ich das Zusammenwachsen von Hardcore- und Metal-Szene, wie es in letzter Zeit zu beobachten ist, auch gut finde, so sehr wundere ich mich doch manchmal ber Bands wie eben diese beiden. Wieso wird einem da Musik als "Metalcore" u.. verkauft, die es so schon lange gibt und die von Bands wie IN FLAMES, DARK TRANQUILLITY und AT THE GATES gro gemacht wurde? Klar ist das geile Mucke, aber diese Mischung aus schnen Melodien und ner gehrigen Portion Groove war doch schon tausendmal da! Wie auch immer, FEAR MY THOUGHTS und THE CRIMSON DIVINE machten ihre Sache gut, wobei sie mich doch teilweise an eine Mixtur aus Abiband und Rotz-Rock-Combo erinnerten. Wenn sich jemand fragt, warum ich die beiden Truppen immer in einem Atemzug nennen, so liegt das daran, dass ich die beiden rckblickend einfach nicht mehr auseinander halten kann! Na ja, nix fr ungut, immerhin kamen sie beim Publikum gut an.
Nach der blichen Umbauphase kamen dann die FRAGMENTS OF UNBECOMING dran, die ich zuletzt auf dem Chuck-Schuldiner-Benefiz "In Death we trust" in Ludwigshafen vor zwei Jahren erleben durfte. Auch hier ging es wieder sehr melodisch zu Werke, wobei auch mal der ein oder andere Black Metal-Einschub zu vernehmen war. Die Truppe lsst mich ein weiteres Mal etwas unentschieden zurck, da sie zum einen tolle Riffs, superbe Melodien und fette Mosh-Parts zu bieten haben, diese aber leider zum anderen durch langatmige und langweilige Parts teils wieder zunichte machen. In just diesen Phasen konnte ich mir denn auch die Band selbst etwas genauer ansehen und empfand besonders den Gitarristen als echten Knner. Komisch dann aber doch das Outfit vom Bolt Thrower-Shirt tragenden Snger: moderne ausgebleichte Hose und Schmierbrsten-Frisur, irgendwas passt da doch nicht zusammen, oder? Ja ja, ich wei, ich bin heute in Lsterlaune, hehe! Also lassen wir das und widmen und der nchsten Band des Abends, nmlich den Schweizern von CATARACT.
Cataract
Mein Gott, was haben die gewalzt! Mein Kopf ist jetzt noch am wackeln, so unglaublich groovy war die Chose der Eidgenossen! Fetteste Metal-Riffs Marke SLAYER gaben sich hier ein Stelldichein mit Hardcore-Geschrubbe feinster Machart. Dazu schien die ganze Band, allen voran der hyperaktive Brocken von Snger und der Baseball-Cap tragende Zappel-Gitarrist schier unter Strom zu stehen, womit sie einen krassen Gegensatz zu den doch eher statischen Bhnen-Auftritten der vorherigen Bands darstellten. Klar, dass das auch aufs Publikum berging, das sich hier erstmals vollends verausgabte und moshte, bangte und pogte, was der Krper hergab. Da ich vorher noch nie auf einem Hardcore-Konzi war, ertaunten mich whrend des Gigs die prolligen Ansagen und Danksagungen des Sngers nicht schlecht, wobei das, so hab ich mir sagen lassen, innerhalb der Szene anscheinend zum guten Ton gehrt. Also: Danke an den Veranstalter, den Tontechniker, den Lichtmann, den Kollegen hinter der Bar, den Mannen an der Kasse, dem Heinz vom Baumarkt, der Jutta von der Tanke und natrlich dem Br von Trer!
Cataract
Setlist CATARACT:
  1. Devon
  2. Red Clouds
  3. I Regret
  4. As We Speak
  5. 2 Sec
  6. Forsaken Cries
  7. Scars
  8. What We Own
  9. Sinner F. Birth
Und wer jetzt dachte (wie ich), dass DEW-SCENTED (mit dem Basser von OBSCENITY) nach diesem Killer-Auftritt einen schweren Stand haben wrden, der irrte!
Dew-Scented Dew-Scented
Die symphatischen Thrasher knpften scheinbar mhelos an die super Stimmung bei CATARACT an und hatten die Fans direkt in der Tasche. Die gaben bei dem rifforientierten Thrash, der ihnen da entgegenflog, noch einmal alles und feierten die Jungs regelrecht ab. Im Nachhinein bin ich mir echt nicht mehr sicher, ob mir jetzt CATARACT oder DEW-SCENTED besser gefallen haben, obwohl die musikalische Ausrichtung doch recht unterschiedlich war. Fakt ist aber, dass die ohnehin schon ungemein positive Atmosphre nochmals gesteigert werden konnte. Ein so tolles Zusammengehrigkeitsgefhl, sowohl zwischen Fans unterschiedlichster (oder doch nicht mehr?) Lager, als auch zwischen Band-Publikum, hab ich lange nicht mehr erlebt. Da sieht man mal wieder, dass die richtig guten Konzerte nicht selten im stndig brodelnden Underground zu finden sind! DEW-SCENTED rockten jedenfalls noch mehr als ordentlich und voller Power das Haus, um dann dem Headliner HEAVEN SHALL BURN die Stage zu berlassen.
Dew-Scented
Setlist DEW SCENTED:
  1. Unconditional
  2. New Found Pain
  3. Bitter Conflict
  4. Destination Hell
  5. Cities Of The Dead
  6. Reprisal
  7. Locked In Motion
  8. Soul Poison
  9. One By One
Mittlerweile war es schon ein gutes Stck nach Mitternacht, was man auch an allen Ecken und Enden merken konnte, die Luft war grtenteils raus. Schade fr die Jungs von HSB, die auf der Bhne nochmal Vollgas gaben und ihren fetten Metalcore voller Schmackes in das sich lichtende Volk ballerten. Die Energie der Band konnte dann doch noch was reien, so dass die Fans nochmal die letzten Reserven mobilisierten und ordentlich mitgingen. So war der abschlieende Auftritt von HEAVEN SHALL BURN zwar nicht der beste des Abends, aber dennoch ein wrdiges Ende eines genialen Konzert-Abends.
HSB HSB
Dickes Lob auch an den Aushilfssnger: Innerhalb einer Woche hatte der sich wohl smtliche Texte angeeignet und ist auf der Bhne rumgeschossen, wie ein Derwisch. Ich kenne den "richtigen" Snger der Truppe nicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass er live genauso engagiert abgeht!
Wie gesagt: Eine so verdammt positive Stimmung wie an diesem Abend im Trierer Exil hab ich auf einem Konzert lange nicht mehr erlebt, auch dass die Bands ausnahmslos so einen Spa zu haben schienen. Hier wurde sich quasi gegenseitig angespornt und zu Hchstleistungen angetrieben, keine Spur von Routine- oder Pflicht-Gig. Da auch die Zuschauermenge fr den Veranstalter mehr als zufriedenstellend gewesen sein drfte, bleibt nur auf eine Neuaulage dieses Festivals im nchsten Jahr zu hoffen, und dann am besten wieder mit dieser gesunden Schnittmenge aus Metal und Hardcore!

Fotos: Markus Sausen und Thorsten Dietrich
<< vorheriges Review
SUBWAY TO SALLY, TIEFLADER - Andernach, JuZ
nchstes Review >>
IN FLAMES, CALIBAN, DEVIL DRIVER - Kln, Live Music Hall


Zufällige Reviews