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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SALTATIO MORTIS
Ort Andernach, JuZ
Datum 01.04.2004
Autor Roland Wohde
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Die Tage in denen man (aus dem Raum Koblenz kommend) weit fahren musste, um seine Lieblingsmusik auch einmal livehaftig erleben zu drfen, sind eindeutig vorbei. Wurden zu Beginn des Jahre in Andernach schon die Fans klassischer Metaltne sowie Rock'n'Roll und Hardrockfans bestens bedient (Liveberichte vergangener Events ebenfalls hier auf dieser Seite), steht der April im Andernacher JuZ im Zeichen mittelalterlicher Klnge. Den Auftakt machten am 01.04.2004 die Spielleute der Formation Saltatio Mortis.
Saltatio Mortis
Bereits zum dritten Mal machte das sympathische Septett hier Station, dieses Mal mit ihrer neuen Scheibe "Erwachen" im Gepck. Jedoch musste die Band gleich zwei bse Streiche zum ersten April einstecken. Zum einen plagte einige Bandmitglieder eine ordentliche Erkltung, was sich bei Snger Alea stellenweise in der Gesangsleistung niederschlug. Des weiteren war die Band zu Beginn sichtlich erstaunt bzw. enttuscht, den Saal mit ca. 100 Besuchern nur so sprlich gefllt zu sehen. Hie es doch seitens einer Vorverkaufsstelle im Mediamarkt (zumindest nach Aussagen einiger Besucher), das Konzert sei ausverkauft! So besttigten einige Fans, dass sie in besagtem Mediamarkt gar nicht mehr genug Karten fr den interessierten Freundeskreis erhalten htten! Auch das sehr schne Wetter dieses Tages drfte Saltatio Mortis einige Zuschauer gekostet haben. uerst rgerlich! Doch letztendlich spielt die tatschliche Zahl der anwesenden Fans eine nicht so groe Rolle, wie mir das Sprachrohr der Band, Herr Falk Irmenfried von Hasen-Mmmelstein, in einem spteren kurzen Gesprch mitteilte. Hauptsache, die Chemie zwischen Publikum und Band stimmt. Und das war an diesem Abend in jedem Fall gegeben. Bereits beim Erffnungs-Doppel "Hr die Trommeln" und "Tanz der Tnze" gingen die Fans recht ordentlich mit und steigerten sich im Laufe des beachtlich langen Sets immer weiter.
Saltatio Mortis Saltatio Mortis
Irgendwann erfasste so gut wie jeden zwischen 15 und 45 im Publikum die Tanzwut und sowohl vor als auch auf der Bhne regierte der Spa. Hhepunkte waren hierbei neben einer Publikums-Polonnaise zu den Tnen der Augsburger Puppenkiste ("Eine Insel mit zwei Bergen") zweifellos auch der Gassenhauer "Mea Culpa", das zum Tanzen zwingende "Skudrinka" und das Kisscover "God gave rock'n'roll to you". Dass sich engstirnige Kissmaniacs beim Refrain, der in bester Humpa-Manier aus den Boxen drhnte, im Grabe umdrehen wrden, strte die Anwesenden nicht im geringsten. Auch die in den Mittelalterrock integrierten Drum- und Elektrosounds kommen whrend eines Konzertes besser rber als auf CD. Zwar bleiben sie Geschmacksache und sind gewhnungsbedrftig, frdern aber, wenn man sich darauf einlassen kann, durchaus die Tanzbarkeit. Dieses Aufeinandertreffen von Altertum und Neuzeit wurde auch durch ein riesiges, selbst gefertigtes Backdrop visuell umgesetzt, das man grob als Gegenberstellung von Computerchip und Hhlenzeichnungen beschreiben kann.
Saltatio Mortis Saltatio Mortis
berhaupt wird im Hause Saltatio Mortis, wie ich von Herrn Hasen-Mmmelstein und Snger Alea erfuhr, viel Wert auf ein stimmiges Ganzes gelegt. Und so spielt neben der Musik und den Texten auch die Optik und das Drumherum eine wichtige Rolle. Der Schriftzug auf den Monitorboxen wurde z.B. noch kurz vor dem ersten Tourgig von der Band eigenhndig montiert. Ein weiterer Hingucker war zweifelsfrei die mannshohe Metallmaske in der Mitte der Bhne, die man vom Cover der aktuellen CD her kennt. Aber auch die mit viel Liebe zum Detail gefertigten Outfits und Instrumente und der schn gestaltete Merchandisingstand, der von einer entsprechend gewandeten Maid betreut wurde, zeigten, dass man mir keine Mrchen erzhlt hat. Schier unglaublich scheint dagegen die Aussage, dass das komplette Equipment samt Licht und Band in zwei Sprinter plus Hnger passen solle. Hut ab!
Auch die Bhne wurde voll ausgenutzt. Fr Bhnenaktion im herkmmlichen Sinne war bei sieben Musikanten, einem Podest, besagter Maske, einem Drumkit und einer Percussionecke plus Feuerschalen und teils recht sperrigen Instrumenten natrlich nicht mehr viel Platz. Somit wirkte die Show zwangslufig ein wenig zu statisch, was ich persnlich schade fand. Aber irgendwo mssen natrlich Kompromisse gemacht werden. Ein weiteres kleines Manko war der in meinen Ohren etwas zu basslastige Sound, der manche Feinheiten der "alten" Instrumente verschluckte. Aufgelockert wurde das Ganze dagegen von den Liedansagen, die meist in witzig alberne Anekdoten oder Streitgesprche zwischen Drummer Lasterbalg dem Lsterlichen und Herrn von Hasen-Mmmelstein eingebettet waren. Ausserdem machte das Andernacher Publikum neben diversen Singspielchen und Anfeuerwettbewerben jeden Spa mit und holte sich die komplette Truppe durch "Schweinskram"-Rufe und ekstatisches Gekreische noch fr zwei Zugabeblcke auf die Bhne.
Nach gut zweieinhalb Stunden verlieen die Spielleute dann die Bhne, um direkt im Anschluss gut gelaunt und vorbildlich den Fans fr Fotos, Gesprche, Autogramme und jedweden anderen Bldsinn zur Verfgung zu stehen. Mein Fazit: obwohl ich mich nach wie vor nicht unbedingt als Fan der Band bezeichnen wrde, habe ich einen uerst schnen Abend verbracht und die Spielleute als sehr sympathische, lustige, fanfreundliche und hfliche Menschen erlebt. Ein Reinschauen lohnt sich also, auch wenn man die CDs nicht so toll findet, denn fr 13 Euro Eintritt wurde hier wirklich was geboten. Und "Schweinskram" kommt live eben doch am besten!
(Homepage: www.saltatiomortis.de)

Saltatio Mortis
Setlist:
  1. Hr die Trommeln
  2. Tanz der Tnze
  3. Lass mich los
  4. Heuchler
  5. Mea Culpa
  6. Erwachen
  7. Junges Blut
  8. Daedalus
  9. Dessous le Ponte de Nantes
  10. Cantiga Alhambra
  11. Skudrinka I
  12. Palestinalied
  13. Mein Weg
  14. Am Scheideweg
  15. Der Ruf
  16. Traumreise
  17. Falsche Freunde
  18. Dunkler Engel
  19. Eine Insel
  20. A Kenavo
  21. God gave rock'n'roll to you
  22. In Taberna
  23. Licht und Schatten
  24. Sehnsucht
  25. Skudrinka
Zu guter Letzt wurde mir sogar noch Zeit fr einen kurzen Plausch eingerumt.
Obwohl die Band um ihre Livequalitten wei, ist jedoch keine Liveplatte oder DVD geplant, da man dies nach nur vier Verffentlichungen als zu frh erachtet. Eine positive Einstellung, wie ich finde. Das kommende Album der Truppe soll nach eigener Aussage die Quintessenz der letzten drei Outputs werden. Das erste Album "Tavernakel" nahm man brigens lediglich auf, um sich einen Trip nach Schweden zur Mittelalterwoche in Wisby finanzieren zu knnen. Eine einmalige Erfahrung, wie Snger Alea zu erzhlen wei. Ihn habe sowohl die friedfertige Atmosphre als auch die sehr aufgeschlossenen und kontaktfreudigen Jugendlichen schwer beeindruckt. Und nach ihrem erfolgreichen Auftritt sei die Band nchtens in ihren Zelten hinter der Bhne regelrecht von weiblichen Fans berfallen worden. So knne man sich Woodstock vorstellen.
Ihre drei weiteren Alben sehen die Musiker als stetige Experimente. So versuchte man auf "Das zweite Gesicht" moderne Elemente mit dem bisherigen mittelalterlichen Schaffen zu verbinden; auf "Heptessenz" wiederum nutzte man die neu gewonnenen Studioerfahrungen, um auch mittelalterliche Klnge in modernem Sound prsentieren zu knnen. "Erwachen" dagegen reflektiert und verarbeitet die persnliche Entwicklung der Musiker.
Wie die Quintessenz dessen sich anhren wird, darf man gespannt erwarten. Und da die Herren voll des Lobes fr das Andernacher Publikum, das JuZ-Team und den bestens ausgestatteten Club waren, stehen die Sterne fr einen erneuten Besuch in der Zukunft denkbar gnstig. Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein.
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