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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ALMANAC - LISTENING SESSION / STUDIOREPORT
Ort Heyday Studios, Wuppertal 08.07.2017
Datum 08.07.2017
Autor Thorsten Dietrich
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Nuclear Blast Records luden zu der Listening Session zum zweiten Almanac Album nach Wuppertal. Da war ich natrlich froh, es ist nicht so weit fr mich und ich lieber Almanac, Wuppertal ist zwar nicht so hbsch, aber egal. Taxifahrer war dann Frontmann Andy B. Franck der u.a. mich und Kollegen aus dem In-und Ausland nach der Ankunft mitnahm und gut unterhielt bis wir zu den Heyday Studios kamen. Neben einigen Anekdoten erzhlte er auch etwas ber seine Vorliebe fr echte Studios. In solche einem waren wir dann auch. Mit gerumigen Aufenthaltsrumen samt Billard und Kche, jede Menge Aufnahme- und Proberumen, sowie noch unerschlossenen Zimmern ist das ein riesiger, toll renovierter Komplex mit ruhiger Atmosphre mitten in einem Wohngebiet. Die ehemalige Fabrik fr Damenoberbekleidung stand lange leer und wurde so sicherlich sehr sinnvoll genutzt! Dank netter Mitarbeiter bekam ich eine ausfhrliche Fhrung und viele Informationen ber das Studio - sehr interessant.

Neben Andy, war noch Bandkopf Victor Smolski (Gitarre, Keys) und Sngerin Jeannette Marchewka anwesend. Nun bekamen wir das neue Album "Kingslayer" vorgespielt, was ohne etatmigen Keyboarder und mit neuer Rhythmussektion eingespielt wurde. Es gibt ein loses Textkonzept fr einige Lieder die von den drei Vokalisten verfasst worden sind, wohin gegen Victor sich um die Musik kmmerte. Da uns die Texte vorlagen konnte ich lesen, dass Knigsmorde auf der ganzen Welt bei einigen Tracks Thema sind, was mit einem kleinen Linernotes Teil pro Lied gut transportiert wurde. Die Scheibe hat neun Lieder und ein instrumentales Zwischenstck und wird um die 50 Minuten Laufzeit haben. Erscheinen wird "Kingslayer" am 3.11.2017!

"Regicide"

Uptemposong der nach 10 Sekunden als typischer Smolski Titel vom Gitarrenstil erkannt wird. Aggressive Riffs, flottes Tempo, Bass und Drums sind recht dominant, whrend Keyboard und Orchestersounds wenig bis gar nicht prsent sind. Die drei Stimmen harmonieren prchtig und haben alle ihren Platz und Entfaltungsmglichkeiten.

"Children Of The Sacred Path"

Startet mit einem Gitarrensolo und gibt mchtig Gas. Einen Tick aggressiver als der Vorgngertrack ist es ein geradliniger Rocksong der einfach gut nach vorne drckt. Victor hat in der Mitte ein starkes, melodisches Solo.

"Guilty As Charged"

Verspielte Keys, melodische Leadgitarren, ein lngerer Instrumentalpart. Man knnte es als Headbanger kompatiblen, gut gebrllten Metal bezeichnen und bestimmt ein kommender Livekracher. Nach eine fettem Break wird mehrstimmig Gas gegeben um dann etwas zu "knppeln". Sitzt auf den Punkt genau und ist keine Sekunde zu lang.

"Hail To The King"

Stakkatoriffs duellieren sich mit einem unglaublich aus sich heraus gehenden, nahezu entfesselnden David Readman. Das Ganze trifft auf einen sehr melodischen Chorus. Dank diverser mitgrlkompatibler Stellen der Sorte "Hail Tho The King" bzw. "Hail" ist dieses Lied auch ein 100% sicherer Livesong. Eine wirklich tief rhrende Gitarre trifft auf dezente Orchestersounds. Bei den Chren herrscht ein kleines Lingua Mortis Flair.

"Losing My Mind"

Prog Metal Track mit Ayeron-artige Keys die sich mit der Gitarre duellieren, was einen lngeren Instrumentalabschnitt darstellt. Dann folgt ein ziemlich dreckig klingender Gesang, derbe Shouts und ein berraschend melodischer Refrain. Keyboards werden in der Mitte des Liedes als Farbtupfer eingesetzt. Der Refrain ist unglaublich packend.

"Kingslayer"(Intro)

Starkes Intro zum darauf folgenden Stck. Es ist im Grunde ein mit atmosphrischen Keys unterlegtes Gitarreninstrumental in das langsam Bass und Schlagzeug einsteigen.

"Kingdom Of The Blind"

Startet auch mit einem lngeren Instrumentalabschnitt und wandelt sich zu einer Uptempohymne mit viel Pathos und perfekt aufeinander abgestimmten Gesangseinlagen von David und Jeannette. Es hat einen sehr ansprechenden Refrain mit tollem melodischem Gitarrensolo in der Mitte. Ist im Grunde ein gradliniger Metalsong.

"Headstrong"

Ein sehr prgnanter und guter Einsatz fr Jeannette mit viel Uptempo und Biss. Am Ende folgt ein mit Klassik unterlegter Abgang. An sich ein guter Metalsong der direkt beim Hren schon zndet und positiv im Gedchtnis bleibt.

"Last Farewell"

Nicht kitschige und einzige Halbballade der CD mit einem ungewhnlich sanft und klar singenden Andy B. Franck. Definitiv eine Feuerzeugnummer die zeigt, dass Balladen von der Spielweise her nicht musikalisch flach sein mssen. Hierbei merke ich dann auch wieder wie gut alle Snger sich einbringen und ergnzen, bzw. an einem Strang ziehen.

"Red Flag"

Mit einem Text von Jeannette ber eine unbesiegte, chinesische Piratin glnzt das Lied musikalisch durch viel Pathos und epische Momente, wobei mich das melodische Gitarrenspiel echt begeistert. Die Vokalisten wechseln sich wieder geschickt ab und den sehr packenden Refrain bekommt man kaum aus den Ohren. Hier hrt man auch den allgemein erhhten Hrtegrad der neuen Scheibe im Vergleich zu Debt an.

Fazit: "Kingslayer" ist anders als das fantastische Debt und keinen Deut schwcher, sondern kompakter, mehr Metal und weniger Orchester. Gerade die neue Rhythmussektion ist knppelhart und filigran.

Wir hatten dann noch ein kleines Interview mit Victor Smolski.

Victor, Ihr seht euch als Band und seid relativ konstant, aber die komplette Rhythmussektion ist weggefallen und euer spanischer Keyboarder ist auch weg. Wie kam das?

Mit den Mnnern aus Spanien war das so, dass Orchester und der Keyboarder Hendrik durch das Lingua Mortis Orchestra bei uns gelandet sind! Im Prinzip habe ich angefangen da zusammen zu arbeiten und er kann diese Konzertarrangements besser als ich. Wir dachten da auch live mit dem Orchester zu spielen. Im Prinzip war es uns dann aber nach dem Studio schon klar, dass wir nicht live mit dem Orchester spielen wollen, man darf nicht laut spielen, man hat wenig Platz und bei kurzen Zeiten auf Festivals wird das meist nichts und ist stressig. Als einmalige Sache ist das in Ordnung. Bei Henrik war das so, dass er nach dem Studio als fester Keyboarder beim Musical "Mamma Mia" und war damit auf Tournee. Ehrlich haben wir auch viele Konzerte gemacht und fhlen uns jetzt so besser, da die Rolle des Orchester und Keyboard ja eh bei gering ist und auch jetzt bei der zweiten Scheibe der Input noch geringer wurde. Da langt es was ich kann um es im Studio einzuspielen. Bei der Rhythmussektion war es dann so, dass wir mehr Konzerte gemacht haben als eigentlich geplant war und das fr die Jungs zu stressig auch privat war. Der Drummer studiert z.B. und musste Prfungen wegen uns absagen und deshalb habe ich nach Musikern gesucht die zeitlich mehr in Almanac investieren knnen. Es gab da kein bses Blut und wir verstehen uns privat immer noch super! Da haben wir musikalisch auch Jungs gefunden die frischen Wind in die Band bringen und auch sehr viele Ideen fr die Songs haben wie Drummer Zacky zum Beispiel. Auch der Bassist ist unglaublich, sehr filigran aber nicht frickelig.

Das letzte Mal hattet ihr vier Lieder die sich als kleines Konzept um den titelgebenden Zaren drehen, nun ist das Thema Knigsmord bei "Kingslayer" allgegenwrtig. Wie kam es dazu?

Mein Wunsch war diesen tollen textlichen Stil, diesen historischen Touch wie bei "Tsar" ohne das es ein Konzeptalbum ist beizubehalten. Auch beim Artwork geht es mit demselben Knstler weiter und der hat ja echt ein Hammerbild erschaffen. Ich mchte diesen Stil behalten und mir nicht irgendwelche Geschichten ber Drachen ausdenken, dass passt einfach nicht! Ich mag diese historische Richtung, es ist alles belegt und es hat Tiefe was die Jungs hier so schreiben. Da zeigt man auch andere Perspektiven, dass passt auch zu den Songs bei denen man ja auch nicht beim ersten Hren alles verstanden hat. Sowas mag ich total! Deshalb haben wir dann weltweit nach historischen Geschichten geschaut. Vier von David und Andy, einer von Jeannette die mir alle gut gefallen haben.

Was mich umgehauen hat bei der Scheibe ist die Leistung der Snger, das ist mehr eingespielt und lotet Grenzen aus. Wie kam das?

Durch das viele Livespielen! Das war auf der einen Seite hart, aber auch perfekt fr uns. Wir haben so unterschiedliche Konzerte gegeben, Festivals mit riesigen Bhnen, mal in Moskau und dann eine Woche spter in kleinen Clubs wo wir kaum auf die Bhne gepasst haben. Diese ganzen unterschiedlichen Situationen wo man als Musiker klarkommen muss. Dies hat uns richtig gut zusammen geschweit. Das hat uns ein richtiges Bandgefhl gebracht und uns gezeigt was wir mchten und was zu uns passt. Das war richtig Team-und Bandproduktion, wir testen nicht wie wir wissen wie.

Ich habe euch in Siegburg auf Tour mit Gloryful gesehen in einer hart umkmpften Zeit. Ihr hattet auch nicht die grten Zuschauerzahlen, aber da konntet ihr viel probieren, oder?

Ja, das war schon hart und die zweite Tournee mit der gleichen Platte. Wer macht das schon, eine Scheibe mit zwei Tourneen zu promoten? Wer geht nochmal als Headliner auf die Bhne wenn man schon sechs Wochen vorher getourt ist? Aber das hat uns viel gegeben. Das hat sich auch auf die Snger ausgewirkt und etwas unseren Stil gendert. Wir sind nun live etwas rauer und aggressiver, da es live ja so war. Im Studio wird der Andy B. Franck auch ruhiger, aber auf der Bhne schreit er wie bescheuert! Aber auch David Readman ist mehr aus sich raus gegangen und singt jetzt auch die rauen und hrteren Phasen auf die sonst Andy immer abonniert war.

"Kingslayer" sollte sich jeder Heavy Metal Fan fr den Herbst notieren!

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