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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DREAM THEATER
Ort Kln, Palladium
Datum 27.01.2004
Autor Erik Tullius
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Voller Erwartungshaltung und noch mit den Klngen des aktuellen Albums der fnf amerikanischen Prog-Gttern in den Ohren machten wir uns zu zweit am 27.01.2004 nach Kln auf. Nachdem wir dann ca. anderthalb Stunden vor der Tre uns die Fsse abgefroren hatten und mich nebenbei ein Hardcore-Fan so dermaen nervte, indem er meinte, er msse mir doch mal ausfhrlichst erlutern, was John Petrucci (g) fr ein Equipment benutzt und welche Unterhosen James LaBrie (v) trgt, konnten wir die heiligen Hallen des Palladiums betreten.
Das Konzert stand unter dem Titel "An Evening with...", also Dream Theater sollten ohne Vorband den Abend bestreiten. Das ist eine alte Sitte der Band, wobei sich die Spielzeit gerne mal auf drei Stunden ausdehnt und die Reihenfolge der Lieder jeden Abend variiert. Unter den schwarzen Tchern, die z.B. das Drumset bedeckten, konnte man nur wieder erahnen, zu welchem Instrumenten-Orgasmus sich die Jungs haben hinreien lassen. Ca. 80% der Konzertbesucher waren selbst aktive Musiker, was sich aus fachlichen Gesprchen und Diskussionen ber Portnoys Schlagzeug oder Petruccis Gitarrenanlage ableiten lie.
Um 20.30h, also mit einer halben Stunde Versptung wurde das Hallenlicht gelscht und auf den drei groen Bhnen-Bildschirmen wurden in einer Multimedia Show die vergangenen Alben der Band vorgestellt. Gemessen am Beifall steht "Images & Words" immer noch am hchsten in der Gunst. Nachdem die "Six Degress Of Inner Turbulence"-LP ber die Bildschirme lief und der letzte Ton nahtlos in das Intro von "As I Am" berging startete die Show. Nach dem ersten Hren von "Train Of Thought" war ich gespannt auf die Live-Wirkung der Songs und wurde leider herbe enttuscht. Auch das anschlieende "The Dying Soul" verfehlte seine energiegeladene Wirkung. Das Publikum und auch die Band schienen zu Salzsulen erstarrt. Jeder Schaufensterpuppenhersteller htte hier noch was lernen knnen. Ich persnlich habe mich sogar etwas gelangweilt. Nur Dream Theater-Mastermind Portnoy versuchte vergeblich mit Gestikulieren und Aufforderungen das Publikum noch an Land zu ziehen. James LaBrie, gemessen am Netto-Bhnenaufenthalt zum "Gastmusiker" degradiert, bemhte sich auer mit einem "Hello Kln" und wenigen Aufforderungen zum Klatschen nicht sonderlich um die Gunst der Zuhrer. Zumindest traf er mal heute fast ausnahmslos alle hohen Tne - Respekt, denn das war nicht immer so. Als dann John Petrucci mit dem fetten Riff von "The Mirror", einem meiner Lieblingssongs auf der "Awake", anfing, schien das Publikum aufzuwachen.
Jetzt htte es an der Band gelegen hier anzuknpfen. Doch was passierte? Eine Ballade...
"Through Her Eyes" von der "Scenes From A Memory" ist ja ein sehr schnes Lied, hat aber hier rein gar nichts verloren. Das war der Genickbruch. Selbst "Another Day" und "Trial of Tears" rissen da nichts mehr. Hier htte ein "Pull Me Under", so abgedroschen wie es auch sein mag, so manches Wunder wirken knnen.
Nach einer fhnzehnmintigen Pause ging es dann weiter. John Myung (b) zckte seinen Chapmanstick und intronisierte "New Millenium". Und ich traute meinen Augen kaum, das Publikum bewegte sich. Selbst die Band schien begriffen zu haben, dass etwas mehr Show her muss. Jetzt kamen auch die Lieder von der aktuellen Scheibe besser an. Leider verschlechterte sich der an sich schon bescheidene Sound immer weiter, bishin das Schlagzeug nur noch als ein groes Wummern auszumachen war. Schade und gleichzeitig eine Schelte an den Toningenieur. Nach der schnen "A Mind Beside Itself"-Trilogie und "In The Name Of God" verlieen die New Yorker die Bhne, um dann zu einer Zugabe, wer htte das gedacht, wieder herauszukommen. Der berhmte Schellenkranz, der Metropolis Pt.1 einleitet, lie das Publikum endlich mal agil werden - leider viel zu spt. Mit Jordan Rudess als Clown verkleidet lste sich auch ein wenig die bisher angespannte Stimmung.
Im Ganzen gesehen war das persnlich vierte Konzert fr mich enttuschend. Lustlosigkeit seitens der Band, eine trge Setliste sowie miserabeler Sound - das sind normalerweise nicht die Attribute, die man mit Produkten aus dem Hause Dream Theater verbindet. Spielerisch konnte man mal wieder nichts aussetzen, auch wenn es nicht das Beste war, was die Band da ablieferte. So mancher Gitarrist wird trotzdem nach dem Abend sein Instrument frustriert gegen die Wand geschmissen haben. Vor allem Mike Portnoy schien sehr enttuscht von der nicht vorhandenen Stimmung. Zum Schlu versprach er mit einem meiner Meinung entschuldigenden Ton, dass am Freitag in Dortmund eine komplett andere Setliste gespielt wrde und wir doch vorbeikommen sollten. Schlechtes Gewissen? Immerhin kostete die Karte 35 Euro, die T-Shirt Preise von 30 Euro aufwrts nur nebenbei erwhnt...
Ich habe mehr erwartet, weil ich schon mehr geboten bekommen habe. Was hier fehlte waren ltere Reier. Ich verstehe zwar, wenn die Band sagt, dass sie "Pull Me Under" nach zehn Jahren nicht auf jedem Konzert spielen wollen, aber genau DAS wollen die Konzertbesucher hren. Also, Jungs, fr den Eintrittspreis bitte beim nchsten Mal besser.

Setliste
  • Band "History Video"
  • "As I Am" (Train Of Thought)
  • "This Dying Soul" (Train Of Thought)
  • "The Mirror" (Awake)
  • "Through Her Eyes" (Scenes From A Memory)
  • "Another Day" (Images & Words)
  • "The Great Debate" (Six Degrees Of Inner Turbulence)
  • "Endless Sacrifice" (Train Of Thought)
  • "Trial of Tears" (Falling Into Infinity)
  • ~~~PAUSE~~~
  • "New Millennium" (Falling Into Infinity)
  • "Honor Thy Father" (Train Of Thought)
  • "Only a Matter of Time" (When Dream & Day Unite)
  • "A Mind Beside Itself: (Awake)"
    1. "Erotomania"
    2. "Voices"
    3. "The Silent Man"
  • "In the Name of God" (Train Of Thoughts)
  • ~~~ZUGABE~~~
  • "Metropolis part 1" (Images & Words)
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