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25. März 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SKINDRED, ZEBRAHEAD, SANGUINE
Ort Markthalle, Hamburg
Datum 07.12.2016
Autor Marc Schallmaier
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Wer kurz vor den Festtagen nochmal gute Laune brauchte, der hatte sich mit ziemlicher Sicherheit ein Ticket fr diesen Abend gekauft. SKINDRED sind immer eine "Gute-Laune-Band", egal ob im kleinen Club oder von zwanzig Tausend auf einem Festival. Dazu die Spabrder von ZEBRAHEAD und obendrauf noch die Wundertte SANGUINE, die mir vllig unbekannt waren.So war es auch nicht verwunderlich, dass die Markthalle wieder einmal brechend voll war.

Pnktlich kamen dann die Dame und die Herren von SANGUINE auf die Bhne. Das Quartett aus England spielt einen Mix aus Alternative, Rock und Metal, und genau da fngt das Problem mit der Band schon an. Der Sound kann sich nicht wirklich entscheiden, was er den sein mchte. Und jetzt nicht falsch verstehen, ich habe normalerweise berhaupt kein Problem mit Crossover, Stilbrchen und /oder verschwommenen Grenzen. Aber bei SANGUINE klingt das sehr unausgegoren und rudimentr. Hier mal ein gutes Riff, zwei Songs spter ein nettes Break das war es dann auch schon wieder. Ein groer Teil des Publikums sah dass hnlich und verzog sich nach wenigen Minuten wieder in den gemtlichen Teil der Markthalle. Sorry, SANGUINE, aber das war nix.

Was haben ZEBRAHEAD eigentlich verbrochen, dass die Band immer noch diesen Underground Charakter hat? Und das nicht nur bei uns, sondern auch in ihrer Heimat USA? In Japan treten sie mal eben von 50.000 Leuten auf. Okay, der Pop Punk, den die Truppe spielt, ist nicht weltbewegend und auch keine Neuerfindung des Rads. Aber kann man dass nicht auch bei Bands wie GREEN DAY, SUM 41, BLINK 182 undsoweiter behaupten? Wie dem auch sei, ZEBRAHEAD hatten eine Menge Fans im Publikum und die waren bereit fr eine Party. Die Band brigens auch, hatte man doch einen eigenen Barmann auf der Bhne! Auf einem umgedrehten Case standen jede Menge Bierflaschen sowie andere Spirituosen und nicht alkoholische Getrnke inklusive eines Mischbechers. So wurden fleiig Mischgetrnke und Bierchen fr die Bandmitglieder vorbereitet und beim konsumieren geholfen. Der Mann hinter der Bar steckte brigens in einem groen Bierkostm.


Musikalisch lie das Quintett aus Orange County nichts anbrennen. Die Setlist war mit 15 Titeln (!) schon Headliner wrdig, es wurde sich eine Menge bewegt und allerlei Schabernack auf der Bhne selbst, aber auch mit dem Publikum getrieben. Der Aufforderung, doch mal eben beim nchsten Song mehr als dreiig Crowdsurfer zu haben, wurde jedenfalls zur Genge nachgekommen. So kamen dann auch die Security Jungs im Graben ins Schwitzen. Publikum und Band gingen an die Grenzen, und es machte wirklich viel Spa, an diesem Abend dabei zu sein.






Nach dieser Energieleistung von Band und Publikum wurde die Umbaupause dankend angenommen. Die Flssigkeitsreserven mussten aufgetankt werden, und ein wenig frische Luft tat dem ein oder anderen auch gut. Schlielich stand der Headliner noch auf dem Programm. Als dann nach der Pause die ersten Takte von "Thunderstruck" von AC/DC erklangen, war es endlich soweit. SKINDRED schickten sich an, dem Abend die Krone aufzusetzen. Als der Klassiker dann zu Ende war und der mit einem flotten Beat unterlegte "Imperial March" aus den Boxen drhnte, war die Markthalle erneut bereit, auszuflippen. Der Fnfer aus Newport in England kam auf die Bhne und legte mit "Rat Race" und "Under Attack" gleich gut los. Aber irgendwie war heute zu Beginn der Show der Wurm drin, und es ist schwierig, dies auf einen einzelnen Faktor herunterzubrechen.

Meine Vermutung geht dahin, dass ZEBRAHEAD einfach phnomenal waren, das Publikum noch nicht wieder zu einhundert Prozent bei Krften war und SKINDRED einfach die Power und Spielfreude vermissen lieen, die die Band ansonsten doch so sehr auszeichnet. Doch die Truppe um Frontmann Benji Webbe bekam noch die Kurve, dass konnte man nach den beiden nchsten Songs "Doom Riff" und "Ninja" schon festhalten. Und auch das Publikum war wieder dabei, es wurde gehpft, getanzt oder sonst etwas vom Krper in Bewegung gesetzt. Die Temperatur war jedenfalls wieder zgig da, wo ZEBRAHEAD aufgehrt hatten. Man muss auch einmal erwhnen, dass Snger Benji zu Beginn der Show darauf hinwies, dass jegliches rassistisches Gedankengut vor die Tr gehen kann, da SKINDRED fr diese Vollpfosten keine Musik machen. Bravo, sehr gut!



Der Sound war super (was allerdings auch schon bei beiden Vorbands der Fall war) und auch der Mann an den Lichtreglern hat nicht viel falsch gemacht heute. SKINDRED spielten einen guten Mix aus alten Klassiker wie "Pressure", aber auch Songs neueren Datums wie "Sound The Siren". Was natrlich auch immer wieder Teil einer guten SKINDRED Show ist, ist die Kommunikation mit dem Publikum, sowie die kleinen musikalischen Spielereien mit DJ Dan Sturgess und Samp aus bekannten Musik Stcken aller Genres. Zum Ende gab es wie immer "Nobody" und "Warning", zwei absolute Granaten, die das Publikum noch einmal zum kochen brachten, bevor das Licht anging und alle die Heimreise antraten. Ein toller Abend mit eigentlich zwei starken Headlinern und das fr ein schmales Budget. Eine starke Nummer so kurz vor Weihnachten.

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