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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing IGNITE, PADDY AND THE RATS, ROXTER PLANLOS GLÜCKLICH
Ort Knust, Hamburg
Datum 28.11.2016
Autor Marc Schallmaier
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IGNITE haben mit "A War Against You" wahrscheinlich DAS Hardcore Album des Jahres herausgebracht. Nun war es endlich soweit, und die Band war in den Clubs unseres Landes unterwegs. Schon Wochen vor dem eigentlichen Konzert baumelte das virtuelle "ausverkauft" in den zahlreichen Ticket Portalen. Als ich allerdings beim Knust ankam wunderte ich mich darüber, dass die Tür zum eigentlichen Konzertraum noch verschlossen war. Bei eisigen Temperaturen zogen es zahlreiche Gäste auch vor, eher im kleinen Kneipen Bereich sich aufzuhalten, als sich vor dem Knust den Arsch abzufrieren.Was dazu führte, dass eben dieser kleine Bereich völlig überfüllt war.

Des Rätsels Lösung präsentierte sich dann um kurz nach Acht, als die erste Vorband die Bühne betreten sollte. Dies war nicht PADDY AND THE RATS, dies war eine andere Band. Der Sänger stellte die Band als ROXTER PLANLOS GLÜCKLICH vor, und man würde aus Sachsen Anhalt kommen. Ah ja, soweit alles okay. Es musste also noch ein zusätzlicher Soundcheck gemacht werden, deshalb die verschlossenen Türen. Als der erste Song ertönt und damit einhergehend auch gleich einige Probleme auf der Bühne auftreten musste man sich schon nach kurzer Zeit die Frage stellen, was dass denn für eine Band sei. Irgendwo zwischen Deutschrock und Punk, nur leider überhaupt nicht tight, und einfach nur schlecht. Obendrauf hatte der Bassist auch noch ein T-Shirt einer sehr bekannten Deutschrock Band aus Frankfurt an. Und das ca. 500 Meter Luftlinie vom Stadion des FC St. Pauli entfernt. Und dass das Knust auch eher im linken Schanzenviertel liegt, ist nicht erst seit gestern so. Nach zweikommafünf Songs hatte ich genug und verließ den Bereich vor der Bühne, ebenso viele andere auch. Und anscheinend hat irgendjemand dem Bassisten eine Info zukommen lassen. Als die Band von der Bühne geht, hat er nur noch ein schwarzes Shirt ohne Aufdruck an. Ganz schwache Nummer.

Wie man die die Rolle als Anheizer Band richtig ausfüllt, zeigte danach die Formation PADDY AND THE RATS aus Ungarn.Die Illustre Truppe spielt eine wilde Mischung aus Irish Folk, Punk, Rock, Polka und allerlei andere Einflüsse. Es wurde recht voll auf der Bühne, mit jeweils einem Mann an Gitarre, Bass, Akkordeon, Dudelsack bzw. Geige und Sänger/Gitarrist Paddy. Dazu natürlich noch ein Schlagzeuger, dem aber auf Grund der Masse an Leuten vor ihm nur erahnen konnte. Die Band hatte mächtig Spaß in den Backen und zog stramm ihr Programm durch. Vereinzelt erkannte man auch die Songs bzw. Versatzstücke aus den Liedern, zum Beispiel "Drunken Sailor" und ähnlichen maritimen Gassenhauern. Auch der Kontakt zum Publikum wurde gepflegt, und es befanden sich sogar einige Hardcore Fans im Publikum, die wild eine ungarische Fahne schwenkten. Nach gut vierzig Minuten war Schluss mit einem sehr unterhaltsamen Auftritt.

Nach einer doch recht langen Umbaupause war es dann soweit, und IGNITE stürmten auf die Bühne. Die Hardcore Veteranen aus Orange County brauchen nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Das Publikum geht richtig steil, und der erste Moshpit ist nach wenigen Sekunden am Start. Es passt aber auch vieles zusammen an diesem Abend. Die Band hat Bock und strahlt ein Menge Spielfreude aus, die Fans sind hungrig und wollen eine Vollbedienung, und obendrauf eine starker Sound der keine Wünsche offen lässt. Der Einstieg von IGNITE mit den beiden Hits "Know Your History" und "Veteran" ist mehr als gelungen und das amerikanische Quartett brennt eine prima Mischung aus alten Klassikern und Songs von dem neuen Album ab. Es gibt ja böse Zungen die behaupten, dass Sänger und Frontmann Zoli Teglas bei den Konzerten zu viel sabbelt und redet. Nun, dass er sich zwischen den Songs gerne dem Publikum gegenüber mitteilt ist nicht von der Hand zu weisen. Aber was der Mann sagt, hat Hand und Fuß, und gerade in aktuellen politischen Dingen finde ich es wirklich wichtig, den Mund aufzumachen. Ich würde es viel besser finden, wenn es mehr Musiker geben würde, die offen auf der Bühne ihre politische Meinung sagen und sich ihrer Verantwortung bewusst wären. Zoli ging natürlich auf den neuen amerikanischen Präsidenten Trump ein, aber auch andere Dinge wurden von ihm angesprochen. Auch der Organisation "Sea Sheperd" wurde kurz Raum gegeben und eine Mitglied dieser Umweltorganisation konnte kurz auf die Bühne, das Mikro greifen und auf einen Info Stand aufmerksam machen. Zurück zur Musik, IGNITE spielen einen prima Querschnitt durch alle Alben. Richte olle Kamellen wie "Man Against Man", Klassiker vom Mega Album "Our Darkest Days" wie "Fear Is Our Tradition" oder "Poverty For All", sowie Stücke vom brandneuen Album á la "Oh No Not Again" oder auch "Descend". Alle Geschmäcker wurden bedient und so stieg die Temperatur im Knust auch kontinuierlich an. Zum Ende gab es dann natürlich die unfassbar schöne Nummer "Live For Better Days", und selbstredend die Cover Version des U2 Klassikers "Sunday Bloody Sunday". Nach einer Zugabe von zwei Songs war dann aber endgültig Schicht im Schacht, und die völlig überhitzte und schweißnasse Masse an Menschen wurden in die eiskalte Hamburger Nacht entlassen. Allerdings mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck, denn IGNITE haben an diesem Abend mehr als amtlich abgeliefert!











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