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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MONSTER MAGNET, SCORPION CHILD
Ort Gloria Theater Kln
Datum 18.03.2016
Autor Katharina May
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Wenn die Stoner Rock Giganten Monster Magnet um ihren Frontmann Dave Wyndorf dazu aufrufen, die "guten alten Zeiten" zu feiern, muss man folgen. So einfach ist das! Im Falle von Monster Magnet hei?t das: wir spielen die vier wichtigsten Platten unserer Karriere, die noch unter A&M Records erschienen, deshalb nennt man die Tour "Celebrating the A&M years". Nicht weniger als wahrlich ein Fest war zu erwarten!

SCORPION CHILD

Scorpion Child

Wenn Led Zeppelin und Deep Purple ein Kind bekommen, nennen sie den Wonneproppen - zwar nicht ausufernd kreativ, aber durchaus passend - SCORPION CHILD. Nicht anders ist die Band aus Austin, Texas zu beschreiben. Der texanische Fnfer, von Mami zum Spielen mit den groen Jungs raus gelassen, lie mich zu Beginn des Konzerts kurz daran zweifeln, ob ich mich im Jahre 2016 befand. Scheinbar hatte sich mit dem Betreten des Gloria Theaters ein Zeittunnel aufgetan, denn auf einmal schien ich mich im Jahre 1970 zu befinden. Auf der Bhne stand auf einmal in Schlaghose und Samthemd - konnte es denn die Mglichkeit sein?! - Robert Plant. Natrlich war hier der Wunsch der Vater des Gedanken, aber Snger Aryn Jonathan Black tat auch alles dafr meiner Traumseligkeit keinen Abbruch zu bescheren, denn sowohl die Stimme desselben, als auch sein Habitus wiesen darauf hin, dass man sich in der Vergangenheit mehr als einen Livemitschnitt Led Zeppelins angesehen hatte. Die Blues/ Psychedelic Rocker hatten von Sekunde eins an sichtlich Spa an diesem Abend in Kln auf der Bhne zu stehen und heizten dem bis dahin schon zahlreich erschienenen Publikum ordentlich ein. Unter der nicht abreienden Flut an Retrobands, knnen sich SCORPION CHILD sicher im oberen Drittel einordnen lassen. Man zeigt handwerklich ein hohes Niveau und kann das Publikum super auf eine Zeitreise mitnehmen. Allerdings gibt es andere Bands, die wesentlich kreativer sind, was das Songwriting angeht. Man betrachte hier als Beispiel den Genre-Primus Blues Pills. Daher wird der geneigte Leser auch sicher festgestellt haben, dass in diesem Text oft Led Zeppelin auftaucht. Das kommt dem gleich, was ich auch im positiven, wie im negativen - auf dem Konzert erlebte. Bei aller Gte, die die Musiker an ihren Instrumenten an den Tag legten, und dem Spa den sie bereiteten, stt bisweilen bitter auf, dass das Songwriting an Kreativitt oft zu wnschen brig lsst. Viele Songs klingen schlicht wie schon mal da gewesen. Gerade "Liquor" ist da ein gutes Beispiel. Hier knnten bse Zungen schon fast von Klau sprechen. Jeder, der schon einmal "When the Levee Breaks" gehrt hat, wird wissen, was ich meine. Mit "Polygone of Eyes" hat man dann, zur Freude des Publikums einen klassischen Stadion-Rock-Kracher im Programm. Stadion Rock kann jeder, so meine bescheidene Meinung, aber dem Publikum gefiel's, und ich will ja auch nicht sagen, dass ich gar keinen Spa hatte, im Gegenteil. Mangelnde Eigenarbeit machte man aber mit einer guten Performance wett, sodass das Publikum hervorragend auf Monster Magnet eingestimmt war

Monster Magnet

Monster Magnet

Vor lngerer Zeit habe ich in einer anderen Rezension ber Monster Magnet folgendes gelesen: "Das ist Musik, die den Schwei von der Decke tropfen lsst, in einem kleinen Club, voller Testosteron!" Als Monster Magnet die Bhne betraten und die ersten Songs "Crop Circle", "Melt", und "Powertrip" spielten, wusste ich auch dann selbst genau, was der Kollege dort hatte feststellen knnen. Mal abgesehen davon, dass die Frauenquote vom Publikum definitiv nicht erfllt worden wre, und ich den Altersschnitt mit meiner Anwesenheit um mindestens zehn Jahre gesenkt haben muss, war der Club auch von der Prsenz Monster Magnets so erfllt, dass ich geneigt war auf der Toilette nachzuschauen, ob mir nicht spontan doch ein drittes Bein gewachsen war. Mit den ersten drei Liedern wurde schnell klar, dass bei dem Tournamen die Betonung auf "Celebrating" liegt. Mit einer Souvernitt, die aus dem Bewusstsein resultiert, dass das Publikum alle deine Hits liebt und lieben wird, standen die Musiker auf der Bhne und spielten routiniert ihr Set, aber ohne gelangweilt zu wirken! Dave Wyndorf, der Obermacker himself, zeigte sich stimmsicher und posierte was das Zeug hielt. Dass dies zu Lasten seines Gitarrenspiels ging, da das Griffbrett zumeist nutzlos an ihm herab baumelte, wird sicher dem ein oder anderen Dorn im Auge sein, aber dem Publikum war das herzlich egal. Vielmehr erwiderte die feiernde Meute ein ums andere mal, die nicht selten erhobenen Mittelfinger des Frontsngers. Den auf die Musiker gerichteten, effektvollen airfans gleich tuend, bliesen Monster Magnet ber die Bhne, als Monument der glorreichen Zeiten des Stoner Rocks. Auch hier tat die herrliche Atmosphre des Glorias seinen Dienst, zumal die Leinwand hinter der Bhne nicht nur das Backdrop zierte, sondern auch Ausschnitte aus Filmklassikern in passendem Turnus darauf projiziert waren. Gerade bei psychedelisch-entrckten Songs, wie "Look to Your Orb for the Warning " bot das dem Zuschauer die Mglichkeit sich voll von dem Dargebotenen hinfort tragen zu lassen. Man kann es nicht anders sagen: Monster Magnet und insbesondere Dave Wyndorf sind einfach coole Sue. Sie boten musikalisch das erwartete, befeuerten das Publikum, sodass die kurz davor waren den Kinosaal abzurei?en und waren selbst dabei so cool, wie ein Eiswrfel im Cuba Libre. Und natrlich: sobald die ersten Takte von "Spacelord" ertnten, der brigens der letzte Song vor der Zugabe war, sang das Publikum wie ein Mann, hatten doch alle nur auf diesen einen Moment gewartet. Alles was noch nicht gegeben war, wurde jetzt mit aller Macht raus gepulvert. Wenn das Alter des stereotypen Monster-Magnet-Zuschauers oder vielmehr der -Zuschauerin, sowie der Musiker selbst, nicht schon ein wenig gemigter wre, htten sicher auch Bhs auf der Bhne gelegen... Mit den drei grozgigen Zugaben "I Want More", "Face Down", "Negasonic Teenage Warhead" entlie man das Publikum und mich dann in die Nacht. Ich glaube nicht nur ich musste danach noch dem dringenden Bedrfnis nachgeben ein paar weitere eisgekhlte Biere in einem zwielichtigen Rockschuppen meinen Rachen hinab zu strzen lassen, so sehr, wie man die rotzigen Neunziger an diesem Abend gefeiert hatte.

MONSTER MAGNET

  • Crop Circle
  • Melt
  • Superjudge
  • Twin Earth
  • Look to Your Orb for the Warning
  • Dinosaur Vacuum
  • Cage Around the Sun
  • Tractor
  • Dopes to Infinity
  • Space Lord
  • I Want More
  • Face Down
  • Negasonic Teenage Warhead






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