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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing HATE ETERNAL, DYING FETUS, DEEDS OF FLESH, PREJUDICE
Ort Trier, Exil
Datum 10.01.2004
Autor Flo
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Seit langem gab es in Trier mal wieder einen richtig feinen Death Metal Konzertabend, mit langen Haaren, Armyhosen, gegrunzten Ansagen, verschwitzen Menschen mit nackten Oberkrpern im Pit, ordentlich Stagediving und allem was dazu gehrt. Die zum Tanz spielenden Bands zogen, aufgrund der nicht zu verleugnenden Qualitt des Lineups verstndlicherweise, ordentlich Leute in den Keller des Exhaus, ich kann zwar schlecht schtzen, aber 300 werden es schon gewesen sein.
Gegen 21 Uhr spielte mit Prejudice aus Belgien die erste Band des Abends. Die vier Menschen ohne Bassist konnten beim Publikum auch schon durchaus positive Resonanz erzeugen. Meiner persnlichen Meinung nach waren die Lieder der Band, trotz des technischen Knnens der Musiker, einfach zu unausgereift. Einige vielversprechende Parts wurden durch eine berzahl an unntigen und deplaziert wirkenden Breaks locker zunichte gemacht. Unterm Strich wrde die Band besser fahren, wenn sie eingngiger und klarer strukturiert vorgehen wrde, denn um mit diesem Anspruch in Komplexitt immer noch gute Lieder zu schreiben bedarf es offenbar mehr Potential, als Prejudice haben.
Deeds Of Flesh, die quasi-Hausband des Unique Leader-Labels (Gitarrist und Bassist betreiben selbiges), haben sich von Album zum Album immer weiter gesteigert und gehren meines Erachtens nach zu den besten Bands des modernen Death Metals amerikanischer Spielart. Live gab's trotz des minimalen Lineups der Band richtig ordentlich was drauf. Offenbar braucht man nicht mehr als eine Gitarre, Bass und Schagzeug um wirklich gutes Geknppel zu spielen, denn beim Auftritt von Deeds Of Flesh stimmte nahezu alles: die Songauswahl zog sich wirklich vom Debut "Trading pieces" bis zu den letzten Alben, der Sound war fett und druckvoll, die Band musikalisch sauber und tight, der Doppelgesang tat sein briges. Die Reaktionen waren entsprechend gut und im Endeffekt kann man wirklich sagen, dass Deeds Of Flesh offenbar nicht nur mich voll und ganz berzeugt haben.
Eins ist sicher: Es war taktisch ziemlich unklug Dying Fetus nicht als Headliner spielen zu lassen. Die Band, die sich ja schon seit lngerem zu einer der populrsten brutalen Death Metal Bands entwickelt hat, wurde einfach nur gnadenlos abgefeiert. Im Pit war die Hlle los, es gabs fast nonstop Stagediving, die Reaktionen des Publikums mit einem anderen Wort als "euphorisch" zu beschreiben wre definitiv Untertreibung. Die fnf US-Amerikaner spielten mit einem Mrdersound ein unglaublich tightes und brutales Set, das aus Lieder aller Phasen der Band bestand, von altem Kram wie "Grotesque Impalement" bis zu Liedern des neuen Albums. Mir persnlich htten noch ein oder zwei Lieder mehr von "Killing on Adrenaline" gepasst, aber das ist eben Geschmackssache. Gerade die fr die Band typischen Moshparts sorgten fr derbste Action vor der Bhne und kamen auch weiter hinten einfach nur druckvoll und umwerfend. Abzge in der der B-Note gibt's nur fr die mehr als schlechte und dumme Ansage zu "Skull fucked"... "This is for all the women out there..." ...ja, super, toll, das war doch schon bei jemand anderem nicht witzig, sondern einfach nur sexistisch und geschmacklos...
Prolodrumcheck, OK, Ventilator luft, OK, dann knnen Hate Eternal ja anfangen. Der Egotrip von Morbid Angel's zweiter Geige (1 Euro in die schlechte Wortspielkasse) Eric Rutan hatte die mehr als undankbare Aufgabe nach Dying Fetus zu spielen. Das Exil hatte sich schon zur Hlfte geleert und auch ansonsten war vor der Bhne nicht mehr wirklich viel los. Das mag zum einen daran liegen, dass die Leute von der vorherigen Band so ausgepowert waren, dass einfach nichts mehr ging, allerdings kann man auch durchaus argumentieren, dass die komplett auf den Gitarrenfreak aus Florida zugeschnittene Musik einfach nur bedingt mitreisst. Natrlich sind Jared Anderson und vor allem auch Wahnsinnsschlagzeuger Derek Roddy alles andere als schlechte Musiker, aber dennoch wurde zu jedem Zeitpunkt deutlich um wen es bei Hate Eternal geht: Eric Rutan. Der amsierte mit 1a Ventilator-Posing und schmetterte meines Erachtens viel zu lange seine Gitarrenkunststckchen gegen den Wind. Dummerweise sind diese in Songs eingebunden, die zwar vom technischen Standpunkt sehr beeindruckend sind, aber im Endeffekt doch mehr oder weniger am Zuhrer vorbeirauschen. Auerdem stellt sich hier natrlich wieder die Frage, wie sinnvoll es ist vier Band miteinander auf Tour zu schicken, die sich vom Sound her so hneln, dass gegen Ende durchaus Ermdungserscheinungen beim Zuhrer auftreten, was hier sicher nicht nur bei mir der Fall war.
Unterm Strich war der Abend jedoch ziemlich gelungen.
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