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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing METAL HAMMER PARADISE 2015
Ort Ferienanlage Weissenhuser Strand
Datum 13.10. - 15.10. 2015
Autor Mario Loeb
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Als ich die Besttigung fr das "Metal Hammer Paradise" bekam, war ich sehr froh und freute mich wie ein Schnitzel darauf. Es wurde dann aber leider durch die Anschlge in Paris am Freitag auch ein sehr nachdenkliches Festival. Genau wie am "911" wird sich wohl jeder daran erinnern, wo er sich zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Wir auf dem "Metal Hammer Paradise".

Battle BeastDagoba

Freitag


Nachdem wir unser Hotel geentert hatten, ging es mit dem Taxi auf das Gelnde, was wohl nicht viel traumhafter liegen kann. Ich muss gestehen, ich hatte irgendwie mit mehr Selbstdarstellung des Metal Hammer gerechnet und auch mit mehr Protz. Doch zu meiner positiven berraschung war genau das Gegenteil der Fall und ich muss sagen, das war bodenstndiger als so manch anderes Festival, das ich so in den letzten Jahren besucht habe. Hier hatte man wirklich noch das Gefhl, unter sich zu sein in einer groen Metal-Familie. Klar, alleine durch den Ort hat man selbstverstndlich mehr Luxus als auf einem Sommerfestival neben einem Dixi-Klo, aber das meine ich auch nicht. Mir geht es um das Gefhl und wie man etwas raushngen lsst und trotz der Location "Weienhuserstrand" waren die Preise fr Festival-Verhltnisse im grnen Bereich und es gab sogar die Mglichkeit, sich sein Bier im Edeka zu besorgen, das man dann sogar auf dem Gelnde verzehren durfte. Ob es geplant war, dass dieses auch vor den Bhnen geduldet war, kann ich nicht sagen.

Battle Beast

Nach unserem ersten Bier ging es dann auch gleich zur ersten Band. Battle Beast, die dafr auserkoren waren, das Festival im Baltic Ballroom zu erffnen, die die mittlere Bhne der drei Stages darstellte. Auch wenn ich mir nur ganze zwei Bands im "Baltic Ballroom" angesehen habe, weil dafr zu viel auf der Mainstage gespielt hat, was mich interessierte, fand ich das Ambiente und den Sound echt richtig gut. Und der Raum hat sich den Namen "Ballroom" auf alle Flle verdient. Mit keinerlei Erwartung an die Band bin ich dann an das Konzert herangegangen, da ich bis jetzt bis auf wenige Lieder auf CD nur wenig Berhrungspunkte mit der Gruppe aus Finnland hatte. Die Band konnte mich dann aber wirklich angenehm berraschen. Irgendwie kann ich das gut an Sngerin Noora Louhimo festmachen. Die ist optisch eigentlich gar nicht mein Typ, hat aber was, wo ich sagen muss, da knnte ich schwach werden (obwohl sie vor ihrem neuen Style wesentlich hbscher und vor allem auch jnger aussah). Genauso verhlt es sich mit der Musik. Eigentlich ist der finnische Heavy Metal nicht so mein Geschmack, aber live muss man schon sagen, dass mich das Gesamtpaket berzeugt hat. Noora sorgte mit ihrer Stimme und einer guten Bhnenprsenz fr eine gute Stimmung und auch ihre Band stand ihr in nichts nach. Guter Opener, gute Show.

The Haunted

Als zweite Band des Abends im Baltic Ballroom mischten die Gteborger das Publikum auf. Unbekannte sind die im Jahr 1996 gegrndete Gruppe ja nun wirklich nicht, handelte es sich hierbei ja schlielich um die legitime Nachfolgeband von At the Gates nach deren zeitweiliger Auflsung (1996), die im Jahr 2007 ihre Reunion feierten. Das mit der nachfolgen Band stimmte damals brigens nicht ganz, da die Band sich auf die Initiative von Patrik Jensen grndete, der kein Teil von At the Gates war. Leider war der Saal nicht ganz so gut gefllt, wie die Bad es verdient gehabt htte. Aber man konkurrierte auch mit J.B.O. auf der Main Stage, da sich die Konzerte ein wenig berschnitten. Der Thrash Metal im Gteborger Melodic Death Style ging aber dann ab wie Schmitz Katze. The Haunted spielte dabei blitzsauber und versprhte eine unheimliche Energie. Besonders Marco Aro war einfach in allen Belangen in Hchstform. Immer wieder kletterte er auf den Wellenbrecher und brachte den kleinen Saal zum Kochen. Der Sound war mehr als amtlich, so dass ich es zu keiner Minute bereut habe, The Haunted J.B.O. den Vorzug gegeben zu haben. brigens ist Drummer Adrian Erlandsson auch ein wenig verrckt, so schwang er nach einer Pause von etwa 2 Stunden schon wieder seine Knppel bei At the Gates.

Subway to Sally

Welche nostalgischen Grnde mich dann zu Subway To Sally getrieben haben, wissen die Gtterltesten alleine. Gibt mir diese Art von Musik doch eigentlich schon lange nichts mehr. Als neutraler Beobachter muss man dann aber auch gestehen, dass die Band das Publikum im Zelt vor der Maximum Metal Stage im Griff hatte und nach meinem Gefhl die grte Party an diesem Abend vor der Bhne hatte. Obwohl die Band um Eric Fish mit Tonschwierigkeiten zu kmpfen hatte. Die Laune lieen sich Frau Schmidt und ihre Mannen aber sichtlich nicht vermiesen. Leider scheine ich aber hnlich wie bei J.B.O. eine gewisse Immunitt dagegen entwickelt zu haben. Denn trotz Hits wie "Kleid aus Rosen" oder Sieben" z.B., die ich frher geliebt habe, schafften es Subway nicht mehr, mich zu fangen. So verlor ich dann schnell das Interesse und widmete mich dann lieber den khlen Getrnken und verfolgte die gut aufgelegte Band nur noch mit einem Ohr. Ein tolles Konzert spielten Subway aber auf alle Flle.

Graveyard


















Dagoba

Dann ging es in die viel zu kleine "Riff Alm", die Stimmung in der kleinen Location mit kleiner Bhne war zwar echt sehr geil, aber an Klaustrophobie durfte man dort nicht leiden. Ebenso war es quasi fast unmglich, vernnftige Fotos zu machen mitten im Mosh-Pit. Aber egal, die Leute hatten eine Menge Spa und Dagoba hielt das, was ihr letztes Album "Tales Of The Black Dawn" versprach. Technisch versiert feuerten Dagoba ihre Thrash- und Death-Mischung ab, die eine Aufforderung zum Eskalieren war, der auch viele Besucher gerne nachkamen. Wie auf der CD gefllt mir der Clear-Gesang auch live richtig gut. Die ganze Band schaffte es jederzeit, die richtige Mischung aus eingngigen Passagen und Aggression zu performen. Eine ganz andere negative Aggression fand dann leider parallel in Dagobas Heimat Frankreich statt. Denn um 21:40 Uhr strmten schwer bewaffnete Angreifer die Konzerthalle im Bataclan. Dort alleine starben in dieser Nacht mindestens 89 Menschen. Auch wenn schon vereinzelt nach dem Dagoba-Konzert und dann whrend Opeth ein paar Gerchte die Runde machten, wurde uns das Ausma der Anschlge von Paris erst nachts gegen ein Uhr auf dem Hotelzimmer klar, als wir uns mit offenen Mndern die Meldungen, die nun mintlich ber den Bildschirm flackerten, ansahen. Uns war sofort klar, was auch alle anderen Besucher des Metal Hammer Paradise dachten, das htte uns genauso treffen knnen. Nicht falsch verstehen, es kann einen immer und berall erwischen, aber das entwickelt dann pltzlich eine Nhe zu seinen eigenen Gewohnheiten, die echt hart ist. Mit einem mehr als seltsamen Gefhl gingen wir ins Bett.

Samstag


Die franzsische Fahne ber dem Eingang der Maximum Metal Stage hinterlie auch am frhen Nachmittag noch ein sehr seltsames Gefhl. Ich will nicht davon sprechen, dass wir Angst hatten, aber ein seltsamer Geschmack blieb und ich erwischte mein Unterbewusstsein dabei, wie ich die Lage der Notausgnge checkte. Zum Glck berschattete dieses Gefhl aber nicht den Spa und mit einem jetzt erst recht, was sicher viele von den Besuchern in sich trugen, wurde der Samstag noch einmal richtig gut.

Danko JonesHelloween Imperial State Electric

Erffneten im Zelt und servierten den Besuchern klassischen Stoner Rock. Viele Besucher hatten sich noch nicht im Zelt eingefunden, so dass es sich mit der Stimmung noch in Grenzen hielt. Naja, richtig viel verpasst haben sie auch meiner Ansicht nicht. Das Konzert war zwar mehr als solide, aber ein wenig eintnig meiner Meinung nach. Verblfft war ich dagegen, wie viele junge Frauen den Klngen Imperials lauschten und sich schon fast in Trance befanden. Solides Konzert, das eindeutig seine Anhnger hatte.

Graveyard

Graveyard machten dann im Anschluss aus meiner Sicht ihre Sache besser. Die Jungs sind zwar jetzt auch keine Hochgeschwindigkeits-Band, aber dafr grooven sie wie der Hammer. Die Hard Rock Stoner Nummern gehen ordentlich nach vorne, entwickeln aber gerade mit ihrem Psychedelic-Touch eine sehr dichte Stimmung und bringen die ntige Kreativitt mit. Die Stimmung war nun auch um einiges besser und dynamischer. Nur die bei Imperial State Electric in Trance verfallenen Damen standen immer noch an derselben Stelle und lauschten tief versunken den Klngen der schwedischen Musiker. Allerdings nahmen sie sich dabei auch ein Beispiel an Graveyard, denn wenn ich einen Kritikpunkt habe, ist es zwar nicht, dass die Bhnenprsenz zu dnn war, es aber an Bewegung gefehlt hat. Ansonsten bewies die Band, dass sie nicht nur 2015 mit "Innocence & Decadence" einen guten Silberling auf den Markt geschmissen, sondern auch live einiges auf dem Kasten hat.

Danko Jones

Danko Jones hatte ich nicht auf der Liste stehen, muss ich gestehen. So habe ich zwar seine neue Platte besprochen und diese auch sehr positive bewertet, aber live hatte ich Danko Jones und seine Mannen nicht so stark eingeschtzt. Halleluja, das war so ein amtliches Brett, was die Kanadier da ablieferten, dass es eine wahre Freude war. Die Mischung aus Metal, Blues und Punk ist live eine Dampfwalze. Dazu haben Danko, John und Rich zu dritt eine Bhnenprsenz, die manch andere Band zu neunt nicht mal ansatzweise ausfllen wrden. Das war pure Energie, purer Sex und purer Rock 'n' Roll. Zustzlich glnzte Danko durch tolle Ansagen und mit seiner schon legendren Selbstironie. Es war groartig! Mir bleibt nur noch zu schreiben, wer Danko Jones noch nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen! Das Beste was ich seit langem gesehen habe und ich war auf einige Konzerten, das knnt Ihr mir glauben.

Helloween

Es war mir eine Ehre, bei den alten Recken aus Hamburg im Fotograben stehen zu drfen, so ist Helloween doch eine der ersten Bands, die ich an Metal gehrt habe. Die Liebe zu ihnen ist weiter ungebrochen. Egal ob ihre Klassiker wie "Future World" oder "Dr. Stein" oder Titel ihrer neuen Scheibe "My God-Given Right", Helloween bewiesen auf hohem spielerischen Niveau, dass sie noch lange nicht zum Alten Eisen gehren. Allen voran Bassist und Grndungsmitglied Markus Grosskopf zeigte sich bester Laune und huschte von einem zum anderen Bhnen-Ende, um immer wieder mit dem Publikum zu agieren. Nicht nur das Bhnenbild, was ein eisiges Inferno zeigte mit einem riesigen Krbis an der Seite, war an diesem Tag stimmig, sondern die Komplette Bhnenshow. Leider war es dann die Aufgabe von Snger und Frontmann Andi Deris, noch einmal auf die Geschehnisse von der vergangenen Nacht einzugehen. Diese traurige Aufgabe erfllte er mit Hilfe des Publikums aber mit sehr viel Fingerspitzengefhl und es war einer dieser Momente, wo die berhmte Metal-Familie wirklich eins war. Der Rest des Konzertes war einfach wie immer ein absolutes Highlight. Ich habe die Truppe einfach noch nicht schlecht gesehen. Leider ist mir dann noch ein voller Bierbecher an den Hinterkopf geschmissen worden. rgerlich! Besonders fr den Fotoapparat. Manchmal wei ich echt nicht, was manche Leute so denken. Wahrscheinlich gar nichts. Dummerweise verfing der Becher sich dann auch noch in meiner Kapuze, so dass sich der restliche Inhalt in meinen Pulli, T-Shirt bis zur Unterhose ergoss. Ich mchte mich bei dem Werfer noch einmal recht herzlich bedanken. Da mein Hotelzimmer auerhalb des Gelndes lag und nun mal keine sommerlichen Temperaturen herrschten, war ich gezwungen, die Heimreise anzutreten in Richtung Hotel, so dass ich Black Label Society dann verpasste.

Fazit :

Das "Metal Hammer Paradise" ist absolut zu empfehlen und durch seine Umgebung auch fr Headbanger mit Familie ein echter Tipp. Wir kommen gerne wieder.

Randnotizen:

  • Die Truckfighters erffneten Freitags die Mainstage und was ich so mitbekommen habe, war das auch mehr als ordentlich.
  • Ein Bierbrunnen in der Mitte des Festivalgelndes neben der Imbissbude wrde brigens nicht schaden. Gerade die Raucher werden es euch danken.
  • Die Markierungen, die auf dem Boden den Weg weisen, sind zwar echt eine gute Idee, aber als einziger Hinweis nicht immer ausreichend. Wenn die Halle nmlich gut gefllt war (oder der Besucher), konnte es einem locker passieren, dass man an den Sanitren Anlagen vorbeilief. Auch ein zustzlicher Toiletten-Wagen irgendwo in der nhe des Zeltes htte dem Festival gut getan, denn von der Main Stage oder von der Htte aus konnten die Wege doch schon mal lang werden, wenn man es eilig hatte. Aber ein Lob fr die Sauberkeit gibt es von mir.
  • Eric Fish - scheint sich tatschlich abgewhnt zu haben, stndig "Meine Freunde" zu sagen. Zumindest habe ich es nicht mitbekommen.
  • J.B.O. - Der Rest, den ich von der Rosa Metal Fraktion mitbekommen habe, war wie immer gut, konnte mich aber wie auch schon in Andernach nicht in Party-Stimmung versetzen. Die Leute im Zelt machten aber selbige.
  • Opeth - Das was wir von Opeth gesehen haben, war rein vom Musikalischen gesehen wie immer absoluter Hammer. Stimmung wollte aber auch wie schon auf dem Breeze nicht richtig aufkommen, so habe ich es zumindest wahrgenommen. Ob auch schon hier die Neuigkeiten von Paris auf die Stimmung gedrckt haben? Es ist zumindest vorstellbar.
  • Sepultura - Wollte ich mir eigentlich ansehen, aber dann fand ich heraus, dass es auf dem Gelnde eine Flipper-Halle gibt. MIT "Addams Family" Flipper!!! Sorry Sepultura, aber das war echt wichtiger. Und so wie die Warteschlangen an den Teilen sich gestalteten, schienen das auch noch andere so zu sehen. brigens machen genau solche Gimmicks den Besuch auf dem Festival des Metal Hammer zu einem absoluten Highlight des Jahres. Man kann eben seine Freizeit nicht nur mit Musik gestalten, es gibt auch sonst viele Mglichkeiten, sich auszutoben. TOP!
  • Kissin' Dynamite waren nach Zeugenaussagen wohl das absolute Highlight auf der Alm und haben die Stimmung zum Kochen gebracht. Das ist eine Leistung, wenn Helloween parallel spielt.

Weitere Fotos findet ihr vom Metal Hammer Paradise 2015 bei uns in der Galerie von FB.
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