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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DEBAUCHERY, JAPANISCHE KAMPFHöRSPIELE, SIX REASONS TO KILL, ADDICT
Ort Andernach, Juz Live Club
Datum 27.12.2015
Autor Thorsten Dietrich, Katharina May
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Ein Tag nach Weihnachten an einem Sonntag wurden dem Metalfan in Andernach gut die Ohren durch gepustet! Fast 300 Leute wollten dieses abwechslungsreiche Package sehen.

Addict Addict

Los geht es mit einem Quartett aus Koblenz namens Addict (einprägsamer Name für eine Metalband, oder?) die hier ihren dritten Auftritt hatten und anfangs etwas brav auf der Bühne standen. Die gestandenen Herren zwischen 30 und 40 spielten US-Thrash mit leichter S.O.D. und alten Suicidal Tendencies was sich auch im Outfit der Herren wiederspiegelte: Während der Sänger und Gitarrist Patrick Schöne mit 3 / 4 Tarnfleckhose und Kappe wie bei Hatebreed entliehen aussah, waren die Kollegen teilweise mit Nieten-oder Patronengut, Desaster Shirt und Kutte unterwegs (was in Verbindung mit einer Brille und ordentlichem Kurzhaarschnitt schon wild aussah), während der Schlagzeuger mit seiner Batschkapp fast nach bravem Indie Rock aussah. Ob diese wild zusammen gewürfelte Optik Taktik oder Zufall ist kann ich nicht sagen, für die Musik ist das ja unerheblich. Addict hatten 30 Minuten Zeit eine ordentliche Visitenkarte abzugeben und schafften dies auch mit recht frisch klingenden Liedern, wobei kleine Patzer nicht das Gesamtbild trübten. Überraschender weise hatten die Herren gar eine Thrash-Halbballade in Petto und wurden mit der Zeit auch etwas lockerer so dass sie sich auch etwas bewegten und nicht mehr nur auf ihre Instrumente schauten. Für mich war es mal wieder schön, interessante Newcomer zu sehen, denn mal ehrlich wie oft sieht man noch eine Band bei ihrem dritten Auftritt heutzutage? Addict haben wohl schon eine EP draußen und es gibt auch schon Bandshirts.

Six Reasons To Kill Six Reasons To Kill

Die immerhin seit 1999er aktiven Six Reasons To Kill habe ich noch nie live gesehen und mich sehr auf die Truppe gefreut deren letzte Alben "Architects Of Perfection" und "We Are Ghosts" richtig klasse sind. Zu Beginn erfuhr ich dann, dass es in der Band einige Umbesetzungen in letzter Zeit gegeben hat und auch Frontmann Daniel neu an Bord ist. Der war wie der Rest der Truppe mächtig in Bewegung und so gab es massives Headbanging plus diverse Gymnastikübungen und Kniefälle vom Frontmann. Dieser war warum auch immer leider bei den Ansagen (jedenfalls für mich) schlecht zu verstehen war, aber wenn ich was verstand ganz sympathisch rüber kam. Der Sound war leider nicht der Brüller und so war ich froh direkt das erste Lied sofort erkannt zu haben: "We Are Ghosts" - der Titelsong der letzten Scheibe. Schade nur, dass die Zuschauer den ganzen Abend recht träge und auch etwas stumm da standen (Weihnachtskater?). Bei einer Band die Hardcore und Death Metal geschickt und explosiv verbindet hätte ich mehr Action und die üblichen Circle Pits, Stagediver usw. erwartet, doch nichts geschah. Am Ende kam noch ein drahtiger Kerl mit riesigem Kopf-und Halstattoo als Gast auf die Bühne, Jan Vergin von den mir nichts sagenden His Statue Falls. Zusammen brachte mit der Band eine Energie geladene Show auf die Bretter. Mir sind 6RTK tausend Mal lieber als viele Ami-Bands die immer nur diverse Fucks auf der Bühne grölen, labern und die Tough Guys raushängen lassen.

Japanische Kampfhörspiele Japanische Kampfhörspiele

Kollegen schwören auf sie, ich habe sie mal auf irgend einem Open Air kurz verfolgt und als Krach abgetan – die Rede ist von den Japanischen Kampfhörspielen kurz JaKa eine kurzeitig aufgelöste deutsche Truppe mit ebensolchen Texten die man nicht versteht dank Growls, Gebrüll und doppeltem Staubsauger am Mikro. Die Ansagen machte der blonde Langhaarige, während der Batschkappenträger anscheinend nur growlte. Vielleicht habe ich es auch übersehen. Die Ansagen waren witzig, sarkastisch und manchmal auch doof - mir hat mal ein weiser Musiker gesagt man "disst" keine anderen Bands auf der Bühne. Für Bewegung sorgten die beiden Vokalisten, während Gitarrist und Bassist die nicht einfach tönende Musik umsetzen musste und(daher) nicht zu den Frontschweinen zählten. In Sachen Sound wäre hier eine zweite Gitarre sicherlich Entlastung und Bereicherung zugleich. Laut Wikipedia hat die Truppe auch zwei Gitarristen, vielleicht war der verhindert oder ausgestiegen. Die Death-Grinder aus Krefeld hatten aber durchaus Fans im Publikum und es gab zeitweise auch etwas Bewegung. Insgesamt war die irgendwie erfrischende Truppe einfach zu weit von meinem Geschmack entfernt um darüber mehr sagen zu können.

Debauchery Debauchery

Einem Bekannten der die Band nicht kannte, beschrieb ich sie so: eingängiger Death Metal wie frühe Six Feet Under mit leichtem Metal / Hard Rock Flair und Warhammer Texten sowie jeder Menge Klischees auf der Bühne. So war es dann auch! Mit jeder Menge Blut in Gesicht und martialischen Monsterpuppen in Frauengestalt, sowie auch als Mikroständer wurde hier kräftig gepost. Dazu hatte jeder ein recht martialisches Bühnenoutfit an Klamotten, wobei Frontmann Thomas Gurrath noch eine Schädelsammlung am Mikroständer hatte. Durch seine Doppelbelastung, singen und Gitarre spielen war er etwas ans Mikro gefesselt an dem er oft mit geschlossenen Augen sang, wobei seine beiden Mitstreiter sich schon bewegten. Der schwere Bassist sah mit blutroter Schürze und Kapuze einem der Gegner in "Resident Evil 4" ähnlich während der Gitarrist die Matte schwang. Die recht eingängige Musik wurde flott und mit vielen Headbangern und rot gefärbten Fans im Publikum vorgetragen, die Ansagen waren allgemein knapp, hier wurde die Musik in den Vordergrund gestellt. Seine „Blood Babes“ hatte die Truppe nicht dabei, aber die nicht hässliche Dame am Merchandisestand hatte auch etwas Blut aufgelegt Die spontan im Backstageraum auf ein halbes Poster gekritzelte Setlist erhielt jede Menge Lieder der immerhin neun Alben und leider auch mal langweiliges wie "Cunt Killer", aber Setlisten sind ja immer Geschmackssache. Ich finde Debauchery haben mehr Hits als die Songs die heute gespielt worden, aber man hat keine der zahlreichen Coversongs von Metalhits gespielt die man doch in der Vergangenheit aufgenommen hatte. Aber das nicht sehr charmant betitelte Stück "Blowjob Barbie" der anderen Band von Thomas, Blood God wurde zur späteren Stunde noch als Eigencoverversion gespielt. Insgesamt ein guter Gig mit vielen Liedern und ausreichend Spielzeit.

Insgesamt eine gut ausgewogene und sehr friedlich verlaufene Veranstaltung einen Tag nach dem großen Feiertagsmarathon.





Addict Addict Six Reasons To Kill Japanische Kampfhörspiele Japanische Kampfhörspiele Debauchery Debauchery Debauchery


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