Navigation
                
18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ROCK HARD FESTIVAL 2015
Ort Gelsenkirchen
Datum 22.-24.05.2015
Autor Mario Loeb & Marc Schallmaier
>> Als E-Mail versenden

Das Rock Hard Festival fand erstmals zum 20-jhrigen Jubilum des Rock Hard statt, wurde aber aufgrund seines groen Erfolges 2004 wiederholt und fand nun bereits zum 12. Mal, wie immer am Pfingstwochenende, statt. Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet begrten Marc und mich mit einen Tippelbruder, der vor unser Hotel in die Ecke kotzte. Es war ein Traum und auch nicht der letzte sich bergebende Mensch, den wir in den drei Tagen in der Stadt und auf dem Festival-Gelnde gesehen haben. Unsere Vermutung ist, dass es sich hierbei nicht um einen typischen Vorgang oder Ritual im Ruhrgebiet handelt, sondern es in allen Fllen mit Alkohol in Verbindung stand, denn auch auf anderen Festivals und Landstrichen ist dieses Phnomen zu beobachten. Wir knnen schon einmal vorweg nehmen, dass wir traumhafte drei Tage in Gelsenkirchen auf dem Rock Hard Festival verbracht haben. Sowohl die Stadt, als auch die Region hat die Festivalbesucher und uns fr unser Kommen mit einer traumhaften Aussicht im Amphitheater belohnt und auch das richtig geile Wetter, obwohl die Vorhersage alles andere als positiv war, lie nichts zu wnschen brig. Viele nette Menschen durfte ich kennenlernen, egal ob aus dem Umland oder von auerhalb. Das machte das Festival zu einer Wohlfhloase. Die Atmosphre ist einfach toll. Alleine wenn whrend den Gigs die Schiffe in einem Abstand von 500 Metern regelmig an der Bhne im Hintergrund vorbeifahren, sieht das irre aus. Aber wir waren ja nicht auf dem Festival, um die Schiffchen zu zhlen, sondern wegen der Musik. Die kam dann auch unter richtig guten Soundbedingungen (Ausnahmen besttigen die Regel) drei Tage durch die Boxen gehmmert. Hier also unser Eindruck vom Rock Hard 2015. (Mario Loeb)

FREITAG


SPACE CHASER

Leider haben wir nur noch die letzten drei Lieder vom Opener des Tages mitbekommen. Das lag leider an der Organisation der Pass- und Bndchenausgabe, die etwas zu schwach fr diese Uhrzeit besetzt war. Das wre orga-technisch auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich in den Tagen hatte. Die letzten Songs der Berliner Thrash-Metal-Band gefielen mir zur kurzen Einstimmung schon einmal gut. Der Thrash alter Schule ging gut nach vorne, auch wenn ich manchmal ein wenig Probleme mit dem hohen Gesang hatte, aber das ist eben Geschmackssache. Die Riffs in Zusammenarbeit mit Bass und Schlagzeug treiben aber ordentlich nach vorne, sodass man Bock auf das erste Bier bekam und auch schon das Genick mit leichtem Bangen auf den dreitgigen Dauereinsatz einstimmen konnte.(Mario Loeb)

Wirklich leider, ich htte gerne mehr von der Band gesehen. Auch wenn ich Thrash-Metal-Bands eher skeptisch gegenber stehe, wenn es um hohen Gesang geht, so fand ich doch das, was ich gehrt habe, mehr als ansprechend. Und wer "Caught In A Mosh" derartig gut von Anthrax covert, dem sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Hoffentlich kann ich das bei einem baldigen Club-Konzert nachholen. (Marc Schallmaier)

Architects of Chaoz Architects of Chaoz ARCHITECTS OF CHAOZ

Na, wer kennt von Euch die Architects of Chaoz? Ich muss gestehen, ich kannte sie bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht. Den Snger konnte ich aber wohl noch identifizieren, auch wenn ich zugeben muss, dass ich ihn auf den ersten Blick nicht erkannt htte, wenn der freundliche Ansager auf der Bhne vor Beginn des Konzertes nicht den Namen erwhnt htte: Paul Di'Anno, seines Zeichen Ex-Frontmann von Iron Maiden. Es war im Vergleich zu seinen Ex-Kollegen, ohne dem Herrn zu nahe zu treten, doch etwas still um ihn geworden, um nicht zu sagen, dass es fast schon bengstigend war, was es da so alles in der Presse an Gerchten die letzten Jahre zu lesen gab, wie es um Paul bestellt war. Also bietet sich natrlich so ein Rock Hard Festival auch an, um auf seine neue Band aufmerksam zu machen und gleich ihre neue Platte, die am 29. Mai 2015 erschienen ist, vorzustellen. Wie wichtig dieser Gig fr Paul Di'Anno selber gewesen sein muss, belegte der Umstand, dass er sich mit Rollstuhl unter sichtlichen Schmerzen auf die Bhne rollen lie und seine vorstehende Knie-OP verschob, nur um spielen zu knnen. Wenn das alles so stimmt, Hut ab! Das ist Einsatz. Natrlich gab es gesanglich dadurch ein paar Probleme, die aber nachvollziehbar sind. Jeder, der mal im Sitzen gesungen hat, wei, dass der Druck, den man hinter die Stimme bekommt, ein ganz anderer ist, als wenn man steht. Das bedeutet natrlich auch, dass die Hhen viel schwieriger zu meistern sind, als stehend. Fr die Umstnde machte er alles in allem also einen echt guten Job. Ihm schien es aber allgemein auch gut getan zu haben, sich mit neuen, jungen Musikern zu umgeben und eine vllig neue Band zu grnden, nachdem seine anderen Projekte ber die Jahre, drcken wir es mal freundlich aus, nicht ganz so gut liefen. Die Musik ist an typischen Metal gehalten, der zwar einfach gestrickt ist, aber durchaus ins Ohr geht und grooved. Ich wrde gerne die CD abwarten, um mir ein endgltiges Urteil zu erlauben, was z.B. die Kompositionen angeht. Insgesamt hatte ich aber eher einen positiven Eindruck, vor allem, weil die Band technisch echt ganz gut ist. Nichts, was mich vom Hocker gehauen hat, aber ich habe, als ich den Namen Paul Di'Anno hrte, mit Schlimmerem gerechnet. Da bleibt fr Paul und seine Band nur zu hoffen, dass sein Knie durchhlt, weshalb er nach Internetinformationen ja bereits 2013 seine Musikerlaufbahn beendet hatte. Das "Ewige Talent" sagte man ihm oft nach, aber auch damit wird dann so langsam mit Mitte 50 auch Schluss sein. Auf der anderen Seite: lieber ewiges Talent, als gar kein Talent, oder wie war das?! (Mario Loeb)

Flotsam and Jetsam Flotsam and Jetsam FLOTSAM AND JETSAM

Ich habe eine Zeit lang gebraucht, um darauf zu kommen, weshalb mir der Name etwas sagte, bis es in etwa der Mitte des Konzertes "Klick!" machte. Jason Newsted. Der war nmlich Grndungsmitglied von Flotsam and Jetsam, auch wenn er nicht lange dabei war und bereits 1986 die Band zugunsten von Metallica verlie. Die Band aus Phoenix (Arizona) spielt eine Mischung aus Speed/Thrash Metal und bis auf Snger Eric A.K. ist aus der Grndungszeit von 1981 niemand mehr brig geblieben. Eric hat keine schlechte, aber eine merkwrdige Stimme, wie ich finde. Vor allem in den hheren Lagen hat der Mann live an diesem Nachmittag seine Probleme. Das war dann schon hart an der Grenze. Der knarrige Bass und und die Riffs trieben den Sound zwar ordentlich nach vorne, aber mir hat es nicht sonderlich gefallen. Deshalb sahen Marc und ich uns erst einmal genauer das Gelnde an. Die Zuschauer vor der Bhne von Flotsam and Jetsam schienen aber auf ihre Kosten zu kommen. (Mario Loeb)

Der Einstieg war mit "No Place For Disgrace" und "Desecrator" eigentlich stark, allerdings verflachte das Set danach zunehmend. Woran es lag? Keine Ahnung, irgendwie kam keine Spielfreude auf bei Flotsam & Jetsam und auch im Publikum ebbte die Stimmung sukzessive ab. Man spielte lediglich alten Stoff, aber es reichte heute nicht, so richtig in Wallungen zu kommen. Etwas schade, aber nun ja, man muss sich auch mal die Beine vertreten und so folgte der oben genannte Ritt durchs Gelnde. (Marc Schallmaier)

GOD DETHRONED

God Dethroned verffentlichten von 1992 bis 2010 neun Studioalben und legten 2012 ihre Band erst einmal auf Eis. Die Todesmetaller, die aus Holland stammen, sind in der Szene Kult, so wird es viele gefreut haben, dass sie 2015 ihre Rckkehr auf die Bhne feierten. Das 13 Stcke starke Set begannen God Dethroned mit "Faithless", sodass schnell Bewegung in die Crowd kam. Das sah von oben auf dem obersten Rang schon Hammer aus, wie sich die Mosh-Pits bildeten und das Zuschauermeer in ein wildes Chaos zu strzen schien. Diese Dynamik, die das Publikum entwickelte, htte ich mir auch von God Dethroned gewnscht, die mir etwas zu statisch auf der Bhne agierten. Musikalisch lieferte die Band aber ein ansprechendes Konzert ab, mit viel Druck und der ntigen Aggression, die es fr Death Metal braucht, sodass dieser Punkt auch der einzige kleine Makel ist, den ich gefunden habe. Ein mehr als solider Gig ging dann mit den Stcken "Sigma Enigma" und "The Grand Grimoire" zu Ende. Bei "Sigma Enigma" fiel mir dann auch mal wieder auf, welch starke Riffs die Band in ihren neun Alben zusammengetragen hat. Es wre also wnschenswert, wenn die Band sich einen Ruck gibt und ins Studio geht, um an ihrer zehnten LP zu arbeiten. (Mario Loeb)

God Dethroned God Dethroned PENTAGRAM

Als "Sign Of The Wolf" aus den Boxen ertnte, war es schon fast ein unwirkliches Gefhl, Bobby Liebling mit eigenen Augen auf der Bhne zu sehen. So wird es vielen im Publikum ergangen sein und sicher nicht nur den jungen. Dass es einem Wunder gleich kommt, dass man heute in den Genuss kommt, Pentagram einmal live zu sehen, ist jedem klar, der sich auch nur kurz mit der Band beschftigt hat. Niemand htte vor wenigen Jahren wahrscheinlich auch nur einen Cent darauf verwettet, dass die Band aus Virginia tatschlich durch Europa und die Welt touren wrde und das auch noch zu besten Headliner-Zeiten. Aber das Backdrop im Hintergrund sollte auch dem letzten Zweifler die Besttigung gegeben haben, dass es Realitt ist. Bobby Liebling hat sich schon immer sehr extravagant angezogen, aber seine rosa Hosen und das passende Hemd war selbst fr ihn, nach meinem Empfinden und fr Doom Metal, sehr exotisch, aber zu Bobby passt es. Optisch sieht man ihm gerade im Gesicht die Spuren seines Lebenswandels extrem an, was dann in Kombination mit der Kleidung schon grotesk erschien. Wenn er dann noch anfngt, sich zu dem schleppenden Doom Metal zu bewegen und zu tanzen, scheint es, als wrde er nicht von diesem Planeten stammen. Ich habe mich whrend des Konzertes gefragt, ob Pentagram vom Mythos Lieblings und seiner Geschichte lebt oder ob die Musik im Vordergrund steht. Ich denke es ist eine Mischung aus beidem. Die Band kann soundtechnisch und was die musikalische Leistung angeht vllig berzeugen, auch wenn der Musik im Vergleich zu heute etwas die Frische fehlt, aber es ist nun mal Musik alter Schule und deshalb nicht als Kritikpunkt gemeint. "When The Screams Come" z.B., zur Mitte der Set-Liste, ist eben nicht aus den 2000ern, sondern 37 Jahre alt. Pentagram Pentagram Ansonsten spielte die Band technisch sauber und gerade Gitarrist Goldsborough ist dabei sehr auf den Punkt und konnte immer wieder Akzente mit Soli setzen. Bobbys Gesang war ordentlich, auch wenn man auch seiner Stimme den Raubbau, den er mit seinem Krper betrieben hat, anmerkte, was aber nichts daran ndert, dass der Mann auch immer noch ber genug Charakter in der Stimme und ber gengend Ausstrahlung verfgt, um ein guter Fronter zu sein. Mit "Last Days Here" endete ein gutes, wenn auch ein sehr bizarres Konzert. Ich wei nicht, ob ich sie mir noch ein zweites Mal im Leben ansehen werde, aber ich bin auch irgendwie froh, dass ich sie noch gesehen habe. Vor allem aber gnne ich es Pentagram und allen voran Liebling, dass man nun nach all den Jahren den Lohn und die Anerkennung fr ihr musikalisches Schaffen erhlt. So viel Respekt sollte man davor haben, wie ich finde, auch wenn ich sicher kein Hardcore-Fan mehr werde. (Mario Loeb)

Ich habe schon so einige Rock- & Metal-Musiker vor meiner Linse gehabt, aber so einen Vogel wie Bobby Liebling noch nicht. Spontan fiel mir die Mischung "Night Of The Living Dead" und Christopher Street Day ein. Damit will ich niemanden beleidigen, aber der Snger von Pentagram sollte dringend einen Modeberater besuchen oder sich die Klamotten fr den nchsten Auftritt nicht von einem Blinden aussuchen lassen. Zweiter Einfall war: Salvador Dali und Albert Einstein, aber lassen wir das und widmen uns dem musikalischen Aspekt. Der gefiel mir mal so gar nicht, auch wenn ich die ein oder andere Doom-Band sehr schtze. Das Ganze zog sich doch arg in die Lnge und zumindest ich hatte das Gefhl, dass die Band ewig spielen wrde. Mir war das einfach eine Spur zu seicht. Leider muss ich nochmal auf Snger Bobby Liebling zu sprechen kommen. Zum einen waren seine Ansagen derart vernuschelt, dass wahrscheinlich auch ein Amerikaner seine liebe Mhe und Not gehabt htte, diese zu verstehen. Zum zweiten seine "Performance" auf der Bhne, die einfach nur surreal wirkte. Irre Blicke, (unfreiwillige?!?) komische Bewegungen und eine Mimik, die nicht lustig, sondern irritierend wirkten. Ich mag mich ja irren und wahrscheinlich funktioniert so eine Band in einem Club mit wenig Licht auch viel besser, aber an dem heutigen Abend ist bei mir nicht viel hngen geblieben von dieser Kult-Band. Ein ermdender Auftritt von Pentagram. (Marc Schallmaier)

VENOM

Ja, aber "Hallo!", berraschung am spten Abend. Venom kann doch live eine gute Show hinlegen!!!! Um mich davon zu berzeugen, haben sie 17 Jahre gebraucht. Dass es so lange Zeit brauchte, lag auch daran, dass ich mich lange geweigert habe, mir Venom noch einmal anzusehen. Zuletzt habe ich die alten Recken des Black Metal auf dem With Full Force 1998 gesehen. Ich bin froh, dass ich damals noch keine Live-Berichte geschrieben habe. Das wre ein Zerriss erster Gte geworden, das war damals nmlich unter aller Kanone, was Venom dem Publikum zugemutet hat. Mieser Sound und eine Band, die technisch so unsauber gespielt hat, dass jede halbwegs gut spielende semiprofessionelle Band besser gewesen wre. Besonders gut erinnere mich auch heute noch an das Riesen-Monster-Drumset mit 3 Reihen Toms und so vielen Becken obendrber, dass "normale" Schlagzeuger zwei Welttourneen mit den vorhandenen Ersatzteilen htten durchspielen knnen. Venom Venom Anthony "Abaddon" Bray, damaliger Schlagzeuger, wusste schon genau, warum er nicht gesehen werden wollte, er war bei diesem Konzert das schwchste Glied einer durchgerosteten Kette. Ich hatte also ein wenig mehr als nur eine negative vorgebildete Meinung ber Venom. Um so schner, dass die Band von heute mich eines besseren belehrt hat. Zur Verbesserung hat wohl vor allem Schlagzeuger Danny "Dant" Needham beigetragen. Der Mann groovt nmlich ordentlich und im Gegensatz zu seinem Vorgnger spielt er extrem auf den Punkt. Das verleiht Venom eine Stabilitt, von der sie damals weit weg waren. So versteckt sich "Dante" auch nicht hinter seinem Schlagzeug, sondern spielt mit zwei Hngetoms und einer Standtom, also einem stinknormalen Standardset. Allerdings ist der Aufbau des Sets doch ein wenig seltsam. Dass jemand seine zwei Chinabecken in etwa 1,50 Metern ber die Hngetoms platziert, habe ich auch noch nicht gesehen. Aber egal, der Kerl wei wenigstens damit umzugehen. Gerade den alten Liedern wie "Die Hard", "Buried Alive" oder "Welcome to Hell" merkt man diese Konstanz an. Damit wir uns nicht missverstehen: Venom ist immer noch keine Progressive-Band, die Musik und die Umsetzung ist, wie frher, sehr wild und ursprnglich, aber man ist technisch sauberer geworden und deshalb in der Lage, auch endlich live den ntigen Druck zu entwickeln, den es braucht. So auch an diesem Abend. Einen erheblichen Beitrag leistet dazu auch Gitarrist La Rage, der 2007 zu Venom kam, dadurch, dass er wesentlich stabiler ist, als es z.B. Jeffrey Dunn damals war. Conrad "Cronos" Lant bernahm dann souvern seine Aufgabe als Snger und Bassist. Er machte zwar jetzt auch nicht die Mega-Show, aber er schaffte es trotzdem, das Publikum mit seinen Ansagen und seiner Ausstrahlung mitzureien. Bei "In League With Satan", sowie bei "Countess Bathory" gab es im Publikum kein Halten mehr, aber auch die neuen Stcke wie "Grinding Teeth" konnten sich live hren lassen, obwohl diese von den Fans nicht ganz so mit Inbrunst abgefeiert wurden. Aber man braucht ja auch mal eine kleine Erholungsphase. Optisch rundete man das Konzert mit wiederkehrenden Pyros ab. Venom vollenden also einen gelungenen ersten Festivaltag. Einzig "Cronos" bauchfreies Top, was wie ein Bikinioberteil aussah, war etwas peinlich anzuschauen. Da war Bobby vorher echt stilsicherer und das soll echt was heien. (Mario Loeb)

Nach dem gerade erst verdauten Augenfoul von Bobby Liebling folgte die rote Karte gleich im Anschluss. Was reitet einen erwachsenen Mann mit Plauze eigentlich dazu, mit einem roten Bikinitop auf die Bhne zu gehen? Dass Venom mehr rumpeln als spielen, hat sich meiner Meinung nach auch nicht gendert. Aber sie waren an diesem Abend ein wrdiger Headliner. Pyros und Flammen satt, eine Songauswahl, bei der man schon schwer an sich halten musste, um nicht komplett durchzudrehen ("Countess Bathory", "Black Metal" oder "In League With Satan" mal so als Beispiele...) und ein vllig freidrehendes Publikum machten den Abend rund. (Marc Schallmaier)

SAMSTAG


Dass die Rock-Hard-Festivalbesucher in der Lage sind, richtig Party zu machen, bekamen wir dann nach Venom am eigenen Leib zu spren. So war es kein Wunder, dass einige Besucher am Samstag Morgen inklusive mir noch etwas zerknautscht aussahen. Aber das spricht ja auch fr das Festival, dass berall eine entspannte und ausgelassene Atmosphre herrschte. Ich knnte viel ber diesen Abend erzhlen, aber ich will Euch mit Details nicht langweilen. Ich kann nur den Leuten sagen, die das Festival noch nie besucht haben, es lohnt sich. (Mario Loeb)

Nett formuliert, lieber Kollege. Etwas zerknautscht wre ja nicht das Problem gewesen, aber wenn man dreiviertel seines Budgets bereits am ersten Abend eines Festivals mit Bier und Cuba Libre verklappt, dann war das zwar eine Mega Party, bei der wir beide die Flagge von MyRevelations aber mal so ganz weit vorne getragen haben, aber finanziell gesehen war diese Nacht ein Desaster! Ich frag mich ja immer noch, wie wir es ohne schwere Unflle und/oder Verletzungen geschafft haben, ins Bett zu fallen, aber ist ja auch egal. Feste muss man halt feiern, wie sie fallen. (Marc Schallmaier)

Deserted Fear Deserted Fear DESERTED FEAR

Was ist besser geeignet, als seinen Kater von einer ordentlichen Portion Death Metal vertreiben zu lassen. Deserted Fear ist ja mein Geheimtipp fr alle, die die Death Metaler aus Thringen noch nicht kennen. Warum, bewiesen die Jungs dann auch auf dem Rock Hard Festival 2015. Wer da trotz Kater nicht vllig estherliert (Steigerung von eskalieren), wollte einfach keinen Spa haben. Deserted Fear haben live all das eingehalten, was ihre zwei LPs versprochen haben. Auch live bestimmten sehr variable Geschwindigkeiten, brachiale Klnge und der blutige Gitarrensound das Klangbild. Snger Manuel Glatter ist auch live eine Mini-Bombe, die in den Gehrgngen explodiert und der Musik das gewisse Etwas gibt. Seit der Verffentlichung von "Kingdom of Worms" propagiere ich jedem, dass Deserted Fear die Zukunft des Death Metal in Deutschland ist und der Auftritt auf dem RHF 2015 hat mich nur noch einmal in meiner Aussage bekrftigt. Grundsympathisch sind die Jungs noch zustzlich, die es kaum glauben konnten, wie die Zuschauer schon so frh am Tag auf ihr Songs abgingen, sodass ihr Grinsen von Minute zu Minute breiter wurde. Wer nah genug am Bhnenrand stand, konnte auf den Lippen der Jungs oft ein "Fuck unglaublich!" und hnliches ablesen. Deserted Fear, glaubt es ruhig und ihr habt es Euch mehr als verdient. Groes Kino, fr mich persnlich das Highlight des RHF, mit lieben Gren nach Thringen: Jetzt blo nicht nachlassen, ihr seid auf dem besten Weg, bald ganz oben anzuklopfen! Also lasst mich blo nicht hngen, nicht dass es nachher heit: "Der olle Schreiberling hatte keine Ahnung." (Mario Loeb)

Das war ein echter Fausthieb, dieser Auftritt von Deserted Fear. Leider hatte ich es bisher nicht geschafft, die Jungs mal live zu erleben, aber das nderte sich an diesem Tag. Ein amtliches Death-Metal-Brett zum Frhstck, besser konnte es nicht mehr werden. Die Band hatte richtig Lust, das bisher anwesende Publikum auch und so gab es mit "Kingdom Of Worms", "Fields Of Death" und "Bury Your Dead" eine Granate nach der nchsten. Der Sonnenschein und die etwas staubige Luft passten zwar so gar nicht zu der Mucke, die dreiviertel Stunde verging aber wie im Flug und im Anschluss an den Auftritt waren ringsherum nur positive Meinungen zu Deserted Fear zu hren. Daumen hoch! (Marc Schallmaier)

Motorjesus Motorjesus MOTOR JESUS

Motor Jesus hatten nun die Aufgabe, das in Stimmung gekommene Publikum weiter zu begeistern. Vorneweg: sie machten ihren Job mehr als gut und als die letzten Tne des Auftritts verklungen waren, haben selbst die Oberrnge im Amphitheater mindestens einmal mitgesungen oder geklatscht, was auch kein Wunder ist, denn schon mit der aktuellen Platte "Electric Revelation", die vor etwa einem Jahr erschienen ist, zeigten sich die Jungs in Bestform. Diese Form und den Schwung scheinen sie auch live mitgenommen zu haben, was sie mehr als berzeugend demonstrierten. Nach dem Motto "Du bist nicht Du, wenn Du hungrig bist." gab es fr die Leute dann von Front-Tier Christoph Birx erst einmal ein Snickers, denn Bierflaschen sind ihnen vom Veranstalter verboten worden. Es war schn zu sehen, dass der sympathische Snger seine gesundheitlichen Probleme wohl berstanden hat. Angetrieben durch Chris und die Zuschauer, rockte der Rest der Band richtig ab und unterhielt das Publikum mit Songs wie "Trouble In Motorcity", "Speed Of The Beast", "Fist Of The Dragon" und zum Abschluss "Return Of The Demons". Doch die Zuschauer lieen Motor Jesus nicht ohne einen weiteren Song ziehen. Wre auch noch etwas frh gewesen, denn es war noch genug Spielzeit auf der Uhr. So verabschiedeten sich Motor Jesus dann mit "A New War" , was sie mit einem Rockklassiker-Medley von Kiss - "Rock and Roll All Nite" ber Judas Priest - "Living After Midnight" und zum Schluss mit AC/DC - "You Shook Me All Nigt Long" aufpimpten. Keine Frage, dass die Zuschauer jetzt vllig begeistert waren und alles mitsangen, sowie gemeinsam Party mit der Band machten. Toller Auftritt von Motor Jesus, die mit dazu beitrugen, dass der Samstag schon frh sehr stimmungsvoll war. (Mario Loeb)

VOIVOD

Es war mal wieder Zeit fr eine Legende auf dem Rock Hard Festival. Und so kamen die Kanadier von Voivod auf die Bhne. Der Vierer konnte in Sachen Spielfreudigkeit locker mit der Vorband mithalten, allerdings praktiziert die Band einen ganz anderen Sound als Motor Jesus. Doch auch der kam bei dem Publikum gut an. Die technischen Raffinessen und Spielereien haben sich mir erst sehr spt erschlossen, als ich das erste Mal Voivod hrte, fand ich dies stinkend langweilig. Nun aber die Truppe live vor mir zu haben, war schon ein Erlebnis. Songs wie "Ripping Headaches", "The Prow" oder natrlich "Voivod" kamen messerscharf von der Bhne. Der Sound war auch gut und so konnte man ein paar tolle Klassiker live in bester Gesellschaft genieen. Snger Snake war auch gut drauf und zog so manche Ansage in die Lnge, aber das war sehr spaig und auch gut zu verstehen. Ansonsten gibt es nichts aufflliges zu berichten. Voivod rockten die Bhne und das Publikum feierte sie ab. Mehr gib es nicht zu sagen. (Marc Schallmaier)

Avatarium Avatarium AVATARIUM

Avatarium, die schwedische Doom-Metal-Kombo aus Stockholm, konkurrierte mit dem Abstiegskrimi in der Fuballbundesliga am letzten Spieltag, was dafr sorgte, dass das Amphitheater nicht so besetzt war, wie es Avatarium verdient gehabt htte. Ich gestehe aber, und Asche ber mein Haupt, auch ich habe mir nur die ersten drei Stcke angesehen (das war genau die Hlfte der Setliste) und bin dann im Laufschritt in den Biergarten zur Live-Konferenz, es war einfach zu spannend. Die Stcke, die ich gesehen habe, fand ich aber richtig gut. Besonders beeindruckt war ich von Jennie-Ann Smith, der Sngerin, die nicht nur optisch wesentlich besser anzusehen war, als viele ihrer mnnlichen Kollegen, sondern auch stimmlich richtig toll war. Mit viel Gefhl begleitet sie die Doom-Rock-Mischung und wirkte trotz all ihrer Power schon fast etwas zerbrechlich und zuckers mit ihrer Akustik-Gitarre in der Hand, was ich in diesem Zusammenhang aber positiv meine. Wie ich mir dann von einem Kollegen habe erzhlen lassen, war Grnder Leif Edling (Candlemass) selbst gar nicht dabei, weil er wohl immer noch gesundheitliche Probleme hat und deshalb zur Zeit keine Live-Shows bestreitet. Mir wre das so, ehrlich gesagt, gar nicht aufgefallen, denn mit Candlemass habe ich mich schon lange nicht mehr auseinandergesetzt und auch Avatarium war mir bis auf den Namen vllig unbekannt. Ich gelobe aber Besserung, liebe Jennie-Ann Smith, das nchste Mal bin ich auf Avatarium besser vorbereitet. Denn die Hlfte der Show hat gereicht, um mich zu begeistern. (Inzwischen steht die "All I Want" bei mir zuhause.) (Mario Loeb)

SAMSTAG NACHMITTAG-BIERGARTEN

Ein paar Stze zur Bundesliga-Abstiegskonferenz im Biergarten. Keine Angst, keine Angst, ich fasse mich kurz, aber ich finde es wichtig, auch das einmal positiv zu erwhnen, weil es genauso zu dem Festival gehrte, wie der Rest auch. Die Stimmung war mega-gut und obwohl es fr viele Vereine und ihre Anhnger noch um alles ging, waren die langhaarigen Fans in den verschiedensten Trikots sehr friedlich und fair im Umgang miteinander, was beweist, dass der Metal trotz aller Mannschaftsrivalitt an diesem Nachmittag trotzdem verband. Man litt gemeinsam, man jubelte gemeinsam und trstete sogar einander und selbst der Techniker der Leinwand wurde fast genauso abgefeiert, als er ein technisches Problem beseitigte, als wre Lemmy gerade persnlich reingeschneit. Ich finde, diese Bilder gehren genauso zum Rock Hard wie die Bands, denn es zeigt auch nochmal, wie toll die Stimmung ber drei Tage in Gelsenkirchen war. Hut ab dafr. (Mario Loeb)

KATAKLYSM

Zu Lied Nummer 8 "Taking the World by Storm" waren mein Kollege und ich dann wieder vor der Bhne. Wirklich etwas ber den Auftritt knnen wir also eigentlich nicht schreiben. Die Security im Photograben, das sah man schon von oben, schien eine Menge zu tun gehabt zu haben. Kataklysm lie aber auch keine Fragen offen, zumindest nicht bei den vier Stcken, die ich gesehen habe. Mit fett bratendem Gitarrensound rollte der kanadische Vierer alles nieder, als wrde es um einen Endspurt in einem Final-Rennen bei Olympia gehen. Passend dazu wirbelten die Zuschauer im Mosh-Pit als Stromschnellen davor. Aber wer mit "Let Them Burn", "In Shadows & Dust" und "Crippled & Broken" solche Death-Schlachtschiffe vor sein Kanu spannt, der braucht vor Untiefen nun wirklich keine Angst zu haben. So steuerte Schlagmann Maurizio Iacono mit seiner Crew immer im przise gleichen Schlag das Boot in den Hafen. Danach hatten alle Landratten dringend eine Erfrischung ntig. (Mario Loeb)

Sanctuary Sanctuary SANCTUARY

Wurden Voivod ihrem Kult-Status absolut gerecht, konnten Sanctuary leider nicht berzeugen. Ein eher lustloser Auftritt insgesamt, Snger Warrel Dane, der nicht nur schon mal sehr viel gesnder aussah, sondern auch stimmlich das ein oder andere Mal Probleme hatte, und eine fr mich eher schwache Songauswahl. Das war leider alles, was Sanctuary anboten. Sicherlich, sie sollen auch schon weit schlechter aufgetreten sein, aber fr mich war es die Premiere und am Ende war ich doch enttuscht. Nach meinem Empfinden war ich aber auch nicht der Einzige, der sich mehr von der Band aus Seattle erwartet hatte. "Future Tense" und "Taste Revenge" als die letzten beiden Lieder mag zwar schlau sein, man htte aber den ein oder anderen Brecher nochmal zwischendrin einbauen sollen. Der Auftritt pltscherte so vor sich hin und das Publikum lie sich auch nicht von halbherzigen Ansagen von Snger Warrel zu mehr Bewegung auffordern. Schade! (Marc Schallmaier)

DORO

So, ich muss jetzt endlich mal eine Lanze fr Doro brechen! Seit Jahren ist es in mancher Gesellschaft ja schon fast peinlich zuzugeben, dass man Doro gut findet. Warum eigentlich? Denn der Erfolg gibt der gebrtigen Dsseldorferin mehr als Recht. Auch an diesem Abend war Doro eine Wucht, voller Energie und wie immer mit richtig toller Stimme am Start. Ihre "Early Days Metal Show!" rockte ohne Ende und selbst diejenigen, die sonst peinlich berhrt sind, wenn irgendwo ein Doro-Song luft und einen leicht zerknirschten Gesichtsausdruck bekommen, mussten zugeben, dass es gut war. "I Rule The Ruins", "Burning The Witches", "Metalracer", "East Meets West", "Hellbound" u.s.w., hier war alles dabei, was Anhngern der ersten Stunde das Herz hher schlagen lie. Bis auf "Fr Immer" verzichtete sie auf Balladen und haute statt dessen sogar noch den Song "Evil" raus, den ich persnlich noch nicht live gesehen hatte. Doro Doro Klar, Doro polarisiert ohne Ende. Ihre Ansagen waren wie immer zum Schmunzeln, wobei sie sich, wie so oft, nicht entscheiden konnte, ob sie ihr Publikum nun auf deutsch oder international ansprechen sollte. Auch manche ihrer Bewegungen wirkt oft geknstelt, auch das ist nichts Neues. Aber wenn das das einzige Problem ist, bitte, denn was man Frau Pesch sicher nicht ankreiden kann, ist, dass sie nicht alles fr ihr Publikum auf der Bhne gibt, mit einer Leidenschaft, da knnte sich so mancher Musiker eine Scheibe von abschneiden. Untersttzt wird sie dabei von einer Band, die super auf den Punkt spielt und ihre Show immer super professionell abliefert. Auch das muss man ihnen erst einmal nachmachen. Im Unterschied zu anderen Soloknstlern hat Doro eine ber Jahre feste und eingespielte Kombo, was man dem Gesamtbild einfach anmerkt. Optisch untersttzt wurde die Show von Feuersulen, wie z.B. bei "Burning the Witches", und Pyros. Ein saustarkes Set fand dann ein Ende mit "Breaking The Law" (Judas Priest-Cover) und "All We Are", was dann auch nochmal gut abgefeiert wurde. Doro war super professionell und gut, das habe ich in all den Jahren auch noch nie anders bei ihr erlebt, was soll also daran schlecht sein? Alles andere ist Geschmackssache, ohne Frage. Als Zugabe spielte sie dann noch "Out Of Control" und den "Earthshaker Rock", welche auch nochmal gute Laune machten. brigens dafr, dass Doro 51 ist, sieht sie immer noch richtig klasse aus, ich kenne Ende 20-jhrige, die sehen verbrauchter aus. ber was meckern wir also eigentlich immer? Okay, den ein oder anderen Gastauftritt macht die gute Frau vielleicht zu viel, aber auf der anderen Seite ist wohl keine deutsche oder kein deutscher Metal-Knstler/in auch so gefragt. Doro ist und bleibt die "Metal Queen" und das "Fr immer", egal ob es manchen Leuten gefllt oder nicht. (Mario Loeb)

Dem mchte ich mich nahtlos anschlieen. Ich habe keine Doro-Scheibe in meiner Sammlung, und eine Warlock-Scheibe hatte ich mal auf MC. Ansonsten habe ich Doro immer gemieden wie die Pest. Aber was die Dame an diesem Abend ablieferte, war groes Tennis. Das muss man dann auch einfach mal anerkennen. (Marc Schallmaier)

KREATOR

Trotz groer Sympathie, die ich fr das deutsche Ur-Thrashgestein habe, machen Kreator meiner Meinung nach einen groen Fehler: mangelnde Abwechslung in der Setlist. Ich habe die Band nun schon einige Male in den letzten Jahren gesehen und es war auftrittstechnisch gesehen nie ein Rohrkrepierer dabei, aber die immer gleichen Songs zu spielen muss doch auch Mille und seinen Mitstreitern langsam langweilen. "Intro/Enemy Of God", "Terrible Certainty" und danach "Phobia". Ich htte sonst etwas darauf verwettet, dass dies die Einstiegssongs sind. Und natrlich hatte der Onkel recht. Aber egal, Kreator lieferten mal wieder ab und das verdammt gut. Mille hatte richtig Bock und wusste genau, wie er das Publikum anstacheln konnte, das Amphitheater in seinen Grundmauern zu erschttern. "Endless Pain", "Extreme Aggression" oder auch "Hordes Of Chaos". Oft gehrt, immer noch gut. Ob man zu Beginn eines Kreator-Sets allerdings Konfetti-Kanonen znden muss, stelle ich hier mal zur Diskussion. Ziegen- oder Menschenblut wre dem Anlass gerechter gewesen. So knppelte sich das Quartett durch seinen Set, der mit zahlreichen Klassikern quer durch die Bandgeschichte gespickt war. Aber warum spielt man nicht einmal "When The Sun Burns Red" zum Beispiel? Fr mich eine der besten Thrash-Granaten berhaupt! So wurde der Auftritt (auch mit meiner Meckerei!) trotzdem zum Triumphzug. Die Band verlangte dem Publikum alles ab und als dann Feierabend war, sah man doch sehr viele glcklich, aber auch sehr erschpfte Gesichter im Publikum. (Marc Schallmaier)

Kreator Kreator

SONNTAG


Nachdem wir die Nacht von Samstag auf Sonntag doch wesentlich ruhiger angegangen sind, als den Freitag, sind wir Sonntag schon frh unterwegs und haben unsere Abreise schon vorbereitet, sodass einem entspannten letzten Tag nichts im Wege stand. Bei strahlendem Sonnenschein und echt warmen Temperaturen betraten wir ein letztes mal das Rund. (Mario)

Kein Wunder, keine Knete mehr! (Marc Schallmaier)

AIR RAID

Ich mchte das RockHard-Heft Ausgabe 311 zitieren: "Sie ist unaufhaltbar: Die schwedische Welle an tollen Old-School-Metalbands bricht nicht ab und liefert ein Highlight nach dem anderen. Bei AIR RAID handelt es sich allerdings nicht um irgendwelche Mercyful-Fate-Klone, sondern um eine klassische Heavy-Metal-Band mit einprgsamen Refrains und tollem Songwriting". Besser htte man es wohl nicht ausdrcken knnen und diese Aussage galt auch noch Sonntagmittag auf dem Rock Hard Festival. Ich kann auch fr live besttigen, dass Air Raid ein gutes Songwriting und mitsingbare Refrains hat. Die 5 Schweden sind nicht nur optisch mit Kutte stark an die 80er angelehnt, sondern auch musikalisch hrt man den New British Metal mit Speedeinflssen heraus. So richtig schienen noch nicht alle wach zu sein, das haben die Gteborger allerdings nicht verdient, die alles gegeben haben, um das Festival in Stimmung zubringen. Am besten hat mir Fronter Anderson gefallen, der echt eine richtig gute Stimme vorzuweisen hat. Handwerklich stehen ihm seine Kollegen aber in nichts nach und der klassische Metal-Sound hmmert auch schon so frh ber das Theater. Viele reckten auch ihre Fuste und schwenkten ihre Matte, aber bis zu den Rngen kam es nicht an. Vielleicht war der Samstag dann fr den ein oder anderen doch ein wenig anstrengender gewesen, als fr uns. Schade eigentlich, weil bei Songs wie "Madness", was mich gerade in der Mitte an die guten alten Irons erinnert hat, ging es mal richtig nach vorn. Authentischer Sound, viel Energie und die Gitarrenarbeit, die auch hier wieder stark an eine Mischung aus Maiden und Judas erinnerte, machten Air Raid aus, das alles versehen mit einer eigenen Note. Air Raid rockte! (Mario Loeb)

Spiders Spiders SPIDERS

Ein wenig uneinig war ich mir mit dem Publikum bei den Spiders. Fand ich die Performance echt gelungen, erreichte die Hardrockband aus Schweden, die den klassischen Sound der Siebziger wieder aufleben lsst, keinen richtigen Zugang, so zumindest deutete ich die Reaktionen des Publikums am frhen Nachmittag. Ekstase sieht nun wirklich anders aus. Vielleicht htte man Air Raid und die Spiders in den Slots tauschen sollen, aber hinterher ist man immer schlauer. Ann-Sofie Hoyles und ihre drei Bandkollegen legten aber viel Herzblut in ihre Musik und man schmeckte vllig den Blues angehauchten Sound auf der Zunge, besonders dann, als die Fronterin die Bluesharp auspackte. Ein wenig scheint Ann auf der Bhne in ihrer eigenen Welt abzutauchen, aber nicht so, dass man das Gefhl hatte, dass es eine Grenze zum Publikum gibt. Insgesamt sind die von der Art vergleichbaren Blues Pills sicher das strkere Package auf CD und auch live, was aber nichts daran ndert, dass die Spiders eine tolle Truppe sind und das auch live bewiesen haben. Der Funke wollte aber trotzdem nicht berspringen. Ich mchte den Schlusssatz meines Kollegen Peter Hollecker aus der CD Review zu "Shake Electric" zum Ende benutzen, weil er einfach super passt : "Fazit: Es war ein Vergngen, wenn auch ein kurzes oder anders gesagt: Ein schner Quickie!" P.S.: Das schwarz-weie Backdrop im Hintergrund, auf dem schlicht in einem maidenartigen Schriftzug der Name der Band und des letzten Albums drauf gedruckt war, erinnerte stark an eine Tanzkapelle und war irgendwie Band und Musik nicht wrdig. (Mario Loeb)

SINNER

Mat Sinner und Band gingen in allem auf Nummer sicher, zumindest was ihre Set-Liste anging und spielten gleich zu Anfang Stcke wie "Crash & Burn" und "Born To Rock". Man will sein Publikum schlielich auch nicht enttuschen, was er selbstverstndlich auch in keinem Punkt tat. Der Bassist, Snger und Musikproduzent aus Stuttgart zeigte auf dem Rock Hard Festival einmal mehr, warum er nach all den Jahren nicht nur mit Primal Fear noch lange nicht zum alten Eisen gehrt. Ob es nun Angeben ist oder auch mal eher auf Nummer sicher gehen, kann man sich fragen, da die Sinner Band gleich aus drei Gitarristen besteht. Keine Ahnung, aber soundtechnisch war es zumindest mal nicht unbedingt ntig. Mat trieb dann auch mit sehr kurzen Ansagen und Danksagungen das gut gelaunte Publikum an, sodass die Zeit im Fluge verging und man bei Lied Nummer 7 "Danger Zone" schon im Finale angekommen war. Der Sound und die Stcke waren oldschool, aber nicht staubig, so wie man es von Klassikern erwartet. Es passt dazu, dass Mat zufrieden ohne berheblichkeit performt und die Show und das Bangen seinen jngeren Kollegen berlsst. Es wirkte schon irgendwie erhaben. Passend dazu seine Jacke im edlen Design mit Silberknpfen und Schulterklappen. Die Masse mochte es und machte auch whrend des ganzen Konzertes ordentlich Lrm. Richtig ab ging es dann noch mal zu "Rebell Yell" von Billy Idol und dem Klassiker "Germany Rocks", obwohl ich den Song, der auf der 86er "Comin' Out Fighting & Dangerous Charm" erstmals verffentlicht wurde, aus heutiger Sicht als etwas seltsam empfinde. Egal, das Publikum hatte Spa und zeigte sich nicht nur beim Schlusssong textsicher. (Mario Loeb)

Channel Zero Channel Zero CHANNEL ZERO

Den Belgiern von Channel Zero haftet schon lange das Etikett an, der ewige Underdog zu sein. Denn obwohl sie in den Neunzigern schwer aktiv waren und einige Alben verffentlichten, kam es nie zu dem ganz groen Wurf. 1997 dann das Ende, bevor man 2010 wieder an den Start ging. Den Auftritt beim Rock Hard Festival kann die Band aber definitiv als Erfolg verbuchen. Es dauerte zwar etwas, bis Band und Publikum richtig auf Touren waren, aber zum Ende hin gingen so einige Leute vor der Bhne steil. Channel Zero spielten alte Songs, aber auch einiges an neuem Kram vom letzten Album "Kill All Kings". Snger Franky nutze auch alle seine Freiheiten und sprang wie von der Tarantel gestochen auf der Bhne rum, whrend die Band mit einem satten Sound den entsprechenden Teppich dazu ausbreitete. Der Frontmann lie es sich auch nicht nehmen, zahlreiche der auf der Bhne stehenden Wasserflaschen sich selber ber den Kopf zu schtten, um dann den Rest mitsamt Flasche ins Publikum zu kicken. Es war ein mitreiender Set und es war mal wieder schn zu sehen, wie eine Band mit viel Einsatz es schafft, das Publikum fr sich zu begeistern (Marc Schallmaier)

REFUGE

Ich wei auch Tage spter nicht, was ich von dem Auftritt von Refuge halten soll, er war leider etwas verkorkst. Irgendwie hat an dem Nachmittag gar nichts gestimmt, was aber wohl eher dem Soundmann und der Technik, besonders anfnglich der Show, geschuldet war. Der Sound wollte gar nicht passen und Peter "Peavy" Wagner hatte sicher auch schon mal gesanglich bessere Tage erwischt. Das war aber nicht verwunderlich, denn gehrt hat sich "Peavy" nach eigener Aussage auf der Bhne nicht, weil sein In-Ear-Monitoring die Flgel streckte. Da wirds als Snger natrlich arg schwierig und gleicht einem musikalischen Blindflug. "Ich hre meine Stimme nur in meinem Schdel" verkndete das Urgestein des deutschen Power-Metals. Das ist natrlich, gerade wenn man zweistimmig singt, mehr als schwer. Dafr machte der Fronter und Basser noch eine echt solide Figur. Leider klang auch der Schlagzeugsound eher, als wrde man auf Pappkartons los prgeln, als auf ordentliche Kessel. Wenn man einen solchen Tag soundtechnisch erwischt hat, heit es nur: "Augen zu und durch!" und seinen Job so professionell und mit so viel Spa, wie es eben nur geht, zu Ende zu bringen. Das machten Refuge dann auch, da kann man nicht meckern. Schnell feierten die Zuschauer, die nun wieder deutlich mehr im Innenraum anwesend waren, Songs wie "Death in the Afternoon", "Enough Is Enough" und "Certain Daya" zur Mitte des Sets ab. Aber auch "Peavy" scheint wieder mehr Spielfreude zu haben als mit Rage. Bei den Interaktionen mit seinem Mit-Musiker Manni Schmidt sieht man ihm an, dass es ihm wieder bedeutend mehr Spa macht, auf der Bhne zu stehen, als am Ende bei Rage. Auch wenn ich Rage in Andernach Ende des Jahres noch abgefeiert habe, im Nachhinein betrachtet, setzt man die beiden Konzerte in Vergleich, waren die Spannungen, die zur Trennung fhrten, in Andernach doch sprbar. Ganz anders die positiven Vibrations auf dem RHF 2015. Christos, Manni und Peavy gaben alles und motivierten das Publikum immer wieder zum Bangen, Fuste recken und Pommes-Gabel zeigen. Was den Sound angeht, wurde es mit laufender Show besser. Die Party endete dann mit "Baby Im Your Nightmare", "Dont Fear The Winter" und zum Schluss "Refuge". Eine der ersten Besetzungen von Rage ist nach 21 Jahren zurck und verbreitetet eine Menge Spa. Die Band lie sich durch nichts aufhalten, auch nicht von einer vergessenen Setliste fr "Peavy", denn Manni hatte ja zum Glck eine. Ich werde sie mir dann wohl jetzt doch in meinem "Wohnzimmer", dem JUZ-Live Club in Andernach, wo nicht nur ich ein Heimspiel habe, sondern auch Manni Schmidt, der gebrtig aus der "Bckerjungenstadt" stammt, Ende des Jahres ansehen, um mir ein endgltiges Urteil zu bilden. (Mario Loeb)

Michael Schenker Michael Schenker MICHAEL SCHENKER'S TEMPLE OF ROCK

Leider endete mit Refuge mein erstes Rockhard Festival, da ich bedauerlicherweise meinen Zug erreichen musste, ansonsten wre ich erst tief in der Nacht, nach vierstndiger Fahrt mit der Bimmelbahn, zuhause angekommen. Ein Lied von der Legende Michael Schenker musste ich mir dann dennoch mit eigenen Augen ansehen oder vielmehr mit eigenen Ohren anhren. Die Anfnge der Scorpions und Michael Schenker sind Grundbausteine und mit einer der Grnde, warum ich Metal hre, wuchs ich bei meinem Vater, dem ich auch heute noch tief dankbar dafr bin, doch mit diesen Sachen auf. Als htte Michael Schenker gewusst, was mir das bedeutet, spielte er auch gleich eines der Lieder, die mir aus der Zeit am meisten in Erinnerung geblieben sind: "Doctor Doctor" von UFO. Zufrieden und sogar ein wenig ergriffen machte ich mich auf den Heimweg. Das RHF 2015 war ein total geiles Festival und ich hoffe, dass ich mit Marc, der dann den Rest von Michael Schenker und natrlich die Headliner des Abends noch fr euch begutachtet hat, nchstes Jahr wieder dabei sein darf. (Mario Loeb)

Ich kann mit endloser Gitarrenfrickelei nicht viel anfangen, trotzdem ziehe ich den Hut vor einem Mann wie Michael Schenker. Und ich empfand den Set als richtig gut, denn es wurden eine Menge Klassiker von UFO oder den Scorpions gespielt, die sogar ich kannte. "Natural Thing", "Lovedrive" oder auch "Coast To Coast", um nur einige zu nennen. Lediglich ganz zum Schluss, als die Truppe "Rock You Like A Hurricane" und "Rock Bottom" spielte, drehte Onkel Schenker mal so richtig auf und fidelte auf seiner Gitarre mal richtig los. Das ist fr die anspruchsvollen Hrer natrlich Gold wert, ich empfand es auf Dauer ein wenig zu viel, aber okay. Der grte Teil des Publikums feierte die Band ab. Bei Michael Schenker's Temple Of Rock spielen ja auch begnadete Musiker, die allesamt verdammt viel Erfahrung haben und wissen, was sie der Meute geben mssen. Ein starker Auftritt, ein paar Legenden der Rock Musik und ein paar tolle Songs, was will man mehr? (Marc Schallmaier)

Overkill Overkill OVERKILL

Overkill sind live immer eine Bank und auch am heutigen Tag lieen die Amerikaner nichts anbrennen. Im Gegensatz zu Kreator scheut sich das Quartett auch nicht davor, ein wenig an seiner Setlist zu arbeiten. Dass Snger Blitz immer mal wieder eine kurze Pause braucht, ist ja auch nichts Neues mehr und strt keine Minute. Overkill hatten richtig Lust und waren so etwas wie der heimlich Headliner an diesem Tag. Mit viel Lust und Laune prgelte die Band Songs wie "Electric Rattlesnake", "In Union We Stand" oder auch "End Of The Line" in das begeisterte und rappelvolle Publikum, das zum letzten Mal in diesem Jahr auf dem Rock Hard Festival das Haupthaar kreisen lassen wollte oder seinem Bewegungsdrang freien Lauf lie. Auch die Ansagen von Blitz auf deutsch haben nichts von ihrem Charme verloren. Fr mich persnlich verging der Auftritt wie im Flug und bei den beiden Rausschmeiern "Elimination" und "Fuck You" gaben alle Anwesenden noch einmal Vollgas. Es war ein superbes Konzert und fr mich neben Deserted Fear die Gewinner-Band auf diesem Festival. (Marc Schallmaier)

BLACK STAR RIDERS

Warum die Black Star Riders das Festival beschlieen und heute Headliner sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wre vielleicht klger gewesen, diese Ehre Overkill teil werden zu lassen. Denn nachdem diese die Bhne frei gemacht hatten, lichteten sich die Reihen im Publikum deutlich und weiterhin verzgerte sich der Anfang der Black Star Riders auch noch, so dass dieser Auftritt unter keinem guten Stern begann. Frontmann Ricky Warwick tat alles, um die verbliebenen Leute noch zu motivieren und man muss sagen, dass ihm das auch gelungen ist. Und natrlich tun auch die Thin Lizzy-Klassiker ihr briges, um die Stimmung hoch zu halten. "Jailbreak", "Suicide", "Emerald" oder natrlich auch "The Boys Are Back In Town" kennt jede Sau und die Black Star Riders spielten mit viel Herzblut und einheitlich die Songs. Zwischendurch werden immer wieder Eigenkompositionen gespielt, aber man muss ganz ehrlich sagen, dass diese Band eigentlich keinen Headlinerstatus hatte. Das letzte Lied ist (natrlich) "Whiskey In the Jar" und zumindest damit gab es einen vershnlichen Abschluss am letzten Festival-Tag. (Marc Schallmaier)

Auch fr mich war jetzt die Zeit gekommen, die Rckreise anzutreten. Die letzten noch brig gebliebenen Krten wurden vertankt und ich begab mich auf die nchtliche Reise gen Hamburg. Wieder einmal musste ich feststellen, dass das Rock Hard Festival seinen Ausnahmestatus zurecht hat. Es ist nicht zu gro und nicht zu klein, es ist fr jeden Musikgeschmack etwas dabei und die gesamte Atmosphre auf und neben dem Festival sucht seinesgleichen. Und gerade dieser familire Aspekt ist es, der diesen Reiz ausmacht. Wir sehen uns im nchsten Jahr! (Marc Schallmaier)





Black Star Riders Black Star Riders Doro Flotsam and Jetsam Kreator Pentagram Refuge Refuge Sinner Sinner Venom Voivod Voivod
<< vorheriges Review
A CHANCE FOR METAL FESTIVAL - Andernach, Juz Live Club
nchstes Review >>
INCERTAIN, SHREDHAMMER - Florinsmarkt, Koblenz


Zufällige Reviews