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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ARCH ENEMY, NAILED TO OBSCURITY, SECUTOR
Ort Andernach, Juz Live Club
Datum 09.05.2015
Autor Mario Loeb
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Manchmal reibe ich mir noch die Augen, wenn ich sehe, dass eine Band wie Arch Enemy noch im kleinen JUZ Live Club in Andernach spielt. Vom Knnen und vom Schaffen her sollten sie eigentlich lngst dicken Headliner-Status haben und viel grere Hallen fllen knnen. Um so schner fr unsere Region, dass man die Band fr einen echt fairen Preis auch noch bei uns bewundern kann. Wen wundert es da, dass die Kapazitt des JUZ Live Clubs voll ausgelastet und die Halle ausverkauft war. Es war so, als htte das "ACFMF" eine Woche vorher gar nicht aufgehrt. So standen viele der Leute, die am WE zuvor schon in Andernach waren, wieder eintrchtig an der Bierbude, als wren sie noch brig geblieben. Gut fr den Metal, gut frs JUZ und alle, die gekommen waren, sollten es nicht bereuen.

Secutor Secutor Secutor

Die Thrash Metal-Band aus Koblenz war dafr verantwortlich, die Leute als erste Band in Stimmung zu bringen. Es war mir eigentlich auch von Anfang an klar, dass sie bei ihrem (Fast-)Heimspiel keine Probleme damit haben wrden. Was sie dann auch nicht hatten. Bei mir geht 80s-Thrash eh immer. Aber selbst die etwas jngere Generation, mit Ktzchenohren als Accessoire, schienen mchtig Spa zu haben und Katzenohren scheinen beim Bangen auch nicht sonderlich zu stren. Fr mich als Alt-Metaller ist das zwar ein zugegeben bizarrer Anblick, aber es ist doch schn zu sehen, dass sich auch die jngere Generation noch fr diese Art von Musik begeistern kann. Wre ja schlimm, wenn bald nur noch dickbuchige alte Mnner, wie ich es bin, vor der Bhne stehen. Secutor haben auf alle Flle alles dafr getan, auch dieser Generation im Gedchtnis zu bleiben. Bobby Bald, seines Zeichens Frontmann von Secutor, hatte wie gewohnt das Publikum von Anfang an im Griff und berzeugte mich einmal mehr. Passend dazu lieferte seine Kombo einen starken Auftritt ab, der entsprechend von Publikum mit fliegenden Harren und gestreckten Fusten in der Luft belohnt wurde. Da bleibt eigentlich nur noch zu sagen "Raise the Tankard". Nix zu meckern. PROST!

Nailed To Obscurity

Die Jungs aus Ostfriesland hatten es da vom Stand her schon etwas schwerer beim Publikum, der stark Doom-angehauchte Death Metal war dann vielleicht doch etwas zu dster fr manchen Besucher. Was sehr schade war, denn Nailed To Obscurity haben mir richtig gut gefallen und haben mehr als nur eine professionelle Show geboten. Schwermtige Riffe gepaart mit der ntigen Brutalitt lieen eine finstere Atmosphre entstehen, die Liebhabern dieser Musik, wie ich es bin, ein Lcheln ins Gesicht zauberten. Handwerklich war das auch mal alles erste Sahne, sodass Nailed To Obscurity einen richtig guten Eindruck hinterlieen. Leider aber auch fragende Gesichter, aber diese Sparte von Musik mag man eben oder nicht. Viel wichtiger ist, dass die Leute, die es mochten, sich den Namen merken werden, ich habe ihn auf alle Flle dick notiert. Trotz ein paar Nrglern, die es ja immer gibt, wurden aber auch Nailed To Obscurity gegen Ende noch gut abgefeiert und bekamen so ihren verdienten Lohn fr einen tollen Gig.

Nailed To Obscurity Nailed To Obscurity Arch Enemy

Im Gegensatz zu Rosa, das als "Mdchenfarbe" gilt, verbinden wir Blau mit kleinen Jungs. Ob das auch noch fr die Zukunft gilt, bleibt die Frage, denn im Metal steht die Farbe Blau dank einer jungen Dame aus Kanada namens Alissa White-Gluz lngst fr etwas ganz anderes, sie steht fr Aggression, Energie, Wildheit, Unabhngigkeit, Coolness, Athletik und Growls, bei denen so mancher Mann vor Neid erblassen wrde. Also fr alles andere, was wir normalerweise als "Rosa Mdchentrume" bezeichnen. Das Schne dabei ist, Alissa schafft es, all das zu verkrpern, ohne auch nur eine Sekunde ein Stck ihrer Weiblichkeit oder an Charme zu verlieren. So ist es kein Wunder, dass das Publikum in Andernach vom ersten Ton an, den Alissa White-Gluz singt, bei "Yesterday Is Dead And Gone" ihr hoffnungslos verfllt. Bei aller Begeisterung von mir fr die 29-Jhrige, die Band um Kopf Michael Amott stehen ihrer Frontfrau in nichts nach. Man kann Melodic Death Metal nicht besser komponieren und live Prsentieren. Das wei auch wohl Jeff Loomis (Ex-Nevermore), der sich im November 2014 als Tour-Gitarrist von Arch Enemy anheuern lie und nun wohl fest in der Band. In der Zeit, in der die Fachwelt darber philosophiert hat, was einen solchen Ausnahmegitarrist dazu bringt, dieses Angebot anzunehmen, geben Arch Enemy die Antwort auf ihrer Tour an jedem Abend. Die Antwort ist einfach, es passt einfach und Loomis und Amott sind im Melodic Death-Bereich wohl zur Zeit einfach ein musikalisches Traumpaar, was sie auch an diesem Abend unter Beweis stellten. Unglaublich war nur das bei der Hitze Musiker wie Bassist Sharlee oder Michael noch dicke Jacken trugen und trotzdem noch den Gig ohne umzufallen zu Ende spielten. In etwas mehr als eineinhalb Stunden rissen die US-Skandinavier die Htte ab und lieen dabei keine Hits aus. So standen "War Eternal", "You Will Know My Name" oder "Dead Eyes See No Future" genauso auf der Setliste, wie "Nemesis" zum Abschluss des Konzertes. Einzig der Sound war an manchen Stellen nicht ganz so gelungen, was aber nichts daran ndert, dass ich mich jetzt schon wage, mich aus dem Fenster zu lehnen und zu behaupten, das war 2015 wohl das absolute Konzert-Highlight diesen Jahres im JUZ Live Club.

Fazit: Wir lernen, dass Mdchen blau tragen knnen, dass Mnner Rosa tragen knnen (JBO), solange sie nur dahinterstehen, ihrer Sache volle Aufmerksamkeit schenken und ihr Herzblut in ihre Projekte reinstecken. Also weg mit dem Schubladendenken und wer wei, vielleicht gibt es ja auch mal eine Sngerin mit Katzenhrchen, die der neue Stern am Doom Metal-Himmel wird. Denn Du kannst alles sein. Alles was Du willst: "We Will Rise!"

Setlist: Arch Enemy

  • Yesterday Is Dead and Gone
  • Burning Angel
  • War Eternal
  • Ravenous
  • Stolen Life
  • My Apocalypse
  • You Will Know My Name
  • Bloodstained Cross
  • Taking Back My Soul
  • As the Pages Burn
  • Dead Eyes See No Future
  • Avalanche
  • No More Regrets
  • No Gods, No Masters
  • We Will Rise
  • Tempore Nihil Sanat (Prelude in F minor)
  • Never Forgive, Never Forget
  • Snow Bound
  • Nemesis
  • Fields of Desolation





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