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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SILVERSTEIN, LONELY THE BRAVE, AS IT IS
Ort Hamburg, bel & Gefhrlich
Datum 16.04.2015
Autor Marc Schallmaier
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Es gab einiges zu Feiern an dem heutigen Abend. Die Band SILVERSTEIN feierte ihren 15. Geburtstag, und weiterhin wurde auch der zehnte Geburtstag des Albums "Discovering The Waterfront" zelebriert. Diese Verffentlichung war der Durchbruch fr die Kanadier von SILVERSTEIN. Zwar war es bereits ihr zweites Album, aber mit diesem konnte man sich international Gehr verschaffen. Das Konzert fand im bel & Gefhrlich statt. Eine kleine aber feine Konzertbhne, die sich in einem ehemaligen Bunker aus dem 2. Weltkrieg befindet, der mitten in Hamburg liegt. Dieser Bunker wurde mittlerweile umfunktioniert, und es befinden sich Ateliers, Geschfte und eben diese Konzert Location darin.

As It Is As It Is

Der Abend begann mit der noch sehr jungen Band AS IT IS aus Brighton in England. Da ich im Vorfeld des Konzertes keine Infos bekommen hatte, ob und wenn ja welche Vorbands denn spielen, ging ich den Auftritt relativ unvoreingenommen an. Leider war schon nach zwei Songs klar, wohin die Reise bei AS IT IS geht. Die Truppe spielte ziemlichen Durchschnitts Pop Rock, wobei der Schwerpunkt ganz klar auf Pop liegt. Blo nicht zu viele verzerrte Gitarren, keine Geschwindigkeitsverschrfungen und immer darauf achten, dass die Frisur sitzt. Das waren AS IT IS. Snger Patty Walters, der auch ohne Probleme als kleiner Bruder von Justin Bieber durchgehen wrde, lchelte immer freundlich die Backfische in den ersten, noch sprlich besetzten, Reihen an. Musikalisch riss das auch keinen vom Hocker. Die Musiker spielten ihre simplen 08/15 Songs, sahen aber uerst konzentriert und angestrengt aus. Der Auftritt hatte etwas von einer Schlerband, die gerade das erste Mal zusammen "Smoke On The Water" vor dem Rest der Schule spielen sollte. Erbrmlich. Zum Glck war der Spuk nach 25 Minuten vorbei.

Einen Vorteil hat so ein Rohrkrepierer natrlich zu Beginn eines Konzertes: es kann nur besser werden. Und man schraubt automatisch die Erwartungen nach unten. Als nchstes kamen dann LONELY THE BRAVE auf die Bhne. Und ich war dann doch erstaunt, was die Band aus Cambridge da ablieferte. Die Rockmusik der Briten ist vielschichtig und kraftvoll, Anleihen von anderen Genres wrden hier jetzt den Rahmen sprengen. Es wird gemischt was gefllt, und das machen LONELY THE BRAVE richtig gut. Skurril an der ganzen Nummer war die Tatsache, dass Snger David Jakes an der linken Seite der Bhne stand, dazu noch recht weit hinten und auf die Bhne schaute und sang. Den Part des Frontmanns bernahm Gitarrist Mark Trotter, der sich auch um die Ansagen und die Kommunikation mit dem Publikum kmmerte. Ich hab keine Ahnung, warum der Snger sich freiwillig so ins Abseits stellte, denn seine gesangliche Leistung war nicht nur ber jedem Zweifel erhaben, sondern auch richtig gut. Scheint aber ein "normales" Phnomen bei LONELY THE BRAVE zu sein, wie mir von anderen berichtet wurden, die das Vergngen hatten, die Band schon einmal live zu erleben. Die Truppe besteht noch nicht allzu lange, aber als Freund von tiefgrndiger Rockmusik, die auch gerne mal Alternative, Independent oder auch Grunge Anleihen vertrgt, sollte man sich den Namen ganz oben notieren. Starker Auftritt, der richtig Spa machte. Aber auch die Englnder durften nur knapp eine halbe Stunde ran. Hiervon htte ich gerne mehr gehrt.

Lonely The Brave Lonely The Brave

Das bel & Gefhrlich war nun rappelvoll, es gab mal wieder keinen Fotograben, und so machte ich mich zum Ende der Umbaupause auf dem Weg direkt vor die Bhne um ein paar gute Fotos zu machen. Leichter gesagt als getan, denn viele waren nur wegen SILVERSTEIN hier. Es war eng, es war warm, und die meisten um mich herum waren auch verdammt jung. So what, das war ich auch mal, und besser zu SILVERSTEIN gehen als zu Hause irgendeine Scripted Reality Scheisse im Fernsehen gucken. Die Kanadier kamen dann auch unter groen Jubel auf die Bhne, und die Band legte gleich mal mit "Smashed Into Pieces" und "Massachusetts" ordentlich los. Was ich schon immer an der Band mochte, war die Hingabe, mit der die Songs dargeboten worden. Dazu gehrt auch Bewegung und Interaktion mit dem Publikum. Die Jungs hatten richtig Bock, wiesen mehr als einmal darauf hin, dass Hamburg eine ihrer ersten Stationen berhaupt in Europa war, und wie sehr sie diese Stadt auch mgen. Weiter ging es mit "Sacrifice", "Stand Amid The Roar", "Vices" und "The Artist". Danach gab es mit "Milestone" einen Song vom neuen Album zu hren, der mich doch erstaunen lie. Schon immer mochte ich besonders die Metal Anteile in den Songs von SILVERSTEIN, aber diese neue Granate ging ab wie eine Thrash Metal Nummer. Mehr davon bitte! Nach dem folgenden "Bleeds No More" gab es eine kurze Pause. Das Backdrop wurde gewechselt, und nun konzentrierte man sich vllig auf "Discovering The Waterfront", denn die Platte wurde komplett durchgespielt. Fr mich ein echtes Highlight, denn ich halte diese Scheibe fr eine der besten aus dem Bereich Screamo, Post Hardcore oder wie man auch immer diese Musikrichtung nennen will. Stilecht zum Geburtstag wurde auf der Bhne auch Wein getrunken, den Snger Shane Told in schner Regelmigkeit seinen Mitstreitern in bereitgestellten Glsern eingoss. So ging es also los mit "Your Sword Versus My Dagger" und "Smile In Your Sleep", und die Halle kochte. Frenetisch wurde gehpft, getanzt, gepogt und mitgesungen, was die Kehlen hergaben. Ein Fan aus der ersten Reihe stach da wohl besonders hervor, denn Shane bat den Typen dann auf die Bhne. Er fragte ihn nach seinem Namen ("Gregor"), und dieser Name ist fr einen Kanadier wohl nicht aussprechbar. Shane probierte es zweimal, lie es dann mit einem lauten Lachen und bergab das Mikro an den Fan, der den nchsten Song singen sollte. Das Ergebnis war eher, nun ja, suboptimal, so dass der aufgeregte Gregor wieder zurck vor die Bhne durfte. Ein groer Spa, der das gesamte Konzert auflockerte. Weiter ging es dann mit "Ides Of March" und "Fist Wrapped In Blood", bevor mit dem Titelsong "Discovering The Waterfront" wirklich alle Dmme brachen. Immer wieder forderte die Band das Publikum zum mitsingen auf, was sich nicht zweimal bitten lie und den Refrain voller Inbrunst mitsang. SILVERSTEIN gaben alles, und die Fans dankten es ihnen. Der Sound war hervorragend, und das Ganze war ein einziger Triumphzug des kanadischen Quintetts. Es kamen dann noch die restlichen Songs des Albums, "Defend You", der Superhit "My Heroine", "Always And Never", "Already Dead" sowie "Three Hours Back" und "Call It Karma". Die beiden letzten Tracks wurden dann als Zugabe gespielt, bevor endgltig der Vorhang fiel und die durchgeschwitzte Masse in die khle Nacht entlassen wurde.

Ein starkes Konzert mit allem was dazu gehrt, so lautet das Fazit des heutigen Abends. Ein superber Headliner, eine starke Vorband und ein Publikum, das richtig Bock hatte. SILVERSTEIN werden im Herbst erneut auf Tour sein, diesmal um ihre neue Platte vorzustellen. Ich persnlich kann nur empfehlen, sich die Band einmal live anzuschauen.



Silverstein Silverstein Silverstein Silverstein Silverstein Silverstein



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