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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KISSIN' DYNAMITE, THE BULLETMONKS
Ort JuZ Liveclub,Andernach
Datum 2015
Autor Mario Loeb
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Ja, ist es denn die Mglichkeit?! War das JUZ in Andernach ja letztes Jahr noch mein zweites Wochenende-Wohnzimmer, so dauerte es dieses Jahr tatschlich bis zum April, bis ich die Hallen in Andernach betrat. Nicht, dass ich nicht auf Konzerten gewesen wre, im Gegenteil, aber irgendwie hatte mich das JUZ mit U.D.O. und Corvus Corax nicht locken knnen. Um so erfreulicher, dass mit Kissin' Dynamite eine Band spielte, die als prima Trainingslager fr das "A Chance for Metal"-Festival eine Woche spter diente. Nicht, dass einen die Leute nicht mehr erkennen, die Security nach dem Ausweis fragt oder man sich auf dem weitlufigen Gelnde noch verirrt! Auch musikalisch war ich gespannt, wie Kissin' Dynamite sich auf ihrem Abschlussgig der "Megalomania"-Tour zeigt und wie die neuen Stcke des gleichnamigen, frisch gepressten Silberlings so wirken, da ich ja an der neuen Platte etwas rumgekrittelt habe und nicht ganz warm mit ihr wurde, obwohl ich den Schwaben auch in meiner Review eine anstndige Scheibe besttigt habe.

Bullet Monk

Etwas mit Versptung in Andernach angekommen, erkannte mich auch das Personal noch an der Kasse und lie mich durch. Auch die hauseigenen Bedienungen erkannten mich noch und wollten sogar kurz geknuddelt werden. Glck gehabt. Fototasche abgeben und schnell zur Bhne, denn The Bulletmonks aus Nrnberg waren schon im vollen Gange. Nur eine Staubwolke von mir und trauriges Thekenpersonal blieb zurck, mit der Frage im Kopf: "Ist der Schreiberling krank?! Nicht mal ein Bier mitgenommen." Allen unseren Lesern sei gesagt: ja, ich war an diesem Tag wirklich krank. Fr alle, die sich jetzt freuen sollten: Pech gehabt, mir geht es schon wieder besser! HA HA. Zwar konnten The Bulletmonks meine Bauchschmerzen nicht lindern, aber immerhin trug die Musik zu Steigerung meines Wohlbefindens und zur Verbesserung meiner Laune bei. Die Musikrichtung einzuordnen fiel ausnahmsweise auch nicht schwer. Es gab als Appetitanreger fein gespielten, hausgemachten Hardrock. Manchmal kann das Leben so einfach sein. So lag auch von Anfang an eine musikalische Leichtigkeit in der Luft, die viel Spa versprhte. Die Band um die Brder Tyler Voxx und "Dangerous" Dan spielten ihre Stcke mit viel Leidenschaft und zeigten dabei eine tolle Bhnenprsenz, wie man es nicht von jeder "Vorgruppe" kennt. Ganz unerfahren sind The Bulletmonks dabei auch nicht, so ist ihr Debtalbum "Weapons of Mass Destruction" schon 2009 erschienen und man konnte sich seitdem auch schon live einige positive Referenzen erspielen, wie z.B. durch gemeinsame Auftritte mit Volbeat oder WASP. In der Zwischenzeit legte man mit "Royal Flush on the Titanic" (2012) und zuletzt "No More Warnings" (2014) zwei Longplayer nach, die ebenfalls recht gute Kritiken bekamen. Kein Wunder also, dass es der Band relativ leicht gelang, das Publikum mit ihren Stcken zu begeistern. Es mag zwar sein, dass die Lieder alle kein Hexenwerk sind und es sogar eine bse Stimme gab, die meinte, die Musik sei langweilig, (die Person mchte unerkannt bleiben aus Angst, dass sie der Band beim nchsten Mal ein Bier ausgeben muss) aber muss es denn immer progressive bis zum Anschlag sein? Oder wrde jemand bei U.D.O. behaupten, die spielen seit 100 Jahren denselben Heavy Metal, wie langweilig? Nein! Und bei den Franken war es auch nicht anders, denn die Musik groovte, die Show passte und auch das schlichte Bhnenbild mit Seitenaufstellern, Backdrop und ein wenig Nebel ergnzte die Sache prima. Wenn du dann als Band noch einen Frontmann wie Tyler Foxx, mit so toller Stimme, hast, kann eigentlich nichts schief gehen und ging es auch an diesem Abend nicht. Wer wissen will, was langweilig ist, kann sich ja den Saisonrckblick 2014/2015 des FC Bayern Mnchen ansehen.

Kissing Dynamite

Als Kissin' Dynamite die Bhne betrat, werden wohl so um die 125 zahlende Gste im Juz anwesend gewesen sein. Optisch hat man ein wenig nachgerstet, im Vergleich zu dem letzten Gig, bei dem ich sie gesehen habe, sodass man ein kleines aber feines Bhnenbild bewundern konnte. Einzig allein die Plastikdynamitstangen rechts und links auf den Marshallverstrkern erinnerten ein wenig an etwas berdimensioniertes Playmobil-Spielzeug. Aber da echtes T.N.T. wohl auch keine gute Alternative gewesen wre, fand ich den Gag, dass ein wenig Rauch aus ihnen kam, wie beim Intro, ganz gut. Als kleiner Tipp: vielleicht wrde es noch cooler wirken, wenn man mit Hilfe von etwas hnlichem wie einer eingebauten Wunderkerze eine Zndschnur nachahmen wrde. Was dafr geeignet wre, auch wegen des Brandschutzes, msste man eben mal eruieren. Nicht, dass man noch die Bhne ankokelt. Auch ohne Brandbeschleuniger legten Kissin' Dynamite mit "DNA" und "Running Free" gleich zu Beginn ein glhend heies Brett auf die Bhne. Schon beim Opener "DNA" war das Publikum mit voller Wucht da und grlte mit. Damit nahmen die Jungs aus dem Schwabenlndle mir auch schon die grte Sorge des Abends: wie wrden die Songs des neuen Silberlings live wirken? Ich hatte so meine Zweifel, die aber unberechtigt waren. Anders als auf der CD, rocken die Stcke gewaltig und stehen den alten Klassikern in nicht viel nach. Also liegt es dann doch nicht an der Qualitt der Lieder, sondern eher an der mir etwas zu sterilen Produktion, dass die neue Platte nicht sofort bei mir zndete, wie noch die ersten Scheiben. Live wirkt das zum Glck dann doch viel brachialer und dynamischer. Auf die Bhnenprsenz braucht man bei Kissin' Dynamite eigentlich nur kurz einzugehen, denn das ist jetzt schon Weltklasse und ganz weit vorn und bei dieser Beurteilung nehme ich kein Bandmitglied aus. Schon etwa zur Mitte des Sets mit "Maniac Ball" und "God in You", inklusive dazwischen liegendem Schlagzeugsolo, wurde das "leider" nicht ausverkaufte JUZ zur Sauna und nicht nur die Mitglieder von Kissin' waren schon ordentlich durchgeschwitzt, sondern auch das Publikum. Es wurde also Zeit fr eine kleine Balladen-Verschnaufpause mit "Six Feed Under" und "Fireflies". Beide Songs boten gemeinsame Gnsehautmomente, als Hannes' Gesang und die Akustik-Gitarren zu einer Einheit verschmolzen. Dies ist die Stelle, an der man Johannes (Hannes) Braun einfach dann doch noch einmal ein Sonderlob aussprechen muss. Seine Kollegen mgen es mir nachsehen, egal wie gut alle Musiker sind, doch er nimmt als Fronter eine unglaubliche Ausnahmestellung ein. Er ist eine moderne Mischung aus Robert Plant und Sebastian Bach. Kissing Dynamite Das liest sich total berladen, aber trifft es auf den Punkt, denn der Snger hat eine Stimme, die eine Klarheit besitzt, welche man wohl in Deutschland nicht sofort ein zweites Mal findet. Wie er z.B. den Abschlusston von "Fireflies" singt und ihn immer weiter zieht, ist Gnsehaut pur, ohne dabei sichtbar auch nur die kleinste Anstrengung zu empfinden. Lieber Hannes, wenn ich jemanden mit Robert Plant vergleiche (nicht unbedingt stimmlich, sondern eher als Gesamtpaket), ist es das dickste Kompliment, was ich vergeben kann. Leute, die mich kennen, wissen das. Danach war dann aber auch Schluss mit der Erholungspause und im Abschlussdrittel des Sets wurde dann nochmal zusammen mit den Fans zu "Hysteria", "Steel of Swabia" oder "I will be King" krftig abgerockt. Kissin' Dynamite hinterlie also mehr als nur einen positiven Eindruck in Andernach und untermauerte noch einmal, dass man von der Band noch vieles zu erwarten hat. Vorausgesetzt die Leidenschaft an der Musik, die man allen Beteiligten in jeder Sekunde anmerkt, geht nicht verloren und man lsst sich nicht von irgendwelchem Mainstream beeinflussen.

Fazit: Es war ein toller Abend mit zwei richtig gut aufgelegten Bands. Das Publikum, was generationsmig sehr durchmischt war, nahm das Konzert dankend an und gab stimmlich alles. Ein dickes Lob geht zustzlich an die Technik, die einen echt schnen Sound hinbekommen hat. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dann aber doch noch, der sich an Kissin' direkt richtet: was fllt Euch nur ein, "Addicted to Metal" aus dem Programm zu schmeien? Was ist denn mit Euch los?! (Autor grinst!) Also bitte wieder in die Setliste mit aufnehmen, der Song ist Pflicht. Deep Purple kommt ja auch nicht auf die Idee, kein "Smoke on the Water" zu spielen. Vielen Dank!

Kissing Dynamite

Setlist: Kissing ' Dynamite

  • DNA
  • Running Free
  • VIP in Hell
  • She's a Killer
  • Money, Sex & Power
  • Maniac Ball
  • Drum Solo
  • God in You
  • Love Me, Hate Me
  • Six Feet Under
  • Fireflies
  • Sex Is War
  • Hysteria
  • Steel Of Swabia
  • Ticket to Paradise
  • I Will Be King
  • Operation Supernova





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