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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing EMP PERSISTENCE TOUR 2015
Ort Groe Freiheit, Hamburg
Datum 16.01.2015
Autor Marc Schallmaier
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Es ist mittlerweile gute Tradition, dass zu Beginn eines neuen Jahres ein ordentliches Hardcore Paket unter dem Banner eines groen Online Merchandise Ladens durch Deutschland/Europa tourt. Und das Ganze auch noch fr wenig Knete. In diesem Jahr war das Package mehr als ordentlich besetzt, und mit IGNITE war eine Band am Start, die man nicht alle Jahre zu Gesicht bekommt. Also machte ich mich direkt nach der Arbeit auf den Weg zur Groen Freiheit, da auch schon die Vorbands gute Unterhaltung versprachen.

All For Nothing All For Nothing

ALL FOR NOTHING
Ich war auch ziemlich frh da, und beim Einlass klappte auch alles ohne Probleme, aber BROKEN TEETH habe ich dann doch verpasst. Gut, kann man nix machen. Da insgesamt sieben Kapellen zum Tanz aufspielten, musste die Show relativ frh beginnen. So konzentrieren wir uns direkt auf ALL FOR NOTHING. Die Niederlnder waren mir nicht unbekannt, habe ich sie doch vor ein paar Jahren nahezu an gleicher Stelle (nur eine Stockwerk tiefer; da befindet sich der Kaiserkeller) als Support von SICK OF IT ALL gesehen. Sngerin Cindy und ihre vier mnnlichen Kollegen nutzen die rund dreiig Minuten optimal, Songs wie "Point Of View", "I Will Arise" oder auch "Dead To Me" knallen ganz gut, und das Publikum spendet wohlwollenden Applaus. Der Set war dann auch zgig am Ende angelangt, da ALL FOR NOTHING sich nicht mit viel Ansagen oder hnlichem aufhielten, sondern zgig Ihr Programm runter spielten. Dies mit viel Herzblut und Enthusiasmus. Etwas mehr Abwechslung wrde den Songs ganz gut tun, aber die Truppe ist ja noch relativ jung, das kann also noch was werden.

TURNSTILE
Als nchstes kamen dann TURNSTILE. Die Amerikaner aus Baltimore waren die jngste Band des Abends. Ich selber kannte kaum Material der Truppe, mir wurde aber zugetragen, dass die Band sich den ganz alten Hardcore Regeln verschrieben hat. Kaum ein Song geht lnger als 2 Minuten, auf der Bhne wird sich bewegt wie die Flummis, und das Publikum MUSS mit einbezogen werden. So kam es des fteren vor, dass Snger Brendan Yates ber den Fotograben direkt an den Zaun zum Publikum sprang, und sein Mikro mit der ersten Reihe teilte. Manchmal berlie er den wenigen textsicheren Zuschauern auch sein Mikrophon, und zog sich als Frontmann zurck. berhaupt war Brendan Yates ein echter Blickfang. Der sprang und rannte ber die Bhne als ginge es um sein Leben, und bereits nach dem ersten Song zog er sich sein T-Shirt aus und entblte seinen doch beeindruckendem Oberkrper, der nicht von einem einzigen Tattoo (!) verziert ist. Die anwesenden weiblichen Zuschauerinnen nahmen das mit sehr groem Interesse war. Ansonstenprgelten TURNSTILE ihre kurz und knackigen Songs wie "Gravity" oder auch "Pushing Me Away" von der Bhne und konnten doch den einen oder anderen Zuschauer fr sich begeistern.

Ryker's Ryker's

RYKER'S
Die RYKER'S aus Kassel durften dann die Bhne entern. Obwohl sie eine der bekanntesten und auch erfolgreichsten Hardcore Bands aus Europa waren/sind, konnte ich persnlich nur wenig mit der Band anfangen. Und der Beginn des Auftritts war doch ein wenig schleppend. So dauerte es rund zehn Minuten, bis Band und Publikum auf Betriebstemperatur waren. berrascht war ich ein wenig von der Tatsache, dass die RYKER'S ihrem Sound ein klein wenig mehr in Richtung Metal geschoben hatten. Sptestens, als die Kassler einen kurzen Tribut an den verstorbenen Jeff Hanneman von SLAYER zollten und "Raining Blood" anspielten, wurde dies berdeutlich. Noch berraschter war ich allerdings von dem Effekt, der dieses kurze Intermezzo auf das komplett Hardcore Publikum erzeugte. Groer Jubel, Fuste schnellten noch oben und diverse Leute begannen ihre (eher kurzen) Haare zu schtteln. Es ist dann schn anzusehen, dass die verschiedenen Genres Metal und Hardcore doch enger beisammen liegen als man glauben mag. Zum Ende spielten die RYKER'S dann noch ihre bekanntesten Songs wie "Cold Lost Sick" oder auch "True Love", und der Mob vor der Bhne gab nun Vollgas.

WALLS OF JERICHO
Dann war Zeit fr WALLS OF JERICHO. Seitdem ich die Band das erste Mal gesehen hatte, war ich total begeistert von der Combo. Starke Songs, und eine Frontfrau, die nicht nur unfassbar gut schreien konnte, sondern auch eine echte Rampensau ist. Im Nu hatten die Amerikaner das Publikum auf Ihrer Seite und spielten einen energiegeladenen Set, der sich gewaschen hatte. "The Ministry", "Feeding Frenzy", "All Hail The Dead" oder auch "The American Dream", eine Granate nach der nchsten wurde gezndet. Sehr oft rufen die Snger von Hardcore Bands ihr Publikum dazu auf, doch mal bitte einen Circle Pit zu starten. Bei Frontfrau Candace wird das aber auch direkt in die Tat umgesetzt. Und berhaupt, die Dame ist wohl seit einiger Zeit krftig am Gewichtheben. Jedenfalls sind ihr Kreuz und ihre Oberarme beeindrucken gewachsen. Auch wenn es schon seit lngerer Zeit kein aktuelles Material von der Band gibt, wurde doch jeder Song abgefeiert. So verging der Auftritt auch wie im Flug und danach konnte man die ersten erschpften Gesichter im Publikum erkennen. Aber der Abend ging ja noch weiter, und ich war gespannt, in wie weit die Raserei vor der Bhne noch ausarten wrde.

Ignite Ignite

IGNITE
So war es gar nicht schlecht, dass mit IGNITE eine Band auf die Bhne ging, die man eher als melodisch betrachten kann. Wobei "melodisch" eher im Kontrast zu den voran gegangen Bands und dem, was noch kommen sollte, gesehen werden muss. Denn auch IGNITE haben schon seit lngerer Zeit kein neues Material mehr fabriziert, aber sie haben mit dem Album "Our Darkest Days" einen Hardcore Klassiker des neuen Jahrtausends in der Hinterhand. Und so gab es gleich zu Beginn "Poverty For All", "Fear Is Our Tradition" und "Let It Burn" von diesem Album. Die Zuschauer in der ausverkauften Groen Freiheit gingen weiterhin gut mit, und wenn Snger Zoli Teglas zwischendurch seine politischen Statements abgab, war zuhren Pflicht. Obwohl ich mich sehr auf diesen Auftritt gefreut hatte und man im Groen und Ganzen auch sagen kann, dass es ein gutes Konzert von IGNITE war, so wirke die Band doch ein klein wenig zu routiniert und auch reserviert. Man hatte das Gefhl, dass IGNITE ihren Set und ihre Show runter kurbelten, und lieen einfach ein klein wenig die Energie vermissen, die allein schon ihre starken Songs erzeugen knnen. Zum Ende hin gab es dann doch tatschlich einen neuen Song, dessen Namen ich allerdings vergessen habe, dem man aber ohne wenn und aber sofort IGNITE zuordnen kann. Als Abschluss dann noch die Granate "Bleeding", dass mittlerweile auch gerne mal von MACHINE HEAD live eingestreut wird. Ein solider Auftritt, den ich persnlich aber etwas enttuschend fand.

SICK OF IT ALL
Als Headliner gab es dann noch einmal das volle Brett. SICK OF IT ALL wollten dem Publikum nun den Rest geben, und das schafften sie im Handumdrehen. Es gab einen guten Querschnitt durch das gesamte Schaffen der Band, mit alten Hits wie "Clobberin' Time", "Step Down" oder "Sanctuary", aber auch Stck aus neueren Zeiten wie "Uprising Nation", "Get Bronx" oder "DNC". Die Zuschauer gaben noch einmal Vollgas und gingen komplett steil. Ich wei nicht, wie oft ich SICK OF IT ALL schon gesehen habe, aber das Quartett aus New York wurde mir noch nie langweilig und ich wrde sie mir immer wieder anschauen. Bewundernswert auch die Tatsache, dass die Band im nchsten Jahr ihren 30 Geburtstag feiert (!), und Lou Koller immer noch so jung aussieht, als ich die Band das erste Mal Mitte der 90er Jahre in der Hamburger Fabrik gesehen habe. Unfassbar. Stndig gute Alben und Songs, energiegeladene Shows inklusive springen wie die Flummis und keinen Line Up Wechsel in drei Dekaden. Respekt! Snger Lou war es dann auch, der sich bei dem Publikum und der Treue seiner Fans bedankte, ohne die man jetzt nicht da stehen wrde wo man war. berhaupt ist der Mann ein geborener Entertainer, ganz egal ob er im Kaiserkeller von 150 Leuten oder in Wacken von 25.000 Leuten steht. Zum Ende des Auftritts gab es dann den blichen Klassiker, nmlich "Us vs. Them". Dafr holten sich SICK OF IT ALL aber Untersttzung auf die Bhne. Candace Kucsulain von WALLS OF JERICHO schnappte sich ein Mikro, um den Song gemeinsam mit Lou zu singen. Wobei man fast schon sagen musste, dass die Dame ihr Mikro mit mehr Intensitt bebrllte als Lou von SICK OF IT ALL. Ein schner Abschluss eines tollen Konzertabends.
Es gab einen Haufen toller Bands fr wenig Geld, und man kann nur hoffen, dass auch im nchsten Jahr diese Tour so hochkartig besetzt ist wie dieses Jahr.





Sick of it All Sick of it All Sick of it All Sick of it All Turnstile Turnstile Ryker's Walls of Jericho Walls of Jericho Walls of Jericho Walls of Jericho Ignite



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