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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing FRONTIERS ROCK FESTIVAL, MAILAND
Ort Mailand
Datum 1.-3. 5. 2014
Autor Martin Stark (MS) und Lars Sievers (LS)
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In Trezzo Sul'Adda (ca. 30 km von Mailand entfernt) befindet sich eine hochmoderne, grozgig angelegte (Live-)Club-Anlage, die mit guter Technik, einem netten Auenbereich und aber auch mit leicht chaotischer Organisation (z.B. im Gastrobereich) daherkommt. Wre da nicht die vergleichsweise abgeschiedene Lage in einem schmucklosen Gewerbegebiet, so wren vermutlich auch mehr als die knapp tausend Musikfreunde angereist. Diese feiern jedoch als gbe es kein Morgen. Bei dem Line-Up auch mehr als verstndlich.

Tag 1
Frontiers Rock Festival

State Of Salazar erffnen ein groartiges Festival mit traditionellen AOR-Klngen ihres noch nicht verffentlichten Schweden-Happens. Fehlende Live-Routine, aber gefllige Songs markieren einen vielversprechenden Auftakt. (MS)

Frontiers Rock Festival

Ihre Landsleute Dalton tauchen nach zwei grandiosen Alben Ende der Achtziger endlich wieder aus der Versenkung auf und geben sogar einen Ausblick auf das kommende neue Scheibchen. Lssig dargebotener Skandinavien-Bombast-AOR vom allerfeinsten. (MS)

Three Lions stellen fr zahlreiche Besucher eine DER berraschungen des Wochenendes dar. Ihr sehr britischer AOR/Hardrock findet sehr viele neue Freunde. Frontmann und Bassist Nigel Bailey ist gleichermaen souvern wie sympathisch und Gitarrist Vinny Burns (ex Ten, Dare) ist ohnehin ein Meister seines Fachs. (MS)

Frontiers Rock Festival

Snakecharmer lassen, wie der Name schon vermuten lsst, die weie Schlange aufleben. Bassist Neil Murray sowie Gitarrist Mickey Moody blicken auf eine lange Whitesanke-Karriere zurck und so berrascht es nicht - neben eigenen Stcken - einige Klassiker zu hren ("Slow'n'Easy" oder "Here I Go Again"). Aber auch Ausnahme-Snger Chris Ousey (Heartland) ist kein Unbekannter, besitzt jedoch wenig Bhnenprsenz. (MS)

Frontiers Rock Festival

W.E.T. schmettern 60 unglaublich intensive Minuten in das hungrige Publikum. Eine hnliche Setlist wie auf dem krzlich erschienenen Live-Dokument, jedoch ohne Nummern der anderen Bands der Beteiligten. Magnus Ulfstedt ersetzt temporr den etatmigen Drummer Robban Bck. Emotionaler Hhepunkt: Fronter Soto erinnert mit einem Poster an seinen verstorbenen langjhrigen Freund und Sidekick Marcel Jacob (Talisman). (MS)

Frontiers Rock Festival

Hardline, um Johnny Gioeli, den US-amerikanischen Rocksnger mit italienischen Wurzeln, ist mit einem, verglichen mit der Bandgeschichte, jungen Line-Up unterwegs: Anna Portalupi am Bass, Alessandro del Vecchio an den Tasten und Josh Ramos (L.R.S.) an der Gitarre. Nur Mike Terrana scheint verhindert zu sein, denn die Trommelstcke wirbelt Francesco Jovino. Los geht es mit dem Titeltrack des aktuellen Albums Danger Zone, gefolgt von Hits des 1992er Debts Double Eclipse. Die Setlist besteht aus einer gut gewhlten Mischung. Bassistin Anna wirbelt auf der Bhne, als gb"s kein Morgen und die Band legt Spielfreude an den Tag, weil sie endlich in Italien spielen drfen. Gioeli weist mehrfach auf seine Wurzeln hin, gesteht aber, dass er kein Wort Italienisch kann. Einziger Wermutstropfen der druckvollen Show sind die zahlreichen Soli von Keyboard, Schlagzeug und Gitarre. (LS)

Frontiers Rock Festival

Tesla mit ihrem erdigen, zeitlosen und sehr amerikanisch geprgten Hardrock stellen schon eine Ausnahme dar, weil sie eine der wenigen Bands ohne Keyboard an diesem Wochenende sind. Rampensau Jeff Keith grinst wie ein Honigkuchenpferd, betreibt permanent Interaktion mit dem Publikum und die Band spielt sich souvern durch Neues wie "MP3" und alte Klassiker der Sorte "Hang Tough", lsst aber unverstndlicherweise auch geschtzte Nummern wie "Edison's Medicine" aussen vor. Vor der Bhne rasten mittlerweile gut 800 Rock-Begeisterte und am Bhnenrand zahlreiche Frontiers-Mitarbeiter komplett aus. (MS)

Tag 2

Die Newcomer-Band Adrenaline Rush um die schwedische Sngerin Tve Wanning erffnet den zweiten Tag des FRF. Erstaunlich pnktlich fllt sich die Halle, um die quirlige Band zu feiern, die noch vor ihrem Debt stehen. Ihre knappe Spielzeit nutzt diese aus und untermalt ihre Performance mit professionellem Stage-Acting. Sngerin Tve besticht auerdem durch ihr sexy Outfit. Am Ende fragen sich die begeisterten Fans jedoch, ob die Augen die Ohren nicht etwas getuscht haben. (LS)

Frontiers Rock Festival

Moon Land, ebenfalls ein neues Projekt, diesmal mit estnischem Ursprung, setzen weniger auf Optik. Frontfrau Lenna Kuurmaa stand einst dem bereits Eurovision Song Contest-erprobten Pop-Gruppe Vanilla Ninja vor. Eine blutleere, statische Performance auf der einen, groartige AOR-Songs auf der anderen Seite. Das im Herbst erscheinende Debt sollte man als Anhnger von z.B. Delain im Auge behalten. Sympathische Anekdote am Rande ist ein eine Estland-Fahne schwingender Produzent Alessandro del Vecchio im Fotograben. (MS)

Frontiers Rock Festival

L.R.S. spielen ihren ersten Gig berhaupt. Snger Tommy LaVerdi tobt barfu und wie von der Tarantel gestochen ber die Bhne und intoniert ein Groteil des krzlich erschienenen Debts. Er knnte dabei glatt als Zwillingsbruder von Hardline-Fronter Johnny Gioeli durchgehen. Absolutes Highlight eines guten Gigs: "Livin 4 A Dream". (MS)


Die Schweden Eclipse mausern sich unaufhrlich zum Publikumsliebling auf jedem Festival. Die energischen Melodic und Hardrock-Hymnen sowie sie sympathische Art der Musiker, allen voran Fronter Erik Martensson, begeistern auch das sehr internationale Publikum des FRF. Die Band prsentiert einen gelungenen Querschnitt durch ihre bislang drei Alben. (MS) Frontiers Rock Festival

Je spter der Abend desto lnger die Shows, Red Dragon Cartel bekommen 60 Minuten Zeit, um sich und ihr neues Album vorzustellen. Jake E. Lee lockt zunchst nur wenige Zuschauer in die Halle, erst im Laufe der Show fllt sich der Saal wieder. Schlussendlich stellt der ehemalige Gitarrist von Ozzy Osbourne und Badlands die Fans seiner frheren Schaffenszeit mit einigen Badlands-Covern zufrieden und beschliet das Set mit der Ozzy-Nummer "Bark At The Moon". Da werden die technischen Probleme wie das oft umfallende Overhead-Mikro vom Schlagzeug schnell vergessen. (LS)

Frontiers Rock Festival

Pretty Maids, ber weite Strecken die hrteste Bands des Wochenendes, verbinden gewohnt Melodie und riff-betonte Klnge. Schon nach wenigen Minuten rinnt der Schwei nicht nur bei Frontmann Ronnie Atkins in Strmen. Wie bei kaum einer anderen Truppe knnen neuere Songs wie "My Soul To Take" problemlos mit den geliebten Klassikern mithalten. Neben eben jenen unsterblichen Songs der Sorte "Yellow Rain" oder "Back To Back" ist es genau diese Arbeiter-Mentalitt, welche die Dnen seit jeher in der Szene so populr macht. Daumen hoch! (MS)

Frontiers Rock Festival

Stryper als Headliner? Nicht wenige Rockfans waren zwiegespalten ob der exponierten Rolle der Gelb-Schwarz-Gestreiften. Doch die christlichen Metaller bieten eine erstklassige und mit zahlreichen Hits gespickte Show. Ob es allerdings wirklich zwei Cover-Versionen (u.a. "Shout It Out Loud" von Kiss) bei zahlreichen eigenen Klassikern braucht, bleibt dahin gestellt. Michael Sweet ist bestens aufgelegt und dirigiert seine spielfreudigen Mitstreiter bestens. Egal ob hrtere Klnge wie "Free" oder balladeskes wie "Honestly", der grte Hit der Band, die Amis werden ihrer Rolle gerecht und verzichten auf berflssige Soli. (MS)

Tag 3
Frontiers Rock Festival

Der letzte Tag dieses groartigen FRF wird durch die Schweden Crazy Lixx erffnet. Mit einer Top 8 ihrer ersten beiden Alben schlagen die Jungs beim Publikum ein wie eine Bombe! Da kann man auch gern mal darber hinweg schauen, dass hier eher fnf Individuen auf der Bhne stehen, statt einer Band. (LS)

Weiter geht es im Programm mit der norwegischen Rock Diva Issa. In ihre ebenfalls fnfunddreiig-mintige Spielzeit packt sie lediglich sechs Songs und erffnet mit ihrem groartigen Cover "Dream On" der kanadischen AOR-Legenden BLVD. Am Keyboard wird sie von Alessandro del Vecchio untersttzt. Das Publikum wirkt im Gegensatz zu Crazy Lixx eher schchtern, aber interessiert. (LS)

Jeff Scott Soto darf nach dem umjubelten Gig mit W.E.T. tags zuvor nochmal solo auf die Bretter. Alleine der ber fnfzehnmintige Talisman-Medley am Ende des Gigs ist jede Kosten und Mhen wert. Wer auf Melodic Rock in Reinkultur steht und ob dieser energischen Performance keine feuchten Augen bekommt, dem ist nicht zu helfen. Die von den letzten Soto-Solo-Touren bekannte Multikulti-Band aus den USA, Brasilien und Spanien agiert als Einheit und berzeugt auf der ganzen Linie. Der Meister entertaint wie kein anderer auf diesem Planeten und bringt mit Joel Hokstra (g, Nightranger) noch einen Gast auf die Bretter. Gemeinsam spielen sie "Look Inside Your Heart" von Sotos letzter CD "Damage Control". (MS)

Frontiers Rock Festival

John Waite, stilecht mit Anzug gekleidet, ist ein seltener Gast in Europa. Trotz groer Solo-Hits wie dem frenetisch aufgenommenem "Missing You" sind es heute eher die Bad English-Stcke, die sehnschtig erwartet werden. Leider gibt es nur eine halbe A-capella-Version des AOR-Monsters "When I See You Smile", aber das textsichere Publikum frisst dem Ami aus der Hand. Den Rock'n'Roll-Faktor bernehmen Waites Musiker, agiert doch vor allem Keri Kelli (g) im Gegensatz zu seinem distanziert wirkenden Arbeitgeber durchweg wie ein Rockstar. Saustark auch der Bad English-Klassiker "Best Of What I Got". (MS)

Frontiers Rock Festival

Danger Danger, fr viele der Anwesenden DER Inbegriff von Melodic Rock, sieht man auch nicht alle Tage. Die amerikanisch-schwedische Band spielt als ginge es um die Wurst. Trotz einiger technischer Probleme kann sich keiner der Anwesenden der Magie von Hymnen wie "Hearts On The Highway" oder "Bang Bang" entziehen. Es reihen sich ohne Ausnahme nahtlos Hit an Hit und Front-Ikone Ted Poley lsst sich einen umfassenden Spaziergang durch das begeisterte Auditorium nicht nehmen und gibt sich extrem Fan-freundlich. "Naughty Naughty" beschliesst einen denkwrdigen Gig, der ohne Umschweife Headliner-wrdig ist. (MS)

Frontiers Rock Festival

Der Saal ist mittlerweile im Vergleich zu den beiden ersten Tagen prall gefllt. Offensichtlich haben sich einige Fans dazu entschieden, lediglich den Freitag des MRF zu besuchen. Fast pnktlich gehen die Co-Headliner Winger an den Start und erffnen mit dem Opener ihres aktuellen Albums "Better Days Comin'". Irgendwie steckt heute jedoch der Wurm drin. Winger haben mit Mikrofon-Problemen zu kmpfen, ziehen aber ungeachtet dessen ihre Show professionell durch. Kip dreht wie in jungen Jahren Pirouetten und dirigiert die Band. Zwischen den Songs feuert er das Publikum an und bekommt ein gewaltiges Feedback. Bevor es im letzten Drittel des Sets an die Hits aus den ersten beiden Alben geht, bedankt er sich ausfhrlich beim Label fr die Untersttzung, um jedes Mal aufs Neue Musik zu produzieren. Obwohl das Set knackig prsentiert wird, kommen doch drei (berflssige) Gitarrensoli zum Einsatz. Das Publikum reagiert doch eher gelangweilt darauf, feiert aber umso mehr die Hits. Statt John Roth bedient ein Herr Namens Donnie Smith die zweite Gitarre. (LS)

Frontiers Rock Festival

Was die Amis von Nightranger dann abziehen ist schier unglaublich. Das Gitarren und Bass-Trio Jack Blades, Brad Gillis und Joel Hoekstra steht praktisch keine Sekunde still und posiert um die Wette, trifft dabei aber jede Note und versprht einfach nur gute Laune. Der teilweise singende Schlagzeuger Kelly Keagy kann dabei nicht nur beim sehnschtig erwarteten "Sister Christian" brillieren sondern streut seine Vocals hufiger ein. So reiht sich Hit an Hit ("Sing Me Away", "Don't Tell Me You Love Me" oder "When You Close Your Eyes") und man erlebt einen sehr kurzweiligen Gig, der einer rasanten Achterbahn gleichkommt. Beim Schmachtfetzen "Sentimental Street" bebt die Halle bedenklich und kein Auge bleibt trocken. Zusammen mit Danger Danger sind Nightranger das Ma aller Dinge. Und das nicht nur an diesem Wochenende. (MS)

Drei fantastische Tage voller einzigartiger Shows, sei es von geschtzten Dauerbrennern wie JSS, Crazy Lixx oder Tesla, sowie von extrem seltenen Gsten wie Nightranger, John Waite oder Snakecharmer, das FRF ist in dieser Form eine absolute Bereicherung und findet hoffentlich eine Fortsetzung - wo und in welcher Form auch immer. Aber auch wenn der Frontiers-Stall noch zahlreiche Pferde bereithlt, sollten die Macher vielleicht ber eine ffnung auch fr andere Labels und ihre Bands nachdenken.

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