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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PRETTY MAIDS, DIRTY PASSION
Ort Andernach, Juz Live Club
Datum 07.05.2014
Autor Text: Mario Loeb, Bilder: Thorsten Dietrich
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Manchmal sagt man einfach spontan "Ja!". So war auch meine Reaktion auf die Frage, ob ich nicht Lust htte am 07.05.2014 Pretty Maids im Andernacher Juz zu sehen. Aber was wusste ich eigentlich noch von den sympathischen Dnen? Um ehrlich zu sein: Nichts, auer, dass "Future World" ihr grter Hit ist und "Sin-Decade" 1992 das letzte, komplette Album war, das ich gehrt hatte. Also nicht gerade viel. Im Vorfeld also schnell mal in die letzten Platten rein gehrt um sich einen aktuellen Eindruck von dem musikalischen Schaffen der letzten 21 Jahre zu machen. Meine ersten Gedanken waren danach: "Oh my God!", das ist ja total poppig!? Was habe ich mir da nur angetan?? Warum ich mittlerweile froh bin diese Zusage gegeben und mich auch daran gehalten zu haben, erfahrt ihr hier.


Dirty Passion Dirty Passion

Dirty Passion

Im Gegensatz zum Architects Konzert in Kln vor einiger Zeit durften sich meine Begleiter und ich dieses Mal endlich wieder jung fhlen als wir in Andernach die Halle betraten, denn endlich waren wir mal nicht die ltesten Konzertbesucher. Im Gegenteil, da war sogar noch Luft nach oben. Das hatte schon ein bisschen was von einem Jungbrunnen nach der deprimierenden Erfahrung in Kln. Insgesamt haben das Konzert in Andernach circa 300 Gste besucht. Auf der Bhne begrte uns ein silbernes Schlagzeug, das mittig auf der kleinen Bhne auf seinen Besitzer wartete. Es freut mich immer, wenn das Schlagwerk nur in Minimal-Bestckung aufgestellt wird, in diesem Fall hie das gerade mal zwei Bassdrums, eine Hnge- und eine Standtom. In den 90ern hatten Schlagzeuger ja leider oft den Hang dazu riesige Drumkits aufzufahren, bei denen sie nicht mal von der Hlfte wussten, wie man es vernnftig bedient. Zum Glck geht da die Tendenz wieder klar in Richtung Qualitt statt Quantitt. Genau DAS bewiesen dann auch die Schweden Dirty Passion aus Malm, die weder riesige Boxentrme, die sowieso nicht angeschlossen sind, noch eine riesige Bhne brauchten um eine gute Show abzuliefern. Die vier Jungs spielten einen 1A Hardrock mit Sdstaaten Touch und nicht nur die Kleidung erinnerte ein wenig an die L.A. Guns und die gute alte Zeit. Es war eine passende Erffnung fr diesen Abend, an dem von diesem Zeitpunkt an der Hauch der 80er durch die Halle wehte. Starke Riffs und Melodien, die erstklassig vorgetragen waren, fhrten schon frh zu einer tollen Stimmung. Selbstverstndlich durften auch die typischen Powerballaden nicht fehlen, die sehr gefhlvoll fr Gnsehautstimmung sorgten. Schn zu sehen, dass es auch in Schweden noch Bands gibt, die nicht den weitverbreiteten Death Metal knppeln. Nicht, dass ich was dagegen htte - im Gegenteil - aber ein wenig Abwechslung schadet ja nie. Dirty Passion legten mit ihrem Auftritt den roten Soundteppich fr die Maids aus. Es war ein mehr als gelungener Auftritt.


Pretty Maids Pretty Maids

Pretty MaidsKlar, ein bisschen mehr "Hollywood" durfte es dann fr die Pretty Maids schon sein, was den Bhnenaufbau anging. Das hat man sich aber auch verdient, wenn man schon so lange im Musikzirkus unterwegs ist und ihn berlebt hat. Deshalb darf es dann auch gerne ein wenig mehr Licht sein und selbstverstndlich darf das (ber-)groe Band-Banner nicht fehlen. Die Pretty Maids erffneten das siebzehn Songs starke Set (inkl. 3 Songs als Zugabe) mit dem Song "Nuclear Boomerang". Mir wurde schon nach den ersten Takten klar, dass ich den Dnen bei dem nur oberflchlichen Studium ihrer letzten Alben Unrecht getan hatte, denn was da von der Bhne angerollt kam, war erstklassiger Heavy und Hard Rock. So war es dann auch kein Wunder, dass Ronnie Atkins und seine Mitstreiter einfaches Spiel mit dem Publikum hatten, das ihnen von der ersten Sekunde an aus der Hand fra. Das war einfach pure Energie mit einem tollen Sound, der zwar deutlich vom 80er Glam Rock angehaucht war, aber alles andere als staubig oder zu pomps wirkte. Die Band ist weit weg davon einen auf dicke Hose zu machen und kommt sehr bodenstndig rber. Auch wenn unter Anderem der weie Cowboy Hut von Gitarrist Kenn Hammer im ersten Moment die allerschlimmsten Starallren befrchten lieen.

Als gutes Beispiel, dass diese Befrchtung vollkommen unntig war, diente eindeutig der 5. Song "Lovegames", den die gesamte Truppe beim ersten Anlauf aber mal so richtig bse versemmelte. So schlimm, dass sie das Lied abbrechen mussten. Eine Hchststrafe fr die Musiker, die in diesem Moment auf der Bhne standen und sicher alle nur noch tief im Boden versinken wollten. Das kleine Problem wurde aber sehr charmant und mit Humor von allen Mitgliedern gelst ohne dabei den Fehler bei der Technik-Crew zu suchen, wie ich das durchaus schon erlebt habe. Pretty MaidsMan stand mit einen verschmitzten Lcheln ber den Dingen, entschuldigte sich fr den Fehler, fragte, ob das Publikum denn wirklich diesen speziellen Song hren mchte - was natrlich bejaht wurde - und dann ging es einfach sehr professionell weiter. Dieser dicke Patzer sollte aber auch der einzige Fehler der Band an diesem Abend bleiben, ansonsten ist das einfach eine richtig gut eingespielte Truppe, die sehr akkurat zusammenspielt. Die Gitarren und der zweistimmige Gesang sind sowas von auf den Punkt, dass man sich dringend einen weien Cowboyhut kaufen mchte um ihn vor den Pretty Maids zu ziehen. Nach der wiederholten und dieses Mal fehlerfreien Version von "Lovegames" spielte die Band zum Auftakt von "My Soul To Take" den Anfang des Pink Floyd Klassikers "The Wall", was sehr cool war. Den Song an sich fand ich aber dann nicht den Brller. Aber es ist meiner Meinung nach auch das schwchste Glied auf der "Louder Then Ever". Die Songauswahl an sich war eine schne Mischung aus alten und neuen Songs. Selbstverstndlich durfte dann als letzte Zugabe auch der Klassiker "Future World" nicht fehlen, bei dem Band und Publikum noch einmal alles gaben.


Fazit: Ich bin sehr froh, dass ich dieses Konzert miterlebt habe. Das war erste Sahne, was die zwei Truppen aus Skandinavien abgeliefert haben. Manchmal knnen Platten also absolut irreleiten, besonders wenn man sich nur kurz mit ihnen beschftigt hat. Ich sehe die Pretty Maids jetzt wieder in einem ganz anderen Licht und wei pltzlich wieder, was mich Ende der 80er an solchen Bands so fasziniert hat. Auch wenn mein Musikgeschmack von heute um einiges hrter ist, werden diese Bands immer einen Platz in meinem Herzen haben und die Pretty Maids haben mich wieder daran erinnert. Was. ihr habt sie noch nicht gesehen? Dann aber auf nach den nchsten Tourdaten suchen und Tickets besorgen! Eine Band, die man gesehen haben muss ohne Wenn und Aber! Ich gehe jetzt mal auf Ebay nach so einem verdammten, weien Cowboy Hut suchen.


Setlist: Pretty Maids

  • Nuclear BoomerangPretty Maids
  • Psycho Time Bomb
  • Final Day Of Innocence
  • Red Hot And Heavy
  • Lovegames
  • My Soul To Take
  • Wake Up To The Real
  • I.N.V.U.
  • I See Ghost
  • Sad To See You Suffer
  • Yellow Rain
  • Rodeo
  • Little Drops Of Heaven
  • Back To Back
  • Mother Of All Lies
  • We Came To Rock
  • Future World











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