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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ARCHITECTS, STRAY FROM THE PATH, NORTHLANE, MORE THAN LIVE
Ort Kln, Essigfabrik
Datum 15.04.2014
Autor Mario Loeb
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Irgendwann musste es ja mal passieren: Man steht in der Schlange vor der Essigfabrik und wartet auf den Einlass zu einem Konzert und pltzlich fhlt man sich richtig alt! So geschehen am 15.04.2014 beim Architects Konzert in Kln. Allerdings glaube ich, dass es den Mitzwanzigern auch so ergangen sein msste, denn der Altersdurchschnitt war echt niedrig. Nicht, dass ich mich unwohl oder fehl am Platz gefhlt htte, aber so mancher Krperkult ist mir dann doch etwas zu extrem und man fragt sich bei dem ein oder anderen Ohrtunnel, ob es wirklich sein muss, dass ein Golfball durchpasst. Bei manch junger Frau ist es echt eine Schande, wenn sie sich mit Ttowierungen (stellenweise zweifelhafter Qualitt) am Hals u.s.w. ihr gutes Aussehen ruinieren. Aber das liegt nun wirklich im Auge des Betrachters. "Leben und Leben lassen" wie es doch so schn heit. Sonst klingt man schon bald wie seine eigene Mutter... "Lass dir blo keine Tattoos stechen und deine Musik ist Teufelswerk." So alt und konservativ mchte ich echt nicht werden.

More Than Life More Than Life

More Than Life
Musikalisch wurde das Line-Up von den Englndern More Than Life gestartet. Die Band spielt Melodic Hardcore. Der Sound war fr den Anfang echt gar nicht schlecht, was ich in der Essigfabrik auch schon anders erlebt hab. So konnten die vier Jungs gleich zum Anfang ein gutes Konzert abliefern. Zwar kam es mir zwischendurch ein wenig hektisch vor, was da spielerisch von der Bhne kam und der Gesang htte etwas dicker abgemischt sein knnen, aber zu meckern habe ich ansonsten nichts. Die Jungs brachten eine schne Mischung aus Hardcore und Punksound unter die Zuschauer. Die Halle war zu diesem Zeitpunkt gut gefllt und More Than Life schafften es schnell durch eine gute Show und Interaktionen mit dem Publikum eben jenes fr sich zu gewinnen. Die ersten Hardcore Fans sangen auch schon mit und bereits hier zeichnete sich ab, wie textsicher das Publikum an diesem Abend bei allen Bands sein sollte. Dafr hat sich das Publikum ein Sonderlob verdient.

Northlane
Northlane war der Geheimtipp des Abends, unter anderem weil die Jungs aus Down Under bisher noch nicht all zu oft in Deutschland zu bewundern waren. So wurde es mir zumindest erzhlt. 2013 gastierten die Australier aber bereits schon einmal in der Essigfabrik. Geheimtipp hin oder her - ich muss sagen, Northlane konnten mich mit ihrer Mischung aus Metalcore und Hardcore absolut berzeugen. Der Djent-lastige Sound lie den Hallenboden vibrieren und Northlane zeigten sich dabei auf der Bhne sehr agil. Zum Fotografieren mit meiner zugegebenermaen nicht wirklich professionellen Ausrstung schon etwas zu agil. Bis der Hallenboden vibrieren konnte, vergingen allerdings erst einmal zwei Songs. Denn sehr zum rger von Bassist Alex Milovic wollte sein Instrument berhaupt nicht so, wie er wollte. Zum Glck konnte man das Problem aber zgig beheben. Adrian Fitipaldes macht als Snger einen groartigen Job. Gerade mit den Wechseln von toll gespielten klaren Parts und der ntigen Aggressivitt schaffte er es gemeinsam mit seiner Band eine tolle Atmosphre in der Essigfabrik zu verbreiten. Die Zuschauer dankten es mit Crowdsurfing und Moshpits. Sptestens dann beim Song "QuantumFlux" war es vor der Bhne am Kochen. Nach dem letzten Song wurde Northlane vom Publikum richtig gefeiert und alle verlangten einen weiteren Song. Den gab es dann aber leider nicht. Ich gebe den Tipp jetzt mal an euch weiter: Wer die Jungs noch nicht kennt und/oder auf Metal- und Hardcore steht, sollte mal dringend in das 2013er Album "Singularity" rein hren. Etwas hat mich allerdings an dem Auftritt extrem gestrt und zwar rotzten/spuckten die Bandmitglieder zwischendurch permanent auf den Bhnenboden. Das finde ich schon beim Fuball echt widerlich, aber da ist es wenigstens drauen. Kann man das nicht sein lassen? Das ist echt nicht ntig. Oder stellt an strategisch wichtigen Punkten auf der Bhne wenigstens Spucknpfe auf. Eure Roadies bzw. die Bhnencrew werden es euch danken.

Stray From Path Stray From Path

Stray from the Path
Als die 2001 gegrndete vierkpfige Hardcore-Punk Band die Bhne betrat, war die Essigfabrik mittlerweile bis auf den letzten Platz ausverkauft. Ich persnlich kann mich nicht erinnern die Essigfabrik schon einmal so voll gesehen zu haben. Die Jungs waren an diesem Abend bereits zum 4. Mal zu Gast in der Domstadt. Wer die ersten Takte von Stray from the Path hrt, kann eigentlich sofort erraten woher die Jungs stammen. Aus Long Island, New York City. Na klar. Der Sound ist direkt von der Strae mit knarrigem Bass und aggressivem und dreckigem Klang. Stray from the Path machten ihren Job sehr gut und das Publikum ging gut ab, so dass die Security alle Hnde voll zu tun hatte um alle Crowdsurfer sicher in Empfang zu nehmen. Bei den Songs wurde mir das Ganze dann aber schnell zu langweilig und eintnig. Aber das ist vermutlich Geschmackssache. Aber eine ordentliche, wenn nicht ohrenbetubende, Lautstrke kann man ihnen keinesfalls absprechen. Eines der Highlights war sicher der Gastauftritt des Sngers von Deez Nuts, der mit den New Yorkern den Deez Nuts Klassiker "Stay True" spielte. brigens es ist zwar sehr unwahrscheinlich das Stray from the Path und Northlane den selben Kindergarten besucht haben, aber zumindest die Kinderstube muss eine hnliche gewesen sein, denn auch hier wurde wieder stndig auf den Boden gespuckt. Wenn das ein neuer Trend ist, dann hoffe ich, dass er schnell von irgendwas anderem verdrngt wird, denn das ist echt nicht cool.

Architects
Die Architekten aus England hatten ein wirklich gutes Gespr als sie sich entschieden bei diesem Konzert ihren Livemitschnitt zu machen. Die Entscheidung fiel zwar deshalb auf diesen Abend, weil es das grte bersee-Konzert der Tour war, aber darber hinaus hatten sie auch den richtigen Riecher was das Publikum anging, das an diesem Abend bestens aufgelegt war. Dabei hatten die Architects, nachdem die drei Vorbands alles gegeben hatten um das Publikum anzuheizen, aber auch leichtes Spiel. Umgekehrt machte es die Band aber auch dem Publikum einfach, weil sie wirklich richtig gut waren. Tolles Timing, ein 1A aufeinander eingespieltes Set, ein guter Sound und ein richtig gut stimmlich aufgelegter Sam Carter, der nicht nur mit seinem Klargesang berzeugte, sondern auch durch seine Screams. Das Publikum sprang, pogte, surfte, sang mit und warf sich in Circle- und Moshpits. Die Architects brachten das Publikum sogar dazu, sich fast bis auf den letzten Mann hinzuknien um dann im richtigen Moment wieder hochzuspringen. Das sah schon toll aus. Ich habe die Essigfabrik noch nie so aus dem Huschen erlebt. Auch hier hatte die Security alle Hnde voll zu tun. Leider auch das DRK, aber soweit mir bekannt ist, kam es zu keinen ernsthaften Verletzungen. Band und Publikum haben auf den Punkt zueinander gepasst und von daher sollte es ein toller Livemitschnitt geworden sein, der hoffentlich bald kuflich zu erwerben sein wird. Wre schade wenn nicht, denn Songs wie "The Devil Is Near" zur Hlfte des Programms oder "Broken Cross" zum Ende waren live einfach nur genial. Zum Finale gab es dann noch Stagediving von der Bhne stellenweise sogar mit den Instrumenten und die Mnner aus Brighton genossen die letzten Momente in der Essigfabrik. Sie waren eindeutig die Coolsten und die mit den dicksten Eiern an diesem Abend und das ganz ohne ihre Spucke berall zu verteilen.

Fazit: Die Architects knnen es im Studio und auch Live. Man wird sich auf noch so Einiges von der Insel freuen drfen. Ich verstand so einiges an dem Abend nicht: Verschiedene Krperkulte, warum ein Kapuzenpulli 40 Euro kosten muss, meine Kamera, warum man mit bereits gebrochener Nase immer wieder Crowdsurfen geht und vor allem warum man neuerdings Spucknpfe auf den Bhnen verteilen sollte. Aber eins verstehe ich und da bin ich mir, denke ich, mit dem anwesenden Publikum einig: Das war ein geiler Abend zu dem alle Bands ihren Teil beigetragen haben. Zum Schluss muss ich leider noch eine Warnung aussprechen, die echt traurig macht. Leider kommt es wohl in letzter Zeit vermehrt zu Diebsthlen - leider auch an diesem Abend. So haben mindestens 10 Konzertbesucher ihr Handy gestohlen bekommen. Auf Nachfrage bei der Security, ob irgendwo Eines abgegeben wurde, weil mein Bruder auch betroffen war und wir die Hoffnung hatten, dass er es vielleicht nur verloren hat, gaben sie uns die Auskunft, dass es leider wohl in letzter Zeit auf den verschiedensten Veranstaltungen zu Problemen mit Diebsthlen gekommen ist und das nicht nur in der Essigfabrik. Also Leute lasst euer Handy zuhause oder nehmt ein Altes mit. Denn auch wenn es euch "nur" aus der Tasche fllt, ist die Wahrscheinlichkeit offensichtlich mittlerweile zu gro, dass es nicht abgegeben sondern eingesteckt wird. Es ist traurig, dass man an so was denken muss, aber anscheinend notwendig.





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