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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ONKEL TOM, DRAGONSFIRE, INCROUND
Ort Andernach, JUZ Live Club
Datum 11.04.2014
Autor Mario Loeb, Bilder: Byrt Djouad
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Am 11.04.2014 gab sich mit Tom Angelripper nach U.D.O im Februar die nchste deutsche Metal-Legende die Ehre im kleinen Andernacher JuZ Live Club. Tom ist seit der Grndung von Sodom im Jahr 1982 nicht mehr aus dem Metalzirkus wegzudenken. Grund genug sich auch sein Soloprojekt anzusehen, wenn man die Mglichkeit dazu hat. Texte ber Alkohol in Eigenkomposition, alt bekannte Schlager und Trinklieder im Metalstil. Herz und Leber, was wollt ihr mehr? Man sollte aber schon wissen auf was man sich da einlsst, denn man bekommt genau das und das ist auch gut so.


INCROUND INCROUND

Incround

Bevor die Sause mit Onkel Tom beginnen konnte, hie es erst einmal sich den richtigen Pegel anzutrinken, was aber kein Problem war, denn die Schlange an der Biertheke und das Gedrnge in der Halle waren sehr berschaubar. Bei solch einem "Spass"-Konzert stimmt man sich ja schon mal gerne whrend seines ersten Bieres musikalisch auf den Headliner ein. Ob die Jungs von Incround aus dem Raum Andernach dafr allerdings die richtige Wahl waren, wage ich um ehrlich zu sein zu bezweifeln. Das lag aber nicht an der Band, sondern daran, dass die Musikrichtung so gar nicht zu Onkel Tom passen wollte. Incround, die ihr erstes Konzert berhaupt an diesem Abend gaben, spielen eigene Songs, die mich an eine Mischung aus Creed und Pearl Jam erinnern. Den Job machen sie gut - vor allem den Gesang fand ich durchaus berzeugend. Aber auch wie bei den beiden angesprochenen Bands ist das mit dem Gesang so eine Sache. Entweder man mag den Stil oder man mag ihn nicht. Ein Zwischending gibt es da nicht. So wurden leider schnell vereinzelte Stimmen laut, denen es gar nicht gefiel. Instrumental liefern Incround ihre Stcke mit einem schnen, fetten Gitarrensound souvern ab und einige Songs bleiben auch gut hngen, wie ich finde. Auch die Flexibilitt in den einzelnen Songstrukturen gefllt mir. Man sollte aber fr die Zukunft noch dringend an der Bhnenprsenz arbeiten. Das war noch ziemlich dnn, was aber sicher auch der Nervositt geschuldet war, die man Incround durchweg anmerkte. Ansonsten ein solides und gutes Debt fr die Jungs. Ich bin mir sicher, dass, wenn mal die Live Routine dazu kommt und man weiter an der Musik arbeitet, hier eine Menge Potenzial schlummert. Fr den ersten Gig gibt es von mir ganz klar ein dickes Lob.


DRAGONSFIRE

Dragonsfire

DRAGONSFIRE Etwas mehr als 250 Zuschauer sollen das gesamte Konzert an diesem Abend besucht haben. Leider standen davon noch sehr viele drauen als Dragonsfire auf die Bhne kamen. Was sehr schade war, denn die Sdhessen spielten einen ordentlichen und puren Heavy Metal mit toller Gitarrenarbeit und gut arrangierten Songs. Bei ihnen knnten sich Incround auch ein Scheibe in Sachen Bhnenprsenz abschneiden. Wenn man bedenkt, dass die Halle zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal zur Hlfte gefllt war, erfllten Dragonsfire trotzdem mit viel Leidenschaft ihre Rolle als Anheizer als wrden sie vor ausverkauftem Haus spielen. Sie wurden auch prompt dafr belohnt, die Ersten lieen ihre Haare kreisen und es gab die ersten zaghaften Mit-Sing-Versuche des Publikums, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Doch unerschrocken gingen Dragonsfire weiter auf das Publikum ein, animierten zum Biergenuss, (nicht das man bei Onkel Tom noch nchtern ist) und verteilten auch schon erstes Bruchwerk des Schlagzeugers. Jan Mller, der Drummer, ist brigens eine Besonderheit. Ich kenne sonst nur einen Drummer, der sein eigenes Mikro hat und dieses nicht nur fr den Backgroundgesang nutzt, sondern auch oft fr die Kommunikation mit dem Publikum einsetzt und dabei Frontmann-Qualitten zeigt und das ist Bela B. von den rzten. Aber wie auch er kann Jan nicht nur schwtzen, sondern wei auch die Schiebude richtig zu bearbeiten. Am Ende des Abends hatte ich noch kurz die Gelegenheit mit Jan zu reden und fragte ihn, wie er die Musik von Dragonsfire klassifizieren wrde, denn ich war mir nicht sicher, ob das nun Power Metal mit Speed Einflssen oder woanders anzusiedeln ist. Ich wollte sie einfach nicht in eine "falsche" Schublade stecken. Seine Antwort war kurz und przise: "Heavy Metal" und das trifft es auch genau auf den Punkt. Denn wenn man ehrlich ist, verliert man gerade im Metal Bereich schon lange den berblick, wenn es um die "Schubladen" geht. Dabei beschreibt der berbegriff Heavy Metal Dragonsfire wesentlich besser, als es jede Schublade tun knnte. Am Ende steht ein berzeugender und runder Auftritt und ich muss sagen, ich war positiv berrascht, denn eigentlich ist das nicht ganz mein Ding. Einzig den Gesang htte ich mir manchmal etwas druckvoller gewnscht. Gegen Ende des Auftritts liessen Dragonsfire noch einen Bembel mit ppelwoi im Publikum rumgehen und damit war alles angerichtet fr die Party mit Onkel Tom.

SETLIST DRAGONSFIRE:

  • Blood For Blood
  • Raging Fire
  • Speed Demon
  • Wings Of Death
  • Steel Eel
  • The Prophet
  • Allied Force
  • Dragonsfire Rockxxx
  • Burning For Metal
  • Oath Of Allegiance


ONKEL TOM

Onkel Tom

ONKEL TOM Der lie sich dann auch nicht lange bitten und begleitet von den ersten "Onkel Tom"-Rufen betrat Mr.Angelripper sichtlich gut aufgelegt um 22:00 Uhr die Bhne. Ich muss ehrlich gestehen, es war mein erstes Onkel Tom Konzert...deshalb war ich etwas berrascht, dass er bei seinem Soloprojekt selber gar nicht den Bass spielt. Fr jemanden der Sodom-Konzerte eigentlich recht regelmig besucht, wie in meinem Fall, war das ein sehr ungewohntes Bild. Erstes Lied "Im Tiefen Keller" und gleich gab es die ersten bsen Rckkopplungen, die leider nicht die Einzigen an diesem Abend bleiben sollten. Als Zweites kam dann auch schon das erste Medley des Abends mit u.A. "Wenn das so weitergeht" und "Einer geht noch rein". Sptestens jetzt wute man, wie dieser Abend enden wrde. Es wurde einer dieser Abende an denen man alles mitgesungen hat und seine Leber noch zwei Wochen spter beleidigt ist. Das Publikum war auch von Anfang an direkt dabei, so dass der Backgroundgesang sofort vom Publikum bernommen wurde. Das war auch gut so, denn das Mikro des Gitarristen war viel zu leise und von daher htte Onkel Tom ansonsten wohl ohne auskommen mssen. Mit Song Nummer 3 "Auf nach Wacken" war dann auch der letzte Bann gebrochen und der erste wilde Moshpit entstand vor der Bhne. Man muss an dieser Stelle Tom und der Band wirklich mal ein Kompliment machen, denn auch wenn es klar Sauf- und Party-Musik ist, sind die Lieder und deren Umsetzung richtig gut und auch technisch sauber gespielt. Das ging (auch) an diesem Abend aber leider schon fast in der allgemein heiteren Stimmung unter, vor allem da der Alkoholpegel bei vielen so hoch war, dass es fr sie wahrscheinlich keinen Unterschied gemacht hat, ob die Musiker sich den Arsch aufreien um ein sauberes, technisch einwandfreies Konzert hinzulegen oder nicht. Ich musste leider recht schnell feststellen, dass ich diesen Pegel auch bei aller Mhe, die ich mir gab, nicht mehr erreichen konnte. Da es somit keinen Sinn machte, es weiter zu probieren und stieg ich erst einmal auf Wasser um. Tom hat den Titel "Onkel" brigens mehr als verdient. Der Mann ist so publikumsnah, wie man es sich bei einem frsorglichen Familienmitglied nur wnschen kann. Er versorgte die ersten Reihen liebevoll mit Bier, Geburtstagswnsche wurden erfllt und er ging ohne Berhrungsngste ins Publikum und grlte die Songs gemeinsam mit den Besuchern. brigens knnte er vom Andernacher Publikum was die Textsicherheit betrifft bei so manch einem enttuscht gewesen sein. Das war schon stellenweise recht peinlich, was da so ins Mikro gebrllt wurde und so schwer sind die Texte nun wirklich nicht. Um 23:30 war dann erst einmal Schluss. Nach einer kurzen Pause gaben Tom und Band dann aber doch noch eine Zugabe. Diese begann wie sich das fr eine Metal Band gehrt mit dem allseits beliebten Intro zu "Rain in Blood" von Slayer und ging dann schwungvoll zu "In Mnchen steht ein Hofbruhaus" ber. Das darf wirklich nur Angelripper ! (Lach und vielleicht noch Slayer selbst, wenn sie den bergang auch so gut hinkriegen*). Bei Onkel Tom funktionierte es auf jeden Fall prima und Publikum und Band holten noch einmal die letzten krperlichen und alkoholischen Reserven aus sich und dem Zapfhahn heraus. Die Party endete um 23:45 Uhr auf einem sehr klebrigen Untergrund.

Fazit: Onkel Tom haben ein tolles Konzi abgeliefert und man hat genau das bekommen, was man erwartet hatte, wenn man sich vorher mit der Band beschftigt hat. Bier, Party und Trinklieder in gutem Metal verpackt. Obwohl man ehrlich sagen muss, dass der Alkoholkonsum einiger Konzertbesucher schon sehr grenzwertig war und leider mit der steigenden Bereitschaft seine Kinderstube zu vergessen einherging. Deshalb ein Kompliment an das Personal und Security des JuZ, die alles ruhig und souvern ber die Bhne brachten. Ein Sonderlob und Dank geht nochmal an Tom und seine Band, die sich mit viel Geduld und mehr als s nach dem Konzert noch Backstage um einen besonderen und ziemlich angeheiterten Fan aus dem Schwabenlndle gekmmert haben. Was auch meine zweite Begegnung mit Mr. Angelripper etwas seltsam werden lie, aber wenigstens hatte ich dieses Mal Whiskey und kein Wasser in der Hand, wie bei unserer ersten Begegnung in Wacken 2013. Danke dafr Tom, aber das ist eine andere Geschichte. Abschlieend kann ich nur eines sagen, wenn ich mir die Freiheit nehmen darf einen Onkel Tom Song etwas umzudichten: "Fr mich wird er unsterblich sein, ein Mythos fr die Ewigkeit, Tom(mi) macht mir Mut, Legenden sterben nie".

SETLIST ONKEL TOM:

  • Im Tiefen Keller
  • Medley (Wenn Das So Weitergeht)ONKEL TOM
  • Auf Nach Wacken
  • Diebels Alt
  • Zapfhahn
  • Schnaps Das War Sein Letztes Wort
  • Bier
  • Nunc Est Bibendum
  • Bon Scott
  • Medley (Ein Schner Tag)
  • Caramba,Caracho
  • Auf Immer Und Ewig
  • Delirium
  • Immer Wenn Ich Traurig bin
  • Ruhrpott
  • Kreuzberger Nchte
  • Trink,Brderlein Trink
  • Hofbruhaus
  • Es Gibt Kein Bier Auf Hawaii
  • Lemmy Macht Mir Mut
  • Drink Doch Ene Mit



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