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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing U.D.O., LION TWIN, DAMAGED
Ort Andernach, JUZ Live Club
Datum 22.Februar 2014
Autor Text: Mario Loeb, Bilder: T. Dietrich & M. Loeb
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Es gibt Bands und Musiker, deren Werdegang verfolgt man sein Leben lang einfach nur aus dem Grund, weil man es seit der Jugend immer getan hat und es eine gute alte Gewohnheit geworden ist, die man nicht ablegen mchte. Man besucht ihre Konzerte schon alleine deshalb, weil man seine alten Bekannten und Freunde wiedertreffen mchte und sei es nur um sich davon zu berzeugen, dass man mit dem Haarausfall-Problem nicht alleine zu kmpfen hat. U.D.O ist genau so ein Anlass. Der "Alt"-Meister rief am 22. Februar seine Metal-Jnger in Andernach zusammen und etwa 550 folgten dem Ruf - unter ihnen eben auch ich.


DAMAGED
DAMAGED Sohn einer deutschen Metal-Legende wie Udo Dirkschneider zu sein, ist sicher nicht einfach, vor allem wenn man sich selber musikalisch verwirklichen und nicht stndig mit dem Vater verglichen werden mchte. Sven Dirkschneider hat aber offensichtlich (s)einen Weg gefunden mit der Situation bestmglich umzugehen, wovon man sich an diesem Abend bei dem Auftritt seiner Band Damaged zweifelsfrei berzeugen konnte. Erstens singt er nicht, sondern spielt die Drums und zweitens hat er nicht den Fehler gemacht die gleiche Musikrichtung wie sein alter Herr einzuschlagen. Sven macht nmlich Heavy Rock'n'Roll. Und das machen er und die Jungs echt ordentlich. Die Stcke groovten live mchtig und gingen straight nach vorne. Der wirklich gute Snger klang dabei wie eine sehr junge Ausgabe von Lemmy, bevor dieser anfing zu rauchen und zu saufen. Also Lemmy mit sechs - was ich aber wirklich positiv meine. Saubere Gitarrensoli und treibender Bass waren dann die letzten Zutaten, die es fr einen guten Rock'n'Roll brauchte. Auch der Sound war von Anfang an ordentlich - ist ja leider keine Seltenheit, dass der Sound gerade der ersten Bands absichtlich gegen die Wand gefahren wird um den Headliner besser aussehen zu lassen. Deshalb finde ich, sollte man auch mal positiv erwhnen, wenn dem nicht so war. Alles in Allem war es in Kombination Sound und Performance ein wirklich solider Live Auftritt von Damaged. Leider erhielt die Band noch nicht so viele Reaktionen vom Publikum, das anscheinend erst noch auftauen musste. Schade fr die Jungs, sie htten es echt verdient gehabt.


LION TWIN LION TWIN
Ach, wo soll ich nur anfangen? Das war es einfach nicht und irgendwie tut es mir sogar ein wenig leid fr die "Lwenzwillinge". Die Gruppe um Frontfrau Liane Vollmer-Sturm gab sich wirklich viel Mhe das Publikum anzuheizen, was ihnen stellenweise sogar gelang. Auch handwerklich war das alles in Ordnung, was die Band dargeboten hat, aber die Musik ist irgendwie nicht bei mir angekommen. Zwar kann Liane mit einer echt starken "Clean"-Stimme punkten, aber die Stcke und und auch das Auftreten der Band setzen sich leider kein Stck von anderen Hard Rock Bands ab. 1000 mal gehrt - aber eben auch schon oft viel kreativer. Die Highlights waren dann am ehesten noch die zweistimmigen Gitarrensoli. Ich htte mir von der Sngerin vor allem gewnscht, dass sie mal zwischendurch fters die Reibeisen-Stimme auspackt, aber das hat sie sich leider fr den Schluss-Song "Day of Anger" aufgehoben bei dem in der Studioversion auch Udo Dirkschneider zu hren ist. Ach noch was, knnen sich Bands und Promoter eigentlich keine Tour-Musiker mehr leisten? Auch hier kam mal wieder das Keyboard das komplette Konzert lang konsequent von Band. Das nervt mich echt extrem mittlerweile. Klar, kann es immer vorkommen, dass der Keyboarder einer Band kurzfristig ausfllt und nicht mehr ersetzt werden kann, aber es kommt ja auch kein Orchester auf die Idee seine Streicher dauerhaft von Band einzuspielen, oder? Insgesamt ein ehrbarer und technisch guter Auftritt von Lion Twin - mehr aber auch nicht.




U.D.O. U.D.O.
U.D.O. Fragt mich bitte keiner was die Beastie Boys mit U.D.O zu tun haben, aber auf jeden Fall war "Fight For Your Right" das letzte Lied vom PC, bevor Udo die Bhne betrat. Und pltzlich war eine Mega-Stimmung im mittlerweile gut aufgeheizten JUZ Andernach und das sollte sich auch bis zum Ende des Konzerts nicht mehr ndern. Es ist schon witzig, wenn alte Jugendhelden vor einem auf der Bhne stehen, fhlt man sich sofort wieder wie 15. "Mist, ich htte doch die Kutte anziehen sollen", dachte ich bei mir. U.D.O starteten mit "Steelhammer" ("Steelhammer", 2014) und "King Of Mean" ("Steelhammer", 2014). Dann folgte als dritter Song "Future Land" ("Faceless World", 1990), was auch den ersten Hhepunkt darstellte. Nach den ersten drei Stcken konnte man Folgendes feststellen: Der Bass war etwas zu leise, genau wie die Toms, die somit bedauerlicherweise untergingen. Das nderte sich leider auch bis zum Ende nicht mehr. Dafr prsentierten sich Udo und seine Stimme in sehr gutem Zustand. Fr 62 Jahre muss man Ihnen da ohne Zweifel Respekt zollen, Herr Dirkschneider, was ich hiermit auch gerne tun mchte. Die Band spielte brigens extrem sauber, was zu einem angenehm dichten Soundteppich fhrte. Das hat fein gerockt, sage ich euch. Udo ist nicht gerade bekannt dafr durch eine groe Bhnenshow aufzufallen, aber der Mann hat sein Publikum im Griff und das war auch an diesen Abend der Fall. Das Publikum sang bereitwillig mit und brllte: "U.D.O.". Aber hatten wir nicht eben das Thema Keyboarder? Auch hier spielt es eine Rolle, wenn auch nur eine Untergeordnete. Mangelnden Einsatz konnte man dem Organisten sicher nicht vorwerfen und das obwohl das Tasteninstrument kaum zu hren war und eher nur eine Fllfunktion innehatte. Der lange Kerl spielte sich in einen wahren Rausch und trug damit definitiv auch zur Erheiterung der anwesenden Fans bei. Musikalisch, fand ich, ergab es ehrlich gesagt nur wenig Sinn. Denn wirklich gebraucht wurde er nur beim Intro fr "Metal Machine" (Steelhammer, 2014) etwa zur Hlfe des Konzertes und dann auch bis zum Ende nicht mehr. Vielleicht sollten Lion Twin und U.D.O mal ber eine Musiker-Ausleihe nachdenken...ist ja nur so ein Gedanke...beim Fuball gibt es sowas ja auch. Um 23:25 Uhr ging dann das 21 Lieder starke Set mit "Fast As A Shark" zu Ende. Kritikpunkte gab es kaum welche, denn U.D.O. haben alles, was man fr ein gutes Live Power Metal Konzert braucht, abgeliefert. Einzig die etwas klischeehaften Gitarren- und Schlagzeug-Soli htte man sich vielleicht sparen knnen. Denn, wenn man ehrlich ist, sind die meist sowieso nur Show und sagen ber das Knnen der Musiker rein gar nichts aus und das war an diesem Abend ja durchaus vorhanden. Es gab auch vereinzelte negative Stimmen, denen die Setliste mit zu vielen neuen Liedern gespickt war. Aber am Ende schaute man im Publikum berwiegend in zufriedene Gesichter. Nach dem Konzert bat ich eine gute Freundin mir Synonyme zu nennen, die sie mit dem Konzert in Verbindung bringen wrde. Sie gab mir folgende Aufzhlung: Berauschend, sensationell, ausgezeichnet, brillant und grandios... Ich denke das kann man dann auch mal so stehen lassen und mit einem Augenzwinkern und einem leichten Schmunzeln als Kompliment an U.D.O. weiterleiten. Abschlieend bleibt noch festzuhalten, dass ich mit meinem Haarausfall-Problem brigens definitiv nicht alleine bin. YES !

(Mario)

SETLIST U.D.O :

  • 1. Steelhammer
  • 2. King Of Mean
  • 3. Future Land U.D.O.
  • 4. Cry Of Nation
  • 5. Haert of Gold
  • 6. They Want War
  • 7. Never Cross My Way
  • 8. Stranger
  • 9. Story True
  • 10. In The Darkness
  • 11. Azrael
  • 12. No Limits
  • 13. Mean Machine
  • 14. Devils Bite
  • 15. Go Back to Hell
  • 16. Timebomb
  • 17. Holy
  • 18. Metal Heart
  • 19. I am Rebel
  • 20. Balls
  • 21. Fast As A Shark

Die Setlist von U.D.O. war im Gegensatz zu frheren Touren vollkommen umgekrempelt und prsentierte alte U.D.O. plus jede Menge neuer Lieder von "Steelhammer" . Insgesamt htte das so keiner erwartet. Dafr gab es kaum Accept Lieder was durchaus legitim ist. Ich persnliche habe trotzdem vereinzelte Kracher wie "Independence Day", "Vendetta" oder "Man And Machine" vermisst. Verstehen kann ich die neue Setlist jedoch: Man will ja nicht jedes Jahr das Gleiche spielen, vor allen Dingen wenn man so viele Alben drauen hat. Die beiden neuen, recht jungen Gitarristen haben sich gut in die Band integriert und waren spieltechnisch super. (Thorsten Dietrich)












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